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Ian Rankin plaudert aus dem Nähkästchen

Ich habe den schottischen Autor Ian Rankin ja erst kürzlich und reichlich spät mit “Mädchengrab” entdeckt (mehr dazu…). Nun bin ich über einen Artikel in der “Daily Mail” gestolpert. Darin gibt Rankin zehn Tipps, wie man einen guten “Whodunit”-Krimi schreibt. Dass ich mit diesem Subgenre so meine Probleme habe, habe ich hier schon erwähnt. Umso gespannter war ich auf seine Meinung.

(c) Manhattan

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Und ich muss sagen, Rankin begeistert mich immer mehr. Denn er schreibt: “The ‘whodunit’ aspect of the story is the least interesting part for me – and it doesn’t bother me if people work it out on Page One. I’m more interested in what the crime tells us about ourselves and the society we live in. So it’s not a game I’m playing with the reader; I’m approaching things as a straight novelist.” Er sieht das also genau so wie der deutsche Krimiautor Horst Eckert, den ich erst in meinem letzten Eintrag folgendermaßen zitiert habe: “Beim Schreiben möchte ich anhand meiner Figuren erforschen, wie wir Menschen ticken, was extreme Situationen aus uns machen können und wie wir uns darin verhalten.”

(c) Goldmann

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Rankin verrät in dem Artikel aber auch noch einige andere interessante Dinge über das Krimischreiben: Zum Beispiel kann zu viel Recherche vor dem ersten Entwurf hinderlich sein. Am meisten stolz ist er auf sein Buch “Das Souvenir des Mörders” (“Black & Blue”). Die Bücher davor seien Fingerübungen gewesen, aber erst mit seinem achten Rebus-Roman sei er zur Überzeugung gelangt, vom Krimischreiben tatsächlich leben zu können.

(c) Scherz

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Er zollt auch Kollegin Gillian Flynn und vor allem ihrem Buch “Gone Girl” (erscheint im August erstmals auf Deutsch und zählt für mich zur diesjährigen Pflichtlektüre) Respekt: “As a crime writer, I looked at it, and I looked at it again, and asked myself, ‘How did she do this? How did the author pull off this brilliant twist without my seeing it coming?’” Ein guter Kriminalroman zeige einem zudem einen Teil der Welt, wie man ihn bisher so nicht gesehen hat. Ruth Rendell nennt er in diesem Zusammenhang als Meisterin.

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Ian Rankin: Mädchengrab

(c) Manhattan

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17 John-Rebus-Romane hat der Schotte Ian Rankin geschrieben und sich damit Kultstatus erarbeitet. Der Autor musste seine Figur aber erst nach fünfjähriger Pause wiederauferstehen lassen und den 18. Band seiner Reihe schreiben, ehe ich es nun geschafft habe, mit “Mädchengrab” meine Rankin-Rebus-Premiere zu feiern. Und ich muss zugeben: Ich bin begeistert. Das Buch mag sich zwar nicht genial auflösen, aber ich habe selten ein derart atmosphärisch dichtes Werk gelesen, das auch mit gekonnter Charakterzeichnung auftrumpft. Rankin ist weit weg von der schwedischen Krimi-Tristesse, mit der ich persönlich meine Probleme habe. Da schwingt auch immer wieder feiner Humor einer Art durch, wie ihn wohl wirklich nur Briten haben.

Ein kurzer Exkurs: Besonders hervorheben will ich hier auch die Übersetzerin Conny Lösch, die bereits einige Werke von Don Winslow, aber auch “Crime Machine” von Howard Linskey übersetzt hat. Ich würde sogar sagen: Ein Buch, das Lösch übersetzt hat, kann man eigentlich blind kaufen. Ich habe noch keines gelesen, das nicht gut war. Ich werde daher demnächst hier auch mal einen Beitrag über die Bedeutung von Übersetzern am Beispiel Lösch schreiben.

Nun aber zurück zu Rankin und Rebus. Das Buch ist dem 2011 verstorbenen Folk-Sänger Jackie Leven, einem guten Freund Rankins, gewidmet. Das spiegelt sich auch im Originaltitel “Standing in Another Man’s Grave”, eine Anspielung an einen Levin-Songtitel, wieder. Wenn Rebus am Beginn des Buches am Rand eines Grabes steht, ist das ein wenig wohl auch eine literarische Verbeugung Rankins vor seinem singenden Freund. Übrigens wird sich auch der Titel von Rebus-Roman Nummer 19 – der im November 2013 auf Englisch erscheint – auf einen Song von Levin beziehen: “Saints of the Shadow Bible”.

