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Jo Nesbø: Der Erlöser

(c) Ullstein

Die Liste kriminalliterarischer Kultfiguren, denen ich noch nicht begegnet bin, wird immer geringer. Einer fehlte mir aber immer noch: Harry Hole. In meinem Urlaub konnte ich das nun ändern. Nach einer eindringlichen Empfehlung habe ich daher “Der Erlöser” (Band 6 der Serie) gelesen.

Was soll ich sagen: Wow! Man erkennt sehr, sehr schnell, dass hier ein echter Könner am Werk ist. Da macht jede Seite echt Spaß. Ich will gar nicht aufschlüsseln, warum das so ist. Es mag manches ein wenig zu viel sein, aber das auszubreiten, wäre einfach nur kleinlich.

Grundsätzlich ist das Buch für Fans der Kriminalliteratur einfach nur zum Genießen. Ich halte mich daher kurz, verbeuge mich und sage nur mehr: Lesen!

10 von 10 Punkten

Jo Nesbø: “Der Erlöser”, übersetzt von Günther Frauenlob, Ullstein, 528 Seiten.

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“Lust am Verbrechen” oder warum wir Krimis lieben

(c) Arte (Beall Productions)

(c) Arte (Beall Productions)

Seit Sonntag läuft auf Arte die dreiteilige Dokumentation “Lust am Verbrechen”, die auch in der Mediathek des Senders abrufbar ist. Ich habe mir darüber Gedanken gemacht, die ich auch in einem umfassenden Artikel auf “DiePresse.com” zusammengefasst habe. Nur kurz: Ich fand den ersten Teil durchaus gelungen, weil er dem Krimigenre in all seiner Vielseitigkeit gerecht wird.

Störend waren nur manche Sprüche des Erzählers, die tief aus irgendwelchen Klischeeschubladen gezogen wurden. Beispiele: “Wer beim Krimi an Bord geht, lässt sich auf eine mörderische Reise ins schwarze Herz der Welt ein.” Oder: “Der Krimi ist eine Maschine zur Herstellung von Leichen und ihr Motor läuft im Zweitakt von Wut und Gewalt.”

Abgesehen davon erfuhr man aber viele interessante Dinge. Namhafte Autoren wie Michael Connely und Jo Nesbo gewährten ebenso spannende Einblicke ins Genre wie US-Regisseur Michael Mann. Wer also Krimis liebt und Zeit hat, sollte sich das nicht entgehen lassen. Teil zwei folgt am 20. März.

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Jo Nesbo: Blood on Snow. Der Auftrag

(c) Ullstein

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Der fast schon lyrisch dünne Thriller (187 Seiten) “Blood on Snow. Der Auftrag” war meine erste Lesebegegnung mit dem norwegischen Krimiautor Jo Nesbo, der vor allem für seine zehnbändige Harry-Hole-Reihe bekannt ist. “Blood on Snow” ist ein stilles Buch, das von einem Auftragskiller erzählt, der die Frau seines Bosses töten soll. Ja, das ist kein wirklich neues Thema, aber Nesbo versteht es, dieser tausendmal erzählten Geschichte neue Facetten abzugewinnen.

Außerdem weiß ich die Kürze des Romans angesichts des Trends zu vielseitigen Krimiwälzern echt zu schätzen. Marcus Müntefering sieht das in seiner “Spiegel Online”-Kritik als Verneigung vor den Pulp- und Noir-Autoren früherer Zeiten, “die selten mehr als 200 Seiten brauchten, um ihre Storys zu einem meist finsteren Ende zu bringen”.

Natürlich spielt Nesbo gekonnt mit den Konventionen des Genres. Marcus’ Enthusiasmus kann ich aber nicht hundertprozentig teilen. Für mich ist das Buch sehr solide, aber nicht viel mehr. Es ist eine ideale Lektüre für zwischendurch, die Spaß macht. Aber wirklich umgerissen hat es mich nicht.

Fein allerdings ist die Entwicklung von Ich-Erzähler Olav, der sich mit Verlauf der Geschichte als unzuverlässiger Erzähler entpuppt. Spätestens als er seine Lese- und Rechtschreibschwäche offenbart, wird das klar. Woher er wisse, dass er etwas Falsches lese?

“In der Regel, weil die Buchstaben dann keine Worte bilden, die Sinn machen. Manchmal sehe ich allerdings auch ganz andere Worte und merke es oft erst viel später. Dann ist die Geschichte in meinem Kopf eine ganz andere als die im Buch. Auf die Weise kriege ich dann zwei Geschichten für den Preis von einer.”

