Monthly Archives: October 2016

Gerald Kersh: Die Toten schauen zu

(c) pulp master

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Als die Nazi-Größe Reinhard Heydrich nach einem Attentat im Juni 1942 stirbt, werden Vergeltungsmaßnahmen beschlossen. Das kleine tschechische Dorf Lidice wird dem Erdboden gleichgemacht, alle männlichen Einwohner werden getötet. Nur wenige Monate später schreibt der Brite Gerald Kersh über das Schicksal des fiktiven Dorfs Dudicka, deutlich als Lidice erkennbar. Er ist nicht der einzige und nicht der prominenteste Autor. Auch der im Exil lebende Heinrich Mann versucht sich mit einer Groteske, was zu seiner Zeit aber vor allem Unverständnis auslöst. Wie könne man sich diesem Thema nur satirisch annähern, so der Vorwurf.

In ihren lesenswerten Nachbetrachtungen schreibt Angelika Müller über “Die Toten schauen zu”: “Wessen wir begegnen ist tief empfundene Empathie für die Opfer. Eine Empathie, die sich niemals im schnöden Pathos billiger Effekthascherei verliert. Und so wenig Kersh sich darin verliert, so wenig verliert er sich in einer blinden Parteinahme.”

Genau diese Einfühlsamkeit hat mich sehr beeindruckt, ebnso wie Kershs psychologisches Gespür. Er schreibt über Menschen, die in Ausnahmesituationen sekundenschnell Entscheidungen unglaublichen Ausmaßes treffen müssen. Wer bleibt sich treu, wer wird zum Verräter? Und was macht das mit den Menschen?

Kershs Roman ist eindringlich. So macht der Autor mit der Beschreibung vordergründiger Schönheit das Grauen begreifbar:

Etwas ganz Wundervolles ereignete sich in der Morgendämmerung von Dudicka. Zwei Menschen gestanden einander ihre Liebe, und als sie es taten, erblühte der Himmel wie ein Apfelbaum in einer Überfülle dahinschwebender rosafarbener Blüten.

Doch das sind keine Blumen, sondern Fallschirme, mit denen die deutschen Soldaten abspringen, um nach Dudicka vorzudringen.

Nun ist dieses Buch erstmals auf Deutsch zu lesen. Zu verdanken ist das – wieder einmal muss man sagen – dem Kleinstverlag Pulp Master, der mit Akribie unbekannte Krimiperlen aus der literarischen Versenkung holt. Zwar ließe sich in diesem Fall streiten, ob es sich überhaupt um einen Kriminalroman handelt, doch das wäre unangebracht. “Die Toten schauen zu” ist außergewöhnliche (Kriminal-)Literatur.

10 von 10 Punkten

Gerald Kersh: “Die Toten schauen zu”, übersetzt von Ango Laina und Angelika Müller, Pulp Master, 227 Seiten.

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Krimis, die man 2016 lesen sollte (VIII)

(c) Blessing

(c) Blessing

Bereits seit August sind die folgenden Krimis im Handel erhältlich. Sehr interessant vor allem aus Genre-Sicht ist Jack Londons “Mord auf Bestellung”, das anlässlich des 100. Todestags des Autors erschienen ist. Denn bei diesem Agententhriller handelt es sich zweifellos um einen der ersten seiner Art. Eigentlich darf man sich das nicht entgehen lassen.

Der Verlag schreibt: «Sie zahlen, wir morden!» lautet die Devise einer New Yorker Attentatsagentur. Einzige Bedingung: Die Liquidation des Opfers muss sozial nützlich und legitim sein … Mit «Mord auf Bestellung» brilliert der weltbekannte Abenteuerautor im Suspense-Genre. Nun erstrahlt sein wiederentdeckter Agententhriller aus dem Jahr 1910 in Eike Schönfelds Neuübersetzung.

