Adrian McKinty: Dirty Cops

(c) Suhrkamp Nova

“Dirty Cops” ist bereits der sechste Kriminalroman rund um den katholischen Polizisten Sean Duffy, der sich im Nordirland der 1980er Jahre behaupten muss. Zum Inhalt: Ein Drogendealer wird tot aufgefunden. Alltäglich? Nicht ganz, immerhin hat der Mann einen Pfeil im Rücken, also kein klassisches Handwerkszeug der IRA.

Obwohl sich der Autor diesmal mit Bezügen zu real existierenden Personen bzw. zu fiktiven Ereignissen mit realen Personen (der niemals stattgefundene Auftritt Muhammed Alis in “Rain Dogs”) zurückhält, hat sein Buch wieder vieles zu bieten. McKinty beginnt etwa mit einem Prolog, nach dem man sich fragt, wie Sean Duffy diesmal lebend aus dem Buch kommen will. Dem mittlerweile in Australien lebenden nordirischen Autor würde man alles zutrauen. Aber mehr sei hier nicht verraten.

Hauptfigur Sean Duffy wirkt im aktuellen Buch gereifter. Kein Wunder, er ist Vater eines kleinen Kindes und hat mehr Verantwortung. Seine Sichtweise auf die Dinge hat sich verändert. Er zeigt sich kompromissbereiter. Das muss er auch sein, will er seine Freundin Beth nicht verlieren, die von einem eigenen Haus in der Idylle träumt. Der tief in der Coronation Road, der Beth nur wenig abgewinnen kann, verwurzelte Polizist tut sich damit allerdings schwer.

McKintys Mix zwischen überzeugender Krimihandlung, unvergleichlichem Setting, feiner Charakterzeichnung, subtilem Humor und dem Spiel mit Genre-Konventionen sucht seinesgleichen. McKinty schreibt klassische Krimis, die dann doch ganz etwas Neues sind. Sie sind stets ausgeklügelt, wirken aber nicht konstruiert.

Auch wer über den Nordirland-Konflikt Bescheid wissen will, dem kann man nur eines, aber am besten alle Bücher der Duffy-Serie empfehlen. Hier taucht man atmosphärisch ganz tief ein. Das kann ein Sachbuch gar nicht leisten.

Auf seinem Blog schreibt der Autor übrigens, dass es drei weitere Sean-Duffy-Teile geben wird. Er verrät auch schon die Titel der Bücher und skizziert kurz, worum es darin gehen wird.

Hier meine Eindrücke der fünf Duffy-Vorgänger:

“Der katholische Bulle”

“Die Sirenen von Belfast”

“Die verlorenen Schwestern”

“Gun Street Girl” (mein persönlicher Favorit)

“Rain Dogs”

9 von 10 Punkten

Adrian McKinty: “Dirty Cops”, übersetzt von Peter Torberg, 392 Seiten, Suhrkamp Nova.

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Jon McGregor: Speicher 13

(c) liebeskind

Ein Mädchen verschwindet. Jon McGregor, der mit seinem Buch für den Booker Prize nominiert war, hat daraus keinen Thriller gemacht, der sich bloß um die Lösung des Falles dreht. Ganz im Gegenteil, “Speicher 13” ist definitiv kein Kriminalroman.

Vielmehr liest sich sein Buch als außergewöhnliches Porträt einer Dorfgemeinschaft, die nach dem öffentlichkeitswirksamen Ausnahmezustand weitermachen muss. Unaufgeregt erzählt er über den Zeitraum vieler Jahre davon, wie Normalität zurückkehrt. Es ist eine virtuos komponierte Chronologie des Vergessens.

Der Autor macht es einem aber nicht ganz einfach. Man muss sich auf McGregors Stil einlassen, denn extrem viel literarisches Personal erschwert den Überblick. Wer war das noch einmal? Und wie steht der mit XY in Beziehung? Ich habe mehr als einmal zurückgeblättert, teilweise habe ich es dann auch aufgegeben.

Dennoch war Alltag selten so fesselnd. Langsam, aber nicht langatmig. Früher hätte ich ein Buch wie dieses wohl zur Seite gelegt. Doch ich muss sagen, ich lerne derart entschleunigte Romane immer mehr zu schätzen. Vielleicht liegt das an unserer schnelllebigen Zeit – oder dem zunehmenden Alter 😉

7 von 10 Punkten

Jon McGregor: “Speicher 13″, übersetzt von Caroline Burger, Liebeskind Verlag, 352 Seiten.

