Tag Archives: 7 Punkte

Zoë Beck: Die Lieferantin

(c) Suhrkamp

Zoë Beck führte im August mit “Die Lieferantin” die Krimi-Bestenliste an. Ich bin froh, diese Autorin nun endlich beim Lesen kennengelernt zu haben. Ein wenig habe ich mich an Tom Hillenbrands hervorragenden Tech-Noir-Thriller “Drohnenland” erinnert gefühlt, obwohl dieses Buch noch wesentlich utopischer wirkt als das nun vorliegende.

Drogenlieferungen per Drohnen? Nach der Bestellung per App? Das ist nicht allzu weit weg von der Realität. Zudem entführt Beck in ein fremdenfeindliches Großbritannien nach dem Brexit. Erneut steht die Gesellschaft vor einer Spaltung: Wie wird das Votum über den Druxit, also ein komplettes Drogenverbot, ausgehen?

Zoë Beck ist eine geübte, tolle Erzählerin. Sie versteht es, den Leser schnell in ihre Geschichte zu ziehen. Ihre mehrdimensionalen Charaktere sind fein gezeichnet. Sie schreibt gekonnt über gesellschaftliche Probleme, ohne moralisch zu werden. Ist es etwa möglich, aus moralischen Gründen mit Drogen zu handeln? Über diese Frage hatte ich bis zur Lektüre dieses Buches noch nicht nachgedacht. Beck überlässt es aber dem Leser, sich sein eigenes Urteil zu bilden.

Bloß im letzten Drittel, bei der Auflösung, lässt das Buch ein wenig nach. Die Verhaltensweise von Declan, dem Sohn des mächtigen Unterwelt-Bosses, gegen Ende hin war für mich nicht ganz nachvollziehbar. Ohne hier mehr zu verraten: Würde er tatsächlich derartig drastische Folgen fast gleichgültig in Kauf nehmen? Die Wandlung, die er vollzieht, ist für mich nicht so richtig glaubwürdig. Das passt für mich mit dem Declan, den man zu Beginn des Buches kennenlernt, nicht hundertprozentig zusammen.

Alles in allem ist “Die Lieferantin” aber ein gelungenes Stück Kriminalliteratur. Auch weil die Geschichte nicht in einem luftleeren Raum spielt, sondern sich mit der Gesellschaft auseinandersetzt, in die sie eingebettet ist.

7 von 10 Punkten

Zoë Beck: “Die Lieferantin”, Suhrkamp, 325 Seiten.

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Sophie Hénaff: Kommando Abstellgleis

(c) carl’s books

Zum Abschluss meines kleinen Frankreich-Schwerpunkts empfehle ich hier einen feinen Krimi für zwischendurch. Nicht zu schwer, aber auch nicht anspruchslos. Autorin Sophie Hénaff erzählt mit “Kommando Abstellgleis” eine amüsante und charmante Kriminalgeschichte, die von ihren liebevoll gezeichneten Figuren lebt.

Es ist eine Brigade von Verlierern, die Polizistin Anne Capestan um sich schart – Alkoholiker, Unfähige und Querulanten. Mit anderen Worten: Polizisten auf dem Abstellgleis. Doch Capestan, die nach einem Fehler suspendiert wurde und nun ihre zweite Chance erhält, steckt den Kopf nicht in den Sand. Sie beginnt mit ihrem wenig verheißungsvollen Team in alten Fällen zu ermitteln.

Und irgendwann stellt sich heraus, dass diese Verlierer-Brigade, gar nicht so zufällig entstanden ist, wie es den Anschein hat. Hier will ich gar nicht mehr verraten, denn Hénaff hat ein wirklich feines Buch geschrieben, das mit überzeugenden Wendungen aufwartet. Sie hält dabei erstaunlich gut die Balance. Ihr Buch ist humorvoll und heiter, ohne in billigen Klamauk abzurutschen. Der Plot ist gut durchdacht, aber das Buch lebt vor allem von dem originellen Personal und dessen Zusammenspiel.

7 von 10 Punkten

Sophie Hénaff: “Kommando Abstellgleis”, übersetzt von Katrin Segerer, 349 Seiten, carl’s books.

