Monthly Archives: May 2013

Die besten Krimi-Cover im Mai

(c) Heyne

(c) Heyne

Im Mai ist mir die Wahl leicht gefallen. Das beste Krimi-Cover des Monats ziert “Gun Machine” (Heyne) von Warren Ellis. Die Lektüre des Buches habe ich gerade begonnen und eines lässt sich schon jetzt sagen: Ellis schreibt unkonventionell. Den Graphic Novelist, der er eigentlich ist, kann er nicht verleugnen. Das wird sicher nicht jedermanns Sache sein, liest sich aber erfrischend. Mal sehen, ob sich das über 380 Seiten halten lässt. Da es in dem Buch um Waffen geht, war es also naheliegend, eine Waffe auf das Cover zu bringen. Dem Verlag ist das in diesem Fall aber aus meiner Sicht sehr gut gelungen. Inhalt, Titel und Cover passen gut zusammen. Im Geschäft hätte ich da sofort hingegriffen…

(Heyne)

(Heyne)

Auf Platz zwei reihe ich “Gute Nacht” (Heyne) von John Verdon. Versuchte es der Verlag bislang mit eher nichtssagenden Cover-Varianten (“Die Handschrift des Todes”, “Schließe deine Augen”), auf denen Blutspritzer zu sehen sind, erscheint das aktuelle Titelbild nun weit rätselhafter und strahlt auch eine gewisse Bedrohlichkeit aus. Meine Neugierde ist zwar geweckt, allerdings schreckt mich der im Verlagstext erwähnte Serienkiller erheblich ab. Ich werde daher wohl die Finger davon lassen.

(c) Dumont

(c) Dumont

Nicht die Finger lassen werde ich von “Stiller Zorn” (Dumont) von James Sallis, einem der besten zeitgenössischen Krimiautoren überhaupt. Sein minimalistischer Stil war für mich zwar anfänglich gewöhnungsbedürftig, hat mich aber mittlerweile mehr als überzeugt. “Stiller Zorn” ist der Auftakt zur Serie rund um den schwarzen Privatdetektiv Lew Griffin. Das Buch ist erstmals 1999 unter dem Titel “Die langbeinige Fliege” auf Deutsch erschienen. Insgesamt gibt es sechs Teile, aber nur die ersten beiden wurden übersetzt.

(c) Dumont

(c) Dumont

Wie schon bei der Neuauflage der Washington-Trilogie von George Pelecanos (siehe Beispiel: “Eine süße Ewigkeit”) ist dem Verlag Dumont die optische Auffrischung bei der Lew-Griffin-Serie äußerst gelungen. Das wirkt sehr atmosphärisch. Das sind Bücher, die man einfach gern im Regal stehen hat – das konnte man von der ersten Ausgaben nicht unbedingt sagen.

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Joe R. Lansdale: Dunkle Gewässer

(c) Tropen

(c) Tropen

Das Beispiel Joe R. Lansdale zeigt gut, dass Kriminalliteratur und Literatur nicht wirklich zu trennen sind. Es gibt einfach gute und schlechte Bücher. Und gute und schlechte Autoren. Punkt. Lansdale ist auf alle Fälle ein außergewöhnlich guter Autor, der sich um Genre-Grenzen ohnehin nicht schert. Und sein aktueller Krimi “Dunkle Gewässer” ist ebenfalls außergewöhnlich gut. Das zeigt sich bereits beim ersten Satz, wie ich hier schon eimal erwähnt habe – und hält 320 Seiten lang an. “Dunkle Gewässer” ist eine bluttriefende Noir-Interpretation des Mark-Twain-Klassikers Huckleberry Finn, den ich übrigens für eines der besten literarischen Werke überhaupt halte, obwohl es gern als Jugendbuch eingeordnet wird.

Worum geht es in dem Buch, das in der Zeit der Großen Depression in den USA spielt? Ich zitiere mich dazu kurz selbst: In Lansdales Buch stirbt die Hoffnung gleich zu Beginn: in Gestalt von May Lynn, dem schönsten Mädchen der Gegend. Sie träumte von einer Karriere in Hollywood, das in den 1930er-Jahren wie ein magischer Ort, eine Art Oz, erschienen sein muss. Doch ihre Freunde Sue Ellen, Terry und Jinx finden, dass die Tote etwas Besseres verdient hat, und wollen ihre Asche in Hollywood verstreuen. Als sie sich auf die Suche nach der Beute aus einem Banküberfall machen, beginnt ihre verhängnisvolle Reise entlang des Sabine River.

