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Horst Eckert: Schwarzlicht

(c) Wunderlich

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Horst Eckert hat mit “Schwarzer Schwan” (ausgezeichnet mit dem “Krimi-Blitz” von krimi-couch.de) den aus meiner Sicht bislang besten Krimi rund um die Finanzkrise geschrieben. Es gibt auch keinen US-Autor, dem das bisher besser gelungen ist. In einem Beitrag habe ich Ende 2011 geschrieben, dass er darin das Motto “educate and entertain” perfekt umgesetzt hat: “Grundsätzlich schwer verdauliche Zutaten wie Bankencrash, Griechen-Pleite und Atomausstieg verleihen dem Buch erst seine besondere Würze.”

Ich habe damals auch ein E-Mail-Interview mit dem Autor geführt. Darin sagte er: “Eigentlich setzt die Politik die Rahmenbedingungen. Wenn aber die Lobbyisten der Konzerne zu viel Einfluss bekommen und die Regierenden die Nähe zu den großen Wirtschaftsbossen suchen, kippt das Verhältnis rasch.”

Nun hat Eckert, rechtzeitig zur Deutschen Bundestagswahl, nachgelegt. “Schwarzlicht” heißt sein neues Buch und es hat wieder viel mit Politik zu tun. Nur wenige Tage vor der Wahl stirbt Walter Castorp, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen – unter mysteriösen Umständen. Er wird tot im Swimmingpool eines befreundeten Baulöwen gefunden. Offensichtlich ist er ertrunken. Daran bestehen aber schon bald Zweifel.

(c) Grafit

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Mit Ermittler Vincent Veih hat Eckert eine interessante Figur erschaffen, die wohl auch eine Serie tragen könnte. Veih ist familiär vorbelastet: Seine Mutter war eine RAF-Terroristin, sein Großvater ein Nazi. Vor allem der Lebenslauf seiner Mutter hat es ihm innerhalb der Polizei nicht immer leicht gemacht. Schon bald gerät er von allen Seiten unter Druck. Kaum einer (wenn überhaupt) im deutschsprachigen versteht es so perfekt , die Machtspiele innerhalb der Polizei und die Einflussnahme durch die Politik darzustellen. Im englischsprachigen Raum nennt man dieses Subgenre auch “Police Procedural”. Eckert beherrscht es schlafwandlerisch.

“Schwarzlicht” ist vielleicht nicht ganz so gut wie sein Vorgänger, dennoch macht es wieder Spaß, einen Autor zu lesen, der sein Handwerk wirklich versteht. Und das eigentlich Erschreckende bei seinen Büchern: Wie nahe schreibt er an der Realität? Stimmt nur ein Teil, so drängt sich eine beunruhigende Frage auf: Geht es angesichts der Intrigen und Machtspiele bei der Polizeiarbeit eigentlich auch noch darum, Fälle aufzuklären?

Auch gelernt: “Holunderbeersaft bringt die Hirnzellen wieder auf Trab.” Hab das auch mal kurz recherchiert: Wer mehr über die Kraft der Beeren wissen will, erfährt z.B. hier mehr: “Vitalstoff Journal”.

Song des Buches: London Calling von The Clash (Klingelton)

6 von 10 Punkten

Horst Eckert: “Schwarzlicht”, Wunderlich, 382 Seiten.

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Krimis, die man 2013 lesen sollte (IX)

(c) Rütten & Loening

(c) Rütten & Loening

Der September bietet wieder eine interessante Mischung an Krimi-Neuerscheinungen. Wobei das eigentliche Highlight eine Neuauflage ist, aber dazu gleich mehr. Ab 9. September ist mit “Racheengel” von Stuart Neville der dritte Teil der Reihe rund um den Belfaster Ermittler Jack Lennon erhältlich. Diesmal muss er sich mit der gesamten Unterwelt der Stadt anlegen. Ich habe es bisher leider nicht geschafft, ein Buch Nevilles zu lesen, mittlerweile steht aber Teil eins (“Die Schatten von Belfast”) der Serie in meinem Regal. Neville (zur Homepage des Autors) ist übrigens mit “Ratlines”, das im Irland des Jahres 1963 spielt und in dem sich ehemalige Nazis tummeln, für den Ian Fleming Steel Dagger Award nominiert. Zeit wäre es also eigentlich…

(c) Verlag Antje Kunstmann

(c) Verlag Antje Kunstmann

In meiner Leseliste ganz vorne befindet sich aber “Ich töte lieber sanft” von George V. Higgins (1939-1999). Wenn es um Higgins geht, weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Er war als “Meister des Dialogs” ein großes Vorbild des kürzlich verstorbenen Krimi-Großmeisters Elmore Leonard. Zudem habe ich am 8. Jänner meinen allerersten Blogeintrag zu Higgins verfasst. Damals noch unter dem Titel “Der vergessene George Higgins”. Nun macht sich aber der Verlag Antje Kunstmann um die Wiederauflage des Autors verdient. Über die Hollywood-Verfilmung (mit Brad Pitt in der Hauptrolle) seines am 11. September wieder erscheinenden Buches habe ich ebenfalls einen Artikel geschrieben. Und die ganz tolle Nachricht: Im Jänner 2014 wird auch “Die Freunde von Eddie Coyle” (von Elmore übrigens als bester Kriminalroman aller Zeiten bezeichnet) vom Verlag publiziert. Von Vergessen also doch keine Spur.

