Tag Archives: 5 Punkte

Nicholas Petrie: Drifter

(c) Suhrkamp

Nicholas Petries “Drifter” war immerhin für den Edgar Award als bester Newcomer nominiert. Ich konnte das, im Gegensatz zu Joe Ides (“IQ”) Nominierung nicht ganz nachvollziehen. Da die Lektüre nun schon recht lange zurückliegt, will ich nur kurz auf das Buch eingehen.

Worum geht es? Seit seiner Rückkehr aus den Kriegen in Afghanistan und im Irak leidet Peter Ash unter dem “weißen Rauschen”: In geschlossenen Räumen hält er es nicht mehr aus. Nach einem Jahr Auszeit in der Natur versucht er nun, in den Alltag zurückzufinden. Er hilft der Frau eines Kameraden, der Selbstmord begangen hat, bei der Sanierung des Hauses. Als er unter der Veranda einen Koffer mit Geld und Sprengstoff findet, nimmt die rasante Geschichte ihren Lauf.

Am faszinierendsten an der sehr soliden, aber sonst eher genreüblichen Lesekost ist Ashs außergewöhnliche Freundschaft mit dem wohl hässlichsten Hund der Welt.

Sehr ähnlich sieht das Hang Jörg Wangner in seiner Kritik in der Stuttgarter Zeitung: “Petrie strickt daraus einen konventionellen Thriller mit holzschnittartigen Figuren (der mutige Held, die toughe Witwe, der psychopathische Multimillionär, die patente Ex-Hubschrauberpilotin . . .) und ebensolcher Sprache („die Pistole locker in der Hand wie fucking Wyatt Earp“).”

Nicholas Petrie: “Drifter”, übersetzt von Thomas Stegers, Suhrkamp, 415 Seiten.

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Max Annas: Illegal

(c) Rowohlt

Schon “Die Mauer” von Max Annas konnte mich  nicht so richtig überzeugen. Mir hatte der Autor da einfach zu viel hineingepackt. Und das ist nun bei “Illegal” wieder der Fall. Für viele mag dieser Roman der passende Krimialroman unserer Zeit sein. “Ein Porträt unserer Gesellschaft”, wie der Verlag schreibt. Denn es geht um den Ghanesen Kodjo, der seit Jahren in Deutschland lebt – illegal. Als er dann einen Mord beobachten muss – “Das Fenster zum Hof” lässt grüßen – gerät sein Leben endgültig aus den Fugen. Aus dem Unsichtbaren wird ein Gejagter. Nicht nur die Polizei ist hinter ihm her, auch die Häscher des wahren Täters. Müsste man das Buch in vier Worten zusammenfassen: Flüchtling auf der Flucht. Oder: Kodjo hetzt durch Berlin.

Doch meiner Meinung nach will Annas zu viel. Zwar umschifft er gekonnt gängige Klischees. Kodjo ist etwa nicht der typische Illegale. Er stammt aus wohlhabendem Hause und hat erst später seinen Aufenthaltsstatus verloren. Auch dass in jenem Lokal, in dem Kodjo illegal arbeitet, der Song “7 Seconds” bei der Musikanlage als Code verwendet wird, wenn Behördenvertreter auftauchen, damit er sich rasch verstecken kann, wirkt nachvollziebar. Und ja, er kann erzählen und er peitscht seine Geschichte rasant voran.

Doch einiges in dem Buch war für mich nicht stimmig. Es beginnt mit der ersten Szene bei der roten Ampel. Für mich benehmen sich Kodjo und sein Begleiter Saif viel zu auffällig. Als Illegale müssten sie doch geschult darin sein, wie man sich unauffällig durch die Stadt bewegt. Elmar Krekeler lobt aber etwa in seiner Kritik “Stell dir vor, du bist illegal und schwarz” gerade diese Szene. Zu den Unstimmigkeiten zählt für mich aber auch die oben erwähnte “Fenster zum Hof”-Szene, die mir beim Lesen ein wenig unrealistisch und uninspiriert erschien. Immer wieder lässt Annas auch Szenen einfließen, die klar machen sollen, dass Kodjo in dieser Geschichte der Gute ist und viele der Legalen gar nicht so gute Menschen sind. Das sind einfach ein paar dieser Szenen zu viel (z. B. Seite 145: “Es ist Gas … Sie meinen die Gaskammer.”). Man würde es auch so verstehen. Doch Sozialkritik ist dem Autor wichtig, er will mehr als nur einen Kriminalroman schreiben. Das liest sich dann manchmal erzwungen.