Was mich an “Dunkle Gewässer” am meisten begeistert hat, ist die Erzählkraft des Autors. Er versteht es, Bilder zu schaffen, mit Sprache kreativ umzugehen und Charaktere innerhalb nur weniger Seiten so zu erschaffen, dass man sie lange bei sich behält. Es macht wirklich Spaß, dem Autor von Seite zu Seite zu folgen. Da ist kein Wort zu viel oder ungewollt. Der Text fließt – wie der oben erwähnte Sabine River – auf sein dramatisches Ende zu.

Ich will Lansdale kurz zitieren, um zu zeigen, wie traumwandlerisch er sein Handwerk versteht: “May Lynn hatte keine Mama mehr, weil ihre Mama sich im Sabine River ertränkt hatte. Sie war zum Fluss runtergegangen, um Wäsche einzuweichen, aber stattdessen hatte sie sich ein Hemd um den Kopf gewickelt und war reingelaufen, bis das Wasser über ihr zusammenschlug”, heißt es zu Beginn des zweiten Kapitels. Wenige Zeilen später verknüpft der Autor das mit dem Schicksal von May Lynns Vater: “May Lynn hat oft erzählt, dass ihr Vater nicht mehr derselbe war, nachdem ihre Mutter sich ertränkt hat. Ihrer Meinung nach lag das daran, dass sie sich dabei sein Lieblingshemd um den Kopf gewickelt hatte. Wahre Liebe kann man da nur sagen.” Wie Lansdale hier eine tragische Geschichte mit nur wenigen Sätzen erzählt, zeugt von seiner Meisterschaft. Die Frau hat sich nicht einfach nur umgebracht, sondern hat mit der Wahl des Hemdes auch noch ein Zeichen gesetzt… Er tut es zudem mit einem humorvollen Unterton, der aber niemals deplatziert wirkt. Ähnlich begeistert war ich zuletzt nur von Don Winslow.

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Mir persönlich ist die Geschichte nur manchmal doch ein wenig zu blutig – da kann Lansdale einfach seine Vorliebe für das Trashige des Horrorgenres nicht verhehlen. Auch die unheimliche Figur des Skunk hätte ich nicht unbedingt gebraucht.

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Ansonsten aber freue ich mich schon auf mein nächstes Lansdale-Buch: Die Taschenbuch-Ausgabe von “Kahlschlag” (zur Rezension von zeilenkino.de) habe ich bereits im Regal stehen und im Juni erscheint “Gluthitze” ebenfalls als Taschenbuch.

Joe R. Lansdale: “Dunkle Gewässer”, übersetzt von Hannes Riffel, Tropen, 320 Seiten.

9 von 10 Punkten

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Cathi Unsworth: Opfer

(c) suhrkamp nova

(c) suhrkamp nova

In dem englischen Küstenort Ernemouth hat in den 1980er Jahren ein grausamer Ritualmord die Idylle zerstört. Zwanzig Jahre später kommt der Privatdetektiv Sean Ward in die Stadt, um die Ermittlungen wieder aufzunehmen. Das ist die Ausgangssituation in dem Kriminalroman “Opfer” der Britin Cathi Unsworth. Und es hat einen guten Grund, warum Unsworth den Ort Ernemouth erfunden und nicht eine echte Stadt gewählt hat. Denn schon bald wird klar, dass hinter der Fassade des netten, kleinen Ernemouth die Hölle auf Erden steckt – zumindest für viele Jugendliche. Kaum etwas ist so, wie es auf den ersten Blick scheint.

Unsworth hat einen atmosphärisch dichten Spannungsroman geschrieben, der mit interessanten Charakteren aufwartet. Von Ermittler Sean Ward, einem ehemaligen Polizisten, würde man gern mehr lesen. Dabei steht er nicht unbedingt im Zentrum der Handlung. Es sind vor allem die Jugendlichen, mit denen man mitfiebert. Spannend ist hierbei auch, welche Rolle Unsworth der Musik und deren Bedeutung für Pubertierende zukommen lässt. Als ehemalige Musikredakteurin (“Sounds”, “Melody Maker”) hat sie dafür wohl auch ein Faible. Immer wieder beschreibt sie etwa Plattencover, ohne die Band zu nennen, die sich dahinter versteckt. Erst mit Hilfe der Danksagung konnte ich so ein entscheidendes Album entschlüsseln. Ein Krimi auch abseits der gedruckten Seiten also – das gefällt mir.