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Horst Eckert: Der Preis des Todes

(c) Wunderlich

Zuletzt hat Horst Eckert drei Bände rund um den Ermittler Vincent Veih geschrieben. Davon habe ich “Schwarzlicht” (Teil 1) und den NSU-Krimi “Wolfsspinne” (Teil 3) gelesen. Während mich das Debüt nicht so ganz überzeugt hatte, gefiel mir der dritte Teil ausgesprochen gut. Genauso wie vor einigen Jahren sein außergewöhnlicher Finanzkrise-Thriller “Schwarzer Schwan”.

Nun hat der Krimiautor wieder einmal ein Stand Alone (oder wird mehr daraus?) geschrieben. Im Zentrum seiner Geschichte steht diesmal die TV-Journalistin Sarah Wolf. Als ihr Freund, der Staatssekretär, ermordet wird, will sie selbst den Tätern und der Wahrheit auf die Spur kommen. Eine Spur führt dabei in ein Flüchtlingslager nach Afrika. Natürlich ist das nicht ungefährlich.

Horst Eckert versteht es perfekt, handfeste Charaktere mit einer spannenden, realistischen Handlung zu verknüpfen. Ein gewisser politischer Hintergrund darf auch nie fehlen. So konstant und solide wie Eckert macht das eigentlich im deutschsprachigen Raum kein zweiter Krimiautor. Da kann man fast blind zugreifen: Denn Unterhaltung ist garantiert, aber nie seicht.

7 von 10 Punkten

Horst Eckert: “Der Preis des Todes”, 416 Seiten, Wunderlich.

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Krimis, die man 2018 lesen sollte (III)

(c) Verlag Antje Kunstmann

Mobbing in der Schule und ein eskalierender Bandenkrieg. Wie das zusammenpasst? Alex Wheatles Roman “Liccle Bit” klingt nach einem lesenswerten Stück.

Der Verlag schreibt: Lemar Jackson ist 14 Jahre alt, und obwohl er nur der Zweitkleinste in seinem Jahrgang ist, nennen ihn, zu seinem großen Missfallen, alle »Liccle Bit«. Jonah und McKay sind seine besten Freunde, und dennoch ziehen sie ihn ständig damit auf, dass er keine Chancen bei Mädchen hat. Erst recht nicht bei Venetia King, dem heißesten Mädchen der Schule. Umso erstaunter sind alle, als Venetia ihn bittet, ein Porträt von ihr zu zeichnen. Ist das etwa ein erstes Date? Doch auch Manjaro, der berüchtigte Anführer der Gang von South Crongton, beginnt auf einmal, sich für ihn zu interessieren, und bevor Lemar sich versieht, erledigt er kleine Aufträge für ihn. Als der erste Tote im Viertel auftaucht, erkennt Lemar, dass er schon viel zu tief in dem eskalierenden Bandenkrieg steckt und so auf keinen Fall weitermachen kann. Aber wie soll er seinen Kopf aus der Schlinge ziehen, die sich immer weiter zuschnürt?

(c) Atrium

Hideo Yokoyamas “64” klingt wie jener Kriminalroman, an dem heuer kein Weg vorbeiführt. Ein langsam erzähltes Polizei-Epos mit über 700 Seiten.

Im Januar 1989 wird in Tokio ein siebenjähriges Mädchen entführt. Fünf lange Tage versuchen die verzweifelten Eltern alles, um die Forderungen des Entführers zu erfüllen. Doch alle Bemühungen sind vergebens. Der Entführer entkommt unerkannt mit dem Lösegeld, kurz darauf wird die Leiche des Mädchens gefunden. Die Ermittlungen der Polizei laufen ins Leere. Der Fall geht unter dem Aktenzeichen 64 als ungelöstes Drama in die Kriminalgeschichte Japans ein. Vierzehn Jahre später verschwindet die Tochter von Yoshinobu Mikami, dem Pressesprecher eines kleinen Polizeireviers. Mikami, selbst Gefangener eines übermächtigen Verwaltungsapparats, stößt kurz darauf auf ein geheimes Memo zu Fall 64. Getrieben von einer dunklen Ahnung beginnt er, auf eigene Faust zu ermitteln – und öffnet eine Tür, die besser für immer verschlossen geblieben wäre.

