Monthly Archives: January 2017

Krimis, die man 2017 lesen sollte (I)

Zwei im Jänner erschienenen Krimis habe ich bereits gelesen und hier vorgestellt: Bernhard Aichners “Totenrausch” und Jerome Charyns “Winterwarnung”. Daher ist die Liste diesmal eher kurz.

(c) Penguin

(c) Penguin

Stephan R. Meier geht mit einem dystopischen Krimi an den Start. “Now. Du bestimmst, wer überlebt” zeigt, was passieren kann, wenn Algorithmen über unser Leben bestimmen.

Der Verlag schreibt: Ein Mann streunt durch dichte Wälder, immer auf der Flucht vor herannahenden Drohnen, die seinen Tod bedeuten können. Sein Name ist Spark. Noch vor Kurzem wurde sein Leben von dem intelligenten Algorithmus NOW geregelt, und Spark hatte alles: Gesundheit, Sex, Nahrung. Doch dann entdeckte er, was hinter dem Tod seines Vaters steckt. Wie gefährlich die Allmacht NOWs ist. Und dass die Frau, die er liebt, verstoßen wurde – dorthin, wo jeden Tag das nackte Überleben auf dem Spiel steht. Damit beginnt Sparks Kampf. Für die Zukunft der Welt. Für die Liebe seines Lebens.

(c) Emons

(c) Emons

Larry Beinharts Roman-Erstling “No one rides for free” (aus dem Jahr 1986) ist endlich wieder auf Deutsch erhältlich. Das Buch erhielt den Edgar Allan Poe Award für den besten Erstling eines Krimiautors. Applaus für den Emons-Verlag!

Privatdetektiv Tony Cassella soll die Aussage eines Anwalts aufnehmen, der über die miesen Machenschaften seines eigenen Berufsstands auspacken will. Doch dazu kommt es nicht, denn der Mann liegt tot auf einem Parkplatz. Tony muss die Lügen der Vergangenheit aufdecken und die ehrenwerten Männer, die jeden Preis zu zahlen bereit sind, um die Vergangenheit ruhen zu lassen, aus dem von ihnen bevorzugten Halbdunkel ans Licht der Öffentlichkeit zerren.

(c) Zsolnay

(c) Zsolnay

Peter May ist für mich ein blinder Fleck. Dieser Autor gilt als außergewöhnlich gut. Ich möchte mich mit “Moorbruch” davon überzeugen. Achtung: Das Buch ist das Ende seiner Lewis-Trilogie, Teil eins und zwei kenne ich nicht.

Siebzehn Jahre sind vergangen, seit Roddy Mackenzie, Leader der Band Amran, mit seinem Flugzeug verunglückte und verschollen blieb. Ein halbes Leben später ist Fin Macleod, früher Roadie der Band, zurück auf der Hebrideninsel Lewis. Im Auftrag eines Gutsbesitzers bekämpft er Wilderer. Doch der Erste, den Fin zur Strecke bringen soll, ist ausgerechnet sein alter Freund Whistler. Die beiden werden Zeugen eines Moorbruchs, der das Wrack von Roddys Flugzeug zu Tage befördert. Fin erkennt an Whistlers Reaktion sofort, dass etwas nicht stimmt. Dabei ahnt er noch nicht, dass es gar nicht Roddys Leiche ist, die sie gefunden haben … Ein packender literarischer Krimi aus Schottland.

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Der Krimi im digitalen Zeitalter

(c) KiWi

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Der Kriminalroman in Zeiten der Digitalisierung. Was lässt sich darüber sagen? Ich habe mir ein paar Gedanken dazu gemacht.

