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Krimis, die man 2015 lesen sollte (VI)

(c) Polar

(c) Polar

Hiermit hole ich die – aus meiner persönlichen Sicht – interessantesten Krimi-Neuerscheinungen des Monats Juni nach. Ein Buch ragt dabei für mich heraus: Der in Vergessenheit geratene Krimi-Klassiker “Cutter und Bone” von Newton Thornburg. Ich war schon knapp davor, mir die amerikanische Originalversion zu kaufen, ehe ich vor Monaten begeistert erfuhr, dass ausgerechnet der von mir hochgeschätzte Kleinverlag Polar das Buch nach Jahren endlich wieder auf Deutsch – mit einem Vorwort von Thomas Wörtche – herausbringt.

Der Verlag schreibt: Es gibt keine Garantie für Gerechtigkeit. Santa Barbara in den frühen 1970ern. Richard Bone, der seine Frau und seine Kinder verlassen hat, um sich mit dem Verführen reicher Touristinnen durchs Leben zu schlagen, beobachtet eines Nachts, wie eine Leiche in einem Mülleimer entsorgt wird. Als er am nächsten Tag das Foto des Redneck-Millionärs J.J. Wolfe in der Zeitung sieht, glaubt er, den Mörder wiederzuerkennen. An der Seite seines Freundes Cutter, einem zynischen, versehrten Vietnamveteranen, beginnt die Jagd auf einen Mörder, der sie bis in die Ozarks führen wird.

(c) Heyne Hardcore

(c) Heyne Hardcore

Ebenfalls vielversprechend klingt Jim Thompsons “Südlich vom Himmel”. Das Besondere: Diesmal handelt es sich um eine deutsche Erstausgabe – noch dazu mit einem Nachwort von Friedrich Ani. Ich habe vor 15-20 Jahren “Zwölfhundertachtzig schwarze Seelen” gelesen und war damals, das muss ich zugeben, wenig angetan. Seitdem – damals steckte ich in einer intensiven Thrillerphase –  hat sich mein Leseverhalten aber ziemlich geändert. Ich möchte Thompson daher unbedingt wieder lesen.

Südlich vom Himmel: Für die einen ist das die Hölle, für andere die harten Ölbohrarbeiten unter der Sonne von Texas. So eine Geschichte erzählt der junge Tommy Burwell, der bei einer Ölgesellschaft anheuert. Für Tommy beginnt eine harsche Zeit, denn sein alter Kumpel Four Trey Whitey setzt ihn für Sprengarbeiten ein. In diesem von hemmungsloser Gewalt geprägten Milieu muss Tommy sich seinen Platz erkämpfen. Er lebt ein Leben in Blut, Schweiß und Tränen. Als die Brüder seiner Freundin Carol planen, die Lohnkasse zu rauben, wird es eng für Tommy …

(c) Blanvalet

(c) Blanvalet

Tja, und dann gibt es dann noch so einen Autor, den ich eigentlich schon abgehakt hatte. Lee Child konnte mich vor Jahren mit “Sein wahres Gesicht” ebenfalls nicht überzeugen. “Der Anhalter”, der 17. nun auf deutsch erschienene Band rund um Kultfigur Jack Reacher, hat mich – ich habe das Buch bereits ausgelesen – wider Erwarten voll gepackt. Ich habe gleich darauf im Urlaub noch einen Reacher (“Way Out”, Band 10) gelesen. Interessanterweise schneidet “Der Anhalter” bei den amazon-Bewertungen so schlecht ab wie kein anderer Reacher-Roman. Ich bin also momentan ein wenig verwirrt: Was kann ich von meinen früheren Urteilen halten? Oder war “Sein wahres Gesicht” einfach schlecht? Und warum hat mich ausgerechnet “Der Anhalter” bei all seinen Schwächen dennoch perfekt unterhalten? Aber dazu bald mehr!

