Tag Archives: Adrian McKinty

Barry Award: Steve Hamilton und Adrian McKinty sind nominiert

(c) Droemer

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Die Nominierten in vier Kategorien für den wichtigen Krimipreis, der am 12. Oktober vergeben wird, sind da. Steve Hamilton ist mit “Das zweite Leben des Nick Mason” für den besten Kriminalroman nominiert. Das Buch erscheint ja am 1. März auf Deutsch. Die Konkurrenz ist stark, denn er befindet sich in prominenter Gesellschaft. Nominiert sind in der Hauptkategorie ebenso Reed Farrel Coleman (“Where It Hurts“), Michael Connelly (“The Wrong Side of Goodbye”), Laura Lippman (“Wild Lake”), Louise Penny (“A Great Reckoning”) und David Swinson (“The Second Girl”).

Für das beste Debüt sind unter anderem Joe Ide (“IQ”) und Nicholas Petrie (“Drifter”) nominiert. Beide Bücher sind bereits auf Deutsch erschienen und ich habe beide bereits gelesen, allerdings hier noch nicht besprochen. Ich würde aber “IQ” definitiv vorziehen. Nominiert ist auch Bill Beverlys “Dodgers”, das Buch konnte bereits 2016 bei anderen namhaften Krimipreisen groß abräumen. Also, liebe deutschsprachige Verlage: Rasch übersetzen!

(c) Suhrkamp Nova

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Besonders freut mich die Nominierung von Adrian McKintys “Rain Dogs” – das soeben auf Deutsch erschienen ist – in der Kategorie “Best Paperback Original”. Das steigert die Vorfreude gleich noch einmal. Das Buch ist damit bereits für den insgesamt fünften Krimipreis nominiert, wie McKinty auf seinem Blog “The Psychopathology of Everyday Life” schreibt. Das dürfte ein Rekord sein, wie der Autor vermutet. Drei Nominierungen blieben erfolglos, er ist aber neben dem Barry Award auch bei den Edgar Awards noch im Rennen. Ich freue mich wirklich schon sehr auf die Lektüre!

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Adrian McKinty: Gun Street Girl

(c) Suhrkamp Nova

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“Gun Street Girl” ist bereits der vierte Teil der Sean-Duffy-Reihe des nordirischen Krimiautors Adrian McKinty. Erneut muss Duffy, der katholische Polizist, im protestantischen Belfast ermitteln. Als ein wohlhabendes Ehepaar ermordet wird und kurz darauf der Sohn in einem Abschiedsbrief die Tat gesteht, scheint alles klar. Doch nichts ist, wie es scheint.

McKinty schreibt nicht einfach nur sehr gut, sondern nahezu perfekt. Nichts kommt zu kurz: das Rätselhafte, die Ermittlerarbeit, starke Charaktere, Handlung, Humor und vor allem das zeithistorische Setting. Teil vier ist der stärkste Band der nicht gerade mit schwachen Teilen ausgestatteten faszinierenden Duffy-Serie.

Nur kurz zu meinen Leseerfahrungen: Ich brauche immer ein Kapitel, in dem mir McKintys Stil sogar sperrig vorkommt, doch spätestens dann entfaltet sich jedes Mal hohe Krimikunst. Einstiege mögen also nicht seine Stärke sein, aber da ist dann auch schon Schluss mit Schwächen. Selten schmunzle ich so oft beim Lesen von Krimis. Nicht unbedingt, weil McKinty so lustig ist (obwohl er schon einen feinen Humor hat), sondern weil ich mich einfach wohlfühle beim Lesen. Vielleicht grinse ich dann sogar schwachsinnig, alles möglich: Andere mögen das beim Blick in ihr Smartphone machen, bei mir ist das bei McKinty der Fall 😉

Ich habe einfach großen Respekt vor diesem Autor. Für mich ist er einer der ganz Großen des Genres. Wenn ihr mehr über ihn wissen wollt, schaut doch einfach einmal auf seinen äußerst unterhaltsamen Blog “The Psychopathology of Everyday Life”. Da erfahrt ihr, warum er Don Winslows “Das Kartell” für ein Meisterwerk hält (das auch sein “Favourite Book of 2015” war), welche Ridley-Scott-Filme Schrott sind und welche nicht oder was passieren kann, wenn man in Melbourne ohne Helm Fahrrad fährt. Besonders sympathisch finde ich seinen Beitrag “What Happened Next?”.

