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Horst Eckert: Wolfsspinne

(c) Wunderlich

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Horst Eckert hat mich einst mit “Schwarzer Schwan” schwer überzeugt, ich halte das für einen der besten Thriller über die internationale Finanzkrise. “Schwarzlicht”, seinen Auftakt der Serie rund um Ermittler Vincent Veih, fand ich solide, aber so ganz überzeugt war ich damals nicht. Aber zumindest schrieb ich: “Mit Ermittler Vincent Veih hat Eckert eine interessante Figur erschaffen, die wohl auch eine Serie tragen könnte.”

Tja, und mit “Wolfsspinne” zeigt Eckert wieder, was er kann – und wie. Kaum ein anderer deutschsprachiger Autor versteht es so gut, klassische Polizeikrimis mit zeitgenössischen, brisanten Themen zu verknüpfen. Eckert hat nun eine beängstigende, weil realistische Interpretation der Geschehnisse rund um den Tod von zwei NSU-Mitgliedern geschrieben, die Zweifel an der offiziellen Version nährt.

“Zugleich surrten die Aktenvernichter in den Verfassungsschutzämtern von Dresden, Hannover und Magdeburg, München und Düsseldorf. Auch einige Polizeidienststellen löschten fleißig. In Thüringen verschwanden Ermittlungsakten zum sogenannten Heimatschutz, in Berlin gingen Berichte von V-Leuten verloren, und beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden lösten sich die jüngsten Telefondaten von Liese Schittko in Wohlgefallen auf.”

Vor allem aber erschafft er Figuren, die einem nicht gleichgültig bleiben. Diesmal ist es vor allem der verdeckte Ermittler Ronny, dessen Leidensfähigkeit mehr als nur auf die Probe gestellt wird. Eckert porträtiert diesen Menschen, der sich eigentlich ständig in Ausnahmesituationen befindet, mit sehr viel Sympathie, ohne ihn allerdings hochzustilisieren.

Überhaupt ist er ein Meister darin, mehrere Erzählstränge zu verweben, um diese dann auch am Ende perfekt wieder zu entwirren. Ich mag diese Erzählart besonders. Aber nicht viele – vor allem deutschsprachige – Autoren beherrschen das so gut wie Eckert. Ich will gar nicht viele weitere Worte verlieren. Ich ziehe meinen Hut und freue mich auf den nächsten Vincent-Veih-Roman.

9 von 10 Punkten

Horst Eckert: “Wolfsspinne”, 489 Seiten, Wunderlich Verlag.

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Krimis, die man 2016 lesen sollte (VIII)

(c) Blessing

(c) Blessing

Bereits seit August sind die folgenden Krimis im Handel erhältlich. Sehr interessant vor allem aus Genre-Sicht ist Jack Londons “Mord auf Bestellung”, das anlässlich des 100. Todestags des Autors erschienen ist. Denn bei diesem Agententhriller handelt es sich zweifellos um einen der ersten seiner Art. Eigentlich darf man sich das nicht entgehen lassen.

Der Verlag schreibt: «Sie zahlen, wir morden!» lautet die Devise einer New Yorker Attentatsagentur. Einzige Bedingung: Die Liquidation des Opfers muss sozial nützlich und legitim sein … Mit «Mord auf Bestellung» brilliert der weltbekannte Abenteuerautor im Suspense-Genre. Nun erstrahlt sein wiederentdeckter Agententhriller aus dem Jahr 1910 in Eike Schönfelds Neuübersetzung.

10.000 $ für einen Polizeichef; 100.000 $ für einen zweitrangigen Monarchen; eine halbe Million für Seine Majestät, den König von England – Diskretion garantiert! Die Geschäfte der mordenden Moralfanatiker laufen prächtig, bis ein schwerreicher Philanthrop Verdacht schöpft und sie beauftragt, ihren eigenen Chef zu eliminieren: Auftakt einer Verfolgungsjagd quer durch die USA. Vor einer hawaiianischen Insel kommt es zum nalen Showdown … Dieser Agententhriller fesselt mit Dramatik, Action und spektakulären Wendungen. Zugleich wirft er hochbrisante Fragen auf: Welche Opfer darf ein Mensch im Namen einer höheren Moral in Kauf nehmen? Welcher Zweck heiligt welche Mittel? Und nicht zuletzt: Wie lässt sich eskalierende Gewalt eindämmen?