10.000 $ für einen Polizeichef; 100.000 $ für einen zweitrangigen Monarchen; eine halbe Million für Seine Majestät, den König von England – Diskretion garantiert! Die Geschäfte der mordenden Moralfanatiker laufen prächtig, bis ein schwerreicher Philanthrop Verdacht schöpft und sie beauftragt, ihren eigenen Chef zu eliminieren: Auftakt einer Verfolgungsjagd quer durch die USA. Vor einer hawaiianischen Insel kommt es zum nalen Showdown … Dieser Agententhriller fesselt mit Dramatik, Action und spektakulären Wendungen. Zugleich wirft er hochbrisante Fragen auf: Welche Opfer darf ein Mensch im Namen einer höheren Moral in Kauf nehmen? Welcher Zweck heiligt welche Mittel? Und nicht zuletzt: Wie lässt sich eskalierende Gewalt eindämmen?

(c) Edition Nautilus

(c) Edition Nautilus

Alan Carters Krimi “Prime Cut” habe ich im Vorjahr verpasst. Mit “Des einen Freud” bietet sich nun aber erneut die Möglichkeit, diesen australischen Krimiautor kennenzulernen.

Es ist heiß in Westaustralien, und es wird noch heißer: Gordon Wellard, verdächtig des Mordes an einer vermissten 15-Jährigen, scheucht Cato Kwong durch Fremantle. Statt der angeblich vergrabenen Leiche findet Cato jedoch nur einen mit Zimmermannsnägeln gespickten Schweinekadaver. Kurz darauf wird ein Restaurantbesitzer, der kein Schutzgeld mehr zahlen wollte, mit ähnlichen Nägeln im Rücken tot aufgefunden. Der schnell ermittelte Täter kommt offenbar bei einem Buschbrand ums Leben. Doch als Cato kurz darauf entführt und mit einer Nagelpistole bedroht wird, offenbart sich, wie sehr die Polizei selbst bedroht – und verstrickt ist.

Zur gleichen Zeit untersucht Catos Kollegin Lara Sumich den Mord an dem Undercover-Cop Santo Rosetti, dem nach einem Blowjob auf der Toilette eines Nachtclubs die Kehle durchgeschnitten wurde. Ihre Ermittlungen werden jedoch manipuliert, und auch Lara selbst wird überfallen …

(c) Liebeskind

(c) Liebeskind

US-Autorin Ottessa Moshfegh dürfte eine ganz besondere Neuentdeckung sein. Während es sich bei dem dünnen Büchlein “McGlue” eher um ein Alkoholikerdrama handeln soll, wurde ihr zweites Buch “Eileen” sogar für die Short List des renommierten Man Booker Prize nominiert. Vielleicht kein Krimi im klassischen Sinn, aber spannende Literatur.

Salem, Massachusetts. Im Jahr des Herrn 1851. Der Seemann McGlue ist schwerer Trinker und sitzt im Gefängnis. Ihm wird vorgeworfen, vor Sansibar seinen besten Freund Johnson ermordet zu haben. Nur kann er sich an nichts erinnern. Was daran liegt, dass sein Schädel gespalten ist, seitdem er vor Monaten aus einem fahrenden Zug gesprungen ist, um nicht als blinder Passagier entdeckt zu werden. McGlue will sich auch an nichts erinnern, er will nur trinken. In der Nähe von New Haven hatte Johnson ihn einst auf der Straße aufgelesen und so vor dem Erfrieren gerettet. Er war es, der nach seinem Sturz für ihn sorgte, der ihn zur Handelsmarine brachte und mit ihm um die Welt segelte. Warum also sollte McGlue ihn umgebracht haben?

Ottessa Moshfegh erzählt die abgründige Geschichte eines Mannes, dessen Hass auf die Welt zu groß ist, als dass er unversehrt sein Dasein fristen kann. »McGlue« ist ein stimmgewaltiges, eindringliches Buch über das immerwährende Scheitern des Menschen, den eigenen Unzulänglichkeiten Herr zu werden. Denn zwischen Schuld und Gerechtigkeit steht immer das Leben.

(c) Wunderlich

(c) Wunderlich

Horst Eckert hat mit “Schwarzer Schwan” aus meiner Sicht einen der besten Krimis rund um die internationale Finanzkrise geschrieben. “Schwarzlicht”, der Auftakt seiner Reihe um Ermittler Vincent Veih hat mich zwar nicht ganz so überzeugt, aber dennoch ist Eckert zweifellos einer der besten Krimiautoren Deutschlands, der auch immer zeit- und gesellschaftskritisch schreibt. “Wolfsspinne” dürfte ein spannender Politthriller sein.

