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Olen Steinhauer: Der Anruf

(c) Blessing

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Mit “Kairo-Affäre” konnte sich US-Autor Olen Steinhauer mehrere Monate in der KrimiZeit-Bestenliste halten. Das ist ihm mit seinem neuen Spionagethriller “Der Anruf” auch gelungen. Bloß kann ich dem konkreten Fall die zahlreichen Lobeshymen nicht ganz nachvollziehen. Verliebt in die reizvolle Idee, einen kammerspielartigen Spionageroman zu schreiben, der nur an einem Tisch spielt, hat Steinhauer meiner Meinung nach ein wenig vergessen, diese an sich feine Idee mit zusätzlichem Fleisch zu versehen.

Überhaupt hatte ich das Gefühl, den amerikanischen Agenten ist ihr eigenes Wohlergehen wichtiger als das der 120 Geiseln, die in einem Flugzeug am Wiener Flughafen festgehalten werden. Glaubt man dem Autor, gehen Spione lieber essen als die Welt zu retten. Das fand ich ein wenig verwunderlich und befremdlich. Würde man nicht eher seinen McDonalds-Burger oder Subway-Sandwich in sich hineinschlingen, weil man sich selbst in einer Ausnahmesituation befindet? Aber dann lieber fein essen gehen? Ich fand das nicht ganz glaubwürdig.

Auch die Szenerie im Restaurant, um die sich alles in diesem Buch dreht, konnte mich nicht richtig überzeugen. Der erfahrene Agent tappt letztlich wie ein naiver Lehrling in die gestellte Falle. Und irgendwie war mir das viel zu schnell klar.

Das Buch ist auf alle Fälle unterhaltsam, mich hat vor allem der Schauplatz Wien gefreut. Man muss dem Autor hier auch zugute halten, dass er, was Lokalitäten und Parteienlandschaft betrifft, gut recherchiert hat. Dennoch konnte mich Steinhauer diesmal nicht so wirklich überzeugen.

Aber ich dürfte mit dieser Meinung eher alleine stehen. Es gibt Lobeshymnen, wohin man sieht: Ob in der “Süddeutschen”, bei “Freitag” oder bei “Spiegel”.

5 von 10 Punkten

Olen Steinhauer: “Der Anruf”, übersetzt von Friedrich Mader, Blessing Verlag, 272 Seiten.

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Krimis, die man 2016 lesen sollte (IV)

(c) Festa

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Spät aber doch wird Stephen Hunter nun also doch ins Deutsche übersetzt. “Einsame Jäger” (seit 26. April im Handel) ist eines der besten aus seiner Reihe um den Scharfschützen Bob Lee Swagger. Vor einigen Jahren hatte ich eine intensive Hunter-Phase, musste ihn damals aber großteils im Original lesen. Nun sage ich Danke beim Festa-Verlag, ich habe ganz fest vor, “Einsame Jäger” zu lesen.

Der Verlag schreibt: Als in den Bergen von Idaho ein Mann erschossen und die Frau, die ihn begleitet, tödlich verwundet wird, holt den Kriegsveteranen Bob Lee Swagger seine Vergangenheit ein. Denn der Schütze schien es in Wahrheit auf ihn abgesehen zu haben. Die Suche nach einer Erklärung konfrontiert ihn mit schmerzhaften Erinnerungen an seine Einsätze in Vietnam.

Steckt der geheimnisvolle Russe Solaratov dahinter, der schon damals Jagd auf ihn machte? Welche Rolle spielen seine eigene Frau Julie und ihr Ex-Verlobter Donny, für dessen Tod an der Front sich Bob persönlich verantwortlich fühlt?

fuechsinKen Bruen hat mich mit seinem im Vorjahr bei Polar erschienenen schmalen Krimi “Kaliber” richtig umgehauen, ähnliches erwarte ich mir nun von “Füchsin” (1. April). Bruen muss man einfach gelesen haben, das ist schräg und genial.

Angie, kaltschnäuzig und herzlos, manipuliert sie Männer wie Frauen, um sie für ihre Pläne einzusetzen. Auch wenn die erste Bombe im Paradise Cinema nicht explodiert, hält sie die Southeast London Police Squad um Detective Sergeant Brand mit weiteren Bombenankündigungen und Erpressungen in Atem. Als sinnlichste, verrückteste Serienmörderin überhaupt terrorisiert sie die Straßen Londons. Ist unberechenbar, wild, wütend. Ganz wie Detective Sergeant Brand, der für seine knochenbrecherischen Methoden berüchtigt ist und sich wenig um politische Korrektheit schert. So entwickelt sich ein Drama voller schwarzem Humor. Bruen spinnt eine schnelle, scharf geschliffene Geschichte voller respektloser Schurken auf beiden Seiten des Gesetzes.