Daniel Haas von “Deutschlandradio” schreibt über “Opfer”: “Dass Familie dabei der Ort maximaler Nähe, aber auch der des maximalen Grauens ist, diese Lektion ist nicht neu. Aber im Medium des Kriminalromans bekommt sie noch einmal eine bestürzende Wucht.”

Neben den Leiden des Erwachsenwerdens geht es aber auch um das korrupte System einer Kleinstadt, das Unsworth gekonnte seziert. Überhaupt spürt man, dass Unsworth ihr Handwerk versteht. Dass man als Leser sehr lange nicht weiß, wer eigentlich das Opfer ist, erzeugt Spannung, wirkt gleichzeitig aber auch nicht gekünstelt oder konstruiert.

Cathi Unsworth: “Opfer”, übersetzt von Hannes Meyer, suhrkamp nova, 382 Seiten.

8 von 10 Punkten

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Ian Rankin plaudert aus dem Nähkästchen

Ich habe den schottischen Autor Ian Rankin ja erst kürzlich und reichlich spät mit “Mädchengrab” entdeckt (mehr dazu…). Nun bin ich über einen Artikel in der “Daily Mail” gestolpert. Darin gibt Rankin zehn Tipps, wie man einen guten “Whodunit”-Krimi schreibt. Dass ich mit diesem Subgenre so meine Probleme habe, habe ich hier schon erwähnt. Umso gespannter war ich auf seine Meinung.

(c) Manhattan

(c) Manhattan

Und ich muss sagen, Rankin begeistert mich immer mehr. Denn er schreibt: “The ‘whodunit’ aspect of the story is the least interesting part for me – and it doesn’t bother me if people work it out on Page One. I’m more interested in what the crime tells us about ourselves and the society we live in. So it’s not a game I’m playing with the reader; I’m approaching things as a straight novelist.” Er sieht das also genau so wie der deutsche Krimiautor Horst Eckert, den ich erst in meinem letzten Eintrag folgendermaßen zitiert habe: “Beim Schreiben möchte ich anhand meiner Figuren erforschen, wie wir Menschen ticken, was extreme Situationen aus uns machen können und wie wir uns darin verhalten.”

(c) Goldmann

(c) Goldmann

Rankin verrät in dem Artikel aber auch noch einige andere interessante Dinge über das Krimischreiben: Zum Beispiel kann zu viel Recherche vor dem ersten Entwurf hinderlich sein. Am meisten stolz ist er auf sein Buch “Das Souvenir des Mörders” (“Black & Blue”). Die Bücher davor seien Fingerübungen gewesen, aber erst mit seinem achten Rebus-Roman sei er zur Überzeugung gelangt, vom Krimischreiben tatsächlich leben zu können.

(c) Scherz

(c) Scherz

Er zollt auch Kollegin Gillian Flynn und vor allem ihrem Buch “Gone Girl” (erscheint im August erstmals auf Deutsch und zählt für mich zur diesjährigen Pflichtlektüre) Respekt: “As a crime writer, I looked at it, and I looked at it again, and asked myself, ‘How did she do this? How did the author pull off this brilliant twist without my seeing it coming?’” Ein guter Kriminalroman zeige einem zudem einen Teil der Welt, wie man ihn bisher so nicht gesehen hat. Ruth Rendell nennt er in diesem Zusammenhang als Meisterin.

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“Schwarzlicht” von Horst Eckert kommt im Herbst

Twitter ist schon toll: Da entdecke ich einen neuen Follower (@Kriminalinski) und erfahre dort, dass im Herbst der Roman des deutschen Krimiautors Horst Eckert auf den Markt kommt. “Schwarzlicht” soll er heißen. Eckert hat 2011 mit “Der Schwarze Schwan” einen der besten Krimis geschrieben, die sich mit der Finanz- und Wirtschaftskrise befassen (zu meiner Kurzkritik von damals). Ich habe Eckert damals auch per E-Mail kurz interviewt, für alle die es interessiert. Nur hier ein kurzes Zitat von damals: “Ein guter Krimi unterhält nicht nur spannend, sondern führt auch in die Abgründe der menschlichen Seele und die verborgenen Ecken der Gesellschaft.”