Ein hochbrisanter Politthriller vor dem Hintergrund von Flüchtlingszuwanderung und Pegida, der die offizielle Version zum Thema NSU infrage stellt. Es ist niemals vorbei.

Eisenach, 2011: Zwei Männer liegen tot in ihrem Wohnmobil. Sie waren Teil eines rechtsextremistischen Terror-Trios, das Deutschland Jahre lang unerkannt in Angst und Schrecken versetzt hat.
Aber was passierte wirklich? Ein Mann hat den “Nationalistischen Untergrund” für den Verfassungsschutz beobachtet. Er kennt die Wahrheit. Doch er muss schweigen.

Jahre später ermittelt der Düsseldorfer Hauptkommissar Vincent Veih im Mordfall der Promiwirtin Melli Franck. Die Spur führt ins Drogenmilieu. Aber als weitere Morde geschehen, stößt Vincent auf eine Fährte, die in die Vergangenheit weist: zur “Aktion Wolfsspinne”, die eng mit dem NSU verknüpft ist…

(c) Deuticke

(c) Deuticke

Iain Levisons außergewöhnlicher Krimi “Hoffnung ist Gift” habe ich leider nie gelesen. Mit “Gedankenjäger” hat er nun aber einen weiteren Krimi verfasst, der ganz lässig Genregrenzen sprengt. Dazu hier bald mehr.

Der Polizist Jared Snowe bemerkt bei einem Einsatz plötzlich, dass er Gedanken lesen kann. Während ihn das bei interessanten Frauen oft eher deprimiert – er weiß nun leider sofort, wenn er keine Chance hat –, profitiert er beruflich von seiner Fähigkeit und löst deutlich mehr Fälle als seine Kollegen. Nun soll er den geflohenen Mörder Brooks Denny aufspüren und zurück in die Todeszelle bringen. Snowe findet Denny mühelos, doch als sich die beiden treffen, machen sie eine überraschende Entdeckung: Sie haben beide das gleiche Schlangen-Tattoo auf der linken Schulter. Ein packender Thriller aus den USA, in dem sich die Grenzen zwischen Gut und Böse beständig verschieben.

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Eine neue vielversprechende Stimme ist auch S. Craig Zahler. “Die Toten der North Ganson Street” klingt nach interessanter Krimikost.

Die Bewohner nennen ihre Stadt Shitopia, weil es seit Langem nur bergab geht, die Kriminalitätsrate mit jedem Tag steigt und nicht einmal die Tauben sie lebenswert finden. Kein Detective tritt hier freiwillig seinen Dienst an. Hierhin wird man strafversetzt. Denn es ist die Hölle auf Erden.

Weil seine Vorgesetzten ihn für den Selbstmord eines Geschäftsmannes verantwortlich machen, muss Jules Bettinger das sonnige Arizona verlassen und mit seiner Familie ins eiskalte Missouri ziehen. Sein neuer Einsatzort ist Victory, doch die Stadt ist alles andere als ein Gewinn. Die Polizeibehörde ist sträflich unterbesetzt, auf jeden Ermittler kommen gefühlt siebenhundert Straftäter. Dennoch wird Bettinger von den neuen Kollegen alles andere als willkommen geheißen. Um mit ihnen warmzuwerden, bleibt ihm allerdings kaum Zeit: Einer nach dem anderen wird auf grausame Art ermordet …

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Sowohl William Shaws Debüt “Abbey Road Murder Song” als auch “Kings of London”, Teil zwei seiner Trilogie, haben mich begeistert. Was soll also bei “History of Murder” schiefgehen?

