Monthly Archives: February 2019

Wallace Stroby: Fast ein guter Plan

(c) Pendragon

Bereits zum dritten Mal lässt Autor Wallace Stroby die professionelle Räuberin Crissa Stone ihren kriminellen Tätigkeiten nachgehen – und wieder einmal geht alles schief: Drogendealer in Detroit werden zwar erfolgreich ausgeraubt, doch ein Mitglied von Crissas vierköpfigem Team ist gierig – beim Aufteilen des Geldes tappt sie in eine Falle. Ganovenehre? Gibt es nicht.

Stroby wird von Buch zu Buch ( Teil 1: Kalter Schuss ins Herz”, Teil 2: “Geld ist nicht genug”) besser, seine angenehm unheroische Hauptfigur erhält immer mehr Konturen. Er erzählt zurückhaltend und unglaublich puristisch von einer Frau, die sich im beinharten Milieu der männerdominierten Unterwelt ständig neu beweisen muss.

Auch wenn ich mich wiederhole, aber Crissa ist eine Seelenverwandte von Richard Starks Antihelden Parker und Garry Dishers Berufsverbrecher Wyatt. Diese drei Figuren gehören definitiv zu meinen liebsten des Genres. Das Feine aber ist, dass Crissa nicht nur irgendein billiger Abklatsch ist.

Schade eigentlich, dass die Serie mit “Der Teufel will mehr”, dem vierten Band und seit ein paar Tagen im Handel, ein Ende findet.

8 von 10 Punkten

Wallace Stroby: “Fast ein guter Plan”, übersetzt von Alf Mayer, Pendragon Verlag, 312 Seiten.

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Krimi-Bestenliste im Februar: Ein Abgleich

(c) Polar Verlag

Ich habe es mir fast gedacht und auch erhofft. Attica Locke ist mit “Bluebird, Bluebird” gleich auf Platz eins der aktuellen Krimi-Bestenliste der FAZ eingestiegen. Ich habe die Lektüre zwar gerade erst begonnen, aber so viel steht schon fest: Hier hat der Polar Verlag einen guten Griff getan. Locke hat übrigens für ihr Buch sowohl den renommierten Edgar Award Winner 2018 als auch den Ian Fleming Steel Dagger 2018 erhalten, das spricht für sich.

Gelesen habe ich von der Liste Patrícia Melos “Der Nachbar” und Un-Su Kims “Die Plotter” (hier demnächst mehr darüber)- beides überzeugende Kriminalromane, die aus der Masse der Neuerscheinungen herausstechen.

Auf meiner Leseliste befindet sich Michael Farris Smiths “Desparation Road”. Lucía Puenzos “Die man nicht sieht” werde ich  nach der Bestenlisten-Empfehlung auch dazu nehmen (klingt echt gut), stattdessen aber Tomás Bárbulos “Versammlung der Toten” (die bisherigen Rezensionen sind eher verhalten) vermutlich eher nicht lesen.

Die Liste im Überblick:

1. Attica Locke: Bluebird, Bluebird (-)
2. Tana French: Der dunkle Garten (6)
3. Lucía Puenzo: Die man nicht sieht (-)
4. Sara Paretsky: Kritische Masse (1)
5. Un-Su Kim: Die Plotter (2)
6. Tomás Bárbulo: Versammlung der Toten (-)
7. Patrícia Melo: Der Nachbar (3)
8. Jonathan Lethem: Der wilde Detektiv (-)
9. Tito Topin: Tanzt! Singt! Morgen wird es schlechter (-)
10. Michael Farris Smith: Desperation Road (-)

 

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Reinhard Kleindl: Stein

(c) Goldmann

Der österreichische Krimiautor Reinhard Kleindl tanzte bereits auf einer Slackline über die Victoriafälle. Wenn er in “Stein” über Angst schreibt, weiß er also, wovon er spricht. In dem Thriller geht es um einen Bankier, der viele Jahre zuvor entführt wurde und nun in einzelnen Körperteilen wieder auftaucht. Anja Grabner ermittelte ursprünglich in dem Fall, damals führten alle Spuren zu dem kleinen Ort Stein. Fünf Jahre später ist Anja zwar keine Polizistin mehr, aber immer noch auf der Suche nach der Wahrheit.

Mich hat der Thriller sehr an Kleindls österreichischen Kollegen Andreas Gruber (u.a. “Racheherbst”) erinnert. Kleindl mag im Vergleich noch ein wenig die Routine fehlen, aber das störte nicht unbedingt. Wer einen soliden Thriller erwartet, der wird mit “Stein” zufrieden sein. Mehr will das Buch auch nicht sein und von daher passt das ganz gut. Ich würde mir wünschen, dass sich die Figur der Anja Grabner in möglichen Folge-Bänden noch weiterentwickelt. Die Basis ist gut.

Mein größter Kritikpunkt: Dieses österreichische Kellerklischee (alles Böse scheint hierzulande dort stattzufinden) nervt mich schon etwas.

6 von 10 Punkten

Reinhard Kleindl: “Stein”, Goldmann Verlag, 447 Seiten, 10,30 Euro

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William Boyle: Gravesend

(c) Polar Verlag

Ray Boy Calabrese hat während seiner Schulzeit einen Mitschüler gequält und letztlich in den Tod getrieben. Als er nun aus dem Gefängnis entlassen wird und in sein Viertel im New Yorker Stadtteil Brooklyn zurückkommt, will ihn Conway, der Bruder des damals gestorbenen Jungen, töten. Doch Conway trifft wider Erwarten auf einen völlig gebrochenen Mann.

Was Autor William Boyle liefert, ist keine simple Rachegeschichte, sondern ein oft überraschendes und alles in allem überzeugendes, auf den Punkt gebrachtes Stück Noir, bei dem man von Beginn an spürt, dass es kein Happy End geben wird. Mir war das in diesem Fall fast schon zu viel Noir – das ist nichts für dunkle Wintertage.

7 von 10 Punkten

William Boyle: “Gravesend”, übersetzt von Andrea Stumpf, Polar Verlag, 293 Seiten.

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