Tag Archives: Madison Smartt Bell

KrimiZeit-Bestenliste März – Ein Abgleich

(c) Tropen

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Die Krimi-Zeit-Bestenliste (pdf) ist immer ein ganz guter Indikator, ob man irgendwelche Spannungsbücher abseits des Mainstreams verpasst hat – was ja bei der Erscheinungsflut kein Wunder ist. Sie ist für mich eine wirklich hilfreiche Quelle der Leseinspiration. Da hole ich mir gerne Tipps und finde es toll, wenn ich Bücher entdeckt habe, noch ehe sie auf der allmonatlichen Liste auftauchen.

Erfreut habe ich diesmal vier Übereinstimmungen (nachdem es im Februar mit Rick de Marinis “Götterdämmerung in El Paso” nur eine war) mit meinem eigenen Leseverhalten feststellen können. Noch dazu habe ich alle vier Bücher gelesen bzw. zu lesen begonnen, bevor sie auf der Liste aufgetaucht sind – also von den fünf März-Neueinsteigern habe ich vier gelesen.

Es handelt sich dabei um Joe R. Lansdales “Dunkle Gewässer”, Elmore Leonards “Raylan”, Madison Smartt Bells “Die Farbe der Nacht” und Steve Hamiltons “Der Mann aus dem Safe”. Bis auf Lansdales Buch habe ich die Bücher bei crimenoir bereits rezensiert. Meine Meinungen dazu findet ihr im “Rezensionen”-Sektor.

Zu Lansdales Buch muss ich folgendes sagen: Ich stecke gerade mittendrin (ca. Seite 200) und ich wage einen Tipp. Sollte die Qualität des Buches nicht noch plötzlich nachlassen, so wird “Dunkle Gewässer” im April sicher auf Platz eins der Liste stehen. Dem Vergleich mit Mark Twains “Huckleberry Finn” hält Lansdales Werk bisher mehr als stand.

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Madison Smartt Bell: Die Farbe der Nacht

(c) liebeskind

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“Wie mein Herz frohlockte, als die Türme einstürzen”, lautet der erste Satz in Madison Smartt Bells Buch “Die Farbe der Nacht”. Die Rede ist von den Twin Towers in New York. 9/11 ist in Bells düsterem Werk aber nicht nur der Ausgangspunkt, sondern steht auch für ein Wiedersehen. Und nicht zufällig hat der US-Autor ausgerechnet die einstürzenden Türme ausgewählt. Sie stehen repräsentativ für vieles in seiner Geschichte rund um Ich-Erzählerin Mae und ihr Leben in einer kaputten Welt: Verlust, Erinnerung, religiösen Wahn. Kenner der griechischen Mythologie werden ebenso auf ihre Kosten kommen: Dionysos, Orpheus und Euridyke sind unschwer zu erkennen und haben wichtige Auftritte.

“Die Farbe der Nacht” ist kein Buch, das man einfach verschlingen kann. Es umfasst zwar 84 Kapitel auf nur 237 Seiten, verlangt dem Leser einiges ab. Man braucht gut 50, 60 Seiten, um sich an die kapitelweise wechselnden Zeitsprünge zu gewöhnen, doch dann entfalten sich Sprachgewalt und Wucht der Erzählung vollends. Der Autor erspart dem Leser dabei wenig: Stück für Stück offenbart er all die Unvorstellbarkeiten, die Maes Kindheit prägten und sie für ihr restlichen Leben im wahrsten Sinne des Wortes stählten. Über ihren Peiniger sagt Mae: “Ich beobachtete ihn, studierte ihn, während er arbeitete. Eine Seltenheit, ihn so in etwas vertieft zu sehen. Dieselbe präzise, gebündelte Aufmerksamkeit hatte er auch, wenn er Fliegen die Flügel auszupfte. Oder mir Schmerzen zufügte, mit andächtiger und unbändiger Konzentration”.