 

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Louise Mey: Das Spiel mit der Angst

(c) Suhrkamp

Die französische Autorin Louise Mey dreht den Spieß um: Nicht Frauen werden Opfer brutaler Vergewaltigungen, sondern Männer. Teilweise waren die Opfer selbst Täter – sie schweigen aus Scham.

Ermittlerin Alex Dueso und ihr Partner Marco stehen vor einem Fall, der fast unlösbar scheint. Noch dazu mischt sich der Polizeipräfekt ein, und ein unliebsamer Journalist erschwert die Arbeit ebenfalls. Der frustrierende Alltag der Polizisten steht lange im Vordergrund der Geschichte. Das liest sich sehr gut.

Das liegt zu einem großen Teil auch an Hauptfigur Alex, geschieden und Mutter einer Tochter. Mey zeichnet sie sehr menschlich, mit all ihren privaten Problemen – auch ihr Sexleben ist ungewöhnlich. Die Sozialkritik ist fein dosiert, nicht plakativ und anklagend.

Sehr fein also alles. Doch irgendwann stand die Autorin dann offenbar vor dem Problem, eine Lösung für das Rätsel zu finden. Da muss den im Dunkeln tappenden Ermittlern erst eine nerdige Computer-Expertin zur Seite gestellt werden, damit endlich die – leider etwas absehbare – Wende eingeleitet werden kann. Dass Alex, grundsätzlich eine Facebook-Verweigerin, sich aus Recherchezwecken selbst plötzlich nur mehr in Chatrooms wiederfindet und dort dann nicht unwichtige Kontakte knüpft, die den Fall lösbar machen, liest sich auch nicht ganz glaubwürdig.

Dennoch ein überzeugendes Debüt. Man muss ja nicht mit dem ersten Buch das ganze Pulver verschießen, da ist definitiv noch Luft nach oben.

7 von 10 Punkten

Louise Mey: “Das Spiel mit der Angst”, übersetzt von Thomas Brovot, 430 Seiten, Suhrkamp.

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Gudrun Lerchbaum: Lügenland

(c) Pendragon

(c) Pendragon

Bevor ich hier auf Gudrun Lerchbaums Debüt “Lügenland” eingehe, will ich einmal ein wenig ausholen, um zu erklären, warum ich über Kriminalromane schreibe. Es ist ganz einfach meine Lieblingsliteratur. Sie ist im Idealfall spannend, unterhaltsam, sozialkritisch, literarisch und auch anspruchsvoll zugleich. Zumindest suche ich “meine” Krimis nach diesen Kriterien aus. Banale Serienmörder-Thriller und voyeuristisch zur Schau gestellte Metzeleien sowie Foltereien interessieren mich genauso wenig wie Mörder, die Rätsel hinterlassen.

Mein Anspruch ist es, auf Kriminalliteratur dieser Art – wobei jeder lesen soll, was immer er lesen will – im unübersichtlichen Publikationsdschungel hinzuweisen. Ich versuche dabei immer dem Autor gegenüber fair und ausgewogen zu sein. Denn man vergisst allzu leicht, dass da jemand über Monate oder Jahre mit viel Herzblut und Liebe ein eigenständiges Werk verfasst hat, das dann noch dazu verlegt wurde. Allein diese Hürde zu nehmen, spricht schon für eine gewisse Qualität, wenn es nicht gerade darum geht, irgendeine B- oder C-prominente Person zu vermarkten.

Das ist bei dem dystopischen Polit-Thriller “Lügenland” von Gudrun Lerchbaum in keinster Weise der Fall. Die Autorin porträtiert ein von Rechtspopulisten regiertes Österreich der nahen Zukunft. In meiner Rezension in der “Presse” vor ziemlich genau einem Jahr habe ich geschrieben, dass Lerchbaum eine fesselnde Geschichte erzählt. Hauptfigur Mattea möge zwar gewöhnungsbedürftig sein, dafür umso lebensechter. Hin- und hergerissen zwischen den Welten der regimetreuen „Aufrechten“ und den Widerstand leistenden „Wertlosen“ versuche sie, einfach nur das Richtige zu tun. Denn durch eine Verwechslung wird ausgerechnet aus dieser gesuchten Mörderin, die bis vor Kurzem als Soldatin der Miliz diente, eine Ikone des Widerstands – in einem Österreich, das einem Überwachungsstaat gleicht. Lerchbaum schaffe es dabei, nicht in simple Gut-gegen-Böse- bzw. Rechts-gegen-links-Schemata zu verfallen.