Die Serie im Überblick:

Der katholische Bulle

Die Sirenen von Belfast

Die verlorenen Schwestern

10 von 10 Punkte

Adrian McKinty: “Gun Street Girl”, übersetzt von Peter Torberg, Suhrkamp, 375 Seiten.

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Krimis, die man 2015 lesen sollte (X)

(c) S. Fischer

(c) S. Fischer

Als “The Wire”-Liebhaber ist es eigentlich unverständlich, dass ich von Richard Price, der für seine Mitarbeit an der Serie im Jahr 2007 den Edgar Award erhielt, noch nichts gelesen habe. Mit “Die Unantastbaren” wird sich das in Kürze ändern. Ich muss sagen, ich bin voller Vorfreude und hoffe auf ein Buch, das meine sich langsam Gestalt annehmende “Die besten Krimis des Jahres”-Liste noch gehörig durcheinander würfeln wird.

Der Verlagstext: Billy Graves ist ein ruheloser Cop in New York City. Energy-Drinks und Zigaretten halten ihn wach, während er in den frühen Morgenstunden die Blocks abfährt. Wie seine vier Kollegen hat auch er einen »Unantastbaren«, einen skrupellosen Mörder, den er nie dingfest machen konnte. Als einer der Unantastbaren tot aufgefunden wird, beginnt Billy, seine engsten Vertrauten zu verdächtigen. Ein fesselnder New York-Roman, knallhart und gnadenlos gut.

(c) Löcker

(c) Löcker

Die Österreicherin Clementine Skorpil hat bereits 2013 mit “Gefallene Blüten” einen wahrlich außergewöhnlichen, im Shanghai der 1920er Jahre spielenden Krimi geschrieben. Sie sticht damit aus dem momentan boomenden österreichischen Krimi-Geschehen heraus. Denn während sich hier Thriller-Autoren wie Bernhard Aichner und Andreas Gruber etablieren bzw. schon etabliert haben und jeder (halb)humorige Krimi ohnehin weiter für guten Absatz sorgt, geht die Sinologin Skorpil ihren ganz eigenen Weg.

Shanghai 1927: Das Leben ist hart in den Elendsvierteln jenseits des Huang Pu. Da, wo die Hütten der ganz Armen stehen. Wen Pi als Ältester von neun Geschwistern hat zu tun, die ganze Familie satt zu kriegen, mit Betteln und Stehlen und möglichst ohne von der Polizei erwischt zu werden. Einzige Freude: sich in der Gruppe mit der feindlichen Gang zu prügeln. Bis eines Tages der kleine Hu aus der Bande tot ist: erschossen. Und er ist nicht der einzige Junge, der, noch bevor er ein Mann ist, diese Welt verlassen muss. Die Behörden interessieren sich nicht für die Morde. Ohnehin gehören die Chefs zum Teil selbst der örtlichen Triade, der Green Gang, an, und zum anderen überstürzen sich die politischen Ereignisse…

Ein Roman über einen Schelm, der vom Analphabeten zum Intellektuellen wird, ein Krimi, ein Porträt einer Stadt, von der Aldous Huxley meinte, sie sei das pure Leben.

(c) Festa

(c) Festa

Nun wird es ein wenig Trashiger. Mark Greaneys “The Grey Man. Unter Killern” war 2012 als bester Thriller für den Barry Award nominiert und steht seit Jahren im Original bei mir im Regal. Ich habe eigentlich schon nicht mehr an eine deutsche Übersetzung geglaubt. Aber wie schon im Fall von Stephen Hunter (“Nachtsicht”) oder Ben Coes (“Coup d’Etat”, ebenfalls 2012 als Thriller für den Barry Award nominiert) ist der Festa-Verlag immer wieder für Überraschungen gut. Greaney dürfte allen Tom-Cain- und Tom-Wood-Fans gefallen.

Court Gentry ist ein guter Mensch. Und er ist ein perfekter Killer …

Er bewegt sich lautlos von Auftrag zu Auftrag und vollbringt Unmögliches. Er trifft immer sein Ziel – und dann, wie ein Schatten, ist er verschwunden: The Gray Man.

Im Auftrag der Regierung der USA hat Court die blutigen Jobs in Syrien und dem Irak erledigt. Doch zu seinem Entsetzen erfährt er, dass das Team, das ihn retten sollte, ihn nun beseitigen will.