(c) Edition Nautilus

(c) Edition Nautilus

Alan Carters Krimi “Prime Cut” habe ich im Vorjahr verpasst. Mit “Des einen Freud” bietet sich nun aber erneut die Möglichkeit, diesen australischen Krimiautor kennenzulernen.

Es ist heiß in Westaustralien, und es wird noch heißer: Gordon Wellard, verdächtig des Mordes an einer vermissten 15-Jährigen, scheucht Cato Kwong durch Fremantle. Statt der angeblich vergrabenen Leiche findet Cato jedoch nur einen mit Zimmermannsnägeln gespickten Schweinekadaver. Kurz darauf wird ein Restaurantbesitzer, der kein Schutzgeld mehr zahlen wollte, mit ähnlichen Nägeln im Rücken tot aufgefunden. Der schnell ermittelte Täter kommt offenbar bei einem Buschbrand ums Leben. Doch als Cato kurz darauf entführt und mit einer Nagelpistole bedroht wird, offenbart sich, wie sehr die Polizei selbst bedroht – und verstrickt ist.

Zur gleichen Zeit untersucht Catos Kollegin Lara Sumich den Mord an dem Undercover-Cop Santo Rosetti, dem nach einem Blowjob auf der Toilette eines Nachtclubs die Kehle durchgeschnitten wurde. Ihre Ermittlungen werden jedoch manipuliert, und auch Lara selbst wird überfallen …

(c) Liebeskind

(c) Liebeskind

US-Autorin Ottessa Moshfegh dürfte eine ganz besondere Neuentdeckung sein. Während es sich bei dem dünnen Büchlein “McGlue” eher um ein Alkoholikerdrama handeln soll, wurde ihr zweites Buch “Eileen” sogar für die Short List des renommierten Man Booker Prize nominiert. Vielleicht kein Krimi im klassischen Sinn, aber spannende Literatur.

Salem, Massachusetts. Im Jahr des Herrn 1851. Der Seemann McGlue ist schwerer Trinker und sitzt im Gefängnis. Ihm wird vorgeworfen, vor Sansibar seinen besten Freund Johnson ermordet zu haben. Nur kann er sich an nichts erinnern. Was daran liegt, dass sein Schädel gespalten ist, seitdem er vor Monaten aus einem fahrenden Zug gesprungen ist, um nicht als blinder Passagier entdeckt zu werden. McGlue will sich auch an nichts erinnern, er will nur trinken. In der Nähe von New Haven hatte Johnson ihn einst auf der Straße aufgelesen und so vor dem Erfrieren gerettet. Er war es, der nach seinem Sturz für ihn sorgte, der ihn zur Handelsmarine brachte und mit ihm um die Welt segelte. Warum also sollte McGlue ihn umgebracht haben?

Ottessa Moshfegh erzählt die abgründige Geschichte eines Mannes, dessen Hass auf die Welt zu groß ist, als dass er unversehrt sein Dasein fristen kann. »McGlue« ist ein stimmgewaltiges, eindringliches Buch über das immerwährende Scheitern des Menschen, den eigenen Unzulänglichkeiten Herr zu werden. Denn zwischen Schuld und Gerechtigkeit steht immer das Leben.

(c) Wunderlich

(c) Wunderlich

Horst Eckert hat mit “Schwarzer Schwan” aus meiner Sicht einen der besten Krimis rund um die internationale Finanzkrise geschrieben. “Schwarzlicht”, der Auftakt seiner Reihe um Ermittler Vincent Veih hat mich zwar nicht ganz so überzeugt, aber dennoch ist Eckert zweifellos einer der besten Krimiautoren Deutschlands, der auch immer zeit- und gesellschaftskritisch schreibt. “Wolfsspinne” dürfte ein spannender Politthriller sein.

Ein hochbrisanter Politthriller vor dem Hintergrund von Flüchtlingszuwanderung und Pegida, der die offizielle Version zum Thema NSU infrage stellt. Es ist niemals vorbei.

Eisenach, 2011: Zwei Männer liegen tot in ihrem Wohnmobil. Sie waren Teil eines rechtsextremistischen Terror-Trios, das Deutschland Jahre lang unerkannt in Angst und Schrecken versetzt hat.
Aber was passierte wirklich? Ein Mann hat den “Nationalistischen Untergrund” für den Verfassungsschutz beobachtet. Er kennt die Wahrheit. Doch er muss schweigen.