(c) Grafit

(c) Grafit

Und auf der eben entdeckten Blog-Seite kriminalinski sagt er: “Für mich ist – im Unterschied zu vielen Kollegen – Mord keine lustige Unterhaltung, sondern ein Beweis dafür, dass das Böse in uns steckt. Beim Schreiben möchte ich anhand meiner Figuren erforschen, wie wir Menschen ticken, was extreme Situationen aus uns machen können und wie wir uns darin verhalten.” Ich finde das wichtig und nicht selbstverständlich, denn allzu oft geht es im Krimi-Genre einfach um “lustiges” Morden, das so blutig wie möglich sein soll, nur um Grenzen auszureizen.

Seine kurze Beschreibung, worum es in “Schwarzlicht” gehen soll, klingt schon mal vielversprechend: “In ‘Schwarzlicht’ ist das Mordopfer ein Ministerpräsident und trägt Züge von Uwe Barschel oder Christian Wulff.” Ich bin wirklich gespannt auf das neue Buch dieses Krimi-Ausnahmetalents.

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15 Dinge, die nichts in einem Krimi verloren haben

(c) Suhrkamp Nova

(c) Suhrkamp Nova

Ich mag den irischen Autor Adrian McKinty, seit ich sein Buch “Der sichere Tod”, den Auftakt zu seiner sogenannten Dead-Trilogie, gelesen habe. Mit “Ein letzter Job” hat er mich voriges Jahr auch nicht enttäuscht. Er zählt zu jenen wenigen Krimiautoren, auf deren Neuerscheinungen ich wirklich schon warte. Und bald ist es so weit: Im Juni kommt “Der katholische Bulle”, Auftakt zu seiner Serie rund um Detective Sergeant Sean Duffy in die Buchgeschäfte.

Unabhängig davon schreibt McKinty einen der interessantesten Blogs, der von einem Krimiautor verfasst wird. Unter dem Motto “The Psychopathology of Everyday Life” lässt er seinen Gedanken freien Lauf – auch zu seinem Genre. Und da hat er nun in seinem aktuellen Beitrag wieder einmal ins Schwarze getroffen: Er zählt darin 15 Dinge auf, der er am liebsten aus der zeitgenössischen Kriminalliteratur verbannen würde:

1. Clever serial killers
2. Stupid serial killers
3. Child Murderers
4. Serial Rapists
5. Everything from Scandinavia
6. Torture Porn
7. Working class stereotypes
8. Architects
9. Gallery owners
10. Books with recipes
11. Detectives baffled by basic scientific facts/mathematics
12. Detectives who solve crimes with magic or fairy dust (Lizbeth Sallander, the BBC’s Sherlock etc.)
13. Detectives who solve crimes with cats
14. Cops who haven’t heard of Ernest Hemingway or other basic elements of contemporary culture (this is an extension of #7 above).
15. Super villains.

Vor allem bei den Punkten 1 bis 4, 6 und 15 spricht er mir total aus der Seele. Wenn ich Serienmörder höre, schrillen bei mir die Alarmglocken. Das war wohl auch ein Grund, warum es so lange gedauert hat, bis ich das erste Buch von Ian Rankin gelesen habe. Aber Rankin schreibt auch keine klassischen Serienmörder-Krimis, wie auch meine Besprechung von “Mädchengrab” zeigt. Mit dem ausgezeichneten “Das Schweigen der Lämmer” von Thomas Harris habe ich jedenfalls meinen persönlichen Serienmörder-Bedarf gedeckt. Zu Punkt 5: Irische und schottische Krimis ziehe ich Schweden-Krimis vor, mit denen ich noch nicht so richtig warm geworden bin – aber das ist halt Geschmackssache. Und diese Super-Bösen (Punkt 15) halte ich auch gar nicht aus. Das hat mir zuletzt auch das sonst ziemlich geniale “Das eiserne Haus” von John Hart ein wenig vermiest…

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Ian Rankin: Mädchengrab

(c) Manhattan

(c) Manhattan

17 John-Rebus-Romane hat der Schotte Ian Rankin geschrieben und sich damit Kultstatus erarbeitet. Der Autor musste seine Figur aber erst nach fünfjähriger Pause wiederauferstehen lassen und den 18. Band seiner Reihe schreiben, ehe ich es nun geschafft habe, mit “Mädchengrab” meine Rankin-Rebus-Premiere zu feiern. Und ich muss zugeben: Ich bin begeistert. Das Buch mag sich zwar nicht genial auflösen, aber ich habe selten ein derart atmosphärisch dichtes Werk gelesen, das auch mit gekonnter Charakterzeichnung auftrumpft. Rankin ist weit weg von der schwedischen Krimi-Tristesse, mit der ich persönlich meine Probleme habe. Da schwingt auch immer wieder feiner Humor einer Art durch, wie ihn wohl wirklich nur Briten haben.