Jack Reacher bemühte sich, harmlos auszusehen, was ihm mit seiner großen, massigen Gestalt und der gebrochenen Nase nicht leicht fiel. Umso dankbarer war er, als endlich ein Auto hielt, um ihn mitzunehmen. Die Frau und die beiden Männer im Wagen waren offensichtlich Kollegen, zumindest schloss Reacher das aus ihrer einheitlichen Kleidung. Er wusste nichts von ihrer Verwicklung in den Mord, der nicht weit entfernt verübt worden war. Für die Insassen des Wagens war Reacher nur eine Möglichkeit, die Polizei von sich abzulenken. Sie ahnten nicht, wer bei ihnen im Auto saß. Schließlich sah Reacher aus wie ein harmloser Anhalter …

(c) Droemer

(c) Droemer

Und dann muss ich hier auch noch Don Winslows “Das Kartell” erwähnen, das ich ja zuletzt hier besprochen habe. Aber eine Juni-Liste ohne Winslow erscheint mir irgendwie unvollständig.

Sie waren mal beste Freunde. Aber das ist viele Jahre und unzählige Tote her. Der Drogenfahnder Art Keller tritt nun an, um Adán Barrera, dem mächtigen Drogenboss, für immer das Handwerk zu legen. Er begibt sich auf eine atemlose Jagd und in einen entfesselten Krieg, in dem die Grenzen zwischen Gut und Böse schon längst verschwunden sind: Eine wahrhaft erschütternde, genau recherchierte Geschichte über die mexikanisch-amerikanischen Drogenkriege, über Gier und Korruption, Rache und Gerechtigkeit, Heldenmut und Hinterhältigkeit.

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Krimis, die man 2014 lesen sollte (XII)

(c) Knaur

(c) Knaur

Noch ein letztes Mal empfehle ich Krimis, die im Jahr 2014 neu erschienen sind. Bereits seit 1. Dezember sollte “MUC” der deutschen Autorin Anna Mocikat in den Regalen gutsortierter Buchhandlungen zu finden sein. 2014 war ja ein Jahr vielzähliger dystopischer Spannungsromane. Nun spielt ein solcher endlich auch einmal in Deutschland.

München, 2120: Hundert Jahre nach dem großen Sterben, dem beinahe die gesamte Menschheit zum Opfer fiel, ist von dem Wohlstand der Stadt wenig übrig. Zerstörte Häuser, Müll und Dreck in den Straßen und Skelette in der U-Bahn, so präsentiert sich MUC, wie die Stadt mittlerweile heißt, der Kletterkünstlerin Pia. Pia ist auf der Suche – nach ihrem Bruder, der vor Jahren verschollen ist, und nach Antworten. Denn das große Sterben haben nur Rothaarige überlebt, ihre Haare jedoch sind pechschwarz (Verlagstext).

(c) Heyne Hardcore

(c) Heyne Hardcore

“Die Verdammten” des legendären US-Krimiautors Jim Thompson ist seit 8. Dezember im Handel. Heyne setzt hier in seiner Hardcore-Reihe konsequent die Publikation von Thompson-Büchern fort – auch optisch in sehr feiner Aufmachung. Es handelt sich bei “Die Verdammten” um eine deutsche Erstausgabe. Lesenswert macht diese Ausgabe auch das Nachwort von Tobias Gohlis. Marcus Müntefering urteilt auf Krimi-Welt so: “Die Verdammten gehört nicht zu den besten Romanen Thompsons (auch wenn er selbst das wohl anders sah), dafür ist die Geschichte teilweise zu kolportagehaft und zu wenig konzentriert erzählt. Aber selbst wenn Thompson nicht in Topform ist, schreibt er besser als fast alle anderen.”

