Monthly Archives: December 2015

KrimiZeit-Jahresbestenliste 2015: Ein Abgleich

(c) Ariadne Kriminalroman

(c) Ariadne Kriminalroman

Die Jahresbestenliste der KrimiZeit ist für mich jedes Jahr ein großes Highlight. Natürlich schaffe ich es nie, alle Bücher dieser Liste zu lesen, dafür reicht einfach die Zeit nicht, aber dennoch bin ich immer wieder gespannt, wie groß die Übereinstimmungen am Ende des Jahres sind.

Nun ja, drei der Krimis befinden sich auch auf meiner persönlichen Bestenliste des Jahres 2015. Ohne meine persönliche Reihung, die noch nicht hundertprozentig feststeht, vorwegzunehmen: Es handelt sich dabei um “Havarie”, “Die Verbrannten” und “Die Unantastbaren”.

Zudem habe ich von der Liste Friedrich Anis “Der namenlose Tag” gelesen, das ich ebenfalls großartig fand. Dennoch hat es das Buch nicht auf meine persönliche Liste geschafft hat. Dort finden sich eben auch Bücher, die mir am meisten Spaß gemacht haben – es ist ja eben meine sehr persönliche Liste.

Von Autor James Lee Burke habe ich mit “Sturm über New Orleans” ein anderes Buch auf der Liste. Von William McIlvanneys “Laidlaw”-Trilogie habe ich erst Teil zwei, “Die Suche nach Tony Veitch”, gelesen. “Fremde Treue” steht demnächst am Programm.

Mein Fazit also: Ich habe vier der 10 Krimis gelesen, aber immerhin sechs von in der Liste angeführten Autoren.

Die Liste im Überblick:

  1. Merle Kröger: “Havarie” (Ariadne bei Argument, 256 S., 15 Euro)
  2. Friedrich Ani: “Der namenlose Tag” (Suhrkamp, 302 S., 19,95 Euro)
  3. Fred Vargas: “Das barmherzige Fallbeil” (Limes, 512 S., 19,99 Euro)
  4. James Lee Burke: “Glut und Asche” (Heyne, 696 S., 17,99 Euro)
  5. William McIlvanney: “Fremde Treue” (Kunstmann, 352 S., 19,95 Euro)
  6. Antonio Ortuño: “Die Verbrannten” (Kunstmann, 256 S., 19,95 Euro)
  7. Carol O’Connell: “Kreidemädchen” (btb, 541 S., 9,99 Euro)
  8. Richard Price: “Die Unantastbaren” (S. Fischer, 432 S., 24,99 Euro)
  9. Jeong Yu-jeong: “Sieben Jahre Nacht” (Unionsverlag, 524 S., 19,95 Euro)
  10. James Ellroy: “Perfidia” (Ullstein, 956 S., 25 Euro)

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Clementine Skorpil: Gefallene Blüten/Guter Mohn, du schenkst mir Träume

(c) Löcker

(c) Löcker

Sollte mir irgendjemand erzählen, wie der österreichische Krimi ist, kann ich in Zukunft einwenden: Und was ist mit Clementine Skorpil? Wer ihre Bücher noch nicht gelesen hat, hat etwas verpasst. Denn sie passen in keine der üblichen Krimi-Schubladen. Manche würde sie vermutlich nicht einmal im Genre des Kriminalromans ansiedeln. Aber letztlich ist das egal, denn entweder sind Bücher gut oder schlecht und Skorpils Bücher gehören eindeutig in Kategorie eins.

Selten bin ich so begeistert in eine mir fremde Welt abgetaucht. In diesem Fall in das Shanghai der 1920er Jahre. China hat mich bislang nicht so wirklich interessiert, doch Skorpil ist es gelungen, dass sich das geändert hat. Das Tolle an ihren beiden Büchern “Gefallene Blüten” und “Guter Mohn, du schenkst mir Träume” ist, dass man als Leser Shanghai nicht von außen sieht, sondern aus der Sicht eines Chinesen. Man erfährt die westliche Welt, die natürlich im von den europäischen Kolonialherren, den „Langnasen“, in Verwaltungszonen aufgeteilten Shanghai der 1920er-Jahre großen Einfluss hat, einmal ganz anders. Es ist faszinierend, Dinge, die heute selbstverständlich sind, aus der Sicht einer alten Chinesin oder eines ungebildeten, deshalb aber noch lang nicht dummen chinesischen Jugendlichen von damals wahrzunehmen: “Statt Pferde, Ochsen oder Kulis vor ihren Wagen zu spannen, setzten sie sich in Dampf spuckende Höllenmaschinen, statt die Treppen hinaufzusteigen, sperrten sie sich in Kammern, in denen man durchgerüttelt wurde, dass man sich alle Knochen brach, statt klares Wasser oder Tee zu trinken, führten sie sich schwarze Brühe mit Kuhmilch zu, obwohl jedermann wusste, dass rohe Milch den Menschen nicht zuträglich ist.” (aus “Gefallene Blüten”)