(c) Suhrkamp Nova

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Zum Schluss ein alter Bekannter, einer meiner Lieblingsautoren: An Adrian McKintys “Gun Street Girl” wird für mich nach der Lektüre der ersten drei Bände rund um den katholischen Bullen Sean Duffy kein Weg vorbeiführen. Ihr wollt drei Argumente?

  1. Der katholische Bulle
  2. Die Sirenen von Belfast
  3. Die verlorenen Schwestern

😉

Belfast, 1985. Waffenschmuggel an den Grenzen, Aufstände in den Städten, üble Popsongs im Radio. Und mittendrin Detective Inspector Sean Duffy, der sich als katholischer Bulle in der protestantischen Royal Ulster Constabulary durchschlagen muss.

Das wohlhabende Ehepaar Kelly wird brutal ermordet. Kurz darauf entdeckt man am Meeresufer die Leiche ihres Sohnes Michael. Als die Polizei auch noch auf einen Abschiedsbrief stößt, in dem Michael die Tat gesteht, wird die Akte schnell geschlossen. Aber irgendetwas scheint an der Sache faul zu sein, schon bald gibt es weitere Opfer.

Duffy muss ins wenig geliebte englische Nachbarland reisen und in den elitären Kreisen von Oxford ermitteln. Stets an seiner Seite: die MI5-Agentin Kate – wertvolle Informantin und geheime Schwachstelle des katholischen Bullen. Und während sie ihm ein verlockendes Angebot macht, das sein ganzes Leben verändern könnte, gerät Duffy immer tiefer hinein in einen Fall, der ihm mächtige Gegner beschert.

Zu mächtig vielleicht …

 

 

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Adrian McKinty: Die verlorenen Schwestern

(c) suhrkamp nova

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Adrian McKinty ist immer wieder für Überraschungen gut. War “Sirenen von Belfast”, der zweite Teil seiner Sean-Duffy-Serie, auch so etwas wie eine pophistorische Abhandlung, hat er nun bei Teil drei, “Die verlorenen Schwestern”, beschlossen, dass das Popjahr 1983 am besten zu verschweigen ist (was er dann auch konsequent durchzieht):

“Nur Synthesizer, Drum Machine und hohe Stimmen. Aber so waren die Zeichen der Zeit, und nun, da der Herbst angebrochen war, konnte man mit ziemlicher Bestimmtheit festhalten, dass 1983 wohl das schlimmste Jahr in der Geschichte der Popmusik der letzten zwei Jahrzehnte werden würde.”

Einspruch, lieber Adrian McKinty: 1983 erschien “Construction Time Again” von Depeche Mode! Mit an Bord auf diesem Album: Der Song “Pipeline”, der das Industrie-Zeitalter perfekt hörbar macht. Die Bandmitglieder gingen für diesen Song auf stillgelegte Rangierbahnhöfe und sammelten Rohre sowie Schrott zusammen, um den unverkennbaren Metall-Sound herzustellen. “Wir sampelten den Klang der Welt”, sagte Musikproduzent Gareth Jones über den Song. Mute-Records-Gründer Daniel Miller sagte: “Wir hämmerten, donnerten, kratzten, zerrten und bliesen auf und in alles, um interessante Geräusche zu machen”. Gegen Ende des Lieds kann man sogar Züge fahren hören. Der eigentliche Hauptdarsteller ist aber wohl der springende Tischtennisball, der im Hintergrund zu hören ist…

Sorry übrigens für diesen sehr persönlichen Exkurs, ich konnte nicht anders 😉

Also zurück: Stattdessen greift McKinty auf ein klassisches Stilelement des Kriminalromans zurück: Das Rätsel des verschlossenen Raums (in der Tradition von Edgar Allan Poe – “Der Doppelmord in der Rue Morgue”). Denn eine Frau ist in einem geschlossenen Lokal ums Leben gekommen. Eigentlich kann es nur ein Unfall gewesen sein – oder doch nicht? Duffy muss dieses Rätsel lösen, ehe sich seine Informantin bereit erklärt, den Aufenthalt eines flüchtigen IRA-Terroristen zu verraten.