Und irgendwann habe ich dann bei dieser endlosen Verfolgungsjagd – übrigens nicht der ersten und auch nicht der zweiten – am Ende des Buches auch abgeschaltet. Wie gesagt, mir war das zu viel. Schnell kann so etwas ins Künstliche kippen, ein wenig wie bei “Lola rennt”. Bitte nicht falsch verstehen: Es ist natürlich nicht klamaukhaft und überhöht wie bei “Lola rennt”, aber ich war mehr ermüdet als gefesselt.

Alles in allem ist “Illegal” ein solider Thriller, der sich meiner Meinung nach aber nicht so sehr von anderen Kriminalromanen abhebt, wie das die meisten Kritiker sehen.

5 von 10 Punkten

Max Annas: “Illegal”, 236 Seiten, Rowohlt Verlag.

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Bernhard Aichner: Totenrausch

(c) btb

(c) btb

Blum und ich. Jetzt ist Schluss. “Totenrausch” ist der perfekte Pageturner, der perfekte Thriller. Schnell durchgerast, schnell erledigt. Mehr aber nicht. Blums Welt ist mir zu künstlich. Zu schwarz-weiß. Brünhilde Blum tötet ständig, weil die Bösen alle so richtig böse sind. Sie haben es verdient, zu sterben. Männer sind entweder total lieb (die sterben – allerdings nicht durch ihre Hand) oder total böse (die sterben auch – durch ihre Hand).

Bernhard Aichner hat mit der Totenfrau-Trilogie (“Totenfrau”, “Totenhaus” und nun “Totenrausch”) sein Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt, aber nun hoffe ich auf etwas Neues. Bei einem möglichen vierten Teil, der nicht ganz ausgeschlossen ist, wäre ich als Leser jedenfalls nicht mehr dabei. Ich mag seinen rasanten Stil, aber mir fehlen in der Trilogie die Zwischentöne, die aus Figuren echte Menschen machen. Aichner setzt viel auf Effekte, das liest sich eigentlich wie ein perfektes Drehbuch für eine mögliche Verfilmung. Aber mir fehlt die Tiefe, die innere Zerrissenheit. Ich nehme dieser Brünhilde Blum ihren inneren Zwiespalt nicht ab, ich kann ihn beim Lesen nicht spüren.

Auch in Scott Smiths Krimiklassiker “Ein ganz einfacher Plan” sieht sich Hauptfigur Hank damit konfrontiert, ständig töten zu müssen. Das tat beim Lesen richtig weh, weil man sich immer wieder dachte: “Ja, das hätte ich jetzt vielleicht auch gemacht”. Das fehlt mir beim abschließenden Teil der Trilogie – das Töten ist immer moralisch gerechtfertigt, weil Blums Opfer letztlich durchwegs Schweine sind. Das ist mir aber zu einfach, klischeehaft, zu glatt. Wie würde es Blum ergehen, müsste sie einen Menschen töten, der nicht einfach in die Schachtel “böse, darf sterben” passt?

Das ist natürlich meine persönliche Wahrnehmung. Handwerklich kann man Aichner überhaupt nichts vorwerfen. Thriller-Fans werden bestens bedient. Da kann man eine absolute Kaufempfehlung geben. Das ist kurzweilig, spannend, gut konstruiert. Das kann im deutschsprachigen Raum auch wirklich kaum jemand so gut. Mir ist es halt zu wenig. Ciao, Blum. Vor allem deinen Kindern wünsche ich alles Gute!

5 von 10 Punkten

Bernhard Aichner: “Totenrausch”, 472 Seiten, btb.

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Olen Steinhauer: Der Anruf

(c) Blessing

(c) Blessing

Mit “Kairo-Affäre” konnte sich US-Autor Olen Steinhauer mehrere Monate in der KrimiZeit-Bestenliste halten. Das ist ihm mit seinem neuen Spionagethriller “Der Anruf” auch gelungen. Bloß kann ich dem konkreten Fall die zahlreichen Lobeshymen nicht ganz nachvollziehen. Verliebt in die reizvolle Idee, einen kammerspielartigen Spionageroman zu schreiben, der nur an einem Tisch spielt, hat Steinhauer meiner Meinung nach ein wenig vergessen, diese an sich feine Idee mit zusätzlichem Fleisch zu versehen.