Zur Handlung: Der ehemalige Detective Inspector John Rebus ist in Rente gegangen. In einer “Cold Case”-Abteilung der Polizei geht er aber ungelösten Fällen nach. So stößt er auch auf den Fall vier verschwundener Mädchen. Im Zuge der Ermittlungen hat Rebus auch mit seiner ehemaligen Kollegin Siobhan Clarke zu tun, die ihm hilft, obwohl sich das für ihre Karriere eher als hinderlich erweist. Ein großer Teil des Charmes des Buches wurzelt in der spannungsgeladenen Beziehung zwischen Rebus und Clarke – Rankin-Fans wissen sicher viel mehr über die Entwicklung und die Geschichte der beiden. Man kann das aber auch ganz gut lesen, ohne die Vorgeschichte zu wissen.

Rankin hat zudem den internen Ermittler Malcolm Fox, der korrupten Polizisten das Handwerk legt, in die Handlung von “Mädchengrab” eingebaut. Nachdem Rankin Rebus in Rente geschickt hatte, erschuf er mit Fox eine neue Figur. Nun führt er diese beiden zusammen. Fox bleibt aber ziemlich farblos, die Sympathien liegen ganz eindeutig bei Rebus.

Rankin hat mit “Mädchengrab” einen packenden Krimi mit viel Lokalkolorit, dichter Atmosphäre und glaubwürdigen Charakteren geschrieben. Das Buch mag zwar nicht sein Meisterwerk sein, aber aus der Krimi-Publikationsflut strahlt es immer noch wie ein Leuchtturm hervor. Für mich steht fest: Das war sicher nicht mein letzter Rankin-Roman und auch nicht mein letzter Rebus-Roman. Da ich Rankin aber noch von anderen Seiten kennenlernen will, habe ich mir “Bis aufs Blut” (geschrieben als Jack Harvey) bestellt. In dem Buch steht ein Killer im Zentrum der Geschichte.

Einziger Kritikpunkt: Das Cover mit dem toten Vogel steht in keinem Zusammenhang mit dem Buch. Ich zitiere dazu aus der Rezension der Krimibuchhandlung Hammett, die es auf den Punkt bringt: “Wieder ein toter kleiner Vogel auf weißem Grund, natürlich noch mit ein paar Blutstropfen drapiert. Warum nur? Warum sind die Covergestalter seit Jahren nur so von diesen Tieren besessen?”

Ian Rankin: “Mädchengrab”, übersetzt von Conny Lösch, Manhattan, 507 Seiten.

8 von 10 Punkten

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KrimiZeit-Bestenliste Mai – Ein Abgleich

(c) Droemer

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Ein guter Monat beginnt mit der KrimiZeit-Bestenliste. Seit Donnerstag ist das aktuelle Genre-Ranking verfügbar. Dass Sara Gran im Mai mit “Das Ende der Welt” den Sprung an die Spitze geschafft hat, ist nicht wirklich überraschend. Nach dem Einstieg auf Platz 3 im April war das fast schon erwartbar. Zudem lässt sich auf dem Buchrücken nachlesen, dass die KrimiZeit-Jury-Mitglieder Tobias Gohlis und Thomas Wörtche vom Vorgänger “Die Stadt der Toten” begeistert waren. Ein Heimspiel sozusagen. Die Autorin hat übrigens auch den Deutschen Krimipreis 2013 gewonnen. Ich werde hier in Kürze meine Eindrücke niederschreiben. Ich habe gerade Seite 300 absolviert und nähere mich dem Ende. Mehr sei vorerst nicht verraten.

Auf Rang 2 vorgerückt ist der Italiener Giancarlo de Cataldo mit “Der König von Rom”, seiner Vorgeschichte zu “Romanzo Criminale” (zu meiner Kritik). Auf den Plätzen 3 bis 5 tummeln sich dann drei Neueinsteiger, von denen ich Olen Steinhauer hervorheben will. “Die Spinne” ist sein dritter Milo-Weaver-Roman, der damit das Geheimdienst-Genre kräftig belebt. Ich habe den Weaver-Auftakt “Der Tourist” gelesen, der Nachfolger “Last Exit” steht bereits in meinem Regal. Eine gute Wahl würde ich sagen, zumal Steinhauer im deutschsprachigen Raum bislang wohl nur als Geheimtipp gehandelt wird.

