Monthly Archives: February 2013

Erste Sätze wie Pistolenkugeln

(c) Heyne

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Alf Mayer hat auf culturmag.de einen sehr lesens- und empfehlenswerten Artikel über den britischen Autor Simon Kernick und über gute/schlechte Thriller geschrieben. Mayer ist von Kernicks neuestem Werk “Das Ultimatum” nicht ganz überzeugt. Aber er schreibt: “Was mich mit ‘Ultimatum’ dann aber doch versöhnte, ist das Postscriptum des Autors, in dem er recht ausführlich über die Entstehung des Buches erzählt – und damit dem normalen Leser Auskunft über die Bauweise solcher Wälzer gibt. (…) Während des Schreibens, so Kernick in seiner Selbstauskunft, habe er den Plot ständig modifiziert und auch Todesurteile gegen einige seiner Figuren wieder aufgehoben, ‘was zu den Dingen gehört, die beim Romanschreiben besonders Spaß machen’.”

Ich möchte mich hier vor allem einem Stilmittel widmen, dessen sich Kernick durchgehend in seinen Spannungsbüchern bedient: dem des ersten Satzes. Denn Kernick ist ein Meister darin, mit einem Schlag in die Geschichte zu starten. Da gibt es von der ersten Seite an kein Verschnaufen. Auch “Das Ultimatum” bildet keine Ausnahme: “Sie töteten sie sofort, als sie die Haustüre öffnete”. Kein Vorgeplänkel, kein Herumgelaber. Bei Kernick weiß man woran man ist. Er führt den Leser nicht langsam in seine Welt ein, er katapultiert sie dorthin. Seine Fans mögen Kernick genau deswegen, denn er schreibt lupenreine Thriller.

Hier nur ein Auszug von ein paar typischen Kernick-Erstsätzen:

“Richard Blacklip wollte jemanden töten.” (Fürchtet mich)

“Ein schwarz gekleideter Mann kam in das unaufgeräumte kleine Büro – die eine behandschuhte Hand hielt einen Aktenkoffer, die andere eine tödlich aussehende Pistole -, und Nick Penny begriff, dass er während seiner Karriere als Journalist, der gewissen Leuten auf die Zehen tritt, offenbar ein paar Füße zu viel erwischt hatte.” (Erlöst mich)

“Kaum öffne ich die Augen, weiß ich, es wird ein Scheißtag. Stickige Hitze liegt im Zimmer, mein Kopf fühlt sich an, als würde ein Zwerg darauf herumtanzen, und dann das Blut … das Blut ist überall. (Todesangst)

Mehr als drei Sätze – wie bei “Instinkt” – braucht er selten: “Ein leerer Rohbau tief im Herzen der City. Es ist früh, die ersten Sonnenstrahlen dringen durch die Fensterlöcher in den Wänden. Ich sitze in dem höhlenartige Gewölbe und sehe zu, wie mein Blut auf den staubigen Zementboden tropft.”

So genial ich seine Einstiege finde und auch das Können, Spannung aufzubauen und über 400, 500 Seiten zu halten. Am Ende habe ich dann halt doch oft dieses typische Thriller-Gefühl: Wow, super – aber was war eigentlich? Man bleibt mit einer gewissen Leere zurück. Aber manchmal will man ja auch einfach nur gut unterhalten werden und einfach alles rund um sich vergessen. Eskapismus pur. Und schreiben muss man das erst einmal können. Wer das nicht glaubt, soll es mal selbst versuchen…

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Steve Hamilton: Der Mann aus dem Safe

(c) Droemer

(c) Droemer

Mit “Der Mann aus dem Safe” ist Steve Hamilton ein Hattrick gelungen: Er hat die drei begehrtesten Preise für Spannungsliteratur gewonnen: Edgar Award, Ian Fleming Steel Dagger Award und Barry Award. Und so viel sei vorab gesagt: Er hat es sich verdient. Das Buch rund um den 17-jährigen Schlosskünstler Michael ist ein Stück große Literatur. Michael ist nach einem traumatischen Erlebnis im Alter von acht Jahren verstummt. Seitdem hat er kein Wort mehr gesprochen. Dafür hat er ein Talent entdeckt: Türschlösser knacken. Beschrieben wird das fast wie eine Art von Kunst bzw. als sinnliches Erlebnis (der englische Titel “The Lock Artist” trifft es daher eigentlich viel besser). Als Verbrecher auf seine Fähigkeiten aufmerksam werden, steckt er schließlich in der Zwickmühle.