Tom Hillenbrand hat 2014 mit “Drohnenland” einen der besten deutschen Kriminalromane der letzten Jahre geschrieben. Vieles, was mir darin vor zwei Jahren noch allzu futuristisch erschien, erscheint zwei Jahre später schon allzu vorstellbar (dass er damals bereits den Brexit thematisierte sei auch erwähnt). Am meisten hat mich an Hillenbrands Buch aber fasziniert, dass er aufzeigt, dass es selbst in einer perfekt überwachten, durchdigitalisierten Welt immer Schlupflöcher geben wird. Dass irgendwann alle Verbrechen verhinder- oder lösbar sein werden, das ist eine Illusion. Gut so, sonst könnte man den Kriminalroman abschaffen oder nur mehr in historischem Setting spielen lassen!

Am stärksten geht der Future Noir auf die digitale Entwicklung ein – in dystopischen Szenarien wie in “Drohnenland”, aber auch in Adam Sternberghs “Feindesland”, Nathan Larsons “2/14” oder Gudrun Lerchbaums “Lügenland”. Natürlich gibt es auch viele Techno-Thriller, hier seien besonders die Bücher von Marc Elsberg zu erwähnen – “Blackout”, “Zero” und nun “Helix”.

Natürlich spielen Soziale Medien, Smartphones und sich ständig verändernde Alltagswelten zunehmend auch in vielen Kriminalromanen immer öfter eine Rolle. Da kommt auch Dinosaurier Jack Reacher nicht aus. Mein Eindruck mag täuschen, aber gleichzeitig gibt es auch einen Boom historischer Kriminalromane, die man als eine Art Gegentrend deuten kann. Während man also auf der einen Seite fasziniert von den technischen Neuerungen ist, steigt offenbar auch das Bedürfnis, frühere Welten ohne all den digitalen Firlefanz zu verstehen.

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Wie war das damals in den 1980er Jahren – oder auch in den 1880er Jahren? Auch hier hat der moderne Kriminalroman viel anzubieten. Erwähnt seien die Trilogien von William Shaw (“Abbey Road Murder Song”, “Kings of London”, “History of Murder”) und Lyndsay Faye (“Der Teufel von New York”, “Die Entführung der Delia Wright”, “Das Feuer der Freiheit”). Philipp Kerr sei hier ebenfalls nicht vergessen. Und auch “Der Kaffeedieb” von dem bereits erwähnten Tom Hillenbrand, ein historischer Krimi, der Ende des 17. Jahrhunderts spielt.

Vielleicht erklärt sich auch der aktuelle Trend zum Country Noir ein wenig damit. Hier hält die Technik nur langsam Einzug, thematisiert wird das etwa in Benjamin Whitmers Krimi “Nach mir die Nacht”. Wo lässt sich besser unauffällig morden? Wo verschwinden Menschen einfach spurlos und werden womöglich irgendwo vergraben? Am besten geht das halt am Land, wo es nicht um jede Ecke einen unliebsamen Zeugen gibt. Mit Idylle ist es da nicht weit her. So gesehen ist der Country Noir so etwas wie die Wiege des modernen Kriminalromans. Hier sind die Uhren der Zeit stehen geblieben und die menschlichen Triebe bleiben immer die gleichen. Abseits des Lichts der Großstadt stirbt es sich so düster, hinterhältig, banal, schmutzig und brutal wie sonst nirgendwo.

Überhaupt habe ich den Eindruck, dass die Zeit der klassischen Großstadt-Krimis ein wenig vorbei ist. Natürlich gibt es da immer noch Michael Connellys L.A.-Krimis, aber dann wird es recht rasch dünn (vielleicht lese ich aber auch nur das falsche Zeugs!).

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Jerome Charyn: Winterwarnung

(c) Diaphanes

(c) Diaphanes

Meine erste literarische Begegnung mit Jerome Charyn gestaltete sich vor drei Jahren wenig zufriedenstellend. Ich konnte mit seinem Buch “Unter dem Auge Gottes”, dem elften Band der Isaac-Sidel-Reihe, wenig anfangen. Mir war das zu surreal und chaotisch. Ich war ratlos, wie man meinem Text von damals gut entnehmen kann. Kurz darauf hatte ich das dann noch einmal präzisiert, weil mich ein Posting von Thomas Wörtche weiter zum Nachdenken brachte. “Dieser Charyn ist für mich ein Rätsel und genau deshalb werde ich in nächster Zeit bestimmt noch mehr von ihm lesen. Vielleicht war ich für seinen Stil noch nicht bereit, vielleicht werde ich es aber auch nie sein”, schrieb ich.