 

(c) Wunderlich

Horst Eckert lese ich seit seinem genialen Finanzkrisen-Thriller “Schwarzer Schwan” sehr gern. Zuletzt hat mich sein NSU-Krimi “Wolfsspinne” mit Ermittler Vincent Veih  begeistert. Mit “Der Preis des Todes” liegt nun wieder einmal ein Stand-Alone vor.

Als Christian Wagner erhängt in seiner Berliner Wohnung aufgefunden wird, glaubt Sarah Wolf nicht an Selbstmord. Die Moderatorin einer politischen TV-Talkshow hatte seit ein paar Wochen eine Beziehung mit dem Bundestagsabgeordneten, der gerade von einem Boulevardblatt als Lobbyist des Krankenhausbetreibers Samax AG hingestellt wurde – eine Katastrophe für Christians Karriere, aber ein Grund für einen Suizid? In seinen Unterlagen stößt sie auf einen Bericht über ein Flüchtlingslager in Kenia. Und muss sich fragen, wie gut sie den Mann kannte, den sie zu lieben glaubte.
Unterdessen wird an einem See bei Düsseldorf eine Frauenleiche entdeckt. Kommissar Paul Sellin findet heraus, dass Johanna Kling kurz vor ihrem Tod mit Christian Wagner in Kontakt stand. Was hatte die 28-jährige Menschenrechtsaktivistin mit dem Politiker aus Berlin zu schaffen? Sellin muss den Mord aufklären, koste es, was es wolle. Denn er ist schwer krank, und dieser Fall könnte sein letzter sein…

(c) Kindler

Nicht nur Adrian McKinty kann Kriminalromane schreiben, die den Nordirland-Konflikt als Hintergrund haben. “Verrat” klingt sehr spannend.

Weihnachten 1989. Bridget O’Neill blickt mit Grauen den Feiertagen entgegen: Wird ihre Gebäck Gnade finden vor der Schwiegermutter? Ihr Mann ist derweil in Calais, um einen britischen Soldaten vor den Augen seiner Familie zu töten. Francis ist ein Fußsoldat der IRA, der Kampf ist ihm Beruf und Lebenszweck. Doch seine Frau leidet sehr am Bürgerkrieg: Die bösen Geheimnisse, der Heimatort, der einer Geisterstadt gleicht, Jahre wie Blei. Bridget lässt sich vom britischen Geheimdienst rekrutieren und wird doch die Schuldgefühle – beiden Seiten gegenüber – nicht los. Auch Francis‘ Bruder Liam will Informant werden. Ein Hinweis von Francis beschert ihm den Tod. Und „Gentleman Joe“, Francis‘ Boss, schätzt solche Treue. Er hat gleich den nächsten Job für Francis: ein Bombenattentat.
Dass die IRA insgeheim längst mit den Briten verhandelt, weiß Francis nicht. Er hat auch ohnedies schon Zweifel am Krieg, dem er seinen Bruder geopfert hat. In einer schwachen Stunde weint er sich bei Bridget aus, die den Attentatsplan weitergibt. Francis wandert in den Knast. Und Bridget fühlt sich durch ihren Verrat noch mehr an ihn gebunden. Sie wird auf ihn warten – auf die Gefahr hin aufzufliegen.
Nach sechs Jahren – der Bürgerkrieg ist Geschichte – wird Francis entlassen: Er kommt in eine Welt, in der es keinen Platz gibt für einen Mann der Vergangenheit. Enttäuscht konzentriert Francis sich auf die Suche nach dem Verräter und bringt damit sich und Bridget in höchste Gefahr …

(c) Diogenes

Und noch einmal Japan. “Der Dieb” habe ich einst nicht gelesen, “Die Maske” klingt nun aber erneut sehr vielversprechend.

Fumihiro Kuki ist elf Jahre alt, als sein Vater ihn zu sich ins Arbeitszimmer ruft und ihm erklärt: »Ich habe dich gezeugt, damit du ein Geschwür für diese Welt bist.« Der mächtige Clan der Kuki folgt seit Jahrhunderten einer misanthropischen Tradition, bei der ein Patriarch am Ende seines Lebens noch ein Kind zeugt, das so viel Übel in die Welt bringen soll, wie es einem Einzelnen nur möglich ist. Grund dafür ist schlichte Hybris der Mächtigen: Wenn ich sterben muss, soll alles mit mir vergehen.