(c) Wunderlich

(c) Wunderlich

Am 20. September, zwei Tage vor der Bundestagswahl in Deutschland, kommt “Schwarzlicht” von Horst Eckert auf den Markt. Auch auf den deutschen Krimiautor und seine außergewöhnlichen Qualitäten habe ich hier schon verwiesen. Sein Buch zählt ebenfalls zu meinem Pflichtprogramm. Die Ausgangssituation klingt auch diesmal vielversprechend: “Walter Castorp ist tot. Der Ministerpräsident von NRW, ertrunken in seinem Swimmingpool. Sechs Tage vor der Wahl.” Ich erwarte Hochwertiges.

(c) Kindler

(c) Kindler

Damit wären wir auch schon bei Buch Nummer vier angelangt, das ebenfalls ab 20. September erhältlich ist. “Polivka hat einen Traum” des österreichischen Autors Stefan Slupetzky. Ich habe Slupetzky mit “Lemmings Zorn” kennengelernt und das humorvolle Buch hat mich sehr begeistert. Ich bin nun schon sehr gespannt auf diesen Krimi außerhalb der Lemming-Reihe. Zum Appetitanregen ein kurzes Stück aus dem Verlagstext: “Für den verschrobenen Wiener Bezirksinspektor Polivka steht von Anfang an fest: Der Mann, der sich infolge einer Notbremsung in einem Zugwaggon den Hals gebrochen haben soll, ist tatsächlich brutal ermordet worden.” Klingt schon mal sehr nach Slupetzky.

(c) diaphanes

(c) diaphanes

Mein fünfter Tipp lautet “Unter dem Auge Gottes” von Jerome Charyn. Das Buch ist der letzte Teil der elfteiligen Isaac-Sidel-Serie. Seit 1974 ist der Cop aus der Bronx immer höher aufgestiegen: Er ist inzwischen Vizepräsident der Vereinigten Staaten. Das Buch wird vom Verlag diaphanes als Teil der neuen “Penser Pulp”-Serie herausgegeben. Ich muss zu meiner Schande gestehen, noch nichts von Charyn gelesen zu haben. Aber ich werde wohl ähnlich wie bei Ian Rankins Kultfigur John Rebus (mehr dazu…) die Reihe von hinten aufrollen. Denn zu spät ist es nie.

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“Schwarzlicht” von Horst Eckert kommt im Herbst

Twitter ist schon toll: Da entdecke ich einen neuen Follower (@Kriminalinski) und erfahre dort, dass im Herbst der Roman des deutschen Krimiautors Horst Eckert auf den Markt kommt. “Schwarzlicht” soll er heißen. Eckert hat 2011 mit “Der Schwarze Schwan” einen der besten Krimis geschrieben, die sich mit der Finanz- und Wirtschaftskrise befassen (zu meiner Kurzkritik von damals). Ich habe Eckert damals auch per E-Mail kurz interviewt, für alle die es interessiert. Nur hier ein kurzes Zitat von damals: “Ein guter Krimi unterhält nicht nur spannend, sondern führt auch in die Abgründe der menschlichen Seele und die verborgenen Ecken der Gesellschaft.”

(c) Grafit

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Und auf der eben entdeckten Blog-Seite kriminalinski sagt er: “Für mich ist – im Unterschied zu vielen Kollegen – Mord keine lustige Unterhaltung, sondern ein Beweis dafür, dass das Böse in uns steckt. Beim Schreiben möchte ich anhand meiner Figuren erforschen, wie wir Menschen ticken, was extreme Situationen aus uns machen können und wie wir uns darin verhalten.” Ich finde das wichtig und nicht selbstverständlich, denn allzu oft geht es im Krimi-Genre einfach um “lustiges” Morden, das so blutig wie möglich sein soll, nur um Grenzen auszureizen.

Seine kurze Beschreibung, worum es in “Schwarzlicht” gehen soll, klingt schon mal vielversprechend: “In ‘Schwarzlicht’ ist das Mordopfer ein Ministerpräsident und trägt Züge von Uwe Barschel oder Christian Wulff.” Ich bin wirklich gespannt auf das neue Buch dieses Krimi-Ausnahmetalents.

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