1969. Helen Tozer hat ihren Job bei der Polizei aufgegeben und kehrt gemeinsam mit dem schwer verletzten Detective Sergeant Cathal Breen auf die Farm ihrer Familie in Südengland zurück. Ein Ort mit einer furchtbaren Vorgeschichte: Fünf Jahre zuvor wurde Alexandra Tozer, Helens Schwester, hier ermordet. Breen, dem ursprünglich Nichtstun und Erholung verordnet wurden, verbeißt sich in den ungelösten Fall, und er entdeckt schnell, dass die Tozers nie die ganze Wahrheit über Alexandras Tod erfahren haben …

William Shaws packender Krimi führt uns ins England der 60er Jahre. Eigentlich sucht das Ermittlerduo Helen Tozer und Cathal Breen Ruhe auf dem Land, doch als Breen einen alten Mordfall wieder aufrollt, stört er damit den Täter von damals auf. Der schreckt vor nichts zurück, und schon bald ist Helen spurlos verschwunden …

(c) carl's books

(c) carl’s books

Zum Schluss noch ein Thriller aus deutscher Feder. “Zwei Sekunden” klingt nach einem spannenden, kritischen Buch über unsere durch Terror geprägte Welt.

Terroranschlag beim Staatsbesuch in Berlin. Nur um zwei Sekunden verpasst die Bombe die deutsche Bundeskanzlerin und den russischen Präsidenten. Die Russen behaupten, dass tschetschenische Terroristen hinter dem Anschlag stecken – doch eine Bekennerbotschaft gibt es nicht. Verfassungsschutz, Bundeskriminalamt und Berliner Polizei tappen im Dunkeln. Öffentlichkeit und Politik fordern Ergebnisse. Der Druck wächst. Widerwillig akzeptiert das BKA, dass Hauptkommissar Eugen de Bodt eigene Ermittlungen anstellt. Vor allem in höheren Polizeikreisen ist de Bodt unbeliebt bis verhasst. Doch will sich niemand nachsagen lassen, nicht alles unternommen zu haben. De Bodt und seine Mitarbeiter suchen verzweifelt eine Spur zu den Tätern. Aber erst, als er alle Gewissheiten in Frage stellt, bekommt de Bodt eine Idee, wer die Drahtzieher sein könnten. Doch um sie zu entlarven, muss er mehr einsetzen, als ihm lieb ist: das eigene Leben.

 

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Philip Kerr: Die Hand Gottes

(c) Tropen

(c) Tropen

Philip Kerrs Besuch im Vorjahr bei der Kriminacht in Wien war für mich ein Highlight. Dort las er aus seinem ersten Fußball-Krimi “Der Wintertransfer”. Kerr ist es mit seinen Büchern jedenfalls gelungen, meine deutlich erkaltete Liebe zum Fußball wieder zu erwecken.

Ich will hier jetzt nicht groß über die Kommerzialisierung usw. schreiben, aber das macht es manchmal echt schwer, sich für diesen Sport noch zu interessieren. Und auch Kerr setzt sich in seinen Büchern damit kritisch auseinander, versteht es aber gleichzeitig perfekt zu unterhalten.

“Die Hand Gottes” macht nun genauso Spaß wie der Vorgänger. Wieder muss Trainer Scott Manson ermitteln, diesmal im von der Krise gebeutelten Griechenland. Mit bitterbösem Humor nimmt der Autor, eigentlich bekannt für seine historischen Kriminalromane, die viel zu ernste Fußballwelt ins Visier.

Der Arsenal-Fan Kerr unterhält jedenfalls besser als die meisten Matches und man lernt ganz nebenbei auch viel über die lokalen Rivalitäten griechischer Fußballvereine. Die gute Nachricht: Ende Oktober kommt bereits Teil drei, “Die falsche Neun”, auf den Markt.

7 von 10 Punkten

Philip Kerr: “Die Hand Gottes”, übersetzt von Hannes Meyer, Tropen-Verlag, 397 Seiten.

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Garry Disher: Bitter Wash Road

(c) Unionsverlag

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Mit dem knallharten Berufsverbrecher Wyatt hat Garry Disher einen australischen Cousin von Richard Starks Kultfigur Parker erfunden. Nun hat der Autor die Seiten gewechselt und erzählt in “Bitter Wash Road” langsam, aber niemals langweilig vom Schicksal des ins Hinterland abgeschobenen Polizisten Hirsch.