Doch Fumihiro hat ganz andere Pläne: Er will ein anständiger Mann werden, damit er das Waisenmädchen Kaori heiraten kann. Im Rausch seiner ersten großen Liebe geht dem Jungen erst spät auf, dass sein Vater das Mädchen missbraucht. Fumihiro beschließt, den Vater zu töten, in einem geheimen Raum tief unten im Keller kommt es zum Eklat und zu einem Handgemenge, der alte Mann stürzt, Fumihiro verrammelt die Tür und geht.

(c) Suhrkamp Nova

Auch der bereits erwähnte Adrian McKinty liefert ein neues Buch ab. “Dirty Cops” ist bereits Band sechs seiner Serie rund um den katholischen Polizisten Sean Duffy, der sich bei seinen Ermittlungen durch ein politisch aufgeheiztes Nordirland kämpfen muss. Ich habe das Buch auch schon gelesen, ein Kauf zahlt sich aus – mehr dazu in Kürze.

Belfast 1988: Ein Mann wird mit einem Pfeil im Rücken tot aufgefunden. Es waren wohl kaum Indianer, und auch Robin Hood dürfte als Täter nicht in Frage kommen. Und da das Opfer eh nur ein Drogendealer war, könnte man sein kurioses Dahinscheiden ruhigen Gewissens zu den Akten legen. Doch Inspector Sean Duffy tut sich schwer damit, Morde zu den Akten zu legen – auch wenn seine Vorgesetzten ihn dazu drängen und der Haussegen bei der jungen Familie Duffy gerade reichlich schief hängt. Und noch jemand möchte Duffy zum Aufgeben zwingen: Eines Nachts findet er sich im Wald wieder, wo drei bewaffnete, maskierte Gestalten ihn dazu zwingen, sein eigenes Grab auszuheben …

Ein neuer Fall für Sean Duffy, den katholischen Bullen im Belfast der düsteren 80er Jahre. Gejagt von unbekannten Kräften, bedroht von internen Ermittlungen, unter Druck gesetzt von der Mutter seines Kindes, versucht er, einen der wahnwitzigsten Mordfälle seiner Laufbahn aufzuklären, ohne dabei sein eigenes Leben zu verlieren.

 

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Jordan Harper: Die Rache der Polly McClusky

(c) Ullstein

Die 11-jährige Polly McClusky und ihren Stoffbären, die beiden vergisst man auch nach der Lektüre nicht. Dem erfolgreichen Drehbuchautor Jordan Harper ist mit “Die Rache der Polly McClusky” ein überzeugendes Debüt gelungen. Der letzte kriminalliterarische Road-Trip der mich ähnlich gut auf die Reise mitgenommen hat, war Tom Eppersons “Hyänen”.

Zum Inhalt: Das Mädchen Polly befindet sich mit ihrem Vater Nate, der die letzten Jahre im Gefängnis gesessen hat, auf der Flucht. Auf der Flucht vor der Neonazi-Gang Aryan Steel, die ein Todesurteil über Nate, seine Ex-Frau und Tochter Polly ausgesprochen hat. Doch Nate hat einen Plan, um den Spieß umzudrehen. Dabei wird auch seine Tochter über sich hinauswachsen.

Es gibt Szenen, in denen Nate seine Tochter in die Geheimnisse der Anwendung von überlebenswichtiger Gewalt einführt. Das ist schon ungewöhnlich und erinnert teilweise an den Film “Leon, der Profi”, in dem Natalie Portman als Mathilda in die Kunst des Tötens eingewiesen wird. Jordan Harper trifft aus meiner Sicht aber immer den Ton. Es ist nicht unheikel, derartige Szenen zu schreiben, doch der Autor tut das mit feinem Gespür für seine Charaktere. Sie sind schräg, aber nicht zu schräg. Es ist nachvollziehbar, dass Polly, die mit Brutalität und Gewalt konfrontiert wird, nicht wie ein braves, liebes Mädchen auf die Situation reagiert.

Harper lässt den Leser die Welt aus den Augen des Mädchens sehen. Ab sofort ist Polly mit einem ihr fast unbekannten Mann mit “Revolverheldenaugen” (ihr Vater) auf der Flucht vor bösen Männern mit “blauen Blitztattoos” auf den Armen (Neonazi-Gangmitglieder). Jedes dieser Tattoos steht übrigens für einen Getöteten.