Ich werde jetzt hier nichts verraten: Aber das sind aus meiner Sicht die zentralen Sätze des Buches, wie jeder erkennen wird, der es zu Ende liest. Und dieser Thriller ist irgendwie auch ein Märchen, also durchaus als Geschenk für Weihnachten zu empfehlen.

Und ein Detail will ich euch nicht vorenthalten, auf das Marcus Müntefering ebenfalls aufmerksam macht: “Ursprünglich wollte Nesbø den Roman unter dem Pseudonym Tom Johansen veröffentlichen – ein Krimi-Schriftsteller, den er vor längerer Zeit für eine unveröffentlichte Geschichte erfunden hatte. ‘Blood on Snow’ sollte als Fundstück aus den Siebzigern in die Buchläden gebracht werden, als wiederentdeckter Noir-Klassiker. Schade: Die Anwälte seines Verlags verhinderten diese perfekte Pointe.” Leider, da bin ich wieder ganz bei Marcus.

7 von 10 Punkten

Jo Nesbo: “Blood on Snow. Der Auftrag”, übersetzt von Günther Frauenlob, 187 Seiten, Ullstein.

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Krimis, die man 2015 lesen sollte (IX)

(c) Kunstmann

(c) Kunstmann

Mexiko und der Drogenkrieg – das ist ein Thema, das mich nach wie vor nicht loslässt (ich sehe gerade die ausgezeichnete Serie “Narcos”, demnächst kommt “Sicario” ins Kino und auch der Lesestoff geht nicht aus, wie ich demnächst hier ausführlich schreiben werde). In “Die Verbrannten” (seit 9. September im Handel) erzählt Antonio Ortuno von Vergessenen dieses Krieges: Den vielen zentralamerikanischen Flüchtlingen, die nicht selten von den Drogenbanden gekidnappt werden, um von den Angehörigen Geld zu erpressen. Eigentlich ein Muss.

Verlagstext: Santa Rita, ein unbedeutendes Kaff im Süden Mexikos. In einer Notunterkunft für zentralamerikanische Flüchtlinge auf dem Weg in die USA wird ein Feuer gelegt, dem zahlreiche Männer, Frauen und Kinder zum Opfer fallen. Irma, genannt La Negra, wird zur Untersuchung des Vorfalls zum lokalen Büro der Nationalkomission für Migration geschickt. Dort sind ihre Nachforschungen wenig willkommen und in einem Klima der Angst ist keiner der Überlebenden bereit, zu den Ereignissen in der Nacht des Anschlags auszusagen bis auf die zwanzigjährige Yein, die zu Irmas einziger Zeugin wird. Doch in einem Land, wo Zentralamerikaner allenfalls als Menschen zweiter Klasse betrachtet werden und wo Behörden, Polizei und kriminelle Banden gemeinsam ein zynisches Geschäft betreiben, das noch den letzten Peso aus den Flüchtlingen herausquetscht, kann es tödliche Folgen haben, den Dingen auf den Grund zu gehen. In diesem vielstimmig orchestrierten und schonungslos rauen politischen Roman porträtiert Antonio Ortuño ein menschenverachtendes System, das die Schwächsten ausraubt, vergewaltigt, verbrennt und schließlich in Massengräbern verschwinden lässt.

fremdetreueNächstes Muss ist “Fremde Treue” (9. September), der dritte Teil der Laidlaw-Trilogie des Schotten William McIlvanney. Zwar hat mich Teil zwei, “Die Suche nach Tony Veitch”, nicht ganz so begeistert wie Teil eins, “Laidlaw”. Dennoch muss man diesen Autor gelesen haben. Er ist wunderbar literarisch und humanistisch.

Laidlaws dritter und bisher letzter Fall! Scott Laidlaw ist tot. Der tragische Autounfall seines Bruders erschüttert Jack Laidlaw schwer in tiefer Trauer und mit dem ihm eigenen Durst macht er sich auf in die schottische Provinz, um herauszufinden, was wirklich geschah. Während Laidlaw versucht, die letzten unglücklichen Tage seines Bruders zu rekonstruieren, wird ihm schnell klar, dass die Abgründe hinter der dörflichen Fassade mindestens ebenso tief sind wie in der Glasgower Unterwelt und in seiner Vergangenheit, in die ihn seine Recherchen unweigerlich zurückführen.