Tja, nun bin ich offenbar bereit für Charyn, denn “Winterwarnung”, Band zwölf der Sidel-Reihe, hat mir die Augen für diesen außergewöhnlichen Autor geöffnet. Ich habe verstanden: Nicht immer muss Realismus Trumpf sein. Vielleicht liegt es daran, wie sich die Welt momentan präsentiert. Denn Charyns neues Buch bildet, obwohl vollkommen fantastisch, die Realität viel besser ab als manch hyperrealistischer Politthriller. Gerade in Zeiten, in denen Irrationalität in der Politik vorzuherrschen scheint, machen Charyns Bücher die Welt begreifbar.

“Wissen Sie, wie viele Bösewichter ich umlegen musste, um dort hinzukommen, wo ich jetzt bin?”

Ein US-Präsident, der mit einer Glock im Hosenbund herumläuft? Ein US-Präsident, der seinen Piloten sowie dessen Sohn bei sich im Weißen Haus einquartiert? Das hätte man bis vor Kurzem für undenkbar gehalten. Doch mittlerweile scheint nichts mehr unmöglich. “In mehr als fünfzig Jahren des Schreibens bin ich nicht auf so etwas Wahnsinniges gekommen”, sagte Charyn 2013 in einem Interview mit der “Zeit” im Zusammenhang mit dem sogenannten Shutdown, also der Totalblockade des öffentlichen US-Haushalts. Da stellt sich schon die Frage: Was würde Charyn angesichts der Inauguration von Donald Trump sagen?

Worum es geht? Sidel hat sich in der wohl außergewöhnlichsten Crime-Saga in der Geschichte der Kriminalliteratur die Karriereleiter vom einfachen Polizisten emporgekämpft. Er war Polizeichef und Bürgermeister von New York, ehe er nun in Band zwölf zum mächtigsten Mann der Welt aufstieg. Charyn vermischt in seinem Buch, das im Jahr 1989 spielt, Gorbatschow, russische Mafia, groß angelegte Geldfälschung zur Destabilisierung von Währungen, den israelischen Geheimdienst und noch vieles mehr zu einem absurden und vollkommen ausufernden Mix. Der Autor folgt keinen Regeln, lässt seine Geschichte unreguliert mäandern. Charyns Logik ist kaum zu fassen, seine Bücher schaffen schlichtweg eine eigene Welt.

“Ich bin ein Cop, der rein zufällig hier ist.”

Ich mag es dennoch weiterhin am liebsten geradlinig und realistisch, daran wird sich sobald auch nichts ändern. Dennoch hat mich die Lektüre von “Winterwarnung” sehr bereichert. Denn letztlich bleibt mir die Erkenntnis: Es hat eine Weile gedauert, aber nun habe auch ich erkannt, wer gern abtauchen und dann zwischen all dem Unvorstellbaren und Verwirrenden, Humorvollen und Komischen plötzlich viel Wahrheit entdecken will, der ist bei Jerome Charyn richtig.

7 von 10 Punkten

Jerome Charyn: “Winterwarnung”, übersetzt von Sabine Schulz, Diaphanes Verlag, 328 Seiten.

 

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Deutscher Krimi Preis 2017: Max Annas und Donald Ray Pollock siegen

(c) rororo

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Die Deutschen Krimi Preise 2017 sind vergeben. Wie schon in den Jahren zuvor gab es keine großen Überraschungen. Vier der sechs ausgezeichneten Kriminalromane habe ich gelesen: Zwei der Kategorie national und zwei der Kategorie International.