Einziger Begleiter und Halt für Polly ist ein einäugiger, kaputtgeliebter Teddybär. Sie tut gern so, als wäre dieser lebendig, obwohl sie natürlich weiß, dass er das nicht ist. Dennoch hilft ihr das Plüschtier dabei, mit der Brutalität und Angst, die nun ihr Leben dominieren, besser zurechtzukommen. Mit diesem Stoffbären, “der nicht echt, aber wahr ist”, ist Harper ein genialer Kniff gelungen, um die brutalen Geschehnisse, wie sie auf ein Kinder wirken müssen, noch begreifbarer zu machen.

Und wieder einmal bestätigt sich: Egal, was Conny Lösch übersetzt, das Lesen zahlt sich aus.

8 von 10 Punkten

Jordan Harper: “Die Rache der Polly McClusky”, übersetzt von Conny Lösch, 285 Seiten, Ullstein.

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Krimi-Bestenliste April: Ein Abgleich

(c) Atrium

Wieder hat sich einiges getan auf der Krimi-Bestenliste. Hideo Yokoyama hat mit “64” Platz eins erobert. An diesem japanischen, epischen Polizeiroman dürfte heuer kein Weg vorbeiführen. Auch wenn das Buch 750 Seiten dick ist.

Aber auch die Plätze zwei bis vier sind eigentlich durchgehend Pflicht-Krimis. Disher, Stroby, Hillenbrand. Das macht Spaß, weil die Qualität einfach immer stimmt.

Carlo Boninis “ACAB” interessiert mich auch sehr, ebenso wie Roland Sprangers “Tiefenscharf”. Beachtlich hier auch, dass zwei Titel des kleinen Polar Verlags (“Tiefenscharf”, “Gravesend”) in der Liste vertreten sind.

Sarah Schmidts “Seht, was ich getan habe” hätte ich ehrlich gesagt schon allein wegen des Covers ignoriert, zwischen den Buchdeckeln dürfte sich aber eine vielversprechende Lektüre verstecken.

Die Liste im Überblick:

1. Hideo Yokoyama: 64 (2)
2. Garry Disher: Leiser Tod (1)
3. Wallace Stroby: Fast ein guter Plan (5)
4. Tom Hillenbrand: Hologrammatica (10)
5. Carlo Bonini: ACAB. All Cops Are Bastards (-)
6. Katja Bohnet: Kerkerkind (-)
7. Roland Spranger: Tiefenscharf (-)
8. Declan Burke: Eight Ball Boogie (-)
9. Sarah Schmidt: Seht, was ich getan habe (-)
10. William Boyle: Gravesend (4)

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Andreas Pittler: Die Spur der Ikonen

(c) Gmeiner

Der Österreicher Andreas Pittler ist zweifellos einer der Vielschreiber der deutschsprachigen Krimizunft. Der Historiker hat sich vor allem mit seiner zeithistorischen Bronstein-Serie, die in Wien spielt, einen Namen gemacht. Aber damit nicht genug: 2016 ist dann sein umfassender historischer Roman “Der göttliche Plan” erschienen, Anfang 2017 “Wiener Kreuzweg”, der Auftakt seines Triptychons, und im März 2017 “Die Spur der Ikonen”. Im April erscheint nun “Wiener Auferstehung”, Teil zwei des Triptychons.

Ich befasse mich hier kurz mit “Die Spur der Ikonen”. In diesem Kriminalroman schreibt Pittler einfach die Geschichte Österreichs um: Was wäre geschehen, wenn es die Österreichische Demokratische Republik (ÖDR), nach dem Vorbild der DDR, gegeben hätte? Mit einer Mauer zwischen den Wiener Bezirken Wieden und Margareten!

Es mag nicht gerade ein besonders realistisches Szenario sein, aber Pittler ist nun einmal gelernter Historiker und er hat gut recherchiert. Daher macht dieser dünne Kriminalroman auch ziemlich viel Spaß. Denn Pittler nimmt alles nicht ganz so ernst. Es ist amüsant, wie er reale Personen wie Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer in seine fiktive Welt integriert und gleichzeitig eine solide Krimi-Handlung bietet. Denn seine Geschichte ist alles andere als lächerlich. Er erschafft sympathische Figuren in einer Welt, die es so (zum Glück) nie gegeben hat. Perfekte Unterhaltung für zwischendurch.

6 von 10 Punkten

Andreas Pittler: “Die Spur der Ikonen”, 281 Seiten, Gmeiner.

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