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Krimi-Bestenliste im März: Ein Abgleich

(c) Rowohlt

Die neue Krimi-Bestenliste hat mich auf den ersten Blick diesmal ein wenig enttäuscht. Was sich da finden lässt, fällt großteils nur bei sehr großzügiger Auslegung in die Kategorie Krimi. Damit habe ich grundsätzlich kein Problem, denn ich bin ein Suchender, der gern abseits der ausgetretenen Krimipfade wandelt. Und natürlich gibt mir die Liste auch diesmal Hilfe. Auf “Sein blutiges Projekt” oder “Der Block” wäre ich sonst wohl nie gestoßen.

Aber ein wenig beschleicht mich die Befürchtung, dass ein Krimi künftig möglichst wenig Krimi sein soll, um es auf die Liste zu schaffen. Das fände ich schade. Ein guter Krimi ohne eindeutige politische Botschaften oder literarische Ansprüche? Das scheint es momentan offenbar nicht zu geben, zumindest wenn man der Krimi-Bestenliste glaubt. Ich vermute, dass jedes Buch auf der Liste einzeln betrachtet durchaus herausragend ist, aber kurzzeitig habe ich mir schon gedacht: Wo bin ich hier jetzt eigentlich gelandet?

Offenbar bin ich doch ein konservativerer Krimileser, als ich bisher dachte. Klassische Krimis sind diesmal in der Minderzahl, darum will ich extra darauf hinweisen: “Gefrorener Schrei”, “Sea Detective – Ein Grab in den Wellen”, “Die Straße ins Dunkel” und “Moorbruch”. Das letztgenannte Buch habe ich schon gelesen und kann es jedem ans Herz legen.

Die Liste im Überblick:

1. Denis Johnson: Die lachenden Ungeheuer (-)
2. Jerome Charyn: Winterwarnung (2)
3. Graeme Macrae Burnet: Sein blutiges Projekt (-)
4. Jérôme Leroy: Der Block (-)
5. Tana French: Gefrorener Schrei (1)
6. Mark Douglas-Home: Sea Detective – Ein Grab in den Wellen (9)
7. Max Annas: Illegal (-)
8. Paul Mendelson: Die Straße ins Dunkel (3)
9. Peter May: Moorbruch (-)
10. Federico Axat: Mysterium (-)

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Krimis, die man 2016 lesen sollte (I)

Die ersten Neuerscheinungen des Krimijahres 2016 lassen bereits zwei Schlüsse zu: Erstens, auch das neue Jahr wird reich an außergewöhnlichen Kriminalromanen abseits des Mainstreams sein. Zweitens, ein gutes Händchen wird nötig sein, um bei der Masse an Neuerscheinungen auch die rund “40 richtigen” Krimis zu erwischen 😉 Mehr gehen sich bei mir pro Jahr definitiv nicht aus.

(c) Rowohlt Polaris

(c) Rowohlt Polaris

Vielleicht ist er vermessen oder eine Fehleinschätzung. Aber “In den Straßen die Wut” (ab 22. Jänner im Handel) von Ryan Gattis könnte bereits ein Anwärter auf eine Topplatzierung der besten Krimis des Jahres 2016 sein. Hier klingt bloß die reißerische Bewerbung “Ein Roman wie ein Tarantino-Film” abschreckend. Ansonsten scheinen mir hier alle Zutaten für einen guten Kriminalroman vorzuliegen. Spannendes Setting, realistische Darstellung, geschrieben von einem Mann, der durch Recherche und Glück Insiderwissen erlangte.

Der Verlag schreibt: Sechs Tage im Jahr 1992. Polizisten misshandeln einen schwarzen Bürger und Los Angeles explodiert. Plünderungen, überall brennt es; ein Bürgerkrieg mitten im Herzen der westlichen Welt. Was passiert, wenn die Polizei eine Stadt den Armeen der Gangs überlässt? Rechnungen werden beglichen, noch und noch. Davon erzählt dieser ungeheuerliche Roman. Am Anfang ein unmenschlicher Mord: Wir erleben ihn aus der Sicht des Opfers. Dann kommen andere zu Wort: skrupellose und weniger skrupellose Gangster, rassistische Polizisten, Krankenschwestern, Junkies, jugendliche Mitläufer. Und es entsteht das Bild einer Gesellschaft, in der der Stärkere den Schwächeren frisst und die sich im Ausnahmezustand gänzlich enthüllt.