Jahre später ermittelt der Düsseldorfer Hauptkommissar Vincent Veih im Mordfall der Promiwirtin Melli Franck. Die Spur führt ins Drogenmilieu. Aber als weitere Morde geschehen, stößt Vincent auf eine Fährte, die in die Vergangenheit weist: zur “Aktion Wolfsspinne”, die eng mit dem NSU verknüpft ist…

(c) Deuticke

(c) Deuticke

Iain Levisons außergewöhnlicher Krimi “Hoffnung ist Gift” habe ich leider nie gelesen. Mit “Gedankenjäger” hat er nun aber einen weiteren Krimi verfasst, der ganz lässig Genregrenzen sprengt. Dazu hier bald mehr.

Der Polizist Jared Snowe bemerkt bei einem Einsatz plötzlich, dass er Gedanken lesen kann. Während ihn das bei interessanten Frauen oft eher deprimiert – er weiß nun leider sofort, wenn er keine Chance hat –, profitiert er beruflich von seiner Fähigkeit und löst deutlich mehr Fälle als seine Kollegen. Nun soll er den geflohenen Mörder Brooks Denny aufspüren und zurück in die Todeszelle bringen. Snowe findet Denny mühelos, doch als sich die beiden treffen, machen sie eine überraschende Entdeckung: Sie haben beide das gleiche Schlangen-Tattoo auf der linken Schulter. Ein packender Thriller aus den USA, in dem sich die Grenzen zwischen Gut und Böse beständig verschieben.

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Eine neue vielversprechende Stimme ist auch S. Craig Zahler. “Die Toten der North Ganson Street” klingt nach interessanter Krimikost.

Die Bewohner nennen ihre Stadt Shitopia, weil es seit Langem nur bergab geht, die Kriminalitätsrate mit jedem Tag steigt und nicht einmal die Tauben sie lebenswert finden. Kein Detective tritt hier freiwillig seinen Dienst an. Hierhin wird man strafversetzt. Denn es ist die Hölle auf Erden.

Weil seine Vorgesetzten ihn für den Selbstmord eines Geschäftsmannes verantwortlich machen, muss Jules Bettinger das sonnige Arizona verlassen und mit seiner Familie ins eiskalte Missouri ziehen. Sein neuer Einsatzort ist Victory, doch die Stadt ist alles andere als ein Gewinn. Die Polizeibehörde ist sträflich unterbesetzt, auf jeden Ermittler kommen gefühlt siebenhundert Straftäter. Dennoch wird Bettinger von den neuen Kollegen alles andere als willkommen geheißen. Um mit ihnen warmzuwerden, bleibt ihm allerdings kaum Zeit: Einer nach dem anderen wird auf grausame Art ermordet …

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Sowohl William Shaws Debüt “Abbey Road Murder Song” als auch “Kings of London”, Teil zwei seiner Trilogie, haben mich begeistert. Was soll also bei “History of Murder” schiefgehen?

1969. Helen Tozer hat ihren Job bei der Polizei aufgegeben und kehrt gemeinsam mit dem schwer verletzten Detective Sergeant Cathal Breen auf die Farm ihrer Familie in Südengland zurück. Ein Ort mit einer furchtbaren Vorgeschichte: Fünf Jahre zuvor wurde Alexandra Tozer, Helens Schwester, hier ermordet. Breen, dem ursprünglich Nichtstun und Erholung verordnet wurden, verbeißt sich in den ungelösten Fall, und er entdeckt schnell, dass die Tozers nie die ganze Wahrheit über Alexandras Tod erfahren haben …

William Shaws packender Krimi führt uns ins England der 60er Jahre. Eigentlich sucht das Ermittlerduo Helen Tozer und Cathal Breen Ruhe auf dem Land, doch als Breen einen alten Mordfall wieder aufrollt, stört er damit den Täter von damals auf. Der schreckt vor nichts zurück, und schon bald ist Helen spurlos verschwunden …

(c) carl's books

(c) carl’s books

Zum Schluss noch ein Thriller aus deutscher Feder. “Zwei Sekunden” klingt nach einem spannenden, kritischen Buch über unsere durch Terror geprägte Welt.