Überhaupt hatte ich das Gefühl, den amerikanischen Agenten ist ihr eigenes Wohlergehen wichtiger als das der 120 Geiseln, die in einem Flugzeug am Wiener Flughafen festgehalten werden. Glaubt man dem Autor, gehen Spione lieber essen als die Welt zu retten. Das fand ich ein wenig verwunderlich und befremdlich. Würde man nicht eher seinen McDonalds-Burger oder Subway-Sandwich in sich hineinschlingen, weil man sich selbst in einer Ausnahmesituation befindet? Aber dann lieber fein essen gehen? Ich fand das nicht ganz glaubwürdig.

Auch die Szenerie im Restaurant, um die sich alles in diesem Buch dreht, konnte mich nicht richtig überzeugen. Der erfahrene Agent tappt letztlich wie ein naiver Lehrling in die gestellte Falle. Und irgendwie war mir das viel zu schnell klar.

Das Buch ist auf alle Fälle unterhaltsam, mich hat vor allem der Schauplatz Wien gefreut. Man muss dem Autor hier auch zugute halten, dass er, was Lokalitäten und Parteienlandschaft betrifft, gut recherchiert hat. Dennoch konnte mich Steinhauer diesmal nicht so wirklich überzeugen.

Aber ich dürfte mit dieser Meinung eher alleine stehen. Es gibt Lobeshymnen, wohin man sieht: Ob in der “Süddeutschen”, bei “Freitag” oder bei “Spiegel”.

5 von 10 Punkten

Olen Steinhauer: “Der Anruf”, übersetzt von Friedrich Mader, Blessing Verlag, 272 Seiten.

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Malcolm Mackay: Der Killer hat das letzte Wort

(c) Fischer

(c) Fischer

Malcolm Mackays Debüt “Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter” hat mich im Vorjahr überzeugt. Ich habe mich deshalb auch schon auf die Fortsetzung “Der Killer hat das letzte Wort” gefreut. Doch diesmal hat mich Mackay ein wenig genervt. Es ist eigentlich genau so, wie es Marcus Müntefering auf Krimi-Welt schreibt: “Immer wieder gelingen Mackay intensive Passagen, vor allem die Unterhaltungen unter den sich belauernden Kriminellen, die sich zumeist in Andeutungen ergehen, jede Eindeutigkeit zu scheuen scheinen, bereiten großes Lesevergnügen. Doch dann steht MacKay sich selbst immer wieder im Weg: Er ist geschwätziger als eine alte Witwe, die nur einmal in der Woche Besuch bekommt. Alles wird erklärt, ausgeschmückt, jede Szene in die Länge gezogen. Hier könnte ein Lektor Wunder wirken – auf 200 Seiten wäre dieser kleine Glasgow-Krimi sicherlich ein großes Vergnügen.” Hätte Jamis Sallis dieses Buch geschrieben, wäre es wohl perfekt geworden, so aber ist es wirklich geschwätzig, obwohl es eigentlich das Gegenteil sein will.

Mich hat aber noch mehr gestört. Im ersten Band hat mich Mackays ökonomische Sichtweise der Verbrecherwelt beeindruckt. Unnötige Gewalttaten schaden dem Geschäft usw. Doch diesmal hat es Mackay aus meiner Sicht übertrieben. Man bekommt das Gefühl, dass hier nur klug kalkulierende Geschäftsmänner am Werk sind. Das ist dann wohl doch eine naive Vorstellung von Verbrechern. Nur wenn es absolut notwendig ist, muss Blut fließen. Ich fürchte, hier spielen Emotionen – Geschäft hin oder her – allzu oft eine wichtige Rolle.