(c) Blanvalet

(c) Blanvalet

Nicht viel weniger vielversprechend klingt der Thriller “Der Schwede” (18. Jänner) von Robert Karjel. Das Buch wurde in elf Sprachen übersetzt und 20th Century Fox plant bereits eine TV-Serie. Scheinbar dürfte es sich auch um den Beginn einer Serie handeln. Vom 11. September 2001 bis hin zur Tsunami-Katastrophe werden hier tragische Schauplätze der Weltgeschichte verworben. Jetzt muss es halt auch noch halten, was es verspricht.

Der schwedische Geheimagent Ernst Grip wird nach New York gerufen, wo er vom FBI einen ungewöhnlichen Auftrag erhält: Er soll eine geheime Basis im Indischen Ozean aufsuchen, um einen Gefangenen zu verhören. Doch dieser spricht kein Wort – nicht einmal Folter kann ihn zu einer Aussage bewegen. Das Einzige, was das FBI über den Unbekannten weiß, ist, dass er Schwede zu sein scheint. Grip muss all sein Können einsetzen, um das Vertrauen des schweigenden Mannes zu gewinnen. Doch als er schließlich dessen Geheimnis erfährt, gerät Grip selbst ins Kreuzfeuer der internationalen Geheimdienste.

(c) Blanvalet

(c) Blanvalet

Und noch ein Krimi aus dem Haus Blanvalet. Wer meine Vorliebe für dystopische Future-Noir-Thriller kennt, wird verstehen, warum ich mir bei “unfehlbar” von Bruce McCabe ein gutes Stück Spannungsliteratur erhoffe.

San Francisco in der nahen Zukunft: Im Silicon Valley hat eine Technologiefirma Roboter entwickelt, die sich von echten Menschen kaum unterscheiden und ein scheinbar normales Leben führen. Eine wachsende Zahl religiöser und politischer Gruppen verteufelt diesen Fortschritt mit zunehmend radikalen Parolen. Als ein Bombenanschlag die Stadt erschüttert, wird Daniel Madsen beauftragt, den Attentäter zu finden. Er gehört einer kleinen Eliteeinheit des FBI an, die mit neuesten Technologien ermittelt. Madsen bleibt nicht viel Zeit, denn der Täter kann jederzeit erneut zuschlagen. Und er muss abtauchen in eine düstere Welt aus Gewalt, Sex und Korruption.

(c) Polar

(c) Polar

Bei meinem aktuellen Lieblingsverlag Polar erhalte ich die Chance, ein Versäumnis gutzumachen. Ich habe “Dead Money”, den Auftakt von Ray Banks Anfang Jänner 2015 verpasst. Nun ist Anfang Jänner “Saturday’s Child” erschienen. Und: Der Autor ist Schotte – was soll ich da regelmäßigen Lesern meines Blogs noch länger erklären 😉

Cal Innes, eben noch im Gefängnis, versucht sich auf freiem Fuß als Privatermittler ohne Lizenz. Einer seiner ersten Klienten ist ausgerechnet der lokale „Gang-Lord“ Tiernan, der ihn bittet, einen abtrünnigen Rogue-Casino-Dealer aufzuspüren, nachdem dieser mit einem Batzen Geld durchgebrannt ist. Was Innes ein Katz-und-Maus-Spiel mit Tiernans psychotischem, Pillen fressenden Sohn Mo einbringt, der sich ihm an die Fersen heftet, als Innes‘ Nachforschungen ihn von Manchester nach Newcastle führen. Mit Callum Innes, Maurice Tiernan und Mo sind Ray Banks Charaktere gelungen, die in der besten Tradition des British Noir stehen. In einer Welt voller Sozialwohnungen, Pubs und schmuddeliger Casinos, wo jeder nur darauf aus ist, sich über Wasser zu halten. Das spannungsgeladene erste Buch der vierteiligen Reihe um den heruntergekommenen Privatermitt­ler Cal Innes.