Besonders gefallen hat mir der für einen Debütroman außergewöhnlich mutige Beginn: Lerchbaum lässt Mattea gleich auf den ersten Seiten eine Freundin scheinbar grundlos erschießen. Damit ist diese als Heldin wenig geeignet. Auch sonst präsentiert sich Mattea vorerst wenig sympathisch.

Doch ich habe in  meinem Text auch Kritik geübt. Das Porträt des Landes sei ambivalent geraten: “Die Parolen und Reden des rechtspopulistischen Kanzlers („Ob kunstverseucht, ob bipolar, ob süchtig oder unfruchtbar – die rechte Waffe in der Hand macht euch zum Teil der Heldenschar!“) sind für mich in einer nahen Zukunft nicht so recht vorstellbar. Auch entsteht manchmal der Eindruck, die Autorin habe sich Anleihen an der erfolgreichen „Tribute von Panem“-Trilogie genommen.”

Tja, und dann habe ich kürzlich zufällig einen Blogeintrag von Gudrun Lerchbaum entdeckt. Darin nimmt sie auf meinen Text Bezug:

“Als ich zum Frühstückstisch komme, liegt die Zeitung bereits dort und mein Mann ist recht gedrückter Stimmung. Offenbar unterschätzt er meine Frustrationstoleranz, doch ich bin bestens vorbereitet. Glücklicherweise durch eine liebe Bekannte aus der Presse-Redaktion vorab von der Rezension informiert, konnte ich mich in zwei schlafarmen Nächten gut auf den Moment einstellen. Nicht umsonst bin ich auch an diesem Morgen lange Zeit wach im Bett gelegen und habe die unumstößliche Überzeugung aufgebaut, dass mein Buch gnadenlos verrissen wird. Ganz klar, ich werde den Artikel einfach nicht lesen. Tue ich dann doch, nach etwa einer Minute Bedenkzeit.”

Ich muss zugeben, das hat nun mich nachdenklich gemacht. Die arme Autorin verbringt zwei schlafarme Nächte – wegen mir! Ich fühle mich wie ein Inquisitor. Doch mir liegt nichts ferner als ein gnadenloser Verriss. Ich will einerseits ehrlich meine Meinung kundtun, die aber andererseits niemals ein simples Geschmacksurteil sein soll, sondern das Buch mit all seinen Stärken und Schwächen im Kontext des Genres verorten soll.

Dennoch bin ich Gudrun Lerchbaum dankbar für ihre Zeilen, die mich daran erinnern, dass ich das Werk des Autors oder der Autorin mit den mir zur Verfügung stehenden Werkzeugen, Erfahrung und dem Wissen über (Kriminal-)Literatur immer nur interpretieren kann. Sie gewährt mir einen wertvollen Blick auf die andere Seite, der mir aber auch eines zeigt: Autorin und Rezensent eint die Liebe zur gepflegten Kriminalliteratur.

Kritik als Liebeserklärung

Die von mir sehr geschätzte Sonja Hartl bringt es diesbezüglich übrigens perfekt auf den Punkt: “Kritik ist eine Form der Liebe, die nicht Affirmation, sondern Auseinandersetzung meint – und hinter der sich womöglich eine Einstellung zum Leben verbirgt. Schließlich kritisieren wir oft, was oder wen wir am meisten lieben.”

Und: “Ein_e Autor_in steckt in ein Buch Zeit, Mühe, Arbeit und Leidenschaft. Wenn ich ein Buch kritisiere, dann stecke ich in die Lektüre und die Kritik Zeit, Mühe, Arbeit und Leidenschaft. Weil ich das Werk respektiere, es ernst nehme und glaube, dass durch Kritik Kunst vermittelt wird – nicht im Sinne von „erklärt“, sondern im Sinne von „darauf aufmerksam gemacht“.”

7 von 10 Punkten

Gudrun Lerchbaum: „Lügenland“, Pendragon Verlag, 431 Seiten.

