Monthly Archives: March 2013

Die besten Krimi-Cover im März

(c) script5

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Welcher Krimileser kennt das nicht: Man hält ein Buch in Händen, das Cover sieht extrem ansprechend aus. Obwohl der Inhalt nicht so ganz überzeugt, lässt man sich doch von dem visuellen Reiz einlullen und greift zu. Das kann ganz schön schief gehen, manches erstklassige Buch habe ich dadurch aber auch schon entdeckt. Buch-Cover sagen schließlich viel über den Inhalt aus. Regio-Krimi-Fans werden nach anderen Kriterien durch Bücherregale schlendern als Hardboiled-Veteranen. Auch bei der allmonatlichen Krimi-Couch-Recherche ist angesichts der unglaublichen Publikationsflut das erste Ausschluss-Prinzip das Cover.

Ich möchte daher ab sofort jeden Monat jene drei Cover wählen, die mich am meisten angesprochen haben. Bedingung: Die Bücher müssen in diesem Monat erschienen sein. Ich will dazu auch immer erklären, was mich angezogen hat – obwohl immer werde ich das sicher nicht begründen können. Manchmal ist das ja einfach Gefühlssache…

Auftaktsieger ist “Dead Cat Bounce” vom Verlag script5. Und ohne dieses Cover wüsste ich wohl bis heute nichts von diesem Verlag, der laut Eigenangaben ein “neues Programm für junge Erwachsene” liefert. Und ganz so schlecht kann der Finanz-Thriller von Nic Bennett nicht sein, denn auch der #1-Hall-of-Fame-Rezensent bei Amazon.de gibt dem Werk fünf Punkte. Bei mir hat das Cover jedenfalls sofort Neugier geweckt.

(c) Dumont

(c) Dumont

(c) Dumont

(c) Dumont

Auf Platz zwei landet “Galgenweg” von Brian McGilloway. Interessant hierbei: Die Taschenbuch-Ausgabe erscheint mit einem gänzlich anderen Cover als die Hardcover-Ausgabe (beide Verlag Dumont), die den Titel “Eine Leiche macht noch keinen Sommer” trug. Mit dem Grüne-Insel-Klischeebild ließen sich offenbar keine Leser anlocken. Die drei Nägel auf der Taschenbuch-Ausgabe strahlen bereits etwas Bedrohliches aus. Man erwartet sich einen harten Thriller, beim Hardcover hätte ich mir eher etwas in der Kategorie Inspektor Barnaby erwartet – ich hätte da wohl nie hingegriffen.

(c) Dumont

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Auf Platz drei landet “Eine süße Ewigkeit” von George Pelecanos. Auch dieses Buch ist im Dumont-Verlag erschienen. Die “Washington-Trilogie” ist in ihrer Neuauflage optisch äußerst ansprechend aufbereitet. Auch die beiden Vorgänger “Big Blowdown” und “King Suckerman” sehe ich mir gern in meinem Bücherregal an – im Gegensatz übrigens zu dem 2012 im rororo-Verlag erschienenen Thriller “Ein schmutziges Geschäft” desselben Autors. Das erinnert stark an die 1970er Jahre, aber das Buch spielt nicht einmal in dieser Zeit. Für mich ein Fauxpas.

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Depeche Mode, Kommissar Rex und Cold Case

(c) Sony Music

(c) Sony Music

Alle vier Jahre tritt die Krimileidenschaft kurzzeitig in den Hintergrund. Ein neues Depeche-Mode-Album mit dem Namen “Delta Machine” ist erschienen. Wen es interessiert, der kann meine Album-Kritik “In der Welt des wohligen Leidens” bzw. meine Meinung zum sogenannten Album Launch Event in Wien lesen. Da ich diese Artikel in den Nachtstunden verfasst habe, war ich ehrlich gesagt zu müde, um mich um crimenoir zu kümmern. Das ist nun vorbei.

Wenn ich schon so im Thema drin bin, habe ich mir gedacht ich schreibe mal etwas über Depeche Mode und Krimiserien. Und der Blick in IMDB fördert Interessantes zu Tage: Die TV-Krimiserien Cold Case, Bones, CSI, Alias, La Femme Nikita, Miami Vice, 21 Jump Street und Kommissar Rex haben etwas Gemeinsames: Zumindest ein Depeche-Mode-Song wurde in einer Episode verwendet. Auch in anderen beliebten Serien wie Charmed, Friends, Melrose Place, Smallville und Beverly Hills 90210 kamen Depeche-Mode-Songs zum Einsatz.

Besonderer Beliebtheit erfreuten sich Depeche Mode bei den Machern von Cold Case:

Cold Case (TV series)

The River (2006) (performer: “Blasphemous Rumors”)
One Night (2006) (performer: “Precious”)
Start-Up (2005) (performer: “It’s No Good”)
Family (2005) (performer: “Never Let Me Down Again”)
Who’s Your Daddy (2004) (performer: “Policy of Truth”)
Und noch etwas habe ich gefunden: Für das Ende der zweiten Staffel der ausgezeichneten Vampir-Serie “True Blood” haben Depeche Mode mit Darstellern der Serie ein Video zum Song “Corrupt” (zum YouTube-Video) gedreht.

