Michael Sears: Am Freitag schwarz

michaelsears“Rainmain meets Wall Street”, wirbt der Verlag dtv auf seiner Homepage für Michael Sears Krimi-Debut “Am Freitag schwarz”. Zum Glück passiert genau das nicht, kann man da nur einleitend sagen. Denn er umschifft jegliche “Rainman”-Autismus-Klischees. Es geht ihm dabei nicht um billige Effekt-Hascherei. Das macht das Buch glaubwürdig. Im Zentrum des außergewöhnlichen Krimis steht der ehemalige Investmentbanker Jason Stafford, der wegen unlauterer Finanztransaktionen zwei Jahre im Gefängnis gesessen ist. Kaum in Freiheit bekommt er Starthilfe. Er soll Licht ins Dunkel dubioser Geschäfte eines Traders bringen, der unter mysteriösen Umständen zu Tode kam. Der zweite, ebenso spannende und vor allem einfühlsame Erzählstrang dreht sich um Jasons autistischen Sohn. Das ist eine Mischung, die man so noch nicht gelesen hat.

Sears, der selbst als Managing Director bei zwei Wall-Street-Firmen tätig war, gewährt tiefe Einblicke in die Finanzwelt. “Abend für Abend blieb ich länger im Büro und sah die alten Trades durch, um zu wissen, welche Fälligkeiten auf uns zukamen”, erinnert sich im Buch Ich-Erzähler Stafford an jene Zeit, als er mit allen Mitteln versuchte, seinen Betrug zu vertuschen. “Ich nahm keinen Urlaub mehr, weil ich Angst hatte, dass, wenn ich länger als einen oder zwei Tage am Stück nicht im Büro war, alles auffliegen könnte.” Wenig vertrauenserweckend wirkt auch die Wall-Street-Mentalität, bereits am Donnerstagabend ins Wochenende zu starten: “Die Allgemeinheit sollte sich im Klaren sein, dass regelmäßig freitags morgens schwerwiegende monetäre Entscheidungen von Leuten getroffen werden, deren Hirn und Nervensystem noch unter den Auswirkungen der letzten Vier-Uhr-morgens-Runde Jägermeister leiden.”

Sears beweist sich als einfühlsamer Erzähler. Er hat eine mitreißende Geschichte über einen Mann geschrieben, der mit den Dämonen der Vergangenheit fertig werden muss, um im Hier und Jetzt ein neues Leben mit seinem Sohn anfangen zu können. Belohnt wurde Sears mit einer Nominierung für den diesjährigen Edgar-Debut-Award.

Das macht 8 von 10 Punkten

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