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Michael Sears: Am Freitag schwarz

michaelsears“Rainmain meets Wall Street”, wirbt der Verlag dtv auf seiner Homepage für Michael Sears Krimi-Debut “Am Freitag schwarz”. Zum Glück passiert genau das nicht, kann man da nur einleitend sagen. Denn er umschifft jegliche “Rainman”-Autismus-Klischees. Es geht ihm dabei nicht um billige Effekt-Hascherei. Das macht das Buch glaubwürdig. Im Zentrum des außergewöhnlichen Krimis steht der ehemalige Investmentbanker Jason Stafford, der wegen unlauterer Finanztransaktionen zwei Jahre im Gefängnis gesessen ist. Kaum in Freiheit bekommt er Starthilfe. Er soll Licht ins Dunkel dubioser Geschäfte eines Traders bringen, der unter mysteriösen Umständen zu Tode kam. Der zweite, ebenso spannende und vor allem einfühlsame Erzählstrang dreht sich um Jasons autistischen Sohn. Das ist eine Mischung, die man so noch nicht gelesen hat.

Sears, der selbst als Managing Director bei zwei Wall-Street-Firmen tätig war, gewährt tiefe Einblicke in die Finanzwelt. “Abend für Abend blieb ich länger im Büro und sah die alten Trades durch, um zu wissen, welche Fälligkeiten auf uns zukamen”, erinnert sich im Buch Ich-Erzähler Stafford an jene Zeit, als er mit allen Mitteln versuchte, seinen Betrug zu vertuschen. “Ich nahm keinen Urlaub mehr, weil ich Angst hatte, dass, wenn ich länger als einen oder zwei Tage am Stück nicht im Büro war, alles auffliegen könnte.” Wenig vertrauenserweckend wirkt auch die Wall-Street-Mentalität, bereits am Donnerstagabend ins Wochenende zu starten: “Die Allgemeinheit sollte sich im Klaren sein, dass regelmäßig freitags morgens schwerwiegende monetäre Entscheidungen von Leuten getroffen werden, deren Hirn und Nervensystem noch unter den Auswirkungen der letzten Vier-Uhr-morgens-Runde Jägermeister leiden.”

Sears beweist sich als einfühlsamer Erzähler. Er hat eine mitreißende Geschichte über einen Mann geschrieben, der mit den Dämonen der Vergangenheit fertig werden muss, um im Hier und Jetzt ein neues Leben mit seinem Sohn anfangen zu können. Belohnt wurde Sears mit einer Nominierung für den diesjährigen Edgar-Debut-Award.

Das macht 8 von 10 Punkten

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Edgar Awards 2013 – Die Nominierten

Am 16. Januar wurden die Nominierungen für den diesjährigen Edgar Allan Poe Award bekanntgegeben. Das ist der populärste und gleichzeitig bedeutendste Krimipreis in den USA und wird seit 1946 vergeben. Die Gewinner werden am 2. Mai verkündet.

Einige der nominierten Bücher sind bereits auf Deutsch erschienen. Dazu zählen die Erstlingswerke “Die 500” von Matthew Quirk, “Die Frau, die niemand kannte” von Chris Pavone und “Am Freitag schwarz” von Michael Sears. Das letztgenannte Buch habe ich gelesen und es kann bedingungslos empfohlen werden.

Mit Gillian Flynn, Dennis Lehane und Walter Mosley kämpfen drei Autoren um den Titel in der Kategorie “Bester Roman”, deren Bücher regelmäßig auch auf Deutsch publiziert werden. Von der Südafrikanerin Mala Nunn sind die Vorgängerromane rund um Detektiv Emmanuel Cooper auf Deutsch erschienen.

Und hier geht es zur ganzen Liste (als pdf von mysterywriters.org) in den drei wichtigsten Kategorien:

Bester Roman:
The Lost Ones by Ace Atkins (Penguin Group USA – G.P. Putnam’s Sons)
The Gods of Gotham by Lyndsay Faye (Penguin Group USA – Amy Einhorn Books/G.P. Putnam’s Sons)
Gone Girl: A Novel by Gillian Flynn (Crown Publishers)
Potboiler by Jesse Kellerman (Penguin Group USA – G.P. Putnam’s Sons)
Sunset by Al Lamanda (Gale Cengage Learning – Five Star)
Live by Night by Dennis Lehane (HarperCollins Publishers – William Morrow)
All I Did Was Shoot My Man by Walter Mosley (Penguin Group USA – Riverhead Books)

Bester Erstlingsroman (eines US-Autors):

The Map of Lost Memories by Kim Fay (Random House Publishing– Ballantine)
Don’t Ever Get Old by Daniel Friedman (Minotaur Books – Thomas Dunne Books)
Mr. Churchill’s Secretary by Susan Elia MacNeal (Random House Publishing– Bantam Books)
The Expats by Chris Pavone (Crown Publishers)
The 500 by Matthew Quirk (Hachette Book Group – Little, Brown and Company – Reagan Arthur)
Black Fridays by Michael Sears (Penguin Group USA – G.P. Putnam’s Sons)

Bester Roman als Originaltaschenbuch:
Complication by Isaac Adamson (Soft Skull Press)
Whiplash River by Lou Berney (HarperCollins Publishers – William Morrow Paperbacks)
Bloodland by Alan Glynn (Picador)
Blessed are the Dead by Malla Nunn (Simon & Schuster – Atria Books – Emily Bestler Books)
The Last Policeman: A Novel by Ben H. Winters (Quirk Books)
The 500 by Matthew Quirk (Hachette Book Group – Little, Brown and Company – Reagan Arthur)
Black Fridays by Michael Sears (Penguin Group USA – G.P. Putnam’s Sons)

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