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Ein Krimipreis und seine ungewöhnliche Entstehung

Euro Crime berichtet von einem neuen Award für skandinavische Krimi-Literatur. Mit dem Petrona Award wird Maxine Clarke, eine der ersten Online-Krimi-Kritikerinnen und -Bloggerinnen, geehrt. Sie ist Ende 2012 gestorben. Als Petrona widmete sie sich ihrem Hobby: “Intelligenter Kriminalliteratur”. Die Britin liebte vor allem Krimis aus Skandinavien.

Um den Petrona Award können sich Krimis, die entweder von skandinavischen Autoren geschrieben wurden oder in Skandinavien spielen bewerben. Sie müssen in Großbritannien jeweis im Vorjahr publiziert worden sein. Für den Petrona Award 2014 können sich also nur 2013 veröffentlichte Bücher bewerben. Eine dreiköpfige Jury entscheidet – im Sinne von Maxine Clarke.

2013 gelten noch andere Regeln. Die Shortlist basiert auf Reviews und Bewertungen von Maxine aus dem Jahr 2012:

“Pierced” by Thomas Enger, tr. Charlotte Barslund (Faber and Faber)
“Black Skies” by Arnaldur Indridason, tr. Victoria Cribb (Harvill Secker)
“Last Will” by Liza Marklund, tr. Neil Smith (Corgi)
“Another Time, another Life” by Leif GW Persson tr. Paul Norlen (Doubleday)

Der Gewinner wird beim CrimeFest in Bristol bekanntgegeben, das von 30 Mai bis 2. Juni 2013 stattfinden.

Maxines Freund lassen Petrona übrigens unter petronaremembered.com weiterleben. Weltweit sollen Krimis-Fans Beiträge für die Seite schreiben und darin ihre Lieblingskrimis vorstellen. So soll für Krimi-Begeisterte, aber auch Genre-Einsteiger eine ideale Plattform im Sinne der verstorbenen Maxine Clarke geboten werden.

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Die Lieblingskrimis von: Roger Smith

Mit “Kap der Finsternis”, “Blutiges Erwachen”, “Staubige Hölle” und “Stiller Tod” liegen mittlerweile vier Krimis des südafrikanischen Autors Roger Smith auf Deutsch vor. Seine Fangemeinde wächst ständig – mit “Stiller Tod” weilte er zuletzt drei Monate (Dezember 2012 bis Februar 2013) auf der KrimiZeit-Bestenliste, “Kap der Finsternis” gewann 2009 die KrimiZeit-Jahreswertung. Auf CrimeSquad wurde er im März zum “Author of the Month” ernannt.

“I’m not big on formulaic mysteries or police procedurals and have always enjoyed dark, twisted crime fiction”, sagt er im Zuge eines umfassenden Interviews. Und er nennt auch drei Lieblingskrimis:

  • Patricia Highsmith: “Der talentierte Mr. Ripley” (“The Talented Mr. Ripley”)
  • Jim Thompson: “Der Mörder in mir” (“The Killer Inside Me”)
  • Richard Stark: “Jetzt sind wir quitt/Payback – Zahltag” (“The Hunter”)

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“Tatort”: Schluss mit dem Schweiger-Bashing!

So, jetzt hab ich ihn auch gesehen, den ersten “Tatort” mit Til Schweiger. “Spiegel Online” hatte das fröhliche Schweiger-Bashing im Vorfeld ja auf die Spitze getrieben: “Der Prügler mit der Penisangst” hieß der Artikel, der sicherlich viele Zugriffe gebracht hat. Und auch wenn “Die Hard”-Vergleiche nicht ganz aus der Luft gegriffen sind, muss ich mich doch wundern. Die Tatort-Episode “Willkommen in Hamburg” war gute Unterhaltung – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Wer ausgerechnet von diesem Tatort Realismus erwartet hat, muss sich schon ein bisschen Scheinheiligkeit vorwerfen lassen. Von Anfang an war klar, dass Til Schweiger einen actiongeladenen Kommissar abgeben würde. Und natürlich absolviert er einen lupenreinen Ego-Trip. Denn: “Wo Til Schweiger draufsteht, ist auch Til Schweiger drin”, wie der Mime selbst sagt.

Nicht alles war witzig, einiges aber doch. Vor allem die Dialoge mit seinem Partner Yalcin Gümer (gespielt von Fahri Yardim) sind durchaus pointiert und ein Highlight mit Ausbaupotential. Und warum muss der Tatort immer mit Sozialkritik glänzen – allzu oft wird das doch sehr krampfhaft versucht. Ich fand es zur Abwechslung mal ganz gut, für 90 Minuten das Hirn auszuschalten – da ist nichts Verwerfliches dran.

Ich oute mich als Fan: Schade eigentlich, dass Schweiger nur einmal pro Jahr in die Rolle des Nick Tschiller schlüpft.