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Paula Hawkins: Into the Water

(c) Blanvalet

Paula Hawkins hat mit “Girl on the Train” einen Thriller geschrieben, der sie mit einem Schlag in die Topliga der Krimiautoren katapultiert hat. Das Buch wurde sofort verfilmt. Die Erwartungen vor dem Nachfolger “Into the Water” waren also nicht gerade gering. Da ich ihr Erfolgsdebüt nicht gelesen habe, fehlt mir nun zwar der Vergleich, aber ich wollte mir doch ein Bild von den Qualitäten der Autorin machen.

Diesmal geht es um Frauen, die es seit Jahrhunderten offenbar auf mysteriöse Weise ins Wasser zu ziehen scheint. Ich befürchtete kurz, dass es hier übersinnliche Erklärungen gibt. Aber keine Sorge, Hawkins löst das Rätsel auf logische Weise. Sie lässt diesmal die Geschichte aus Sicht vieler verschiedener Figuren erzählen, vorwiegend Frauen. Das ist manchmal ein wenig unübersichtlich, ich mag das aber grundsätzlich. Und: Ja, Hawkins versteht ihr Handwerk, so viel steht fest.

Sie hat aus meiner Sicht einen spannenden und soliden Kriminalroman geschrieben, der schlüssig konstruiert ist. Das mag vielleicht auch der größte Kritikpunkt sein: Ein wenig konstruiert ist das natürlich schon. Mich hat das in diesem Fall aber nicht sonderlich gestört. Das war mir schon zu Beginn irgendwie klar und sind das nicht viele Thriller dieser Art?

Überrascht musste ich allerdings feststellen, dass “Into the Water” teilweise mit Häme überschüttet wird. Kai Spanke schreibt über das Buch in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” wenig schmeichelhaft: “Während Hawkins in Bezug auf die Todesfälle höhere Geheimniskrämerei kultiviert, schüttet sie am Reißbrett entworfene Konstellationen und klischeehafte Gimmicks ohne jedes Feingefühl über uns aus.” Teilweise ist die Kritik sehr spöttisch: “Insgesamt haben wir es mit elf Hauptfiguren zu tun, die leistungsstarke Überdrusskatalysatoren abgeben, sobald sie sich – obwohl über mancherlei im Bilde – kryptodämlich raunend zu Wort melden.”

Auch Elmar Krekeler zeigt sich in der “Welt” wenig angetan: “Die Männer vergewaltigen, foltern, sind bestenfalls bloß fies, und immer haben sie was zu verbergen. Die Frauen sind Opfer, wissen das, halten aber nicht zusammen helfen sich nicht. Die Stimmen ähneln sich zu sehr, warum wer wie spricht, wird nicht klar. So funzelt sich Paula Hawkins durch ihr falbes Labyrinth. Das halbe Licht ihrer Literatur reicht immerhin, um alles auszuleuchten, was man wissen muss, alles auszuerzählen. Selten hat man ein derart geheimnisloses Buch über Geheimnisse gelesen.”

Hmm. Das ist harte Kritik. Vielleicht lässt sie sich ja auf die ungewöhnliche Widmung am Beginn des Buches zurückzuführen: “Für alle unbequemen Frauen”. Wenn man sich die Kritik so ansieht, dürfte Paula Hawkins auch eine unangenehme Frau sein – noch dazu eine erfolgreiche. Ich bin auf ein drittes Buch und mögliche weitere Kontroversen gespannt. Mir hat jedenfalls gerade dieser weibliche Blick auf die patriarchalisch dominierte Dorfwelt gut gefallen.

7 von 10 Punkten

Paula Hawkins: “Into the Water”, übersetzt von Christoph Göhler, Blanvalet, 480 Seiten.

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Cynan Jones: Alles, was ich am Strand gefunden habe

(c) liebeskind

“Alles, was ich am Strand gefunden habe” ist ein Beispiel dafür, wie man auf gerade einmal 240 Seiten eine dichte Geschichte erzählen kann. Ein guter Anlass, wieder einmal ein Plädoyer für schmale Kriminalromane zu halten. Früher war mir das selbst zu kurz. Unter 400 Seiten ging gar nicht. Aber mittlerweile liebe ich kurze Kriminalromane. Seit ich “Driver” und “Driver 2” von James Sallis gelesen habe, bin ich von schmaler Kriminalliteratur sehr begeistert. Das ist schon wahre Kunst, hohe Literatur.