(c) Tropen

(c) Tropen

“Der König der Favelas” von Misha Glenny ist eigentlich ein Sachbuch. Aber hier wird die Geschichte eines brasilianischen Drogenbosses erzählt, die es mit der von “El Chapo” aufnehmen kann. Wer Don Winslows “Das Kartell” mochte, wird wohl auch hier nicht vorbeikommen.

Weitläufig und unkontrollierbar sind die Wege der Korruption, weitläufig und unkontrollierbar auch die Favelas von Rio. Genau hier entfaltet sich die tragische Lebensgeschichte eines der berüchtigtsten Drogenbosse des Landes. Im Grunde widerwillig, aber doch auch zielstrebig steigt Nem durch Organisationstalent und Loyalität in der Hierarchie auf, bis er schließlich selbst das Ruder übernimmt und sich an die Spitze einer der größten Verbrecherorganisationen Brasiliens setzt, der Amigos dos Amigos. In seinem glänzend recherchierten und aufregend geschriebenen Buch öffnet uns Misha Glenny die Augen für das soziale Drama Brasiliens. Die Ambivalenz des Menschseins wurde selten so greifbar und packend erzählt.

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Deutscher Krimipreis 2016: Keine Überraschungen

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Der Deutsche Krimipreis 2016 ist vergeben. Vier der sechs ausgezeichneten Bücher finden sich auch auf der KrimiZeit-Bestenliste des Jahres 2015 wieder. Auf der KrimiZeit-Liste befindet sich allerdings Merle Kröger (“Havarie”) vor Friedrich Ani (“Der namenlose Tag”), beim Krimipreis haben die beiden nun die obersten Plätze getauscht. Keine Ahnung, ob das Kalkül war.

Fred Vargas, bei der KrimiZeit mit “Das barmherzige Fallbeil” insgesamt auf Platz drei, hat dafür in der Internationalen Kategorie des Deutschen Krimipreises gewonnen, Richard Price liegt dort mit seinem Polizistenkrimi “Die Unantastbaren” auf Platz acht. Also auch hier keine wirkliche Überraschung.

Was die nationale Kategorie betrifft, finde ich die Wahl sehr zutreffend, auf internationaler Ebene wundert mich ein wenig die Platzierung von Grans “Dope”. Da ich das Buch aber nicht gelesen habe, kann ich es jetzt auch nicht mit anderen vergleichen.

Deutscher Krimipreis, Kategorie national:

  1. Friedrich Ani: “Der namenlose Tag”
  2. Merle Kröger: “Havarie”
  3. Zoe Beck: “Schwarzblende”

Deutscher Krimipreis, Kategorie international

  1. Richard Price: “Die Unantastbaren”
  2. Fred Vargas: “Das barmherzige Fallbeil”
  3. Sara Gran: “Dope”

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KrimiZeit-Bestenliste im Mai: Ein Abgleich

sturmueberneworleansEs ist wieder KrimiZeit. Ich habe James Lee Burkes “Sturm über New Orleans” vor wenigen Tagen fertiggelesen. Und ich kann nur sagen: Das ist eine gute Wahl. Es ist Burkes wohl politischster und auch wütendster Krimi, wie er selbst im Vorwort schreibt. Das spürt man beim Lesen teilweise sehr stark. Burke beleuchtet die Vorgänge um und in New Orleans nach dem Hurrikan Katrina. Er gewährt damit Einblick in eine der größten humanitären Katastrophen der USA. Es mag vielleicht nicht Burkes bester Robicheaux-Krimi sein – wirklich kann ich das allerdings nicht beurteilen, weil es mein Einstieg ins Robicheaux-Universum war – aber das Buch ist für mich jetzt schon ein Favorit für meine persönliche Krimi-Jahresbestenliste.

William McIllvanneys “Die Suche nach Tony Veitch” lese ich gerade. Und ich muss mich wiederholen, ich glaube das ist gleich der nächste heiße Anwärter für meine Jahresbestenliste. Dieser Schotte schreibt wirklich genial bzw. ist auch perfekt von Conny Lösch übersetzt.