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KrimiZeit-Bestenliste März – Ein Abgleich

(c) Tropen

(c) Tropen

Die Krimi-Zeit-Bestenliste (pdf) ist immer ein ganz guter Indikator, ob man irgendwelche Spannungsbücher abseits des Mainstreams verpasst hat – was ja bei der Erscheinungsflut kein Wunder ist. Sie ist für mich eine wirklich hilfreiche Quelle der Leseinspiration. Da hole ich mir gerne Tipps und finde es toll, wenn ich Bücher entdeckt habe, noch ehe sie auf der allmonatlichen Liste auftauchen.

Erfreut habe ich diesmal vier Übereinstimmungen (nachdem es im Februar mit Rick de Marinis “Götterdämmerung in El Paso” nur eine war) mit meinem eigenen Leseverhalten feststellen können. Noch dazu habe ich alle vier Bücher gelesen bzw. zu lesen begonnen, bevor sie auf der Liste aufgetaucht sind – also von den fünf März-Neueinsteigern habe ich vier gelesen.

Es handelt sich dabei um Joe R. Lansdales “Dunkle Gewässer”, Elmore Leonards “Raylan”, Madison Smartt Bells “Die Farbe der Nacht” und Steve Hamiltons “Der Mann aus dem Safe”. Bis auf Lansdales Buch habe ich die Bücher bei crimenoir bereits rezensiert. Meine Meinungen dazu findet ihr im “Rezensionen”-Sektor.

Zu Lansdales Buch muss ich folgendes sagen: Ich stecke gerade mittendrin (ca. Seite 200) und ich wage einen Tipp. Sollte die Qualität des Buches nicht noch plötzlich nachlassen, so wird “Dunkle Gewässer” im April sicher auf Platz eins der Liste stehen. Dem Vergleich mit Mark Twains “Huckleberry Finn” hält Lansdales Werk bisher mehr als stand.

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Madison Smartt Bell: Die Farbe der Nacht

(c) liebeskind

(c) liebeskind

“Wie mein Herz frohlockte, als die Türme einstürzen”, lautet der erste Satz in Madison Smartt Bells Buch “Die Farbe der Nacht”. Die Rede ist von den Twin Towers in New York. 9/11 ist in Bells düsterem Werk aber nicht nur der Ausgangspunkt, sondern steht auch für ein Wiedersehen. Und nicht zufällig hat der US-Autor ausgerechnet die einstürzenden Türme ausgewählt. Sie stehen repräsentativ für vieles in seiner Geschichte rund um Ich-Erzählerin Mae und ihr Leben in einer kaputten Welt: Verlust, Erinnerung, religiösen Wahn. Kenner der griechischen Mythologie werden ebenso auf ihre Kosten kommen: Dionysos, Orpheus und Euridyke sind unschwer zu erkennen und haben wichtige Auftritte.

“Die Farbe der Nacht” ist kein Buch, das man einfach verschlingen kann. Es umfasst zwar 84 Kapitel auf nur 237 Seiten, verlangt dem Leser einiges ab. Man braucht gut 50, 60 Seiten, um sich an die kapitelweise wechselnden Zeitsprünge zu gewöhnen, doch dann entfalten sich Sprachgewalt und Wucht der Erzählung vollends. Der Autor erspart dem Leser dabei wenig: Stück für Stück offenbart er all die Unvorstellbarkeiten, die Maes Kindheit prägten und sie für ihr restlichen Leben im wahrsten Sinne des Wortes stählten. Über ihren Peiniger sagt Mae: “Ich beobachtete ihn, studierte ihn, während er arbeitete. Eine Seltenheit, ihn so in etwas vertieft zu sehen. Dieselbe präzise, gebündelte Aufmerksamkeit hatte er auch, wenn er Fliegen die Flügel auszupfte. Oder mir Schmerzen zufügte, mit andächtiger und unbändiger Konzentration”.

Es ist ein verstörendes Porträt, das der Autor von Mae zeichnet. Nach außen hin führt sie ein unscheinbares Leben, aber nur knapp unter der Oberfläche brodelt es. Dieser Frau möchte man niemals begegnen. Sie ist nicht nur Opfer, sondern auch Täterin. Was sie tatsächlich alles getan hat, weiß sie selbst nicht mehr so genau. Mae hat einen schützenden Panzer des Vergessens über gewisse Aspekte ihrer Untaten gelegt.

Mae ist vieles widerfahren in ihrem Leben – selten Gutes. Nicht ohne Grund sagt sie einmal selbst: “Liebe. Der Begriff machte mir zu schaffen.” Und doch ist “Die Farbe der Nacht” auch eine außergewöhnliche Liebesgeschichte – vorausgesetzt, man definiert Liebe drastisch neu. Madison Smartt Bell hat ein erschütterndes Buch abseits jeglicher Klischees geschrieben, das eine Welt beschreibt, von der man befürchtet, dass es sie da draußen irgendwo gibt. Aber hoffentlich weit, weit weg.

8 von 10 Punkten

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