Skorpil versteht es, charmante, lebensechte Dialoge und Szenen zu entwerfen. Sie erzählt ohne Hast, es dauert daher ein bisschen, bis sich der Sog ihrer Geschichten so richtig entfalten kann. Gleichzeitig sind ihre Bücher kleine Zeitreisen, die auch von dem Spannungsfeld Kommunismus vs. Kapitalismus leben. Mit Schmunzeln liest man da Dispute zwischen der alten weisen Dame Ai Ping und dem jungen Studenten Lou Mang:

“Ein Mensch ist wichtiger als eine Revolution”, sagte sie schließlich. Lou Mang nahm ihre Hand und schüttelte sie. “Nein! Begreift es doch endlich! Ein Mensch ist nicht so wichtig wie viele Menschen.” “Das mag sein”, räumte Ai Ping ein. “Aber ich bin eine alte Frau. Ich kann nicht alle retten.” (aus “Gefallene Blüten”)

Das Einzige, was den Büchern vielleicht fehlt, ist ein kurzes Sachregister der wichtigsten Begriffe. Das wäre für den China-unerfahrenen Leser durchaus nützlich. Aber zumindest gibt es ein Personenregister am Anfang des Buches, zu dem man zurückblättern kann. Denn es ist nicht immer einfach, die vielen verschiedenen Chens auseinanderzuhalten.

9 von 10 Punkten (beide Bücher)

Clementine Skorpil: “Gefallene Blüten” (2013), 352 Seiten, Ariadne.

Clementine Skorpil: “Guter Mohn, du schenkst mir Träume” (2015), 287 Seiten, Löcker Verlag.

Hinweis: Um transparent zu sein, will ich darauf hinweisen, dass Clementine Skorpil und ich den selben Arbeitgeber haben (ohne allerdings zusammenzuarbeiten). Die Qualität ihrer Bücher spricht aber für sich.

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Andreas Gruber: Racheherbst

(c) Goldmann

(c) Goldmann

Nun habe ich es doch getan: einen Serienmörder-Thriller gelesen. Und ich habe es nicht bereut. Andreas Gruber, momentan einer der erfolgreichsten österreichischen Thriller-Autoren – und der wohl unbekannteste, versteht sein Handwerk. “Racheherbst” ist ein lupenreiner, fein konstruierter Pageturner. Wie schon im Vorgänger “Rachesommer” lässt Gruber in Leipzig den Polizisten Walter Pulaski und in Wien die Anwältin Evelyn Meyers ermitteln.

Ich habe es gern in Kauf genommen, dass nicht alles ganz stimmig und realistisch war, denn wann immer ich das Buch beiseite legen wollte, habe ich doch weitergelesen. Das spricht schon für eine gewisse Klasse. Gruber zeigt mir auch, dass man nicht mehr zu englischsprachigen Autoren greifen muss, um einen feinen Thriller serviert zu bekommen.

Überhaupt fasziniert mich momentan die Vielseitigkeit der österreichischen Krimiautoren. Wollte man in den Jahren nach dem großen Erfolg von Wolf Haas als Österreicher einen erfolgreichen Krimi schreiben, war man offenbar gezwungen, auch den Humor nicht zu vernachlässigen – die Krimihandlung war eher bedeutungslos. Hauptsache der Schmäh lief. Das machten viele – wie Slupetzky und Raab – sehr gut, aber irgendwie war das schon ein ziemlich einseitiger Zugang. Mit hat da etwas gefehlt. Doch mittlerweile zeigen zum Beispiel Bernhard Aichner, Clementine Skorpil und Marc Elsberg, dass es ganz unterschiedlich funktionieren kann.

Eine weitere Erkenntnis nehme ich nach der Lektüre von “Racheherbst” aber auch mit: Ich mag sie weiterhin nicht, diese Serienkiller-Romane. Das ist einfach ein Subgenre, das mir so gar nicht zusagt. Geheimnisvolle Botschaften auf Leichen, fehlende Körperteile, rituelle Schändungen, rätselhafte Gegenstände am Tatort usw. – eigentlich war das Thema mit “Das Schweigen der Lämmer” von Thomas Harris für mich erledigt.