Terroranschlag beim Staatsbesuch in Berlin. Nur um zwei Sekunden verpasst die Bombe die deutsche Bundeskanzlerin und den russischen Präsidenten. Die Russen behaupten, dass tschetschenische Terroristen hinter dem Anschlag stecken – doch eine Bekennerbotschaft gibt es nicht. Verfassungsschutz, Bundeskriminalamt und Berliner Polizei tappen im Dunkeln. Öffentlichkeit und Politik fordern Ergebnisse. Der Druck wächst. Widerwillig akzeptiert das BKA, dass Hauptkommissar Eugen de Bodt eigene Ermittlungen anstellt. Vor allem in höheren Polizeikreisen ist de Bodt unbeliebt bis verhasst. Doch will sich niemand nachsagen lassen, nicht alles unternommen zu haben. De Bodt und seine Mitarbeiter suchen verzweifelt eine Spur zu den Tätern. Aber erst, als er alle Gewissheiten in Frage stellt, bekommt de Bodt eine Idee, wer die Drahtzieher sein könnten. Doch um sie zu entlarven, muss er mehr einsetzen, als ihm lieb ist: das eigene Leben.

 

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Horst Eckert: Schwarzlicht

(c) Wunderlich

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Horst Eckert hat mit “Schwarzer Schwan” (ausgezeichnet mit dem “Krimi-Blitz” von krimi-couch.de) den aus meiner Sicht bislang besten Krimi rund um die Finanzkrise geschrieben. Es gibt auch keinen US-Autor, dem das bisher besser gelungen ist. In einem Beitrag habe ich Ende 2011 geschrieben, dass er darin das Motto “educate and entertain” perfekt umgesetzt hat: “Grundsätzlich schwer verdauliche Zutaten wie Bankencrash, Griechen-Pleite und Atomausstieg verleihen dem Buch erst seine besondere Würze.”

Ich habe damals auch ein E-Mail-Interview mit dem Autor geführt. Darin sagte er: “Eigentlich setzt die Politik die Rahmenbedingungen. Wenn aber die Lobbyisten der Konzerne zu viel Einfluss bekommen und die Regierenden die Nähe zu den großen Wirtschaftsbossen suchen, kippt das Verhältnis rasch.”

Nun hat Eckert, rechtzeitig zur Deutschen Bundestagswahl, nachgelegt. “Schwarzlicht” heißt sein neues Buch und es hat wieder viel mit Politik zu tun. Nur wenige Tage vor der Wahl stirbt Walter Castorp, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen – unter mysteriösen Umständen. Er wird tot im Swimmingpool eines befreundeten Baulöwen gefunden. Offensichtlich ist er ertrunken. Daran bestehen aber schon bald Zweifel.

(c) Grafit

(c) Grafit

Mit Ermittler Vincent Veih hat Eckert eine interessante Figur erschaffen, die wohl auch eine Serie tragen könnte. Veih ist familiär vorbelastet: Seine Mutter war eine RAF-Terroristin, sein Großvater ein Nazi. Vor allem der Lebenslauf seiner Mutter hat es ihm innerhalb der Polizei nicht immer leicht gemacht. Schon bald gerät er von allen Seiten unter Druck. Kaum einer (wenn überhaupt) im deutschsprachigen versteht es so perfekt , die Machtspiele innerhalb der Polizei und die Einflussnahme durch die Politik darzustellen. Im englischsprachigen Raum nennt man dieses Subgenre auch “Police Procedural”. Eckert beherrscht es schlafwandlerisch.

“Schwarzlicht” ist vielleicht nicht ganz so gut wie sein Vorgänger, dennoch macht es wieder Spaß, einen Autor zu lesen, der sein Handwerk wirklich versteht. Und das eigentlich Erschreckende bei seinen Büchern: Wie nahe schreibt er an der Realität? Stimmt nur ein Teil, so drängt sich eine beunruhigende Frage auf: Geht es angesichts der Intrigen und Machtspiele bei der Polizeiarbeit eigentlich auch noch darum, Fälle aufzuklären?

Auch gelernt: “Holunderbeersaft bringt die Hirnzellen wieder auf Trab.” Hab das auch mal kurz recherchiert: Wer mehr über die Kraft der Beeren wissen will, erfährt z.B. hier mehr: “Vitalstoff Journal”.

Song des Buches: London Calling von The Clash (Klingelton)

6 von 10 Punkten

Horst Eckert: “Schwarzlicht”, Wunderlich, 382 Seiten.

