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Anthony Horowitz: Trigger Mortis

(c) Cross Cult

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Pure Fan-Fiction. So könnte man den neuen James-Bond-Roman “Trigger Mortis” von Anthony Horowitz zusammenfassen. Aber auch nur, wenn man etwas Positives darüber sagen will. Wer mehr erwartet, wird enttäuscht. Ja, dieses Buch trifft Ton und Stil von 007-Schöpfer Ian Fleming perfekt, aber gleichzeitig ist das auch seine große Schwäche. Denn während man Flemings Bücher im Kontext der Zeit verstehen kann, bleibt man bei “Trigger Mortis” ein wenig fraglos zurück. Ist das jetzt wirklich ernst gemeint? Die böse Organisation Smersch im Jahr 2015 – und das ganz ohne Ironie? Flemings offener Rassismus?

Ja, das ist ernst gemeint, wie Horowitz im Nachwort erklärt: “Das bedeutet, dass es sich bei einigen der Beschreibungen und Dialoge in Kapitel zwei tatsächlich um Flemings eigene Arbeit handelt. Es waren nicht mehr als vier oder fünfhundert Worte, aber für mich war es sowohl eine Inspiration als auch ein Ausgangspunkt.”

Blicken wir also in Kapitel zwei – und ich kann nur hoffen, dass auch folgende Zeilen aus Flemings Feder stammen:

“Es war nur ein weiteres Beispiel für die unglaubliche Kaltblütigkeit und Verachtung, die so typisch für die slawische Rasse zu sein schienen.”

Eigentlich unglaublich, aber so steht es im Buch. Da ist das simple Frauenbild, das hier gezeichnet wird, noch verkraftbar (“Bond hätte einen tieferen Ausschnitt und etwas weniger Stoff am Oberteil bevorzugt”). Der Superböse, (dessen Namen ich längst vergessen habe, ach ja, Nordkoreaner ist er auch noch) nervt mit seinen Karten, die darüber bestimmen, welche Todesart seine Gegner erleiden müssen. Er sagt superböse Sätze wie “Ich bestrafe Sie, weil Sie bestraft werden müssen, aber ich persönlich empfinde dabei nichts”. Das ist schon alles furchtbar einfallslos, das hat man schon so oft gesehen und gelesen.

Der Plot ist bestenfalls platt, die Sportwagen-Rennszene am Nürburgring ließ mich sogar kurz daran denken, die Lektüre zu beenden. Das ist einfach nur lächerlich. Fast schon lustig, wenn es sich nicht doch irgendwie ernst nehmen würde.

Die Lebendig-begraben-Szene endet mit viel Pathos und Moral: “Bond war der Hölle eines Grabs entkommen, in das man ihn lebendig gesteckt hatte, und hatte weder etwas von seinem inneren Selbst noch von seiner Menschlichkeit eingebüßt. Das war der Unterschied zwischen ihnen. Und der Grund, warum er gewinnen würde.” Fein, wenn sich Gut und Böse so leicht trennen lassen und dann noch solche Dinge daraus ableiten lassen.

Und nein, ich habe kein generelles James-Bond-Problem. Ganz im Gegenteil, William Boyds Versuch “Solo” hat mich 2013 durchaus begeistert. Boyd konnte James Bond (als Menschen, nicht als überlebensgroße Figur) und seinem ewigen Dilemma neue Facetten abgewinnen. Auch Jefferey Deavers Bond-Abstecher konnte ich einiges abgewinnen.

Ach ja, dass Pussy Galore auftaucht, macht es auch nicht besser, im Gegenteil. Aber wenn ich mir die Amazon-Bewertungen ansehe, habe ich das Gefühl, ein anderes Buch gelesen zu haben. Dort bekommt das Buch durchwegs gute Noten. Also macht euch am besten selbst ein Bild.

2 von 10 Punkten

Anthony Horowitz: “Trigger Mortis”, übersetzt von Stephanie Pannen, 380 Seiten, Cross Cult.

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