Tja, und Adrian McKintys “Die verlorenen Schwestern” habe ich am Wochenende beendet. Auch McKinty, einer meiner Lieblingsautoren, hat wieder ein starkes Stück Kriminalliteratur vorgelegt. Es ist also eine echt gute Zeit im Moment!

Das ist auch gut so, denn davor musste ich mich zwischen Greg Iles’ “Natchez Burning” und James Ellroys “Perfidia” entscheiden. Zwei 1000-Seiten-Wälzer wollte ich nicht lesen. Es wurde daher “Natchez Burning”. Ich habe die Wahl zwar nicht bereut, Ellroy wäre aber wohl der bessere Griff gewesen. Dazu mehr aber hier in meinem nächsten oder übernächsten Beitrag.

Ach ja: “Schwarzblende” und “Prime Cut” will ich auch noch lesen (aber wann?). Und Benjamin Blacks Chandler-Hommage “Die Blonde mit den schwarzen Augen” werde ich mir wohl für den Sommerurlaub aufheben. Dann könnte ich mir auch einen Chandler einpacken und einen Vergleich machen. Aber das ist nur so eine Idee…

Die Liste im Überblick:

1 (10) James Lee Burke: Sturm über New Orleans
2 (2) Zoë Beck: Schwarzblende
3 (3) James Ellroy: Perfidia
4 (4) Mike Nicol: Bad Cop
5 (1) William McIlvanney: Die Suche nach Tony Veitch
6 (5) Giancarlo de Cataldo/Carlo Bonini: Suburra
7 (6) Adrian McKinty: Die verlorenen Schwestern
8 (7) Alan Carter: Prime Cut
9 (-) Benjamin Black: Die Blonde mit den schwarzen Augen
10 (-) Dominique Manotti: Abpfiff

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Blackout und Eisfieber – oder Urlaub in Kärnten

Wer sich fragen sollte, warum es bei crimenoir im Moment so still ist: Ich bin in Kärnten auf Skiurlaub. Zwei Krimis sind mir in den vergangenen Tagen öfters in den Sinn gekommen: Blackout von Marc Elsberg und Eisfieber von Ken Follett. Einerseits hatten wir hier 18 Stunden und kurz darauf 24 Stunden Stromausfall, da sind dann Elsbergs Szenarien nicht mehr sehr fern. und angesichts der unglaublichen Schneemengen ist mir auch Eisfieber wieder eingefallen. Das sind also meine zwei Krimitipps aus aktuellem Anlass! Mehr hier bald wieder in Kürze.

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Robert Crais: Straße des Todes

(c) Heyne

(c) Heyne

Robert Crais war bislang ein blinder Fleck auf meiner Krimilandkarte. Ich hatte schon oft von dem Ermittler-Duo Joe Pike und Elvis gehört, war aber nie dazu gekommen, etwas von Crais zu lesen. “Straße des Todes” war nun also mein Crais-Debüt. Und ich bin gespalten.

Crais schreibt locker, spannend und auch mit Humor. Seine Figuren funktionieren ebenfalls perfekt. Dazu hat er ein brisantes Thema gewählt: Crais macht auf das Phänomen der bajadores, der Entführungen entlang der US-mexikanischen Grenze aufmerksam. Tatsächlich werden entlang der Fluchtrouten aus dem Süden immer häufiger Migranten gekidnappt und von deren Familien Geld erpresst. Mittlerweile ist Mexiko weltweit das Land mit den meisten Entführungen. Solange gezahlt wird, bleiben die Angehörigen am Leben, fließt kein Geld mehr, werden diese getötet.

Crais macht die Skrupellosigkeit der Kriminellen auch in deren Verwendung der Sprache deutlich. Die Migranten werden von ihren Entführern schlicht als pollos, also Hühner, bezeichnet. Für sie sind das keine Menschen, sondern ein Stück Ware, ein Geschäftsmodell. Wenn sie ausgedient haben, dreht man ihnen einfach den Hals um.