(c) Blessing

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Olen Steinhauer ist ein Garant, wenn es um anspruchsvolle Spionagethriller geht. Wenn diese dann wie “Der Anruf” (11. April) noch dazu zu großen Teilen in meiner Heimatstadt Wien spielen, ist das eigentlich eine Pflichtlektüre.

Flughafen Wien, 2006: Auf dem Rollfeld steht ein Airbus mit einhundertzwanzig Passagieren an Bord, den Terroristen in ihre Gewalt gebracht haben. Die CIA vor Ort hat die Chance, die Geiselnahme zu beenden und Blutvergießen zu verhindern. Doch ihr Plan wird verraten – alle Passagiere kommen ums Leben. Der entscheidende Anruf kam aus dem Quartier der CIA.

Kalifornien, 2012: CIA-Agent Henry Pelham ist nervös. Nach Jahren wird er seine Kollegin Celia Favreau wiedersehen, mit der er in Wien eine kurze Beziehung hatte. Zusammen versuchten sie in jener Nacht fieberhaft, das Leben der Passagiere zu retten. Nun hat die interne Ermittlung der CIA den Fall neu aufgerollt. In einem Restaurant treffen sich Henry und Celia. Was als Gespräch unter ehemals Vertrauten beginnt, entwickelt sich zu einem packenden wechselseitigen Verhör, das schließlich die Wahrheit über den Verrat von Wien ans Licht bringt.

killinggamesRoger Hobbs hat 2013 mit “Ghostman” ein vielversprechendes Debüt vorgelegt. Er konnte damit sogar den begehrten Steel Dagger für den besten Thriller gewinnen. Ich habe damals geschrieben: “Dem Autor ist ein rasanter, wendungsreicher Thriller gelungen, der Lust auf mehr macht. Ich freue  mich auf eine Fortsetzung.” Tja, und da ist sie nun mit “Killing Games” (18. April).

Jack weiß, wie man Spuren verwischt, Menschen verschwinden lässt und sich selbst fast unsichtbar macht. Er ist ein Ghostman und dazu noch ein sehr guter. Nur einmal in seinem Leben hat er einen Coup vermasselt. Seitdem hat er seine damalige Mentorin Angela nicht mehr gesehen. Als sie ihn jetzt um Hilfe bittet, zögert er keine Sekunde. Es geht um einen missglückten Überfall, bei dem Angelas Leute wohl mehr entwendet haben als nur Edelsteine. Angela hat sich damit Feinde in gefährlichen Kreisen gemacht, die jetzt hinter der Beute her sind, und über Leichen gehen. Jack ist Angela noch etwas schuldig. Damals hat sie sein Leben gerettet. Jetzt ist es an ihm, sich zu revanchieren …

(c) Heyne

(c) Heyne

Michael Koryta ist der einzige Unbekannte auf dieser Liste. “Die mir den Tod wünschen” (11. April) klingt aber sehr vielversprechend.

An einem stürmischen Tag wird der vierzehnjährige Jace Zeuge eines brutalen Mordes. Jace kann entkommen – doch er weiß, dass die Verbrecher ihn gesehen haben. Die Blackwell-Brüder, ein psychopathisches Killer-Duo, wollen seinen Tod. Jace kann niemandem mehr vertrauen. Unter neuer Identität soll er in Montana Zuflucht finden. Ethan Serbin, ein erfahrener Überlebensspezialist, steht ihm in der gnadenlosen Bergwelt zur Seite. Derweil bahnen sich die beiden Killer ihren blutigen Weg und kreisen ihre Opfer immer weiter ein. Für Ethan und Jace beginnt ein furioser Höllenritt …

 

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Krimis, die man 2014 lesen sollte (V)

(c) Blanvalet

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Mehr als 600.000 Exemplare hat er von seinem Energie-Thriller “Blackout” verkauft, der österreichische Autor Marc Elsberg. Das freut mich sehr. Ich kann mich nicht erinnern, wann das zuletzt einem Österreicher gelungen ist. Ich habe Elsberg vor zwei Jahren interviewt, da war dieser außergewöhnliche Erfolg noch nicht absehbar. Mittlerweile reist er nicht nur als Autor, sondern auch als gefragter Experte durch halb Europa. Nun legt er mit “Zero”, das am 26. April auf den Markt kommt, nach. Diesmal geht es um den gläsernen Menschen und das Thema Überwachung. Elsberg hat sich offenbar darauf spezialisiert, Thriller über Themen zu schreiben, über die es in der Gesellschaft wenig Bewusstsein gibt. Aufklärung in Thriller-Form – gut so, ich bin gespannt!