Erneut spielt der Roman in der “heißen” Phase des Nordirland-Konflikts Anfang der 1980er Jahre. Und manche Dinge ändern sich nie in Duffys Leben. Immer noch muss er vor jeder Fahrt unter das Auto sehen, um sicher zu gehen, dass nicht jemand eine Bombe darunter angebracht hat. Als katholischer Bulle in Nordirland ist er schließlich ein begehrtes Ziel. Sehr fein verarbeitet McKinty aber auch die realen Ereignisse rund um den Anschlag von Brighton im Oktober 1984 auf Premierministerin Margaret Thatcher.

Ein wenig sauer stößt mir hingegen der Wechsel von Hardcover- auf Paperback-Format auf. Das macht man einfach nicht innerhalb einer Serie, finde ich. Wie schaut denn das im Regal aus? Ich weiß, angesichts der E-Books wirkt diese Einstellung ziemlich antiquiert, aber so sehe ich es halt. Die Kritik wird dem Verlag ohnehin ziemlich egal sein. Ach ja, und warum wurde der irische Grünton der ersten beide Cover (hier und hier) gegen ein Grau gewechselt? Was will man uns damit sagen?

Das ändert aber nichts am Gesamteindruck. Denn noch immer zählt das gedruckte Wort am meisten:

8 von 10 Punkten

Adrian McKinty: “Die verlorenen Schwestern”, übersetzt von Peter Torberg, 378 Seiten, suhrkamp nova.

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Krimis, die man 2015 lesen sollte (III)

(c) suhrkamp nova

(c) suhrkamp nova

Schon über den Februar hatte ich geschrieben, er sei ein Krimi-Wonnemonat. Der März steht dem Vormonat aber kaum nach. Einerseits ist da gleich zu Beginn Adrian McKintys dritter Teil der Sean-Duffy-Serie erschienen. “Die verlorenen Schwestern” ist seit 7. März im Handel und bei mir Pflicht. Ich habe hier sowohl Teil 1 (“Der katholische Bulle”) als auch Teil 2 (“Die Sirenen von Belfast”) hymnisch besprochen. Trotzdem bin ich enttäuscht vom Verlag: Kamen die ersten beiden Bände als Hardcover heraus, ist “Die verlorenen Schwestern” bloß als Weder-Fisch-noch-Fleisch-Lösung herausgekommen: also als “großes” Taschenbuch (wie auch immer der Fachausdruck dafür sein mag). Sieht im Regal nicht so toll aus. Aber der Inhalt wird diesen Makel wohl wieder wettmachen. Der Verlag schreibt: “Nordirland, 1983. Als an einem Septembertag 38 IRA-Terroristen aus einem Hochsicherheitsgefängnis ausbrechen, herrscht höchste Alarmbereitschaft: Unter den Flüchtlingen befindet sich der in Libyen ausgebildete Bombenspezialist Dermot McCann. Inspector Sergeant Sean Duffy drückte mit McCann die Schulbank, weshalb mit einem Mal der MI5 vor seiner Tür steht. Duffy soll McCann finden.”

(c) Heyne

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Sehr vielversprechend klingt auch Richard Lange düsterer Krimi “Angel Baby”  (9. März), der immerhin mit dem Hammett Prize ausgezeichnet wurde. Verlagstext: “Im Leben von Luz ist einiges schiefgelaufen: Sie hat ihre kleine Tochter in Los Angeles zurückgelassen, um in Tijuana einen mächtigen Drogenboss zu heiraten. Seither lebt sie wie eine Gefangene in Rolandos bizarrer Villa und ist seiner Willkür ausgeliefert. Doch heute ist der Tag, an dem Luz ihre Fehler wiedergutmachen wird. Sie schießt ihre Bewacher nieder, räumt den Tresor leer und flieht in Richtung Grenze. Alles oder nichts. Das Schicksal wird entscheiden, ob sie ihre Tochter findet oder beim Versuch draufgeht.” Eigentlich kann ich da nicht widerstehen. Und ich entdecke immer wieder gern neue Stimmen.