Cynan Jones hat ein beeindruckendes Buch über unsere Vergänglichkeit und Bedeutungslosigkeit geschrieben. Nach der Lektüre fühlt man sich klein und unbedeutend. Es gibt wenig Anlass zur Hoffnung, dennoch ist dieses Buch auch ein schönes Buch. Es ist einfühlsam geschrieben – mit viel Sympathie für die Figuren.

Figuren wie Holden und den polnische Einwanderer Grzegorz. Beide Männer hoffen auf ein besseres Leben und handeln deshalb falsch. Man kann sie verstehen, dennoch tut es weh, zusehen zu müssen, wie sie zielgerichtet den falschen Weg einschlagen. Und vielleicht geht es ja doch gut aus?

“Man konnte einfach kein normaler, anständiger Gauner mehr sein. Die wurden doch von den großen Drogengangs verdrängt wie die kleinen Geschäfte vor Ort durch die Ketten.”

Das Buch wird für Fans von klassischer Kriminalliteratur möglicherweise zu langsam sein. Er nimmt sich viel Zeit, um in die Leben von Holden und Grzegorz einzutauchen. Ungefähr die Hälfte des Buches fragt man sich, wohin sich diese Geschichte entwickeln wird. Ob sich überhaupt eine Geschichte entwickeln wird oder sich Jones nur auf die Innensicht seiner Figuren beschränkt. Es mag für manchen Leser eine Geduldsprobe sein. Meiner Meinung nach ist es diese aber wert. In dieser schnellen Zeit sind langsame Bücher wie diese wunderbar entschleunigend. Es muss nicht immer rasant voran gehen.

Mit Peter Torberg hat der liebeskind-Verlag auch einen perfekten Übersetzer gefunden. Torberg hat zuletzt die Kriminalromane von Adrian McKinty, Garry Disher, Daniel Woodrell und Donald Ray Pollock übersetzt.

7 von 10 Punkten

Cynan Jones: “Alles, was ich am Strand gefunden habe”, übersetzt von Peter Torberg, 237 Seiten, liebeskind.

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Paolo Roversi: Schwarze Sonne über Mailand

(c) Ullstein

(c) Ullstein

Schon über Paolo Roversis ersten Teil seiner Mailand-Saga, “Milano Criminale”, habe ich geschrieben: “Das liest sich mitunter wirklich faszinierend, auch wenn Roversi immer wieder den Faden verliert.” Das trifft auch auf Teil zwei, “Schwarze Sonne über Mailand” zu. Erneut steht sich Roversi als Erzähler immer wieder selbst im Weg, weil er die Geschichte der Mailänder Gangster so authentisch wie möglich erzählen will. Phasenweise erzählt er äußerst detailiert, dann macht er wieder enorme zeitliche Sprünge. Das ist nicht immer stimmig. Insgesamt deckt sein Porträt der Roten Stadt die Jahre zwischen 1958 und 1984 ab.

Dennoch hat mich Roversis Saga durchgehend fasziniert und gefesselt. Er hat diesen Verbrechern der alten Schule ein literarisches Denkmal gesetzt. Dabei kann er seine Sympathie für die Männer auf beiden Seiten des Gesetzes nicht verhehlen. Er ist fasziniert von der Welt der Gegensätze, die manchmal allerdings gar nicht so groß sind.

Es geht dabei um Loyalität und Verrat, Unbeugsamkeit und Aufrichtigkeit und vieles, vieles mehr. Um Familien, die für von ihrem Job besessene Polizisten nur eine Nebenrolle spielen. Um schlaue Kriminelle, die über ihre Sturköpfigkeit stolpern. Um blutige Fehden, um Liebe, um Leben und Tod.

Hätte Roversi auch noch den Mut gehabt, sich mehr von der Realität zu lösen und seinen Charakteren mehr Leben einzuhauchen, hätte er wohl ein wahres Meisterwerk schreiben können. So hat er eine perfekte Chronologie der Mailänder Unterwelt geschrieben, aber eben nicht mehr.

7 von 10 Punkten

Paolo Roversi: “Schwarze Sonne über Mailand”, übersetzt von Esther Hansen, 496 Seiten, Ullstein.

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