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Anthony- und Shamus-Awards vergeben

(c) Heyne

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Am Wochenende sind in Albany, New York, zwei begehrte US-Krimipreise vergeben worden: Anthony- und Shamus Award. Der wichtigste Preis, der Edgar Award, war ja bereits im Mai an Dennis Lehane vergeben worden (mehr dazu…).

Anthony Award

Welchen Wert aber gerade der Anthony-Award hat, ist mir nicht ganz klar. Die Autorin Louise Penny hat nun bereits zum vierten Mal hintereinander gewonnen. Offenbar dürfen bei der Preisverleihung Krimifans abstimmen. Zwar haben sich Jahr für Jahr wirklich erlesene Autoren und Autorinnen auf der Liste befunden (hier nachzulesen), aber dass immer die gleiche Autorin gewinnt, stimmt mich ein wenig skeptisch. Für mich sind daher die anderen Anthony-Kategorien interessanter.

Beim besten Krimi-Debüt hat sich Chris Pavone – wie übrigens auch bei den Edgars – mit “Expats” (dt. “Die Frau, die niemand kannte”) durchgesetzt. Fein finde ich aber vor allem, dass der Preis in der Kategorie “Nonfiction” an “Books to die for”, herausgegeben von John Connolly und Declan Burke, geht. In dem Buch empfehlen einige der besten Krimiautoren ihre Lieblingswerke des Genres. Da kann man wirklich auf Krimis stoßen, auf die man sonst niemals gekommen wäre. So bin ich etwa auf Donald Goines “Daddy Cool” gestoßen, das mittlerweile in meinem Regal Platz genommen hat (mehr dazu…). “Books to die for” ist eigentlich ein Muss für jeden Krimi-Fan abseits von 08/15-Lesekost.

Shamus Award

Für mich ist der Shamus-Award generell aussagekräftiger. Bedingung ist hier allerdings, dass sich die Geschichte um einen privaten Ermittler (“Private Eye”) dreht – meist Detektive, aber auch Anwälte und Reporter sind erlaubt. Polizisten und Geheimagenten als Hauptfiguren sind hier nicht zugelassen. Zu den Gewinnern in der Hauptkategorie zählten in den vergangenen Jahren Don Winslow (“Die Sprache des Feuers” – mehr dazu), Michael Connelly (“Der Mandant”), Ken Bruen (“Jack Taylor fliegt raus”, “Ein Drama für Jack Taylor”) und der hierzulande leider kaum bekannte Reed Farrel Coleman (von ihm ist auf Deutsch bislang nur “Tower”, geschrieben gemeinsam mit Bruen erschienen).

Und die erfreuliche Nachricht: Der Sieger 2013, “Taken” von Robert Crais, erscheint am 11. November als “Straße des Todes” auf Deutsch. Es ermittelt das legendäre Duo Elvis Cole und Joe Pike. Und für mich bietet sich die Chance, den Autor, dessen Ruf ich seit Jahren kenne, endlich kennenzulernen. Ich hatte das Buch schon vor der Auszeichnung fix auf meiner Leseliste für 2013. Nun ist der Anreiz natürlich noch einmal größer.

Als bester Neuling wurde Michael Sears mit “Am Freitag schwarz” ausgezeichnet. Eine sehr gute Wahl, wie ich finde und hier auch schon im Februar begründet habe.

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Michael Sears: Am Freitag schwarz

michaelsears“Rainmain meets Wall Street”, wirbt der Verlag dtv auf seiner Homepage für Michael Sears Krimi-Debut “Am Freitag schwarz”. Zum Glück passiert genau das nicht, kann man da nur einleitend sagen. Denn er umschifft jegliche “Rainman”-Autismus-Klischees. Es geht ihm dabei nicht um billige Effekt-Hascherei. Das macht das Buch glaubwürdig. Im Zentrum des außergewöhnlichen Krimis steht der ehemalige Investmentbanker Jason Stafford, der wegen unlauterer Finanztransaktionen zwei Jahre im Gefängnis gesessen ist. Kaum in Freiheit bekommt er Starthilfe. Er soll Licht ins Dunkel dubioser Geschäfte eines Traders bringen, der unter mysteriösen Umständen zu Tode kam. Der zweite, ebenso spannende und vor allem einfühlsame Erzählstrang dreht sich um Jasons autistischen Sohn. Das ist eine Mischung, die man so noch nicht gelesen hat.

Sears, der selbst als Managing Director bei zwei Wall-Street-Firmen tätig war, gewährt tiefe Einblicke in die Finanzwelt. “Abend für Abend blieb ich länger im Büro und sah die alten Trades durch, um zu wissen, welche Fälligkeiten auf uns zukamen”, erinnert sich im Buch Ich-Erzähler Stafford an jene Zeit, als er mit allen Mitteln versuchte, seinen Betrug zu vertuschen. “Ich nahm keinen Urlaub mehr, weil ich Angst hatte, dass, wenn ich länger als einen oder zwei Tage am Stück nicht im Büro war, alles auffliegen könnte.” Wenig vertrauenserweckend wirkt auch die Wall-Street-Mentalität, bereits am Donnerstagabend ins Wochenende zu starten: “Die Allgemeinheit sollte sich im Klaren sein, dass regelmäßig freitags morgens schwerwiegende monetäre Entscheidungen von Leuten getroffen werden, deren Hirn und Nervensystem noch unter den Auswirkungen der letzten Vier-Uhr-morgens-Runde Jägermeister leiden.”

Sears beweist sich als einfühlsamer Erzähler. Er hat eine mitreißende Geschichte über einen Mann geschrieben, der mit den Dämonen der Vergangenheit fertig werden muss, um im Hier und Jetzt ein neues Leben mit seinem Sohn anfangen zu können. Belohnt wurde Sears mit einer Nominierung für den diesjährigen Edgar-Debut-Award.

Das macht 8 von 10 Punkten

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