Nicht ganz glaubhaft war für mich auch, dass die erste Fehlleistung des alternden, aber absolut loyalen Killers Frank MacLeod innerhalb von 30 Jahren gleich zu derartigen Konsequenzen führt. Wäre die Verbrecherwelt nur auf absolute Profis, die niemals Fehler machen, angewiesen, dann gäbe es wohl keine Verbrecherwelt mehr. Verbrechen als reines Handwerk von Profis hochzustilisieren, das finde ich schon ein wenig befremdlich – und eben unglaubwürdig. Wenn schon Firmen Probleme habe, gute Leute zu finden, dann wird das ausgerechnet den Verbrechern gelingen. Ich glaube nicht, dass es für das Organisierte Verbrechen leistbar ist, einen alternden Killer nach einem Fehler auf die Abschussliste zu setzen. Noch dazu, wenn ausführlich beschrieben wird, wie perfekt dieser eigentlich sein muss, um den Ansprüchen der Verbrecherbosse zu genügen. Wo soll man solche Leute denn dann noch finden?

Ständig wird auch darüber nachgedacht, was die anderen denken und was in den anderen vorgeht. Als absolute Profis haben sie auch alle Verständnis für die Handlungsweisen ihrer Mit- und Gegenspieler. Hier werden meiner Meinung nach alle Figuren stark überhöht. Seltsam fand ich aber auch die Auswegslosigkeit der beiden Killer, des alternden Frank und des jungen Calum: “Er ist ein Killer und wird nie etwas anderes sein. Man lebt so lange als Killer, dass man einfach kein anderer Mensch mehr werden kann.” So ist es für Calum ein Problem, dass er seit Monaten eine Freundin hat. Denn: Killer müssen ein einsames Leben führen. Frank wiederum zieht Flucht als Möglichkeit nicht einmal wirklich in Betracht, oder die Chance irgendwo anders mit all seinem Geld ein neues Leben anzufangen. Eigentlich sind alle Figuren Mackays Gefangene – so kommt es einem zumindest vor.

Im Frühjahr 2016 kommt Teil drei auf den Markt. Und ich weiß nicht warum, aber ich werde es wie Marcus halten und auch dieses Buch lesen…

5 von 10 Punkten

Malcolm Mackay: “Der Killer hat das letzte Wort”, übersetzt von Thomas Gunkel, 370 Seiten, Fischer Verlag.

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Kim Zupan: Die rechte Hand des Teufels

(c) Knaur

(c) Knaur

Ich habe Kim Zupans “Die rechte Hand des Teufels” bereits Ende Dezember gelesen. Was weiß ich jetzt noch über das Buch? Ich war anfangs ziemlich begeistert über die Sprache, ähnlich wie “Der Schneemann”. Er urteilte damals: “Der philosophischste, sprachmächtigste, aufwühlendste Krimi des Jahres.  Ein Buch, das man mit noch viel mehr Superlativen bewerfen will. Ungeheuerlich, dass das ein Debut sein soll.”

Es ist die Geschichte des jungen Deputy Val Millimaki, der sich mit dem alten Auftragskiller John Gload konfrontiert sieht. Gload sitzt zwar im Gefängnis, nimmt aber immer mehr Platz in Millimakis Leben ein, das ohnehin gerade keine günstige Wendung nimmt. Dann aber verließ mich die Begeisterung, ich war mitunter gelangweilt. Sätze wie folgende (wahllos herausgegriffen) – und davon gibt es wirklich viele – zermürbten mich: “Unten am Bachbett waren die Kronen der Pappeln von der Sonne vergoldet, die über den Rand des Tals stieg, so strahlend und echt, dass es aussah, als hätte man die Bäume an den Wurzeln gepackt und sie kopfüber in einen Kübel mit geschmolzenem Gold getaucht. Spatzen waren herbeigekommen, um wie Haushühner in dem dürftigen Rasen zu picken, und ihre Schatten erstreckten sich lang über das Gras und nahmen die Gestalt exotischer Gigangen an – Reiher, Flamingos.”

Das Motto ist mittlerweile allzu bekannt: Die idyllischen Landschaftsbilder stehen im unbarmherzigen Kontrast zu jener physischen und psychischen Gewalt, die sich die Menschen ständig gegenseitig zufügen. Nur leider können das meiner Meinung nach James Lee Burke, Cormac McCarthy und Bruce Holbert besser. Zugegeben: Ich habe mich jetzt auch schon ein wenig satt gelesen davon. Vielleicht war das Zupans Pech. Aber irgendwann war mir dann fast schon egal, die Geschichte ausgeht.