Diesem schlägt dort offene Feindseligkeit entgegen, in der Gegend herrscht Perspektivlosigkeit. Aber nicht nur das: Seit Hirsch in Adelaide einen korrupten Kollegen verraten hat, ist er auch in seinem Berufsleben einsam.

Was der Autor daraus zaubert, ist einfach meisterhaft und zweifellos einer der besten Krimis dieses Jahres. Disher erzählt still und einfühlsam, er erschafft echte Menschen, die wie echte Menschen handeln und denken. Das mag manchem für einen Krimi zu langsam sein. Doch ich finde, man muss sich einfach die Zeit nehmen. Dann entfaltet sich eine gar nicht so außergewöhnliche Geschichte, die dennoch unweigerlich ans Herz geht. Eben, weil sie echt ist. Disher ist ein Meister staubtrockener Geschichten.

Ohne viele Worte zu verlieren:

9 von 10 Punkten

Garry Disher: “Bitter Wash Road”, übersetzt von Peter Torberg, Unionsverlag, 344 Seiten, 22,60 Euro.

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Dagger Award 2016 für Don Winslow

(c) Droemer

(c) Droemer

Endlich hat Don Winslow seinen ersten Dagger Award gewonnen, der spätestens seit dem grandiosen “Power of the Dog” fällig war. Gratulation! Eigentlich unglaublich, dass er bis jetzt keinen Dagger einheimsen konnte.

Mit “Das Kartell” konnte er die Jury in der Kategorie “Bester Thriller” (“Ian Fleming Steel Dagger”) nun jedenfalls überzeugen. Trotz seiner zuletzt schwankenden Form (mehr dazu hier) ist dieser Preis absolut gerechtfertigt. Winslow fühlt sich jedenfalls geehrt:

 

Dass Adrian McKinty in dieser Kategorie mit “Rain Dogs” leer ausgeht, lässt sich vor allem dadurch verschmerzen, weil sein Buch im Jänner auf Deutsch erscheinen wird.

Wer ist Bill Beverly?

In der Hauptkategorie (“Gold Dagger”), hat Bill Beverly (“Dodgers”), von dem bislang nichts übersetzt wurde, gewonnen. Beverly hat auch in der Kategorie “New Blood Dagger” für den besten Newcomer gewonnen und wird relativ euphorisch mit Richard Price, Denis Johnson und J.D. Salinger verglichen. Inhaltlich geht es laut Verlag darum: It is the story of a young LA gang member named East, who is sent by his uncle along with some other teenage boys—including East’s hothead younger brother—to kill a key witness hiding out in Wisconsin. The journey takes East out of a city he’s never left and into an America that is entirely alien to him, ultimately forcing him to grapple with his place in the world and decide what kind of man he wants to become.

Den “CWA International Dagger” konnte übrigens Pierre Lemaitre, der bereits 2013 und 2015 erfolgreich war, mit “Wir sehen uns dort oben” gewinnen. Meine Kollegin Doris Kraus hat in der “Presse” darüber folgendes geschrieben:

“Pierre Lemaitre hat mit „Wir sehen uns dort oben“ einen wunderbar vielschichtigen Roman abgeliefert. Einerseits merkt man dem Buch die bisherige literarische Erfahrung des Autors als Krimischriftsteller an. Lemaitre steigert die Spannung sukzessive und schafft es, den Leser immer wieder zu überraschen. Gleichzeitig aber hat er ein fantastisches Gesellschaftsporträt Frankreichs zwischen den Weltkriegen geschrieben. Lemaitres ganze Sympathie gilt dem kleinen Mann, als dessen Archetyp Albert durch die Geschichte stolpert, aber dennoch wild entschlossen, am Ende das Richtige zu tun.”

 

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KrimiZeit-Bestenliste Oktober: Ein Abgleich

(c) Folio Verlag

(c) Folio Verlag

Die KrimiZeit-Bestenliste für den Oktober ist da. Wieder einmal zeigt die aktuelle Liste, wie wunderbar breitgefächert das Krimi-Genre ist. Da sollte doch für jeden etwas dabei sein.