Auf Platz 6 folgt schließlich Elmore Leonard mit “Raylan” (zu meiner Kritik). Ehre, wem Ehre gebührt. Leonard ist damit bereits zum dritten Mal vertreten – ebenso wie Joe R. Lansdale mit “Dunkle Gewässer”, der nach seinem April-Sieg auf Rang 8 abgerutscht ist. Meine Kritik zu Lansdales bluttriefender Huckleberry-Finn-Interpretation gibt es hier demnächst zu lesen. Auf Platz 7 dazwischengeschummelt hat sich Neueinsteiger Daniel Suarez mit “Kill Decision”, dessen Cover ich zum besten des Monats April gewählt habe. Von dem Buch werde ich nach meinen Erfahrungen mit den Vorgängern “Daemon” und “Darknet” aber die Finger lassen. Suarez behandelt zwar äußerst brennende und spannende Themen, kann aber meiner Meinung nach einfach nicht erzählen.

Auf Cathi Unsworths “Opfer”, das von Rang 6 auf 9 abgerutscht ist, freue ich mich schon. Gleich nach Ende der Gran-Lektüre rückt Unsworth nach. Ich bin schon auf den Vergleich zu Gran gespannt, werden die beiden doch momentan als die weiblichen Innovatorinnen des Krimi-Genres gepriesen. Und mit Ian Rankins “Mädchengrab” hat es ein wahrer Krimi-Veteran gerade noch ins Ranking geschafft. Es war mein erster Rebus (und Rankins Rebus Nummer 18). Aber so viel steht fest: Es war sicher nicht mein letzter. Ich werde nun vielleicht einfach von vorn beginnen. Auch dazu in Kürze mehr…

Die Liste im Überblick:

  1. Sara Gran: “Das Ende der Welt”
  2. Giancarlo de Cataldo: “Der König von Rom”
  3. Robert Hültner: “Am Ende des Tages”
  4. Olen Steinhauer: “Die Spinne”
  5. Matthias Wittekindt: “Marmormänner”
  6. Elmore Leonard: “Raylan”
  7. Daniel Suarez: “Kill Decision”
  8. Joe R. Lansdale: “Dunkle Gewässer”
  9. Cathi Unsworth: “Opfer”
  10. Ian Rankin: “Mädchengrab”

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Krimis, die man 2013 lesen sollte (III)

(c) Kindler

(c) Kindler

Gleich zu Monatsbeginn (1. März) lässt Sara Gran ihre unkonventionelle Ermittlerin Claire de Witt in “Das Ende der Welt” wieder von der Leine. Mal sehen, ob sie an das Vorgängerbuch “Die Stadt der Toten” – ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimipreis 2013 – anschließen kann. Erste Rezensionen zufolge dürfte es sich aber mehr um einen Drogentrip als einen Krimi handeln…

Nach “Im Eis” legt Melanie McGrath mit “Zeichen im Schnee” (8. März) den zweiten Teil ihrer Serie rund um Edie Kiglatuk, einer Inuk-Frau und erfahrenen Arktis-Jägerin, vor. Iihre Ermittlungen führen sie laut Verlagsinformation in den Umkreis der Protagonisten des Wahlkampfs um den Gouverneursposten von Alaska, der gerade erbittert geführt wird. Während sich Edie mächtige Feinde macht, ist Sammy auf seinem Schlitten in der Wildnis allein unterwegs – jedem Anschlag hilflos ausgeliefert. Nach einem tollen ersten Teil, sind die Hoffnungen auch hier groß.

Der Italiener Giancarlo De Cataldo erzählt mit “Der König von Rom” (11. März) die Vorgeschichte zu “Romanzo Criminale”, das ihn berühmt gemacht hat. De Cataldo ist Richter in Rom und beschreibt den Aufstieg des Chefs der berüchtigten Magliana-Bande, basierend auf Prozessakten.

George Pelecanos “Eine süße Ewigkeit” (11. März) ist nach den ersten beiden Bände “King Suckermann” und “Das große Umlegen” der Abschluss der neu aufgelegten Washington-Noir-Trilogie.

Persönlich besonders gespannt bin ich auf Ian Rankins “Mädchengrab” (11. März). Darin kehrt die Edinburgher Insepektoren-Legenden John Rebus wieder zurück. Statt untätig zu Hause herum zu sitzen, geht er aber in der “Cold Case”-Abteilung alten ungelösten Verbrechen nach. Ich oute mich: Für mich ist deshalb so interessant, weil es mein erster Rebus-Roman sein wird.

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