Category Archives: Krimis, die man lesen sollte

Die spannendsten Neuerscheinungen des Monats

Krimis, die man 2017 lesen sollte (III)

(c) Droemer

“Das zweite Leben des Nick Mason” ist wahrscheinlich der Krimi, auf den ich mich heuer am meisten (naja, da gibt es noch “Rain Dogs” von Adrian McKinty, den ich genußvoll vor mir herschiebe) freue. Zu selten kommt neue Lesekost von Steve Hamilton in die heimischen Regale.

Der Verlag schreibt: In dem packenden Auftakt seiner Serie mit dem “Hitman wider Willen” Nick Mason hat der vielfach ausgezeichnete US-Erfolgsautor Steve Hamilton einen unvergesslichen, höchst originellen Gangster-Thriller geschaffen.

Nick Mason, der Held des Thrillers, war immer ein sauberer Gangster – soweit das in seinem Gewerbe möglich ist. Bis einer seiner Kumpels einen verdeckten Ermittler erschoss. Nick hielt sich an den Ehrenkodex, verriet seinen Komplizen nicht und ging in den Bau. Totschlag, Mindeststrafe: 25 Jahre. Im Gefängnis wird Darius Cole, der Pate von Chicago, auf ihn aufmerksam und macht ihm ein verlockendes Angebot: Nick soll Coles Mann für besondere Aufgaben werden, sein Ausputzer – und dafür wird er ihn raushauen. Und so ist Nick nach fünf Jahren wieder draußen. Eigentlich könnte er jetzt sein Leben in Freiheit genießen. Wenn da nicht dieses Handy wäre, das man ihm bei der Rückkehr nach Chicago überreicht hat. Wann wird es das erste Mal klingeln?

(c) Polar Verlag

Der Polar-Verlag erwacht aus dem Winterschlaf. Sehr gut. Es gibt wieder etwas Neues zu entdecken. “Libreville” von Janis Otsiemi entführt die Leser in das afrikanische Land Ghana. Eigentlich ein Muss.

Ein Jahr vor den Wahlen wird Roger Missang, Journalist der Èchos du sud am Strand von Libreville nahe dem Palast des Präsidenten der Republik mit durchschossener Kehle aufgefunden. Er hat kritisch über die Ermordung von Pacel Kurka, dem Sicherheitschef der gabunischen Verteidigung, berichtet. Wegen seiner kritischen Untersuchungen über die heimlichen wirtschaftlichen Beziehungen in Ghana war er den Mächtigen des Landes ein Dorn im Auge. Er prangerte hemmungslos die Korruption an. Für die Presse ist sein Tod offensichtlich ein politischer Mord. Louis Boukinda und Hervé Envame, zwei Polizisten, die ohne die bei uns übliche DNA-Analyse und Forensik auskommen müssen, werden mit den Ermittlungen beauftragt. Sie sind auf Zeugenaussagen und Informanten angewiesen. Die technische Ausrüstung ihrer Einheit beschränkt sich auf eine Schreibmaschine aus der de-Gaulle-Zeit.

(c) Goldmann

Auch wenn ich “Ein kalter Ort zum Sterben” von Ian Rankin vermutlich nicht schaffen werde, so muss der 21. Band seiner Rebus-Reihe hier erwähnt werden. Schief gehen kann da nichts.

Bei einem romantischen Dinner im Caledonian Hotel erinnert sich Rebus an einen Mord, der fast vierzig Jahre zuvor dort stattgefunden hat: Eine junge lebenslustige Bankiersgattin wollte in dem Luxushotel einen Liebhaber empfangen – am nächsten Morgen wurde sie tot aufgefunden. Die Verdächtigen kamen aus den besten Kreisen, der Täter wurde nie gefasst. Ein Skandal, der Rebus nicht loslässt. Während er sich in den alten Akten vergräbt, gerät das kriminelle Machtgefüge in Edinburgh gefährlich ins Wanken: Darryl Christie, einer der Hauptakteure, wird überfallen und halb totgeschlagen; eine Ermittlung wegen Geldwäsche bringt ihn zusätzlich in Bedrängnis. Es sieht so aus, als würde Ex-Gangsterboss Big “Ger” Cafferty im Hintergrund die Fäden ziehen. Eine Entwicklung, die Rebus gar nicht recht sein kann. Zumal die erste Leiche im tödlichen Revierkampf von Schottlands Unterwelt nicht lange auf sich warten lässt …

(c) Litradukt

Noch ein außergewöhnlicher Krimischauplatz. Gary Victors “Soro” war einer der wichtigsten Krimis des Jahres 2015. Nun liegt mit “Suff und Sühne” ein neuer Band rund um den haitianischen Inspektor Dieuswalwe Azémar vor.

Inspektor Dieuswalwe Azémar hat keine Wahl: Will er nicht aus dem Polizeidienst entlassen werden, muss er sich der Entziehungskur unterziehen, die sein neuer Vorgesetzter ihm verordnet hat. Sie wird zu einem Gang durch die Hölle. Ausgerechnet in diesem geschwächten Zustand wird er in ein Komplott hineingezogen, das sein Leben und das seiner Tochter bedroht. Die Spuren führen zum UN-Militärkontingent in Haiti. Was steckt hinter dem angeblichen Selbstmord eines Generals? Warum wurde der Sohn einer einflussreichen Unternehmerfamilie entführt? Welche Rolle spielt der Bandenchef mit dem seltsamen Namen Raskolnikow bei alldem? Als der Inspektor begreift, wie alles zusammenhängt, ist er ein weiteres Mal auf seine Beretta und seine Reflexe angewiesen.