Ich gehe es der Reihe nach durch. Ich kippe gerade ein wenig in die italienischen Krimis rein, die ich bislang eher wenig gelesen habe. Daher wird es hier demnächst mehr über Massimo Carlottos “Am Ende eines öden Tages” sowie Paolo Roversis “Schwarze Sonne über Mailand” zu lesen geben. Eines vorweg: Beide Kriminalromane sind keine klassischen Mafia-Krimis. Tja, “Die Nacht von Rom” würde da eigentlich perfekt dazupassen. Mal sehen.

Über Friedrich Ani muss man eigentlich nichts sagen. Er ist ein Garant für einfühlsame Bücher, wie er 2015 auch mit “Der namenlose Tag” ein weiteres Mal unter Beweis gestellt hat.

McNamee und Melo klingen beide gut und ich habe auch schon viele wohlwollende Kritiker gelesen. Ich werde aber wohl nicht zum Lesen kommen.

Iain Levisons “Gedankenjäger” habe ich hingegen schon gelesen, auch dazu gibt es hier bald mehr. Ebenso zu Benjamin Whitmers “Nach mir die Nacht”, da stecke ich gerade mitten in der Lektüre.

Zu den restlichen Büchern der Liste: Als Australien-Fan reizt mich Alan Carters “Des einen Freud” sehr, zumal ich im Vorjahr “Prime Cut” verpasst habe. Donald Ray Pollock ist eigentlich immer auf Pflicht. Arne Dahl lockt mich jetzt nicht so und Malla Nunn kenne ich immer noch nicht. Wie immer: Die Qual der Wahl ist groß!

Die Liste im Überblick:

1 (2) Giancarlo de Cataldo/Carlo Bonini: Die Nacht von Rom
2 (6) Friedrich Ani: Nackter Mann, der brennt
3 (7) Eoin McNamee: Blau ist die Nacht
4 (4) Patrícia Melo: Trügerisches Licht
5 (9) Iain Levison: Gedankenjäger
6 (–) Alan Carter: Des einen Freud
7 (–) Benjamin Whitmer: Nach mir die Nacht
8 (1) Donald Ray Pollock: Die himmlische Tafel
9 (–) Arne Dahl: Sieben minus eins
10 (-) Malla Nunn: Zeit der Finsternis

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Robert Ludlum/Eric van Lustbader: Die Bourne-Herrschaft

(c) Heyne

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Mit Jason Bourne, dem über mörderische Fähigkeiten verfügenden Mann ohne Gedächtnis, schuf Thrillerautor Robert Ludlum in den 1980er Jahren eine der legendärsten Figuren der Spannungsliteratur. Nach dem Tod des Autors im Jahr 2001 feierte Bourne auch in Hollywood (und ja, es gab da diese TV-Serie mit Richard Chamerlain, ich weiß) große Erfolge, seit 2004 wird die nun auf zwölf Teile angewachsene Roman-Serie durch Eric van Lustbader weitergeführt.

Hier muss ich auch gleich einmal einhaken. Ich finde es dem Autor van Lustbader gegenüber eigentlich nicht fair, immer noch riesengroß das Label “Robert Ludlum” darüberzuschreiben. Längst müsste da eigentlich der Name van Lustbader stehen, der seit Teil vier das schreiberische Ruder übernommen hat.

Zum Buch selbst gibt es eigentlich nicht allzu viel zu sagen. “Die Bourne-Herrschaft” ist ein solider Pageturner, der aber mit der visuellen Kraft der Filme und der physischen Präsenz von Bourne-Darsteller Matt Damon nicht mithalten kann.

Dennoch war ich grundsätzlich positiv überrascht, denn als ich vor über zwei Jahrzehnten Teil eins gelesen habe, war ich schwer enttäuscht. Ich empfand Ludlums Stil damals eher entsetzlich und ließ in der Folge gänzlich die Finger von seinen Büchern, aber vielleicht wurde er auch schlicht schlecht übersetzt. Keine Ahnung. Van Lustbader versteht jedenfalls sein Handwerk perfekt. Feiner Thrill ohne die genreüblichen übergroßen Übertreibungen.

6 von 10 Punkten

Robert Ludlum/Eric van Lustbader: “Die Bourne-Herrschaft”, übersetzt von Norbert Jakober, Heyne-Verlag, 528 Seiten.

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