(c) Knaur

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Tja, und wenn wir schon dabei sind. Ich habe Elsberg vor wenigen Tagen erneut interviewt und auch kurz zu österreichischen Krimiautoren befragt. Er hat dabei – neben anderen – einen mir bislang unbekannten Autor genannt, dessen neues Buch seit 2. Mai im Handel ist: Franz Zellers “Sieben letzte Worte”. Das Buch, als Salzburg-Krimi punziert, liegt nun bei mir in der Warteschleife ziemlich weit oben.

(c) suhrkamp nova

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Auf ein weiteres Buch freue ich mich ganz besonders: “Die Sirenen von Belfast” ist der zweite Teil der Serie rund um den in Nordirland ermittelnden katholischen Polizisten Sean Duffy. Teil 1, “Der katholische Bulle”, hat mich echt begeistert. Ich schrieb damals: “Seine Charaktere berühren, weil sie lebensecht sind. Da gibt es keine Superhelden und keine Superschurken – kein simples Gut und Böse.” Ich freue mich auf das am 18. Mai erscheinende Buch.

(c) Blessing

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Und einen Tipp habe ich noch: Olen Steinhauers Spionage-Thriller “Die Kairo-Affäre” erscheint am 26. Mai. Steinhauer hat bereits drei hochgelobte Bücher rund um den CIA-Agenten Milo Weaver vorgelegt (“Der Tourist”, “Last Exit”, “Die Spinne”). Ich habe den Auftakt dieser Trilogie gelesen. Und ja: Steinhauer kann was. In seinem aktuellen Buch entführt er uns in die arabische Welt und lässt uns an den dunklen Seiten des “Arabischen Frühlings” teilhaben. Das sollte man wohl keinesfalls verpassen.

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KrimiZeit-Bestenliste Mai – Ein Abgleich

(c) Droemer

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Ein guter Monat beginnt mit der KrimiZeit-Bestenliste. Seit Donnerstag ist das aktuelle Genre-Ranking verfügbar. Dass Sara Gran im Mai mit “Das Ende der Welt” den Sprung an die Spitze geschafft hat, ist nicht wirklich überraschend. Nach dem Einstieg auf Platz 3 im April war das fast schon erwartbar. Zudem lässt sich auf dem Buchrücken nachlesen, dass die KrimiZeit-Jury-Mitglieder Tobias Gohlis und Thomas Wörtche vom Vorgänger “Die Stadt der Toten” begeistert waren. Ein Heimspiel sozusagen. Die Autorin hat übrigens auch den Deutschen Krimipreis 2013 gewonnen. Ich werde hier in Kürze meine Eindrücke niederschreiben. Ich habe gerade Seite 300 absolviert und nähere mich dem Ende. Mehr sei vorerst nicht verraten.

Auf Rang 2 vorgerückt ist der Italiener Giancarlo de Cataldo mit “Der König von Rom”, seiner Vorgeschichte zu “Romanzo Criminale” (zu meiner Kritik). Auf den Plätzen 3 bis 5 tummeln sich dann drei Neueinsteiger, von denen ich Olen Steinhauer hervorheben will. “Die Spinne” ist sein dritter Milo-Weaver-Roman, der damit das Geheimdienst-Genre kräftig belebt. Ich habe den Weaver-Auftakt “Der Tourist” gelesen, der Nachfolger “Last Exit” steht bereits in meinem Regal. Eine gute Wahl würde ich sagen, zumal Steinhauer im deutschsprachigen Raum bislang wohl nur als Geheimtipp gehandelt wird.

Auf Platz 6 folgt schließlich Elmore Leonard mit “Raylan” (zu meiner Kritik). Ehre, wem Ehre gebührt. Leonard ist damit bereits zum dritten Mal vertreten – ebenso wie Joe R. Lansdale mit “Dunkle Gewässer”, der nach seinem April-Sieg auf Rang 8 abgerutscht ist. Meine Kritik zu Lansdales bluttriefender Huckleberry-Finn-Interpretation gibt es hier demnächst zu lesen. Auf Platz 7 dazwischengeschummelt hat sich Neueinsteiger Daniel Suarez mit “Kill Decision”, dessen Cover ich zum besten des Monats April gewählt habe. Von dem Buch werde ich nach meinen Erfahrungen mit den Vorgängern “Daemon” und “Darknet” aber die Finger lassen. Suarez behandelt zwar äußerst brennende und spannende Themen, kann aber meiner Meinung nach einfach nicht erzählen.