Eine Folge dieser Übersättigung: Ich werde “Graben” von Cynan Jones vorerst mal nicht lesen, obwohl ich das eigentlich fix vorhatte. Die Rezension vom “Schneemann” hat da den letzten Ausschlag gegeben: “Unerträglicher ist aber die Metaphernwut und Vergleicheritis, die es mir Seite um Seite schwerer machte, den Autor zu mögen. Auch hier kommt wieder der Drang durch, alles bedeutsamer erscheinen zu lassen, als es ist. Was okay wäre, wenn da nicht die Häufung wäre. Man hat permanent das Gefühl, dass Cynan Jones hier mit der Brechstange große Literatur schaffen wollte.”

Stattdessen stehen jetzt Norbert Horsts “Mädchenware” und Richard Starks “The Hunter” am Krimi-Speisezettel.

5 von 10 Punkten

Kim Zupan: “Die rechte Hand des Teufels”, übersetzt von Marie-Luise Bezzenberg, 328 Seiten, Knaur.

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Stuart Neville: Der vierte Mann

(c) Rütten & Loening

(c) Rütten & Loening

Ich habe Stuart Nevilles Jack-Lennon-Reihe (“Die Schatten von Belfast”, “Blutige Fehde”, “Racheengel”) verpasst. Der im Dublin 1963 handelnde alleinstehende Krimi “Der vierte Mann” ist daher meine erste Begegnung mit dem Autor. Das Setting hat mich neugierig gemacht: Kurz bevor US-Präsident John F. Kennedy Irland besucht, werden drei Männer getötet, die als Nazis galten und auf der Insel nach 1945 Schutz suchten. In dieser Situation wird Geheimagent Albert Ryan – in Irland ein Außenseiter, weil er im Zweiten Weltkrieg für Großbritannien kämpfte – mit Ermittlungen beauftragt. Vor allem soll er verhindern, dass der titelgebende “vierten Mann”, der ehemalige SS-Mann Otto Skorzeny, getötet wird. Denn bei der dritten Leiche lag eine Botschaft an Skorzeny: “Wir kriegen Sie!”

Ich kann nicht verhehlen, dass mich dieser Thriller enttäuscht hat. Nach gutem Beginn ließ mit Fortschreiten der Lektüre mein Interesse an der Geschichte nach. Die Handlung wurde nach meinem Geschmack dann auch immer einfallsloser, mir erschien auch nicht alles stimmig.

Aber das Buch hatte einen Nebeneffekt: Stattdessen wollte ich mehr über die historische Figur von Otto Skorzeny erfahren. Skorzeny war Österreicher und wurde als Held bei der Befreiung des italienischen Diktators Mussolini 1943 gefeiert. Allerdings war ein Großteil davon NS-Propaganda. Er erhielt das “Eiserne Kreuz”, obwohl er weder an der Planung maßgeblich beteiligt war noch bei dem Kommandounternehmen über Befehlsgewalt verfügte. “Tatsache ist, daß Skorzeny dieses Unternehmen in einem entscheidenden Moment sogar gefährdet hat”, schrieb etwa die “Zeit” unter dem Titel “Die Wahrheit über Skorzeny” im Jahr 1950.

Wenn mich also schon der Krimi nicht überzeugen konnte, so bin ich Neville zumindest für die Geschichtsstunde, die abseits seines Buches stattgefunden hat, dankbar. Auch war mir nicht bewusst, dass eine nicht unbeträchtliche Zahl von Nazis in den Nachkriegsjahren in Irland untergekommen ist. Und bis auf die Ministerebene suchten offenbar einflussreiche Iren den Kontakt zu diesen menschlichen U-Booten. Dass die österreichische Botschaft in Spanien seine Bestrebungen unterstützte, wieder Österreicher zu werden, will ich auch nicht unter dem Tisch kehren. Und ja, als “Gelegenheitsvermittler” für die österreichische Regierung war er auch tätig, wie der “Spiegel” 1961 berichtete.

5 von 10 Punkten

Stuart Neville: “Der vierte Mann”, übersetzt von Armin Gontermann und Wolfgang Thon, Rütten & Loening, 445 Seiten.

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