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Krimis, die man 2013 lesen sollte (IX)

(c) Rütten & Loening

(c) Rütten & Loening

Der September bietet wieder eine interessante Mischung an Krimi-Neuerscheinungen. Wobei das eigentliche Highlight eine Neuauflage ist, aber dazu gleich mehr. Ab 9. September ist mit “Racheengel” von Stuart Neville der dritte Teil der Reihe rund um den Belfaster Ermittler Jack Lennon erhältlich. Diesmal muss er sich mit der gesamten Unterwelt der Stadt anlegen. Ich habe es bisher leider nicht geschafft, ein Buch Nevilles zu lesen, mittlerweile steht aber Teil eins (“Die Schatten von Belfast”) der Serie in meinem Regal. Neville (zur Homepage des Autors) ist übrigens mit “Ratlines”, das im Irland des Jahres 1963 spielt und in dem sich ehemalige Nazis tummeln, für den Ian Fleming Steel Dagger Award nominiert. Zeit wäre es also eigentlich…

(c) Verlag Antje Kunstmann

(c) Verlag Antje Kunstmann

In meiner Leseliste ganz vorne befindet sich aber “Ich töte lieber sanft” von George V. Higgins (1939-1999). Wenn es um Higgins geht, weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Er war als “Meister des Dialogs” ein großes Vorbild des kürzlich verstorbenen Krimi-Großmeisters Elmore Leonard. Zudem habe ich am 8. Jänner meinen allerersten Blogeintrag zu Higgins verfasst. Damals noch unter dem Titel “Der vergessene George Higgins”. Nun macht sich aber der Verlag Antje Kunstmann um die Wiederauflage des Autors verdient. Über die Hollywood-Verfilmung (mit Brad Pitt in der Hauptrolle) seines am 11. September wieder erscheinenden Buches habe ich ebenfalls einen Artikel geschrieben. Und die ganz tolle Nachricht: Im Jänner 2014 wird auch “Die Freunde von Eddie Coyle” (von Elmore übrigens als bester Kriminalroman aller Zeiten bezeichnet) vom Verlag publiziert. Von Vergessen also doch keine Spur.

(c) Wunderlich

(c) Wunderlich

Am 20. September, zwei Tage vor der Bundestagswahl in Deutschland, kommt “Schwarzlicht” von Horst Eckert auf den Markt. Auch auf den deutschen Krimiautor und seine außergewöhnlichen Qualitäten habe ich hier schon verwiesen. Sein Buch zählt ebenfalls zu meinem Pflichtprogramm. Die Ausgangssituation klingt auch diesmal vielversprechend: “Walter Castorp ist tot. Der Ministerpräsident von NRW, ertrunken in seinem Swimmingpool. Sechs Tage vor der Wahl.” Ich erwarte Hochwertiges.

(c) Kindler

(c) Kindler

Damit wären wir auch schon bei Buch Nummer vier angelangt, das ebenfalls ab 20. September erhältlich ist. “Polivka hat einen Traum” des österreichischen Autors Stefan Slupetzky. Ich habe Slupetzky mit “Lemmings Zorn” kennengelernt und das humorvolle Buch hat mich sehr begeistert. Ich bin nun schon sehr gespannt auf diesen Krimi außerhalb der Lemming-Reihe. Zum Appetitanregen ein kurzes Stück aus dem Verlagstext: “Für den verschrobenen Wiener Bezirksinspektor Polivka steht von Anfang an fest: Der Mann, der sich infolge einer Notbremsung in einem Zugwaggon den Hals gebrochen haben soll, ist tatsächlich brutal ermordet worden.” Klingt schon mal sehr nach Slupetzky.

(c) diaphanes

(c) diaphanes

Mein fünfter Tipp lautet “Unter dem Auge Gottes” von Jerome Charyn. Das Buch ist der letzte Teil der elfteiligen Isaac-Sidel-Serie. Seit 1974 ist der Cop aus der Bronx immer höher aufgestiegen: Er ist inzwischen Vizepräsident der Vereinigten Staaten. Das Buch wird vom Verlag diaphanes als Teil der neuen “Penser Pulp”-Serie herausgegeben. Ich muss zu meiner Schande gestehen, noch nichts von Charyn gelesen zu haben. Aber ich werde wohl ähnlich wie bei Ian Rankins Kultfigur John Rebus (mehr dazu…) die Reihe von hinten aufrollen. Denn zu spät ist es nie.