Es ist ein verstörendes Porträt, das der Autor von Mae zeichnet. Nach außen hin führt sie ein unscheinbares Leben, aber nur knapp unter der Oberfläche brodelt es. Dieser Frau möchte man niemals begegnen. Sie ist nicht nur Opfer, sondern auch Täterin. Was sie tatsächlich alles getan hat, weiß sie selbst nicht mehr so genau. Mae hat einen schützenden Panzer des Vergessens über gewisse Aspekte ihrer Untaten gelegt.

Mae ist vieles widerfahren in ihrem Leben – selten Gutes. Nicht ohne Grund sagt sie einmal selbst: “Liebe. Der Begriff machte mir zu schaffen.” Und doch ist “Die Farbe der Nacht” auch eine außergewöhnliche Liebesgeschichte – vorausgesetzt, man definiert Liebe drastisch neu. Madison Smartt Bell hat ein erschütterndes Buch abseits jeglicher Klischees geschrieben, das eine Welt beschreibt, von der man befürchtet, dass es sie da draußen irgendwo gibt. Aber hoffentlich weit, weit weg.

8 von 10 Punkten

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Krimis, die man 2013 lesen sollte (II)

lansdale2012 erhielt Elisabeth Herrmann den Deutschen Krimipreis für “Zeugin der Toten”. Das Buch wird übrigens gerade verfilmt. Ab 25. Februar ist ihr neues Werk “Das Dorf der Mörder” im Buchhandel erhältlich. Die Autorin dürfte wieder nach ihrem bewährten Strickmuster vorgehen, ein düsteres Geheimnis der Vergangenheit muss gelüftet werden.

Mein persönlicher Buchtipp des Monats ist aber Joe Lansdales “Dunkle Gewässer” (im Bild), das ab 21. Februar verfügbar ist. Die Kurzbeschreibung lässt auf Lansdale in Höchstform hoffen: “May Lynn ist das schönste Mädchen der Gegend. Aus der schlimmsten Familie am ganzen Fluss. Als ihre Leiche aus dem Sabine River gezogen wird, interessiert sich niemand dafür, wer sie ermordet hat – alle sind nur hinter dem Geld her, das ihr Bruder bei einem Banküberfall erbeutet haben soll.” Normalerweise kann er da nichts falsch machen.

Für alle Spionage-Fans: Olen Steinhauers “Die Spinne”, der dritte Teil seiner Milo-Weaver-Serie, kann man ab 25. Februar kaufen. Wer die beiden Vorgänger “Der Tourist” und “Last Exit” kennt, weiß, dass Steinhauer ein Garant für Hochspannung auf hohem Niveau ist. Als der Reihe nach CIA-Agenten rund um den Globus sterben, ist wieder einmal Milo Weaver gefragt.

Ab 18. Februar ist Madison Smartt Bells “Die Farbe der Nacht” erhältlich. Darin nimmt der Autor Bezug auf 9/11. “Wie mein Herz frohlockte, als die Türme einstürzten!”, sagt die Hauptfigur Mae. Man darf gespannt sein, wie der Autor da die Kurve kratzt.

Auch auf Liad Shohams “Tag der Vergeltung” darf man gespannt sein. Es ist der erste Thriller des israelischen Autors, der auf Deutsch publiziert wird. Zum Inhalt: “Eine junge Frau wird nachts auf offener Straße brutal vergewaltigt ein Schock für die Anwohner des ansonsten beschaulichen Viertels von Tel Aviv. Die Polizei tappt im Dunkeln, keine Hinweise, keine Augenzeugen, keine Verdächtigen. Doch der Vater des Opfers weigert sich, das zu akzeptieren. Er beginnt selbst zu ermitteln und hat den vermeintlichen Täter bald gefunden…”

Und dann wäre da noch “Der Pistoleiro: Die wahre Geschichte eines Auftragsmörders” des italienischen Autors Klester Cavalcanti (ab 27. Februar im Handel). “In Júlio Santana, der ohne Hass, aber auch ohne Mitleid seinem Geschäft nachgeht und im Lauf seiner Karriere fast 500 Menschen umbringt, begegnen wir einem Familienvater, einem Hinterwäldler mit schlich tem und doch nachdenklichem Gemüt, der seinen Beruf akribisch und ehrgeizig praktiziert”, schreibt der Transit-Verlag.

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Filed under Krimis, die man lesen sollte