Die texanische Kleinstadt Big Sands ist ein Hort verlorener Seelen, eingekesselt von den Bohrtürmen einer Ölgesellschaft, die sich immer weiter ausbreitet. Die Bewohner sind größtenteils einfache Leute und halten sich mühsam so eben über Wasser. Aufgestaute Aggressionen bestimmen die Szenerie unter der gleißenden Wüstensonne. Der junge Tom Lord muss als Deputy wider Willen die Ordnung aufrechthalten. Eines Tages erschießt er bei einer Auseinandersetzung unabsichtlich den Ölinspektor Aaron McBride, den er schon seit Längerem des Betrugs verdächtigt. Lord wird angeklagt. Doch damit nicht genug: Der Ölgesellschaft ist er ein Dorn im Auge und soll von der Bildfläche verschwinden. Lord kann niemandem mehr vertrauen … (Verlagstext)

(c) Rowohlt Polaris

(c) Rowohlt Polaris

Lauren Beukes “Zoo City” (am 19. Dezember erschienen) scheint weniger ein klassischer Krimi zu sein, sonder ein Fantasy-Noir-Thriller. Nachdem ich den Zeitreise-Krimi “Shining Girls” der Südafrikanerin heuer nicht geschafft habe, hoffe ich nun die Autorin mit diesem Buch kennenzulernen. Und Noir steht ja nicht umsonst in meinem Blognamen 😉

Wer Schuld auf sich lädt muss mit zwei Dingen leben: Einer magischen Begabung. Und einem Tier, das plötzlich da ist und einem nie mehr von der Seite weicht. So wie das Faultier, das Zinzi December auf dem Rücken trägt.
Zinzi hat einen Haufen Schulden und ein Talent dafür, verlorene Dinge zu finden. Oder Menschen, wie im Fall des verschwundenen Pop-Starlets Songweza. Die Suche gestaltet sich schwierig, denn in einer Welt, in der Magie und Verbrechen regieren, sind allzuviele Fragen nicht erwünscht. Wenn man anfängt, in Johannesburgs dunkle Ecken zu schauen, kommt schnell die Wahrheit ans Licht. Eine Wahrheit die einige Leute dringend unter Verschluss halten wollen. Die Wahrheit über die «Getierten» und über das, was im Verborgenen mit ihnen geschieht … (Verlagstext)

(c) Lübbe

(c) Lübbe

Tony Parsons Krimidebüt “Dein finsteres Herz” ist seit 18. Dezember erhältlich. Der Untertitel “Detective Max Wolfes erster Fall” deutet bereits darauf hin, dass hier eine Serie am Entstehen ist. Ich muss gestehen, ich bin ein wenig skeptisch – vor allem weil hier offenbar schon wieder einmal “unvorstellbar grausam” gemordet wird. Aber ein Detective als alleinerziehender Vater macht mich wiederum neugierig.

Vor zwanzig Jahren trafen sieben privilegierte Jungen in der elitären Privatschule Potter╔s Field aufeinander und wurden Freunde. Nun sterben sie, einer nach dem anderen, auf unvorstellbar grausame Art. Das ruft Detective Constable Max Wolfe auf den Plan: Koffeinjunkie, Hundeliebhaber, alleinerziehender Vater. Und der Albtraum jedes Mörders. Max folgt der blutigen Fährte des Killers von Londons Hinterhöfen und hell erleuchteten Straßen bis in die dunkelsten Winkel des Internets. (Verlagstext)

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Die Lieblingskrimis von: Roger Smith

Mit “Kap der Finsternis”, “Blutiges Erwachen”, “Staubige Hölle” und “Stiller Tod” liegen mittlerweile vier Krimis des südafrikanischen Autors Roger Smith auf Deutsch vor. Seine Fangemeinde wächst ständig – mit “Stiller Tod” weilte er zuletzt drei Monate (Dezember 2012 bis Februar 2013) auf der KrimiZeit-Bestenliste, “Kap der Finsternis” gewann 2009 die KrimiZeit-Jahreswertung. Auf CrimeSquad wurde er im März zum “Author of the Month” ernannt.

“I’m not big on formulaic mysteries or police procedurals and have always enjoyed dark, twisted crime fiction”, sagt er im Zuge eines umfassenden Interviews. Und er nennt auch drei Lieblingskrimis:

  • Patricia Highsmith: “Der talentierte Mr. Ripley” (“The Talented Mr. Ripley”)
  • Jim Thompson: “Der Mörder in mir” (“The Killer Inside Me”)
  • Richard Stark: “Jetzt sind wir quitt/Payback – Zahltag” (“The Hunter”)

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