Hamilton erzählt die Geschichte des Außenseiters Michael angenehm unaufgeregt. Zu der überzeugenden Krimihandlung gesellt sich zudem eine außergewöhnliche und rührende Liebesgeschichte, die man nicht oft zu lesen bekommt. Vor allem nicht in dieser Kombination – und noch dazu hundertprozentig kitschfrei. Der stumme Michael findet seinen ganz eigenen Weg mit dem Mädchen seiner Träume zu kommunizieren – mehr soll hier nicht verraten werden.

Wer immer sich jetzt für “Der Mann aus dem Safe” interessieren sollte: Bitte nicht Klappen- und Rückentext des Verlages lesen! Darin werden Dinge herausposaunt, die im Buch erst sehr spät vorkommen – das kann den Lesespaß schon erheblich trüben.

In meinem fünf Worte umfassenden Fazit zitiere ich einfach krimiblog.de, weil es die Sache so perfekt auf den Punkt bringt: “Ein Schlüsselroman – im doppelten Sinne”.

9 von 10 Punkten

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James Bond kehrt zurück

Im September wird in Großbritannien ein neuer James-Bond-Roman erscheinen, berichtet der “Guardian”. Autor ist Geschichte- und Spionage-Spezialist William Boyd (“Ruhelos”). Das klingt auf alle Fälle vielversprechend. Titel und Handlung sind noch unbekannt, aber so viel weiß man: Es wird eine Zeitreise zurück in die 1960er Jahre. “Wir werden eine Rückkehr in die klassische Bond-Ära sehen, mit einem 45-jährigen 007 im Jahr 1969”, heißt es.

Boyd ist nicht der erste Autor, der das Erbe von Bond-Erfinder Ian Fleming antreten darf. Vor ihm hat bereits Sebastian Faulks einen 007-Roman (“Der Tod ist nur der Anfang”, 2008) verfasst – zum 100. Geburtstag von Fleming. Zuletzt durfte Thriller-Profi Jeffery Deaver 2012 mit “Carte Blanche” (zu meiner Rezension) ran.

Und wer nicht so lange warten kann und den letzten Bond-Film “Skyfall” – so wie ich – noch nicht gesehen hat: Die DVD ist ab 1. März im Handel erhältlich.

Für alle Fleming-Fans ein Hinweis: Cross Kult hat 2012 damit begonnen die Original-Bond-Romane (“Casino Royal”, “Leben und sterben lassen”, “Moonraker”, “Diamantenfieber”, “Goldfinger”…) neu aufzulegen – ungekürzt und mit den ursprünglichen Kapitelabschnitten- und überschriften.

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Meine Meinung: Winslow statt Whodunit

Die britische Zeitung “The Independent” widmet sich in einem aktuellen Beitrag dem beliebten Genre des Whodunit. Mein Fall sind diese “Wer hat es getan?”-Krimirätsel ja nicht so ganz. Hat man mal ein paar davon gelesen, wird diese Puzzlespiel doch langweilig. Der Hauptverdächtige war es letztlich nie. Denn letztlich ist immer jemand der Mörder, mit dem man nicht gerechnet hat. Da sind mir echte Thriller schon lieber, wo man durchaus auch mal mit dem Täter mitzittert, ober er entkommt. 1929 hat Ronald Knox sogar “zehn Regeln für einen fairen Kriminalroman” (was immer das sein soll?) aufgestellt. Regel Nummer eins lautet etwa “The criminal must be someone mentioned in the early part of the story, but must not be anyone whose thoughts the reader has been allowed to follow”. Naja…

Kathryn Johnson von der British Library sagt daher auch dazu: “In the 1920s and 30s the prevalent form of detective fiction was the puzzle, which was presented almost like an intellectual exercise. It’s no accident that the heyday of the puzzle mystery was at the same time as crosswords became extremely popular.” Johnson ist jedoch überzeugt, dass sich das klassische “Whodunit” weiterentwickelt hat: “It’s became a whydunit or a howdunit.”