Andreas Gruber: “Racheherbst”, 508 Seiten, Goldmann Verlag.

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Anthony Horowitz: Trigger Mortis

(c) Cross Cult

(c) Cross Cult

Pure Fan-Fiction. So könnte man den neuen James-Bond-Roman “Trigger Mortis” von Anthony Horowitz zusammenfassen. Aber auch nur, wenn man etwas Positives darüber sagen will. Wer mehr erwartet, wird enttäuscht. Ja, dieses Buch trifft Ton und Stil von 007-Schöpfer Ian Fleming perfekt, aber gleichzeitig ist das auch seine große Schwäche. Denn während man Flemings Bücher im Kontext der Zeit verstehen kann, bleibt man bei “Trigger Mortis” ein wenig fraglos zurück. Ist das jetzt wirklich ernst gemeint? Die böse Organisation Smersch im Jahr 2015 – und das ganz ohne Ironie? Flemings offener Rassismus?

Ja, das ist ernst gemeint, wie Horowitz im Nachwort erklärt: “Das bedeutet, dass es sich bei einigen der Beschreibungen und Dialoge in Kapitel zwei tatsächlich um Flemings eigene Arbeit handelt. Es waren nicht mehr als vier oder fünfhundert Worte, aber für mich war es sowohl eine Inspiration als auch ein Ausgangspunkt.”

Blicken wir also in Kapitel zwei – und ich kann nur hoffen, dass auch folgende Zeilen aus Flemings Feder stammen:

“Es war nur ein weiteres Beispiel für die unglaubliche Kaltblütigkeit und Verachtung, die so typisch für die slawische Rasse zu sein schienen.”

Eigentlich unglaublich, aber so steht es im Buch. Da ist das simple Frauenbild, das hier gezeichnet wird, noch verkraftbar (“Bond hätte einen tieferen Ausschnitt und etwas weniger Stoff am Oberteil bevorzugt”). Der Superböse, (dessen Namen ich längst vergessen habe, ach ja, Nordkoreaner ist er auch noch) nervt mit seinen Karten, die darüber bestimmen, welche Todesart seine Gegner erleiden müssen. Er sagt superböse Sätze wie “Ich bestrafe Sie, weil Sie bestraft werden müssen, aber ich persönlich empfinde dabei nichts”. Das ist schon alles furchtbar einfallslos, das hat man schon so oft gesehen und gelesen.

Der Plot ist bestenfalls platt, die Sportwagen-Rennszene am Nürburgring ließ mich sogar kurz daran denken, die Lektüre zu beenden. Das ist einfach nur lächerlich. Fast schon lustig, wenn es sich nicht doch irgendwie ernst nehmen würde.

Die Lebendig-begraben-Szene endet mit viel Pathos und Moral: “Bond war der Hölle eines Grabs entkommen, in das man ihn lebendig gesteckt hatte, und hatte weder etwas von seinem inneren Selbst noch von seiner Menschlichkeit eingebüßt. Das war der Unterschied zwischen ihnen. Und der Grund, warum er gewinnen würde.” Fein, wenn sich Gut und Böse so leicht trennen lassen und dann noch solche Dinge daraus ableiten lassen.

Und nein, ich habe kein generelles James-Bond-Problem. Ganz im Gegenteil, William Boyds Versuch “Solo” hat mich 2013 durchaus begeistert. Boyd konnte James Bond (als Menschen, nicht als überlebensgroße Figur) und seinem ewigen Dilemma neue Facetten abgewinnen. Auch Jefferey Deavers Bond-Abstecher konnte ich einiges abgewinnen.

Ach ja, dass Pussy Galore auftaucht, macht es auch nicht besser, im Gegenteil. Aber wenn ich mir die Amazon-Bewertungen ansehe, habe ich das Gefühl, ein anderes Buch gelesen zu haben. Dort bekommt das Buch durchwegs gute Noten. Also macht euch am besten selbst ein Bild.

2 von 10 Punkten

Anthony Horowitz: “Trigger Mortis”, übersetzt von Stephanie Pannen, 380 Seiten, Cross Cult.

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KrimiZeit-Bestenliste im Dezember: Ein Abgleich

(c) Limes

(c) Limes

Fred Vargas hat im Dezember wenig überraschend ihren ersten Platz verteidigt. Ich bin gespannt, ob Friedrich Ani oder die Französin im Rennen um den Sieg bei der KrimiZeit-Jahresbestenliste die Nase vorn haben wird. Ich glaube ja eher Ani, Vargas ist wohl auch zu spät eingestiegen.