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Ian Rankin plaudert aus dem Nähkästchen

Ich habe den schottischen Autor Ian Rankin ja erst kürzlich und reichlich spät mit “Mädchengrab” entdeckt (mehr dazu…). Nun bin ich über einen Artikel in der “Daily Mail” gestolpert. Darin gibt Rankin zehn Tipps, wie man einen guten “Whodunit”-Krimi schreibt. Dass ich mit diesem Subgenre so meine Probleme habe, habe ich hier schon erwähnt. Umso gespannter war ich auf seine Meinung.

(c) Manhattan

(c) Manhattan

Und ich muss sagen, Rankin begeistert mich immer mehr. Denn er schreibt: “The ‘whodunit’ aspect of the story is the least interesting part for me – and it doesn’t bother me if people work it out on Page One. I’m more interested in what the crime tells us about ourselves and the society we live in. So it’s not a game I’m playing with the reader; I’m approaching things as a straight novelist.” Er sieht das also genau so wie der deutsche Krimiautor Horst Eckert, den ich erst in meinem letzten Eintrag folgendermaßen zitiert habe: “Beim Schreiben möchte ich anhand meiner Figuren erforschen, wie wir Menschen ticken, was extreme Situationen aus uns machen können und wie wir uns darin verhalten.”

(c) Goldmann

(c) Goldmann

Rankin verrät in dem Artikel aber auch noch einige andere interessante Dinge über das Krimischreiben: Zum Beispiel kann zu viel Recherche vor dem ersten Entwurf hinderlich sein. Am meisten stolz ist er auf sein Buch “Das Souvenir des Mörders” (“Black & Blue”). Die Bücher davor seien Fingerübungen gewesen, aber erst mit seinem achten Rebus-Roman sei er zur Überzeugung gelangt, vom Krimischreiben tatsächlich leben zu können.

(c) Scherz

(c) Scherz

Er zollt auch Kollegin Gillian Flynn und vor allem ihrem Buch “Gone Girl” (erscheint im August erstmals auf Deutsch und zählt für mich zur diesjährigen Pflichtlektüre) Respekt: “As a crime writer, I looked at it, and I looked at it again, and asked myself, ‘How did she do this? How did the author pull off this brilliant twist without my seeing it coming?’” Ein guter Kriminalroman zeige einem zudem einen Teil der Welt, wie man ihn bisher so nicht gesehen hat. Ruth Rendell nennt er in diesem Zusammenhang als Meisterin.

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“Schwarzlicht” von Horst Eckert kommt im Herbst

Twitter ist schon toll: Da entdecke ich einen neuen Follower (@Kriminalinski) und erfahre dort, dass im Herbst der Roman des deutschen Krimiautors Horst Eckert auf den Markt kommt. “Schwarzlicht” soll er heißen. Eckert hat 2011 mit “Der Schwarze Schwan” einen der besten Krimis geschrieben, die sich mit der Finanz- und Wirtschaftskrise befassen (zu meiner Kurzkritik von damals). Ich habe Eckert damals auch per E-Mail kurz interviewt, für alle die es interessiert. Nur hier ein kurzes Zitat von damals: “Ein guter Krimi unterhält nicht nur spannend, sondern führt auch in die Abgründe der menschlichen Seele und die verborgenen Ecken der Gesellschaft.”

(c) Grafit

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Und auf der eben entdeckten Blog-Seite kriminalinski sagt er: “Für mich ist – im Unterschied zu vielen Kollegen – Mord keine lustige Unterhaltung, sondern ein Beweis dafür, dass das Böse in uns steckt. Beim Schreiben möchte ich anhand meiner Figuren erforschen, wie wir Menschen ticken, was extreme Situationen aus uns machen können und wie wir uns darin verhalten.” Ich finde das wichtig und nicht selbstverständlich, denn allzu oft geht es im Krimi-Genre einfach um “lustiges” Morden, das so blutig wie möglich sein soll, nur um Grenzen auszureizen.

Seine kurze Beschreibung, worum es in “Schwarzlicht” gehen soll, klingt schon mal vielversprechend: “In ‘Schwarzlicht’ ist das Mordopfer ein Ministerpräsident und trägt Züge von Uwe Barschel oder Christian Wulff.” Ich bin wirklich gespannt auf das neue Buch dieses Krimi-Ausnahmetalents.

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