“Die Mauer” hat mich dabei nicht so begeistert wie den Großteil der Krimikritiker- und blogger. Irgendetwas hat mir gefehlt, um mich restlos zu begeistern. Der Krimi ist flüssig erzählt, immer spannend und auch fein gezeichnete Charaktere. Aber ein wenig hatte ich das Gefühl, nicht wirklich tiefer einzutauchen, nur an der Oberfläche zu bleiben. “Blaue Nacht” war ebenfalls eine kurzweilige Lektüre. Hier begeisterte mich vor allem die ungewöhnliche Heldin Chastity Riley – vor allem deren eigensinnige, unbequeme und auch nicht immer ganz nachvollziehbare Art.

Sehr gespannt bin ich auf die neuen Krimis von Annas (“Illegal”, ab März) und Buchholz (“Beton Rouge”, ab August), die heuer erscheinen werden.

Sieger National:

  1. Max Annas: Die Mauer
  2. Simone Buchholz: Blaue Nacht
  3. Franz Dobler: Ein Schlag ins Gesicht

In der Kategorie International hat die Jury eine gute Wahl getroffen. Ich habe zwar Donald Ray Pollocks aktuelles Werk “Die himmlische Tafel” noch immer nicht gelesen (das schlechte Gewissen steigt wieder eine Spur), dennoch weiß ich über dessen Qualitäten spätestens seit “Knockemstiff” Bescheid. “Miss Terry” (Platz 6) habe ich ebenso wie “Bitter Wash Road” (Platz 4) zu meinen Lieblingskrimis des Jahres 2016 gezählt.

Sieger International:

  1. Donald Ray Pollock: Die himmlische Tafel
  2. Liza Cody: Miss Terry
  3. Garry Disher: Bitter Wash Road

 

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Bernhard Aichner: Totenrausch

(c) btb

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Blum und ich. Jetzt ist Schluss. “Totenrausch” ist der perfekte Pageturner, der perfekte Thriller. Schnell durchgerast, schnell erledigt. Mehr aber nicht. Blums Welt ist mir zu künstlich. Zu schwarz-weiß. Brünhilde Blum tötet ständig, weil die Bösen alle so richtig böse sind. Sie haben es verdient, zu sterben. Männer sind entweder total lieb (die sterben – allerdings nicht durch ihre Hand) oder total böse (die sterben auch – durch ihre Hand).

Bernhard Aichner hat mit der Totenfrau-Trilogie (“Totenfrau”, “Totenhaus” und nun “Totenrausch”) sein Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt, aber nun hoffe ich auf etwas Neues. Bei einem möglichen vierten Teil, der nicht ganz ausgeschlossen ist, wäre ich als Leser jedenfalls nicht mehr dabei. Ich mag seinen rasanten Stil, aber mir fehlen in der Trilogie die Zwischentöne, die aus Figuren echte Menschen machen. Aichner setzt viel auf Effekte, das liest sich eigentlich wie ein perfektes Drehbuch für eine mögliche Verfilmung. Aber mir fehlt die Tiefe, die innere Zerrissenheit. Ich nehme dieser Brünhilde Blum ihren inneren Zwiespalt nicht ab, ich kann ihn beim Lesen nicht spüren.

Auch in Scott Smiths Krimiklassiker “Ein ganz einfacher Plan” sieht sich Hauptfigur Hank damit konfrontiert, ständig töten zu müssen. Das tat beim Lesen richtig weh, weil man sich immer wieder dachte: “Ja, das hätte ich jetzt vielleicht auch gemacht”. Das fehlt mir beim abschließenden Teil der Trilogie – das Töten ist immer moralisch gerechtfertigt, weil Blums Opfer letztlich durchwegs Schweine sind. Das ist mir aber zu einfach, klischeehaft, zu glatt. Wie würde es Blum ergehen, müsste sie einen Menschen töten, der nicht einfach in die Schachtel “böse, darf sterben” passt?