(c) Luchterhand

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Benjamin Percy hat seit “Wölfe der Nacht” und vor allem “Roter Mond” (das Werwolf-Drama habe ich ja zum besten Krimi 2014 gewählt) einen großen Stein bei mir im Brett. : Mit “Jemand wird dafür zahlen müssen” sind seit 23. März nun erstmals auf Deutsch Kurzgeschichten des jungen Autors erhältlich. Der Verlag schreibt: “Viele der jungen Männer in Benjamin Percys atemberaubenden Geschichten stammen aus zerbrochenen Familien, finden keinen Halt in ihren Freundeskreisen und müssen das Undenkbare tun, um sich – und allen – zu beweisen, dass sie stark genug sind, um sich dem Schmerz dieser Welt zu stellen. Percy siedelt seine Erzählungen im ländlichen Oregon an, seine Helden kämpfen, jeder für sich. Ihre Gegner sind höchst unterschiedlich: ein verrückter Bär, ein Haus mit einem Keller, der sich in eine Höhle öffnet, ein Unfall, der den geliebten Menschen das Leben kostet, eine Fehlgeburt, die ein Paar sprachlos zurücklässt und einander entfremdet. Eines haben all ihre Kämpfe gemeinsam: Immer sind es die Narben, die ihre Geschichten erzählen, selbst wenn sie unsichtbar sind.”

(c) Fischer

(c) Fischer

Auch Malcolm Mackay hat mich mit seinem Debüt “Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter” überzeugt. Nun ist “Der Killer hat das letzte Wort” erschienen (26. März), der zweite Teil seiner Glasgow-Trilogie. Der Verlag schreibt: “Frank MacLeod war der beste in seinem Fach. Überlegt. Effektiv. Skrupellos. Aber ist er immer noch der beste? Er bekommt einen neuen Auftrag. Ein Ziel. Aber diesmal wird etwas furchtbar schiefgehen. Der zweite Thriller nach ›Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter‹ nimmt die Leser mit auf die dunkle Seite von Glasgow. Wer zwischen die Fronten gerät, darf sich keinen Fehler erlauben. Denn Fehler sind tödlich.” Interessant ist, dass offenbar die Erzähperspektive wechselt. Denn der alternde Frank MacLeod spielte in Teil eins nur eine Nebenrolle, im Zentrum stand da der jüngere Killer Calum MacLean. Klingt ein wenig nach Don Winslows “Frankie Machine”.

(c) Heyne Hardcore

(c) Heyne Hardcore

Von Ryan David Jahn habe ich bereits “Der Cop” gelesen. Das war aus meiner Sicht ein solider und äußerst spannender Thriller um einen Cop, dessen Tochter vor sieben Jahren verschwand und vor vier Monaten für Tod erklärt wurde. Dann plötzlich erhält er einen Anruf von ihr… “Der letzte Morgen” (30. März) verspricht nun klassische Unterwelt-Lektüre: “Los Angeles. Zwei Morde in derselben Nacht bringen den Unterweltboss James Manning in Bedrängnis. Ein Sündenbock muss her. Eugene Dahl, ein einfacher Mann, der morgens Milch ausliefert und abends Barhocker wärmt, ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Doch er weigert sich, zum Spielball des organisierten Verbrechens zu werden. Um seine Haut zu retten, wird er Dinge tun müssen, die weit schlimmer sind als alles, was man ihm vorwirft.” Ich mag zwar mittlerweile Serien, aber ich weiß es immer noch sehr zu schätzen, wenn Krimiautoren sich ständig neu erfinden. Ryan David Jahn dürfte zu dieser Kategorie zählen. Denn sein Debütroman “Ein Akt der Gewalt” handelt wieder von etwas ganz anderem.

sturmueberneworleansJames Lee Burkes “Sturm über New Orleans” ist eigentlich schon Mitte Februar erschienen, ich habe sein Buch offenbar übersehen. Mittlerweile stecke ich allerdings gerade in der Lektüre und ich bin begeistert. “Hurrikan Katrina trifft New Orleans mit voller Wucht. In der überfluteten Stadt treiben Leichen umher, und die Menschen versuchen panisch, ihr Hab und Gut zu retten. Die Häuser sind verlassen, der Strom ist weg und keine Spur mehr von Recht und Ordnung. Ein tiefer Graben des Misstrauens trennt die weiße und die schwarze Bevölkerung, während Hilfe der Behörden auf sich warten lässt.” Und mittendrin ermittelt Burkes Kultfigur Dave Robicheaux. Für alle, die es noch nicht wissen sollten: Burke hat ja mit “Regengötter” den Deutschen Krimipreis 2015 gewonnen und auch die KrimiZeit-Jahresliste 2014 angeführt. Es feiert also im deutschsprachigen Raum eine kleine Wiederauferstehung. Sehr fein, dass da der feine Kleinverlag Pendragon nachlegt – noch dazu mit Burkes wütendstem Buch, wie er im Vorwort selbst sagt: “Was damals in New Orleans geschah, das war nicht nur eine Naturkatastrophe, das war das größte Versagen einer Regierung, der denkbar größte Verrat an der eigenen Bevölkerung. Es war ein Verbrechen. Eine nationale Schande.”