Auf Cathi Unsworths “Opfer”, das von Rang 6 auf 9 abgerutscht ist, freue ich mich schon. Gleich nach Ende der Gran-Lektüre rückt Unsworth nach. Ich bin schon auf den Vergleich zu Gran gespannt, werden die beiden doch momentan als die weiblichen Innovatorinnen des Krimi-Genres gepriesen. Und mit Ian Rankins “Mädchengrab” hat es ein wahrer Krimi-Veteran gerade noch ins Ranking geschafft. Es war mein erster Rebus (und Rankins Rebus Nummer 18). Aber so viel steht fest: Es war sicher nicht mein letzter. Ich werde nun vielleicht einfach von vorn beginnen. Auch dazu in Kürze mehr…

Die Liste im Überblick:

  1. Sara Gran: “Das Ende der Welt”
  2. Giancarlo de Cataldo: “Der König von Rom”
  3. Robert Hültner: “Am Ende des Tages”
  4. Olen Steinhauer: “Die Spinne”
  5. Matthias Wittekindt: “Marmormänner”
  6. Elmore Leonard: “Raylan”
  7. Daniel Suarez: “Kill Decision”
  8. Joe R. Lansdale: “Dunkle Gewässer”
  9. Cathi Unsworth: “Opfer”
  10. Ian Rankin: “Mädchengrab”

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Krimis, die man 2013 lesen sollte (II)

lansdale2012 erhielt Elisabeth Herrmann den Deutschen Krimipreis für “Zeugin der Toten”. Das Buch wird übrigens gerade verfilmt. Ab 25. Februar ist ihr neues Werk “Das Dorf der Mörder” im Buchhandel erhältlich. Die Autorin dürfte wieder nach ihrem bewährten Strickmuster vorgehen, ein düsteres Geheimnis der Vergangenheit muss gelüftet werden.

Mein persönlicher Buchtipp des Monats ist aber Joe Lansdales “Dunkle Gewässer” (im Bild), das ab 21. Februar verfügbar ist. Die Kurzbeschreibung lässt auf Lansdale in Höchstform hoffen: “May Lynn ist das schönste Mädchen der Gegend. Aus der schlimmsten Familie am ganzen Fluss. Als ihre Leiche aus dem Sabine River gezogen wird, interessiert sich niemand dafür, wer sie ermordet hat – alle sind nur hinter dem Geld her, das ihr Bruder bei einem Banküberfall erbeutet haben soll.” Normalerweise kann er da nichts falsch machen.

Für alle Spionage-Fans: Olen Steinhauers “Die Spinne”, der dritte Teil seiner Milo-Weaver-Serie, kann man ab 25. Februar kaufen. Wer die beiden Vorgänger “Der Tourist” und “Last Exit” kennt, weiß, dass Steinhauer ein Garant für Hochspannung auf hohem Niveau ist. Als der Reihe nach CIA-Agenten rund um den Globus sterben, ist wieder einmal Milo Weaver gefragt.

Ab 18. Februar ist Madison Smartt Bells “Die Farbe der Nacht” erhältlich. Darin nimmt der Autor Bezug auf 9/11. “Wie mein Herz frohlockte, als die Türme einstürzten!”, sagt die Hauptfigur Mae. Man darf gespannt sein, wie der Autor da die Kurve kratzt.

Auch auf Liad Shohams “Tag der Vergeltung” darf man gespannt sein. Es ist der erste Thriller des israelischen Autors, der auf Deutsch publiziert wird. Zum Inhalt: “Eine junge Frau wird nachts auf offener Straße brutal vergewaltigt ein Schock für die Anwohner des ansonsten beschaulichen Viertels von Tel Aviv. Die Polizei tappt im Dunkeln, keine Hinweise, keine Augenzeugen, keine Verdächtigen. Doch der Vater des Opfers weigert sich, das zu akzeptieren. Er beginnt selbst zu ermitteln und hat den vermeintlichen Täter bald gefunden…”

Und dann wäre da noch “Der Pistoleiro: Die wahre Geschichte eines Auftragsmörders” des italienischen Autors Klester Cavalcanti (ab 27. Februar im Handel). “In Júlio Santana, der ohne Hass, aber auch ohne Mitleid seinem Geschäft nachgeht und im Lauf seiner Karriere fast 500 Menschen umbringt, begegnen wir einem Familienvater, einem Hinterwäldler mit schlich tem und doch nachdenklichem Gemüt, der seinen Beruf akribisch und ehrgeizig praktiziert”, schreibt der Transit-Verlag.

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