Stav Sherez, der sich mit “A Dark Redemption” auf der Shortlist für den CWA John Creasy Dagger befindet, ist aber überzeugt, dass das klassische Whodunit auch heute noch Platz hat: “That can work very well in modern fiction as it is an essential puzzle that drives us through the text. It also creates a nice claustrophobic atmosphere and makes you suspect every character that appears. But, unlike in the past, it has to be counter-balanced by psychology and good prose.”

Auf krimi-couch.de habe ich dazu übrigens auch einen interessanten Beitrag von Dieter Paul Rudolph gefunden. Er vergleicht darin Angelika Lauriels Whodunit-Krimi “Bei Tränen Mord” mit Merle Krögers “Grenzfall” – das Whodunit-Elemente beinhaltet (geehrt mit dem Deutschen Krimipreis 2013): “Bei Lauriel sind die Opfer Opfer, weil die Geschichte Opfer braucht, während sie bei Kröger Opfer sind, weil das Leben sie zu Opfern gemacht hat. In Bei Tränen Mord haben sie keine andere Aufgabe als die, möglichst effektvoll zu sterben oder wenigstens zu Schaden zu kommen.” Und: “Hier der nach Freizeitgesichtspunkten gebaute Kriminalroman, dessen Geschichte nur dazu dient, einen »echten« Whodun(n)it zu inszenieren, gewissermaßen das Sahnehäubchen auf dem Ratelustmord; dort der Kriminalroman als Mittel zur Beobachtung von Mensch und Gesellschaft, wobei das Whodun(n)it-Element lediglich eine Hilfskonstruktion sein soll.”

Dazu passt auch Don Winslows Aussage im “DiePresse.com”-Interview. Der erfolgreiche US-Autor (“Tage der Toten”, “Zeit des Zorns”, “Kings of Cool”) wird ständig mit dem Vorwurf konfrontiert, über Gewalt zu anschaulich zu schreiben. Er sagt dazu: “Entweder man befreit sich von der Gewalt oder man schreibt anschaulich darüber. Zu einem großen Teil habe ich mich für die zweite Option entschieden, weil ich will, dass der Leser die ungeschminkte Welt sieht. Das ist sehr verstörend für manche Leser – und ich verstehe das. Gleichzeitig habe ich Morde nie wirklich als eine Art von Gesellschaftsspiel verstanden. Ich denke, das ist anstößiger.”

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Glasgow-Krimis beginnen mit Wetterberichten

In dem Crime-and-Thriller-E-Zine “Shots” spricht der irische Thriller-Autor William Ryan über viele spannende Dinge. Darin sagt er auch, dass er zwar Elmore Leonards goldene Regel, Dialoge nur mit dem Verb “sagte” zu schreiben (um die Dynamik nicht zu stören), akzeptiert. Er selbst findet das aber zu plump. Zumal Leonard-Klone diese Regel auf die Spitze treiben würden (“they follow them a lot more closely than he does”). Jeder solle die ihm zur Verfügung stehenden Mittel ausnutzen.

Dazu zählt Ryan auch die Beschreibung von Wetter. “I come from a country that’s obsessed with weather – well, mainly with rain – so for me not to look up at the sky and say, ‘ah, more rain coming, I see’ would be odd.” Sein Thriller “Die Informantin” beginnt daher wenig überraschend mit dem Satz “Wie Rauch wirbelte Schnee oder Schneeregen oder irgendetwas dazwischen um sie herum und schien bei der Berührung mit Stoff sofort festzufrieren, denn auf ihren Kleidern bildete sich ein weißer Guss”.

