Rest in Peace, William McIlvanney (1936-2015)

fremdetreueWilliam McIlvanney, der große schottische Autor außergewöhnlicher Kriminalromane ist tot. Gestorben ist er in seinem Haus in Glasgow im Alter von 79 Jahren. Als ich heute den entsprechenden Newsletter seines Verlags Antje Kunstmann erhielt, konnte ich es kaum glauben. Er war ja erst auf Lesereise in Deutschland. Gerade wurde er im deutschsprachigen Raum – auch dank grandioser Neuübersetzung von Conny Lösch – wiederentdeckt. Sein dritter Laidlaw-Roman “Fremde Treue” steht seit Monaten auf der KrimiZeit-Bestenliste. Und im Interview mit Marcus Müntefering ließ er die Hoffnung aufkommen, dass er noch ein paar Krimis nachlegen würde. Er hatte Ideen für ein Laidlaw-Prequel und ein Laidlaw-Sequel – er zeigte sich optimistisch, “sollte ich lange genug leben”.

McIlvanneys Bedeutung ist unumstritten. Ohne ihn hätte der schottische Kriminalroman zweifellos nicht den Stellenwert, den er heute genießt. Niemand geringerer als Ian Rankin hat gesagt, dass er ohne McIlvanney wohl nie Krimiautor geworden wäre: “Da war dieser literarische Schriftsteller, der sich dem urbanen, zeitgenössischen Krimi zugewandt hatte und zeigte, dass das Genre große moralische und soziale Fragen angehen konnte.”

Viel mehr als reiner Zeitvertreib

Ich habe die ersten beiden Bände seiner Laidlaw-Serie (“Laidlaw”, “Die Suche nach Tony Veitch”) gelesen und war beeeindruckt. Zwar war mit der zweite Teil seiner Trilogie ein wenig zu philosophisch, doch das war eben typisch McIlvanney. Denn für ihn gab es keine größeren Helden, als einfache Menschen, die sich ihre Anständigkeit bewahren. Umso mehr freue ich mich, “Fremde Treue” rund um die Weihnachtszeit zu lesen.

McIlvanney hielt sich nicht an die Regeln des Literaturbetriebs, er publizierte nicht in einem engen Neuerscheinungskorsett. “Die besseren Autoren dieses Genres verdanken McIlvanney einiges, da er die Genregrenzen aufgebrochen und neu abgesteckt hat. Man könnte sich noir ärgern, daß der Mann so wenig schreibt! Aber das ist wohl der Preis für die hohe Qualität seiner außergewöhnlichen Bücher”, schrieb Krimiblogger Martin Compart im Vorjahr auf Evolver in einer ausführlichen Würdigung des Werkes McIlvanneys.

Schließen will ich mit ein paar Worten von McIlvanney, die ihm Müntefering entlocken konnte: “Ich interessiere mich nicht für die Lösung irgendeines Puzzles. Ich hatte irgendwann eine Ahnung, dass man aus Krimis viel mehr machen könnte als einen reinen Zeitvertreib.” Das ist dem Autor gelungen. Denn ihm ging es nicht darum, “den Leser möglichst schnell von Punkt A nach Punkt B zu befördern, sondern unterwegs anzuhalten, ihn zum Lachen zu bringen, ihm Gedanken mitzugeben, die ihn auch nach der Lektüre noch beschäftigen. Darum geht es doch beim Schreiben: den Leser zur Verführen und ihm mehr an die Hand zu geben, als er erwartet hatte.”

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