(c) Goldmann

(c) Goldmann

“Racheherbst” (seit 14. September) von Andreas Gruber nährt mein schlechtes Gewissen. Ich möchte endlich was von diesem österreichischen Thriller-Autor lesen, den kaum jemand kennt, der aber schon viel mehr Bücher verkauft hat als etwa sein erfolgreicher Landsmann Bernhard Aichner (“Totenfrau”, “Totenhaus”). Ich hab mal in Kapitel eins reingeschmökert und das klingt schon vielversprechend. Bloß dieses Serienmörder-Ding ist ja so gar nicht meines…

Unter einer Leipziger Brücke wird die verstümmelte Leiche einer jungen Frau angespült. Walter Pulaski, zynischer Ermittler bei der Polizei, merkt schnell, dass der Mord an der Prostituierten Natalie bei seinen Kollegen nicht die höchste Priorität genießt. Er recherchiert auf eigene Faust – an seiner Seite Natalies Mutter Mikaela, die um jeden Preis den Tod ihrer Tochter rächen will. Gemeinsam stoßen sie auf die blutige Fährte eines Serienmörders, die sich über Prag und Passau bis nach Wien zieht. Dort hat die junge Anwältin Evelyn Meyers gerade ihren ersten eigenen Fall als Strafverteidigerin übernommen. Es geht um einen brutalen Frauenmord – und eine fatale Fehleinschätzung lässt Evelyn um ein Haar selbst zum nächsten Opfer werden …

(c) Heyne Hardcore

(c) Heyne Hardcore

“Glut und Asche” (14. September) von James Lee Burke ist sicher ein weiteres Highlight dieses Krimi-Herbsts. Bloß beuge ich mich diesmal der hohen Seitenzahl. Ich habe keinen Zweifel, dass das Buch die Qualität des Vorgängers “Regengötter” (KrimiZeit Jahressieger, Deutscher Krimipreis-Sieger) halten kann. Aber nach “Das Kartell” und “Natchez Burning” habe ich heuer mit den ganz dicken Wälzern vorerst einmal abgeschlossen.

»Vielleicht würde er eines Tages die Angst vergessen, die in jenen fünfzehn Minuten einen anderen Menschen aus ihm gemacht hatte.« Danny Boy Lorca ist das Entsetzen ins Gesicht geschrieben, als er sich ins Büro von Sheriff Hackberry Holland schleppt. In der Wüste nahe der texanisch-mexikanischen Grenze wurde er Zeuge eines brutalen Mordes. Von einem zweiten Gefangenen fehlt jede Spur. Hackberry Holland hat erneut alle Hände voll zu tun, um für Gerechtigkeit zu sorgen.

(c) Diogenes

(c) Diogenes

Der Unterweltler Joe Coughlin ist wieder da. Mit “In der Nacht” (auf Platz zwei meiner persönlichen Jahresbestenliste 2013) hat Dennis Lehane vor zwei Jahren einen nahezu perfekten Kriminalroman vorgelegt. Nun ist Coughlin ehrbar geworden. Doch die Vergangenheit kann man nicht so leicht hinter sich lassen. Wer Lehane kennt, weiß: Bei “Am Ende einer Welt” kann eigentlich nichts mehr schief gehen (zumindest für den Leser!).

Joe Coughlin, geachteter Bürger von Tampa, Florida, und Consigliere des Bartolo-Syndikats, hat seine kriminelle Vergangenheit hinter sich gelassen wie Amerika die Prohibition. Bis eines Tages aus heiterem Himmel ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt wird und auf dem Spiel steht, was ihm am wichtigsten ist: sein Sohn – und der einzige Freund, den er hat. Die atemlose Geschichte von ›In der Nacht‹ geht weiter.

(c) Ullstein

(c) Ullstein

“Blood on Snow” bietet mir die Gelegenheit einen weiteren Autor endlich in die Kategorie “Gelesen” einzuordnen. Jo Nesbos Harry-Hole-Serie als auch seine Stand-alones (“Headhunter”) haben mich immer schon interessiert udn stehen teilweise auch in meinem Regal. Aber diesmal lese ich Nesbo sicher – sind nur 181 Seiten 😉 Das passt mir momentan gut. Das Thema klingt jetzt nicht besonders neu, aber ich mag solche Einsamer-Killer-Geschichten grundsätzlich.

Olav lebt das einsame Leben eines Killers. Als Killer ist es eben nicht unbedingt leicht, anderen Menschen nahe zu kommen. Doch jetzt hat Olav die Frau seiner Träume getroffen. Zwei Probleme stellen sich: Sie ist die Frau seines Chefs. Und Olav wurde gerade beauftragt, sie zu töten.

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