Als ich Ryans Aussage las, kamen mir zwei Krimis in Erinnerung, die ich im letzten halben Jahr gelesen habe. Craig Robertsons “Snapshot” und Christopher Brookmyres “Wer schlafende Hunde weckt”. Beide Bücher spielen in Glasgow.

Robertsons Thriller beginnt so: “Es regnete. Natürlich regnete es. Glasgow halt. Für das satte Grün, mit dem in den Reisekatalogen geworben wurde, brauchte es eben ein bisschen Regen.” Und Brookmyre startet folgendermaßen: “Es wirkte überhaupt nicht wie Glasgow. Die Luft war schwül, obwohl am klaren Himmel kein Wölkchen den Mond und die Sterne verdeckte.”

Ich finde das sehr interessant und werde daher auch eine eigene Rubrik einführen, die sich den ersten Seiten von Krimis widmet. Ich bin gespannt, was sich da noch alles entdecken lässt…

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John Niven: Das Gebot der Rache

(c) Heyne

(c) Heyne

Eines vorab: Es hat schon einen Grund, warum John Nivens “Das Gebot der Rache” bei Heyne Hardcore erscheint. Das Buch ist nichts für Zartbesaitete. Was Härte und Brutalität anbelangt, geht es da schon ordentlich zur Sache. Mit seinen schwarzhumorigen Kult-Krimis rund um die Musikindustrie (“Kill Your Friends”, “Music from Big Pink”) hat das nichts zu tun. Ein wenig überrascht mich nach der Lektüre auf alle Fälle der Reigen an Lobeshymnen.

In der NDR-Kritik ist von einem “perfekten Thriller” die Rede und auch auf krimi.couch.de wird das Buch als “Treffer” kategorisiert. Ich bin da ein wenig zwiegespalten. Denn genau so empfinde ich Nivens Buch: als hätte er zwei Bücher geschrieben. Das erste Buch (also ziemlich genau die erste Hälfte) baut gekonnt Spannung auf, spielt mit Erwartungen und lässt mich zappeln. Das 150 Seiten lange Finale liest sich dann eher wie 08/15-Suspense vom Fließband. Ohne das jetzt hier genau zu erörtern – denn damit wäre zweifellos zu viel verraten – aber wenn das Böse einfach immer wieder aufsteht, nervt das auch schon mal und ist der Glaubwürdigkeit nicht gerade zuträglich. Ob der menschliche Körper tatsächlich so viel Blut durch den Körper pumpt, wie hier vergossen wird?

Worum geht es? Donald Miller führt mit seiner Frau Sammy und seinem Sohn in der kanadischen Einöde ein idyllisches Leben. Bis plötzlich der Familienhund grausam zugerichtet gefunden wird. Die Erklärungen, dass ihn möglicherweise ein Tier getötet haben könnte, wirken von Beginn an so, als dienten sie nur zur Beruhigung. Rasch spürt man, dass hier irgendwo das Böse lauert. Es ist eine bedrohliche Stimmung, die sich immer mehr verdichtet. Und Stück für Stück erfährt man schreckliche Dinge aus Donalds Vergangenheit. Doch wie hängen die Geschehnisse der Gegenwart mit den Erinnerungen von damals zusammen?

Für mich hat Niven mit “Das Gebot der Rache” eine große Chance vertan. Dass er nicht nur spannend schreiben kann, sondern den Charakteren auch Tiefe gibt, merkt man. Der psychologische Rahmen der Geschichte ist schlüssig durchdacht und konstruiert. Es geht um ein klassisches Krimi-Thema: Schuld und Sühne. Dieses handelt Niven mitunter einfühlsam und sehr glaubwürdig ab. Umso mehr ärgert der zweite Teil des Buches, der zwar die Spannung virtuos aufrecht erhält und sogar steigert, aber gleichzeitig maßlos über das Ziel hinausschießt.