(c) dtv

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Tja, und ein Buch hätte ich jetzt fast übersehen. Ich dachte, es würde erst im April erscheinen. Lyndsay Faye legt mit “Die Entführung der Delia Wright” ihren zweiten historischen Roman rund um den New Yorker Polizisten Timothy Wilde vor. Band eins, “Der Teufel von New York”, hat mich vor einem Jahr ziemlich begeistert. “1846. Vor einem halben Jahr wurde die Polizei von New York gegründet. Timothy hat sich als sehr talentiert für die Polizeiarbeit erwiesen. Und er glaubt sich ganz gut auszukennen mit dem Verbrechen in seiner Stadt. Dann erscheint die schöne Blumenverkäuferin Lucy Adams in seinem Amtszimmer: Ihr kleiner Sohn Jonas und ihre Schwester Delia sind entführt worden. Tims Ermittlungen führen ihn in ungeahnte Abgründe. Denn Lucys Familie ist »gemischter«, also nicht rein weißer Abstammung. Freie schwarze Bürger im Norden der USA sind Freiwild für Verbrecherbanden, die sie in ihre Gewalt bringen und als Sklaven in die Südstaaten verkaufen. Der Einzige, der Tim jetzt helfen kann, ist sein schillernder Bruder Valentine, seines Zeichens Polizei-Captain, korrupter Politiker, Frauenheld und noch einiges mehr. Als aber in Valentines Bett eine Leiche gefunden wird, muss Tim seinem ungeliebten Bruder beistehen …”

 

 

 

 

 

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Adrian McKinty: Die Sirenen von Belfast

(c) suhrkamp nova

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Bevor ich hier näher auf Adrian McKintys “Die Sirenen von Belfast” eingehe, will ich kurz Joe R. Lansdale zitieren, der in meiner Krimi-Bibel “Books to die for” Raymond Chandlers Schreibmethode erklärt: “Write the best scene and dialogue possible between people and keep about your work an air of mystery and suspense, and it won’t matter if all the gears click at the end. It’s the scenes that matter, and if your have enough good ones, the reader will forgive you.”

Warum ich dieses Zitat hier voranstelle? Weil es “Die Sirenen von Belfast” perfekt beschreibt. McKinty ist ein Meister der Szenen und Dialoge. Das ihm diesmal nicht der geniale Plot gelungen ist, stört (zumindest mich) nicht – denn das Buch ist voll von feinen Szenen. Es wäre allerdings vermessen, McKinty vergeben zu wollen. Danken muss ich ihm. Seitenweise war ich wirklich fasziniert und sehr demütig: Es war mir eine Ehre, durch die Seiten blättern zu dürfen. Es macht Spaß, einen Autor zu lesen, der ein derart perfektes Gefühl für Szenen hat. Kein Wort ist zu viel, keines zu wenig. Bilder entstehen im Kopf, auch seinen Humor mag ich. Und immer wieder der Gedanke: Ja, so möchte ich auch schreiben können…

Sein Roman ist letztlich – wie auch schon der Vorgänger, “Der katholische Bulle” – ein Sittenbild Nordirlands in einer der heißesten Phasen seiner Geschichte. Der mittlerweile in Australien lebende Autor baut unglaublich viele popkulturelle Bezüge in seine großartig erzählte Geschichte ein. Insider werden Chandler-Anspielungen erkennen, die TV-Serie “Dallas” wird ebenso wie der Tod des Kultautors Philip K. Dick erwähnt. Zudem wählt er mit Vorliebe Songtitel als Kapitelüberschriften aus (z.B. “A Town Called Malice” der britischen Band The Jam). So hat das Buch seinen ganz eigenen Soundtrack.