Mit “Die Unantastbaren” und “Die Verbrannten” befinden sich jene zwei Bücher auf der Liste, die ich heuer noch unbedingt lesen werde. Beide sind echte Kandidaten, um meine persönliche Jahresbestenliste noch einmal über den Haufen zu werfen. Kommt tatsächlich das Beste am Schluss?

Seamus Smyths “Spielarten der Rache” habe ich gerade beendet. Das ist keine leichte Kost, teilweise echt abartig, aber aufgrund seiner Hintergründe doch nachvollziehbar. Als Lektüre für Weihnachten würde ich es aber nicht empfehlen. Im Gegensatz zu Dennis Lehanes “Am Ende einer Welt”, das sich einen wesentlich besseren Platz verdient hätte.

Und Adrian Mc Kintys “Gun Street Girl” möchte ich rund um Weihnachten lesen, aber da geht zuerst einmal William McIlvanney vor. Der schottische Autor ist vor wenigen Tagen im Alter von 79 Jahren gestorben, ich will ihm so meine Ehre erweisen. “Fremde Treue”, bis vor einem Monat auch auf der KrimiZeit-Liste, ist also Pflicht und ich schätze auch er wird sich in der KrimiZeit-Jahresliste weit oben einreihen.

Tja, und bei “Der Dieb” bin ich echt unschlüssig. Ich weiß nicht so recht, ob mir das zusagt, obwohl diese Geschichte grundsätzlich sehr interessant klingt. Soll ich nun Alf Mayers positiver Kritik glauben oder doch eher Thomas Wörtches kritischen Worten? Ja ich weiß, ich sollte mir wohl selbst ein Bild machen, aber momentan ziehe ich doch andere Bücher vor.

Die Liste im Überblick:

1 (1) Fred Vargas: Das barmherzige Fallbeil
2 (-) Richard Price: Die Unantastbaren
3 (7) Olivier Bottini: Im weißen Kreis
4 (3) Antonio Ortuño: Die Verbrannten
5 (-) Fuminori Nakamura: Der Dieb
6 (6) Seamus Smyth: Spielarten der Rache
7 (-) Adrian McKinty: Gun Street Girl
8 (-) Jeong Yu-jeong: Sieben Jahre Nacht
9 (-) Deon Meyer: Icarus
10 (8) Dennis Lehane: Am Ende einer Welt

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Jo Nesbo: Blood on Snow. Der Auftrag

(c) Ullstein

(c) Ullstein

Der fast schon lyrisch dünne Thriller (187 Seiten) “Blood on Snow. Der Auftrag” war meine erste Lesebegegnung mit dem norwegischen Krimiautor Jo Nesbo, der vor allem für seine zehnbändige Harry-Hole-Reihe bekannt ist. “Blood on Snow” ist ein stilles Buch, das von einem Auftragskiller erzählt, der die Frau seines Bosses töten soll. Ja, das ist kein wirklich neues Thema, aber Nesbo versteht es, dieser tausendmal erzählten Geschichte neue Facetten abzugewinnen.

Außerdem weiß ich die Kürze des Romans angesichts des Trends zu vielseitigen Krimiwälzern echt zu schätzen. Marcus Müntefering sieht das in seiner “Spiegel Online”-Kritik als Verneigung vor den Pulp- und Noir-Autoren früherer Zeiten, “die selten mehr als 200 Seiten brauchten, um ihre Storys zu einem meist finsteren Ende zu bringen”.

Natürlich spielt Nesbo gekonnt mit den Konventionen des Genres. Marcus’ Enthusiasmus kann ich aber nicht hundertprozentig teilen. Für mich ist das Buch sehr solide, aber nicht viel mehr. Es ist eine ideale Lektüre für zwischendurch, die Spaß macht. Aber wirklich umgerissen hat es mich nicht.

Fein allerdings ist die Entwicklung von Ich-Erzähler Olav, der sich mit Verlauf der Geschichte als unzuverlässiger Erzähler entpuppt. Spätestens als er seine Lese- und Rechtschreibschwäche offenbart, wird das klar. Woher er wisse, dass er etwas Falsches lese?

“In der Regel, weil die Buchstaben dann keine Worte bilden, die Sinn machen. Manchmal sehe ich allerdings auch ganz andere Worte und merke es oft erst viel später. Dann ist die Geschichte in meinem Kopf eine ganz andere als die im Buch. Auf die Weise kriege ich dann zwei Geschichten für den Preis von einer.”