Das Buch mag tatsächlich ein “perfekter Thriller” sein, einfach weil man es nicht mehr zur Seite legen kann. Definiert man perfekt ein wenig weiter, dann fehlt aber doch einiges zum Thriller-Thron. Meine Bewertung ist daher wenig überraschend:

5 von 10 Punkten

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Pete Dexter: Paperboy

(c) Liebeskind

(c) Liebeskind

“Mein Bruder Ward war einmal berühmt”. Mit diesem Satz beginnt Pete Dexters Roman “Paperboy”. Wer 300 Seiten später das Buch zuschlägt, weiß welche Tragödie sich hinter diesen sechs Worten verbirgt. Dem Autor, dem “letzten lebenden Großmeister des Roman noir” ((c) Stern), ist ein kleines Meisterwerk gelungen. Er zaubert aus klassischen Krimi-Zutaten einen wahren Lese-Leckerbissen.  Denn wer kennt diese Ausgangssituation nicht: Ein Mann sitzt in der Todeszelle, zwei ehrgeizige Jung-Journalisten wollen sich einen Namen machen und ihn retten. Das Thema ist mehr als ausgereizt. Wer denkt da nicht an Grisham? Doch was Dexter daraus macht, ist wirklich beeindruckend.

“Paperboy” erzählt viele kleine Geschichten – auf eine ruhige und unaufgeregte Art, die man kaum mehr zu lesen bekommt. Er porträtiert das kleinstädtische Amerika ebenso scharf wie seine handelnden Charaktere oder die Mechanismen des Journalismus. Das hat auch Hollywood erkannt. Sein Buch wurde 2012 verfilmt – mit Nicole Kidman, John Cusack, Matthew McConnaughey und Zac Efron. Momentan sieht es aber so aus, als würde dem Film im deutschsprachigen Raum ein DVD-Schicksal blühen. Der geplante Kinostart wurde (vorerst) abgesagt. Wenn man den Kritikern glauben kann, durchaus zurecht. Was umso mehr dafür spricht, das Buch vorzuziehen.

Zur Geschichte: Da ist Charlotte Bless. Sie schreibt an Männer in der Todeszelle Liebesbriefe. Hillary van Wetter, der wegen des Mordes an einem Polizisten einsitzt, ist ihr momentaner Favorit. Sie bittet daher die zwei aufstrebenden Journalisten (“Die Zeitungsjungen” – die Paperboys, wie sie van Wetter nennt) Ward James – den Bruder des Ich-Erzählers Jack – und Yardley Acheman, die Unschuld des Mannes zu beweisen. Dabei seziert Dexter das vermeintliche Team eindrucksvoll. Er offenbart, wie jeder – egal ob Charlotte, Ward, Yardley oder Jack – seine eigenen Interessen verfolgt. So ist der eine, Ward, ist der fleißige Rechercheur. Der andere, Yardley, ist die Edelfeder. Den beiden winkt im Erfolgsfall der Pulitzer-Preis, der begehrteste Award für US-Journalisten. Wie weit sind sie bereit dafür zu gehen? Und wie sehr bleibt die Wahrheit dabei auf der Strecke? Wer bislang an einen reinen, hehren Journalismus geglaubt hat, wird nach der Lektüre anderer Meinung sein.

Dexter war selbst investigativer Journalist. Er weiß also, wovon er schreibt. Doch als er sich eine blutige Nase zuzog, verlegte er sich auf das Schreiben von Büchern, schreibt “Die Welt”. Und Dexter ist kein Newcomer, auch wenn er im deutschsprachigen Raum immer noch wie eine Entdeckung gehandelt wird. In den 1980er Jahren erhielt er für “Paris Trout” den renommierten National Book Award. “Paperboy” ist übrigens 1996 erstmals auf Deutsch erschienen – unter dem Titel “Schwarz auf weiß”. Dennoch lohnt sich die Wiederentdeckung für alle, die ihn noch nicht kennen.

Dexters Sprache ist präzise und schnörkellos. Gewinner wird es am Ende keinen geben – außer dem Leser. Nur in einem Punkt irrt der Autor: Der Ich-Erzähler bezeichnet Yardley als den wohl einzigen Journalisten, der nicht schreiben kann, wenn rund um ihn herum die Hektik der Redaktion herrscht. Journalisten wie diese gibt es auch heute noch…

8 von 10 Punkten

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