Im Zentrum steht wieder Detective Sergeant Sean Duffy. Als ein tiefgekühlter Torso in einem Koffer gefunden wird, scheint auf den ersten Blick klar, dass es sich nur um ein weiteres Opfer des Nordirlandkonflikts handeln kann. Doch bei McKinty ist nichts, wie es scheint. Fasziniert hat mich auch, wie er diesmal die Firmengeschichte der DeLorean Motor Company in seine Geschichte einwebt. Ausgerechnet der windige John DeLorean wird zum Hoffnungsträger der nordirischen Stadt Carrickfergus. DeLorean war im General-Motors-Vorstand, ehe er seine eigene Firma gründete, um seinen Traum eines “ethischen” Sportwagens zu verwirklichen. Diesen ließ er in Nordirland bauen, was kurzzeitig die Schaffung von Arbeitsplätzen bedeutete. Der DeLorean DMC-12 – das einzige tatsächlich hergestellte Modell, ein Flop – wird schließlich erst ab 1985 durch die “Zurück in die Zukunft”-Trilogie weltweit bekannt. Zu hohes Gewicht und zu schwacher Motor ließen den futuristisch aussehnden DMC-12 gegen den Porsche 911 und die Corvette alt aussehen.

Ich will exemplarisch nur eine von den zahlreichen guten Szene hervorheben. Er beschreibt, was für ein überraschendes Bild eine dunkelhäutige Frau auf den Straßen von Carrickfergus im Jahr 1982 darstellte: “Carrickfergus war ethnisch so komplex und bunt wie eine Mitgliedervollversammlung von Nazipartei und Ku-Klux-Klan.” Dennoch übt er sich nicht in political correctness: “Ich starrte die Frau einen Augenblick lang an. Das war nicht sehr feinfühlig, aber ich konnte nicht anders.”

9 von 10 Punkten

Adrian McKinty: “Die Sirenen von Belfast”, übersetzt von Peter Torberg, 387 Seiten, suhrkamp nova.

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Krimis, die man 2014 lesen sollte (V)

(c) Blanvalet

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Mehr als 600.000 Exemplare hat er von seinem Energie-Thriller “Blackout” verkauft, der österreichische Autor Marc Elsberg. Das freut mich sehr. Ich kann mich nicht erinnern, wann das zuletzt einem Österreicher gelungen ist. Ich habe Elsberg vor zwei Jahren interviewt, da war dieser außergewöhnliche Erfolg noch nicht absehbar. Mittlerweile reist er nicht nur als Autor, sondern auch als gefragter Experte durch halb Europa. Nun legt er mit “Zero”, das am 26. April auf den Markt kommt, nach. Diesmal geht es um den gläsernen Menschen und das Thema Überwachung. Elsberg hat sich offenbar darauf spezialisiert, Thriller über Themen zu schreiben, über die es in der Gesellschaft wenig Bewusstsein gibt. Aufklärung in Thriller-Form – gut so, ich bin gespannt!

(c) Knaur

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Tja, und wenn wir schon dabei sind. Ich habe Elsberg vor wenigen Tagen erneut interviewt und auch kurz zu österreichischen Krimiautoren befragt. Er hat dabei – neben anderen – einen mir bislang unbekannten Autor genannt, dessen neues Buch seit 2. Mai im Handel ist: Franz Zellers “Sieben letzte Worte”. Das Buch, als Salzburg-Krimi punziert, liegt nun bei mir in der Warteschleife ziemlich weit oben.

(c) suhrkamp nova

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Auf ein weiteres Buch freue ich mich ganz besonders: “Die Sirenen von Belfast” ist der zweite Teil der Serie rund um den in Nordirland ermittelnden katholischen Polizisten Sean Duffy. Teil 1, “Der katholische Bulle”, hat mich echt begeistert. Ich schrieb damals: “Seine Charaktere berühren, weil sie lebensecht sind. Da gibt es keine Superhelden und keine Superschurken – kein simples Gut und Böse.” Ich freue mich auf das am 18. Mai erscheinende Buch.

(c) Blessing

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Und einen Tipp habe ich noch: Olen Steinhauers Spionage-Thriller “Die Kairo-Affäre” erscheint am 26. Mai. Steinhauer hat bereits drei hochgelobte Bücher rund um den CIA-Agenten Milo Weaver vorgelegt (“Der Tourist”, “Last Exit”, “Die Spinne”). Ich habe den Auftakt dieser Trilogie gelesen. Und ja: Steinhauer kann was. In seinem aktuellen Buch entführt er uns in die arabische Welt und lässt uns an den dunklen Seiten des “Arabischen Frühlings” teilhaben. Das sollte man wohl keinesfalls verpassen.

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