Ich werde jetzt hier nichts verraten: Aber das sind aus meiner Sicht die zentralen Sätze des Buches, wie jeder erkennen wird, der es zu Ende liest. Und dieser Thriller ist irgendwie auch ein Märchen, also durchaus als Geschenk für Weihnachten zu empfehlen.

Und ein Detail will ich euch nicht vorenthalten, auf das Marcus Müntefering ebenfalls aufmerksam macht: “Ursprünglich wollte Nesbø den Roman unter dem Pseudonym Tom Johansen veröffentlichen – ein Krimi-Schriftsteller, den er vor längerer Zeit für eine unveröffentlichte Geschichte erfunden hatte. ‘Blood on Snow’ sollte als Fundstück aus den Siebzigern in die Buchläden gebracht werden, als wiederentdeckter Noir-Klassiker. Schade: Die Anwälte seines Verlags verhinderten diese perfekte Pointe.” Leider, da bin ich wieder ganz bei Marcus.

7 von 10 Punkten

Jo Nesbo: “Blood on Snow. Der Auftrag”, übersetzt von Günther Frauenlob, 187 Seiten, Ullstein.

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Rest in Peace, William McIlvanney (1936-2015)

fremdetreueWilliam McIlvanney, der große schottische Autor außergewöhnlicher Kriminalromane ist tot. Gestorben ist er in seinem Haus in Glasgow im Alter von 79 Jahren. Als ich heute den entsprechenden Newsletter seines Verlags Antje Kunstmann erhielt, konnte ich es kaum glauben. Er war ja erst auf Lesereise in Deutschland. Gerade wurde er im deutschsprachigen Raum – auch dank grandioser Neuübersetzung von Conny Lösch – wiederentdeckt. Sein dritter Laidlaw-Roman “Fremde Treue” steht seit Monaten auf der KrimiZeit-Bestenliste. Und im Interview mit Marcus Müntefering ließ er die Hoffnung aufkommen, dass er noch ein paar Krimis nachlegen würde. Er hatte Ideen für ein Laidlaw-Prequel und ein Laidlaw-Sequel – er zeigte sich optimistisch, “sollte ich lange genug leben”.

McIlvanneys Bedeutung ist unumstritten. Ohne ihn hätte der schottische Kriminalroman zweifellos nicht den Stellenwert, den er heute genießt. Niemand geringerer als Ian Rankin hat gesagt, dass er ohne McIlvanney wohl nie Krimiautor geworden wäre: “Da war dieser literarische Schriftsteller, der sich dem urbanen, zeitgenössischen Krimi zugewandt hatte und zeigte, dass das Genre große moralische und soziale Fragen angehen konnte.”

Viel mehr als reiner Zeitvertreib

Ich habe die ersten beiden Bände seiner Laidlaw-Serie (“Laidlaw”, “Die Suche nach Tony Veitch”) gelesen und war beeeindruckt. Zwar war mit der zweite Teil seiner Trilogie ein wenig zu philosophisch, doch das war eben typisch McIlvanney. Denn für ihn gab es keine größeren Helden, als einfache Menschen, die sich ihre Anständigkeit bewahren. Umso mehr freue ich mich, “Fremde Treue” rund um die Weihnachtszeit zu lesen.

McIlvanney hielt sich nicht an die Regeln des Literaturbetriebs, er publizierte nicht in einem engen Neuerscheinungskorsett. “Die besseren Autoren dieses Genres verdanken McIlvanney einiges, da er die Genregrenzen aufgebrochen und neu abgesteckt hat. Man könnte sich noir ärgern, daß der Mann so wenig schreibt! Aber das ist wohl der Preis für die hohe Qualität seiner außergewöhnlichen Bücher”, schrieb Krimiblogger Martin Compart im Vorjahr auf Evolver in einer ausführlichen Würdigung des Werkes McIlvanneys.

Schließen will ich mit ein paar Worten von McIlvanney, die ihm Müntefering entlocken konnte: “Ich interessiere mich nicht für die Lösung irgendeines Puzzles. Ich hatte irgendwann eine Ahnung, dass man aus Krimis viel mehr machen könnte als einen reinen Zeitvertreib.” Das ist dem Autor gelungen. Denn ihm ging es nicht darum, “den Leser möglichst schnell von Punkt A nach Punkt B zu befördern, sondern unterwegs anzuhalten, ihn zum Lachen zu bringen, ihm Gedanken mitzugeben, die ihn auch nach der Lektüre noch beschäftigen. Darum geht es doch beim Schreiben: den Leser zur Verführen und ihm mehr an die Hand zu geben, als er erwartet hatte.”

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