Das ist natürlich meine persönliche Wahrnehmung. Handwerklich kann man Aichner überhaupt nichts vorwerfen. Thriller-Fans werden bestens bedient. Da kann man eine absolute Kaufempfehlung geben. Das ist kurzweilig, spannend, gut konstruiert. Das kann im deutschsprachigen Raum auch wirklich kaum jemand so gut. Mir ist es halt zu wenig. Ciao, Blum. Vor allem deinen Kindern wünsche ich alles Gute!

5 von 10 Punkten

Bernhard Aichner: “Totenrausch”, 472 Seiten, btb.

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Krimibestenliste seit Januar in neuem Gewand: Ein Abgleich

(c) Steidl Verlag

(c) Steidl Verlag

Die KrimiZeit-Bestenliste ist tot! Die Krimibestenliste (ab sofort zu finden unter faz.net/krimibestenliste) lebt! Ab sofort arbeitet die Krimi-Jury nicht mehr mit der “Zeit” zusammen, sondern mit der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” und “Deutschlandradio Kultur”. Grundsätzlich ändert sich nichts, 19 Krimi-Experten unter Federführung von Tobias Gohlis wählen in bewährter Manier die besten Kriminalromane des Monats. Sehr fein, dass dieses Projekt weiterlebt.

“Bogmail”, die neue Nummer eins, wurde im Original bereits 1978 geschrieben und hat den vielsagenden Beititel “Roman mit Mörder”. Angeblich geht es um Sinn und Nutzen des Mordens – das ist doch mal eine Ansage! Vom Steidl-Verlag habe ich bisher noch gar nichts gehört, immer fein, wenn neue Verlage im Krimibereich mitmischen.

Was gibt es sonst noch zu sagen? Liza Codys “Miss Terry” und Malla Nunns “Zeit der Finsternis” habe ich unter meine Lieblingskrimis 2016 gewählt. Joe Ides “IQ” drängt sich mir nun erneut auf, nachdem ich diesen Krimi fast übersehen hätte. Wie mir das passieren konnte, wo doch Conny Lösch Übersetzerin und Thomas Wörtche Herausgeber ist… Das Buch hat es daher bereits in mein Regal geschafft, auch weil Adrian McKinty das Buch am Rückentext empfiehlt.

Tana Frenchs “Gefrorener Schrei” klingt spannend, ist mir aber in diesem Fall zu dick, da lese ich lieber zwei Bücher. Und von Volker Kutscher habe ich mir nun “Der nasse Fisch”, den Auftakt zu seiner Gereon-Rath-Reihe besorgt – ich will das der Reihe nach angehen.

Die Liste im Überblick:

1. Patrick McGinley: Bogmail (Neueinstieg)
2. Liza Cody: Miss Terry
3. Franz Dobler: Ein Schlag ins Gesicht
4. Tana French: Gefrorener Schrei (Neu)
5. Malla Nunn: Zeit der Finsternis
6. Joe Ide: IQ (Neu)
7. Peter Temple: Die Schuld vergangener Tage
8. Rosamund Lupton: Lautlose Nacht (Neu)
9. Nicola Lagioia: Eiskalter Süden (Neu)
10. Volker Kutscher: Lunapark (Neu)

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Vier Jahre crimenoir!

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Wow, schon wieder ist ein Jahr um. Ich muss zugeben, ich hatte heuer Mitte des Jahres erstmals einen “Hänger”, weil ich beim Bloggen mit dem Gelesenen nicht mehr mitgekommen bin. Der zeitliche Abstand zwischen Lektüre und Rezension war teilweise zu groß. Auch weigere ich mich weiterhin beim Lesen ständig Notizen zu machen, was mir das Bloggen erschwert, mir aber andererseits teilweise den Lesespaß nehmen würde.

Das Lesen am E-Reader, dem ich lange skeptisch gegenüberstand, hat sich dabei als hilfreich erwiesen, weil man ganz einfach Bookmarks setzen kann. Und der E-Reader hilft auch bei einem weiteren Problem ganz wesentlich: Wohin mit all den (un)gelesenen Büchern?