Ein kurzer Exkurs: Besonders hervorheben will ich hier auch die Übersetzerin Conny Lösch, die bereits einige Werke von Don Winslow, aber auch “Crime Machine” von Howard Linskey übersetzt hat. Ich würde sogar sagen: Ein Buch, das Lösch übersetzt hat, kann man eigentlich blind kaufen. Ich habe noch keines gelesen, das nicht gut war. Ich werde daher demnächst hier auch mal einen Beitrag über die Bedeutung von Übersetzern am Beispiel Lösch schreiben.

Nun aber zurück zu Rankin und Rebus. Das Buch ist dem 2011 verstorbenen Folk-Sänger Jackie Leven, einem guten Freund Rankins, gewidmet. Das spiegelt sich auch im Originaltitel “Standing in Another Man’s Grave”, eine Anspielung an einen Levin-Songtitel, wieder. Wenn Rebus am Beginn des Buches am Rand eines Grabes steht, ist das ein wenig wohl auch eine literarische Verbeugung Rankins vor seinem singenden Freund. Übrigens wird sich auch der Titel von Rebus-Roman Nummer 19 – der im November 2013 auf Englisch erscheint – auf einen Song von Levin beziehen: “Saints of the Shadow Bible”.

Zur Handlung: Der ehemalige Detective Inspector John Rebus ist in Rente gegangen. In einer “Cold Case”-Abteilung der Polizei geht er aber ungelösten Fällen nach. So stößt er auch auf den Fall vier verschwundener Mädchen. Im Zuge der Ermittlungen hat Rebus auch mit seiner ehemaligen Kollegin Siobhan Clarke zu tun, die ihm hilft, obwohl sich das für ihre Karriere eher als hinderlich erweist. Ein großer Teil des Charmes des Buches wurzelt in der spannungsgeladenen Beziehung zwischen Rebus und Clarke – Rankin-Fans wissen sicher viel mehr über die Entwicklung und die Geschichte der beiden. Man kann das aber auch ganz gut lesen, ohne die Vorgeschichte zu wissen.

Rankin hat zudem den internen Ermittler Malcolm Fox, der korrupten Polizisten das Handwerk legt, in die Handlung von “Mädchengrab” eingebaut. Nachdem Rankin Rebus in Rente geschickt hatte, erschuf er mit Fox eine neue Figur. Nun führt er diese beiden zusammen. Fox bleibt aber ziemlich farblos, die Sympathien liegen ganz eindeutig bei Rebus.

Rankin hat mit “Mädchengrab” einen packenden Krimi mit viel Lokalkolorit, dichter Atmosphäre und glaubwürdigen Charakteren geschrieben. Das Buch mag zwar nicht sein Meisterwerk sein, aber aus der Krimi-Publikationsflut strahlt es immer noch wie ein Leuchtturm hervor. Für mich steht fest: Das war sicher nicht mein letzter Rankin-Roman und auch nicht mein letzter Rebus-Roman. Da ich Rankin aber noch von anderen Seiten kennenlernen will, habe ich mir “Bis aufs Blut” (geschrieben als Jack Harvey) bestellt. In dem Buch steht ein Killer im Zentrum der Geschichte.

Einziger Kritikpunkt: Das Cover mit dem toten Vogel steht in keinem Zusammenhang mit dem Buch. Ich zitiere dazu aus der Rezension der Krimibuchhandlung Hammett, die es auf den Punkt bringt: “Wieder ein toter kleiner Vogel auf weißem Grund, natürlich noch mit ein paar Blutstropfen drapiert. Warum nur? Warum sind die Covergestalter seit Jahren nur so von diesen Tieren besessen?”

Ian Rankin: “Mädchengrab”, übersetzt von Conny Lösch, Manhattan, 507 Seiten.

8 von 10 Punkten

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