Und dennoch: Da war auch wieder dieses typische Thriller-Problem. Mir wurde zumindest bewusst, warum ich verstärkt Kriminalliteratur lese, die nicht nur von der reinen Spannung lebt. Pageturner haben schon etwas für sich (ich habe sie ja auch jahrelang bevorzugt gelesen und habe nun wohl irgendeine Grenze erreicht), hinterlassen mich aber oft mit einem leeren Gefühl. Und das war eben auch bei “Straße des Todes” so. Während des Lesens war alles wunderbar, ein simples Ende hat dann meinen positiven Gesamteindruck aber einigermaßen getrübt und letztlich war das Buch auch wieder schnell vergessen. Kein Abgang, würde der Weintrinker wohl sagen.

Etwas hat mir aber sehr gefallen. In einem CNN-Interview hat Crais erklärt, warum er für seine Bücher nie die Filmrechte verkauft hat. “Ich mache mir Sorgen, dass eine Verfilmung einen Keil zwischen meine Leser und mich treiben könnte. (…) Elvis und Joe werden in unseren Köpfen lebendig. Trotzdem hat jeder seine ganz eigene Vorstellung von den beiden. Ein Film würde das natürlich zerstören. Das ist es ja, was ich an Büchern so liebe: Alle lesen den gleichen Text, und doch sieht jeder andere Bilder.” Schön und treffend formuliert! Gerade in Zeiten, in denen das Geld regiert: Hut ab.

6 von 10 Punkten

Robert Crais: “Straße des Todes”, übersetzt von Jürgen Bürger, 412 Seiten, Heyne.

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William Shaw: Abbey Road Murder Song

(c) suhrkamp

(c) suhrkamp

“Mit weniger Verstrickungen und Komplikationen wäre ‘Abbey Road Murder Song’ ein sehr guter Kriminalroman geworden”, urteilt Sonja von zeilenkino über William Shaws Debütroman “Abbey Road Murder Song”. Wir sind ja sehr oft ähnlicher Meinung, aber hier weiche ich dann doch ab. Ich finde, das Buch ist definitv ein guter Kriminalroman geworden. Shaw schreibt atmosphärisch dicht und hat mit Cathal Breen und Helen Tozer eines der charmantesten Ermittlerpaare der modernen Kriminalliteratur geschaffen. Das auch in Serie geht, wie dem Klappentext zu entnehmen ist.

Shaw hat mich auf eine Zeitreise in das London des Jahres 1968 mitgenommen. Die Beatles stehen stellvertretend für jenen Umbruch, zu dem viele Menschen noch nicht bereit sind. Bei der Polizeiarbeit stehen Rassismus und Frauenfeindlichkeit auf der Tagesordnung. Besonders heftig fand ich, dass Frauen im London von damals im Polizeidienst eigentlich nicht ermitteln durften und ihre Meinung am besten für sich behalten sollten. Sie durften nicht einmal das Dienstfahrzeug lenken. Unvorstellbar, dass das nicht einmal 50 Jahre her ist.

Wer sich einen Krimi rund um die “Fab Four” John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr erwartet, wird aber enttäuscht sein. Die Ermittlungen führen den Polizisten Cathal Breen – der selbst ein Außenseiter innerhalb des Polizeiapparats ist – zwar in die Szene der Beatles-Fans, interessanterweise spielt aber auch der Biafra-Konflikt eine wichtige Rolle. Interessant auch deshalb, weil William Boyds James-Bond-Roman “Solo” sich ebenfalls sehr stark auf diesen längst vergessenen Bürgerkrieg bezieht.

Dennoch werden auch Beatles-Fans auf ihre Kosten kommen. Denn immer wieder fließen interessante die Beatles betreffende Details in die Handlung ein – etwa die Verhaftung von John Lennon wegen Drogenbesitzes.

Gestoßen bin ich auf “Abbey Road Murder Song” eigentlich deshalb, weil ich danach gesucht habe, welche Bücher meine Lieblingsübersetzerin Conny Lösch in letzter Zeit übersetzt hat. Ich glaube, sonst hätte ich das Buch nicht unbedingt gekauft. So viel zur Macht einer guten Übersetzung.

Ach ja, seht euch doch mal an, was Karo vom Blog deep read für eine nette Cover-Variation gestaltet hat. Gefällt mir!

8 von 10 Punkten

William Shaw: “Abbey Road Murder Song”, übersetzt von Conny Lösch, 475 Seiten, Suhrkamp Nova.

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