Monthly Archives: February 2013

Ein Tipp: “Parker” (wieder-)entdecken

parkerChristoph Huber hat in der Presse einen tollen Artikel über Richard Stark und seinen Antihelden Parker verfasst. Anlass ist der gleichnamige Film mit Jason Statham in der Hauptrolle. Es ist übrigens nicht die erste Verfilmung – als beste gilt bislang die von Regisseur John Boorman (“Point Blank”) aus dem Jahr 1967. 1999 spielte Mel Gibson beim Brian-Helgeland-Remake Porter alias Parker. Stark war übrigens nur ein Pseudonym von Krimi-Vielschreiber Donald Westlake (2008 verstorben). Als Stark versuchte er ab 1962 mit der Parker-Serie einen neuen Stil zu etablieren. “Die Sprache reduziert, ohne Adverbien – kahl”, schreibt darüber Huber.

Das erinnert mich an Elmore Leonard, der es sich ebenfalls zur Regel gemacht hat, Dialoge immer nur mit dem Verb “sagte” zu schreiben (mehr dazu…). Alles andere wäre beim Vorantreiben von Dialogen hinderlich. Adverben sind ebenfalls nicht sein Ding. Und natürlich erinnert das auch an James Sallis, der diesen minimalistischen Stil mit seinen beiden Driver-Romanen perfektioniert hat. Da ist kein Wort zu viel. Wer die Wyatt-Romane des Australiers Garry Disher kennt, kann auch problemlos die Seelenverwandtschaft der zwei Verbrecher Parker und Wyatt erkennen.

Für alle, die mehr über Parker wissen wollen, empfiehlt sich die Seite violentworldofparker.com. Und der Zsolnay-Verlag hat Richard Stark eine eigene Webseite gewidmet: www.richard-stark.de. Sogar die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” schrieb 2010, dass es nie zu spät sei, Richard Stark zu entdecken. Nun wäre wieder einmal ein guter Zeitpunkt.

Und wer mit Büchern und Filmen noch immer nicht genug haben sollte: Im März erscheint die Graphic Novel “Parker” (siehe Bild).

Leave a comment

Filed under Altmeister

Elmore Leonard: Raylan

raylanJeder, der will, kann auf “DiePresse.com” meine umfassende Kritik (“Der Cowboy, der niemals zuerst zieht”) zu Elmore Leonards “Raylan” lesen. Leonard ist eine der größten lebenden Ikonen der US-Kriminalliteratur. Zahlreiche seiner Bücher wurden von Hollywood verfilmt (“Schnappt Shorty”, “Jackie Brown” und “Out of Sight”). So richtig authentisch umgesetzt hat aber der US-TV-Sender FX die charismatische Figur des US-Marshals Raylan – mit der Erfolgsserie “Justified”. In den USA läuft gerade die vierte Staffel. Niemand sollte diesen Marshal zu einem Duell herausfordern. Denn unbeschadet hat das niemand überstanden, auch wenn das Duell immer “fair” abläuft: Denn Raylan zieht niemals zuerst. Hauptdarsteller Timothy Olyphant konnte seine Schießkünste übrigens in der nicht weniger qualitativen TV-Serie “Deadwood” üben.

“Spiegel Online” hat “Justified” als Pulp Fiction in der Provinz bezeichnet. Nicht zu unrecht. Denn schwarzen Humor und schießwütige Gestalten gibt es am laufenden Band. Und es wäre nicht eine Figur von Leonard, wären da nicht diese pointierten Dialoge. Die Drehbuchautoren der TV-Serie trugen – für den Fall, dass sei einmal nicht weiter wüssten – während der Dreharbeiten sogar ein Armband mit dem Aufdruck “WWED”: “What would Elmore do?”.

Was habe ich in meinem oben erwähnten Artikel noch nicht gesagt? Raylan zu lesen macht schlicht Spaß. Es mag kein Meisterwerk sein, aber das Buch versteht perfekt zu unterhalten. Leonard erschafft Charaktere, die man nicht gleich wieder vergessen hat – und Sozialkritik ist auch eine Menge dabei. Seine Kriminellen sind keine Über-Bösen, sondern stinknormale Menschen wie alle anderen auch.

Das Buch lässt sich auch in drei Episoden einteilen: Die Niere als Geschäftsmodell, die eiskalte Kohlenminen-Lady und Poker-Ass Jackie Nevada. Und für alle, die das Buch gelesen haben: Ist euch auch aufgefallen, dass die “Nieren”-Episode in einer Badewanne beginnt und endet – genial, oder?

Fazit: 7 von 10 Punkten

Leave a comment

Filed under Rezensionen