Ich will mein vierjähriges Bestehen nutzen und wieder kurz auf die Krimitrends des vergangenen Jahres eingehen, soweit ich diese erkennen konnte:

  • Das Genre Country Noir ist momentan wichtiger denn je. Ich habe das in einem Plädoyer hier auch schon einmal kurz erklärt. Wer sich nicht länger über das “unbegreifbare” ländliche Amerika wundern will, sollte einfach mehr Krimis lesen 😉 Wer sich für US-Politik interessiert, sollte sich wohl auch auf keinen Fall den neuen Isaac-Sidel-Krimi “Winterwarnung” (ab 20. Jänner erhältlich) von Jerome Charyn entgehen lassen. Charyns Kultfigur wird im neuen Band ausgerechnet US-Präsident.
  • Der deutschsprachige Krimi ist vielseitig wie selten zuvor: André Pilz (“Der anatolische Panther”), Horst Eckert (“Wolfsspinne”), Simone Buchholz (“Blaue Nacht”), Gregor Weber (“Asphaltseele”) und Marc Elsberg (“Helix”) zeigen einerseits, wie unterschiedlich Krimi sein kann und andererseits, dass es neben glattgebügelten Erfolgsthrillern mit extragrauslichen Schockmomenten ziemlich viel guten Stoff gibt. Dass es sich dabei 2016 um kein Eintagsfliegenjahr handelt, darauf lassen schon allein die erwarteten neuen Bücher von Clementine Skorpil (“Langer Marsch”), Zoe Beck (“Die Lieferantin”), Max Annas (“Illegal”) und Norbert Horst (“Kaltes Land”) schließen.
  • Ich habe es schon mehrfach erwähnt: Aber Lawrence Blocks kriminalliterarischer Selbstverteidigungsakt zollt mir Respekt ab. Da ihn die Verlage nicht mehr übersetzen wollen, macht er das einfach mit dem Übersetzer Stefan Mommertz selbst. Mittlerweile sind schon drei Bänder der Matthew-Scudder-Reihe erschienen: “Die Sünden der Väter”, “Drei am Haken” und “Mitten im Tod”.
  • Die drei Krimi-PPP sind einfach nicht wegzudenken: Polar Verlag, Pulp Master, Pendragon. Schön, dass es euch gibt!
  • Aber auch der Suhrkamp-Verlag sticht für mich sehr positiv heraus, wie mir mein letzter Beitrag bewusst gemacht hat (das ist natürlich unverkennbar Thomas Wörtches Handschrift!).

Dann nenne ich noch drei Gründe, weshalb 2017 ein gutes Krimijahr wird:

  • Der Verlag ars vivendi könnte sich nach John Harveys 2016 erschienenem Buch “Unter Tage” im neuen Jahr gleich mit drei Büchern stark im Bereich des Krimis abseits des Mainstreams etablieren: “Hard Revolution” (ab Mai) von George Pelecanos klingt ebenso nach Pflichtlektüre wie “Auf der Jagd” (bereits ab Februar) von Tom Bouman und “Das Schattencorps” (ab April) von Bernd Ohm. Das Engagement dieses Verlages ist sehr vielversprechend.
  • Die Rückkehr von Gerald Seymour (“Vagabond”), dem britischen Großmeister des Politthrillers, kann gar nicht laut genug gefeiert werden. Jetzt, liebe Verlage, lasst uns das doch bitte auch noch mit Reed Farrel Coleman (wie wäre es etwa mit “Gun Church”?) machen!
  • Der Trailer von Ben Afflecks “Live by Night” ist vielversprechend – ich hoffe sehr auf ein Film-Highlight, das dem Buch von Dennis Lehane gerecht wird.

Abschließen will ich mit einer Frage: Wer von euch kennt Peter May und seine “Lewis”-Trilogie? Lesenswert?

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