(c) Ariadne Kriminalliteratur

Sehr vielversprechend klingt “Nach der Schlacht” der vietnamesischen Autorin Le Minh Khue. Das Buch besteht aus zwei Geschichten. Der Argument Verlag mit seiner Ariadne Kriminalliteratur ist ein Garant für ansprechende Spannungslektüre.

Lakonisch, mit kühlem Galgenhumor und durchaus noir: Le Minh Khue verfasst düstere Sittenbilder aus Vergangenheit und Gegenwart Vietnams. Eine durch Eifersucht gespaltene Familie, zwei Brüder kämpfen im Krieg auf gegnerischen Seiten. Folter, Blut und Bomben prägen ihr Leben. Lässt sich diese Kluft je überbrücken? “Stürmische Zeiten” spannt den Bogen vom Kriegsgeschehen bis sechs Jahre danach, als die Untersuchung eines Massenmords das Bild verschiebt.
In “Eine kleine Tragödie” führt Reporterin Thao ein spartanisches Leben, sie bewundert ihre mondäne Cousine, die heiraten will. Plötzlich aber bricht die soziale Fassade auseinander. Denn Krieg und Landreform werfen ihre Schatten bis in die Gegenwart …

(c) Pendragon Verlag

Es ist ein guter Monat für die ambitionierten Kleinverlage. Wie Polar, Litradukt und Argument kämpft auch der Pendragon Verlag darum, Lesern Kriminalliteratur abseits des Mainstreams zu präsentieren. Auch hier gilt es eine neue Stimme zu entdecken. Willi Achtens “Nichts bleibt” spricht mich inhaltlich sehr an.

Franz Mathys ist Kriegsfotograf. Eines seiner Fotos wurde mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet. Doch er hat tiefe Zweifel und Schuldgefühle, denn er profitiert von dem Leid anderer. Mathys spürt, dass sein Leben ihm mehr und mehr entgleitet. Er zieht sich auf einen abgeschiedenen Hof im Wald zurück. Lebt dort mit seinem Vater und seinem Sohn, kommt zur Ruhe und verliebt sich. Doch die Idylle trügt. Eines Nachts schlagen zwei Männer seinen Vater brutal nieder und er muss schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Mathys will die Täter finden. Der immer stärker werdende Wunsch nach Rache und die Suche nach den Männern entfremden ihn von den Menschen, die er liebt. Wird er nun alles verlieren?  In einem zerklüfteten Tal in den Alpen trifft er eine einsame Entscheidung, die sein Leben kosten kann.

(c) Pendragon

Und gleich noch einmal Pendragon. “Geld ist nicht genug”. “Kalter Schuss ins Herz” war schon ein überzeugender Auftakt seiner Serie um die Berufsverbrecherin Crissa Stone. Stroby schreibt in der Tradition von Richard Stark (Parker) und Garry Disher (Wyatt). Aber da ist noch Luft nach oben. Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes gespannt.

Metallteile und Plastik schlittern über den Asphalt. Volltreffer. Crissa Stone hebelt den Geldautomaten mit der Schaufel eines Frontladers aus der Verankerung und balanciert die Beute auf die Ladefläche ihres Pick-ups. Sie liebt saubere Lösungen. Crissa hat das System des Bankraubs perfektioniert, aber ihre Partner verlieren die Nerven. Gangster, die sich gegenseitig umbringen wie unprofessionell. Zum Glück wartet schon ein neuer Job: Ein verstorbener Mafiaboss soll die Millionen eines Raubs jahrelang versteckt haben. Leider ist Crissa nicht die Einzige, die es auf das Geld abgesehen hat. Sie gerät zwischen die Fronten und muss fliehen: Vor dem Gesetz und einer Mafia-Gang aus New York.

(c) Limes Verlag

Zum Schluss geht es in meine Heimatstadt Wien – allerdings zurück in die Zeit kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Die gebürtige Vorarlbergerin Alex Beer hat mit “Der zweite Reiter” den Auftakt zu einer Serie rund um den Ermittler August Emmerich geschrieben. Ich stecke schon mitten in der Lektüre und bin ziemlich begeistert.

Wien, kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs: Der Glanz der ehemaligen Weltmetropole ist Vergangenheit, die Stadt versinkt in Hunger und Elend. Polizeiagent August Emmerich, den ein Granatsplitter zum Invaliden gemacht hat, entdeckt die Leiche eines angeblichen Selbstmörders. Als erfahrener Ermittler traut er der Sache nicht über den Weg. Da er keine Beweise vorlegen kann und sein Vorgesetzter nicht an einen Mord glaubt, stellen er und sein junger Assistent selbst Nachforschungen an. Eine packende Jagd durch ein düsteres, von Nachkriegswehen geplagtes Wien beginnt, und bald schwebt Emmerich selbst in tödlicher Gefahr...

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Krimis, die man 2017 lesen sollte (II)

(c) Arctis Verlag

(c) Arctis Verlag

Es ist eine erschreckende Vorstellung, mit der Autor Asa Ericsdotter in seinem Buch “Epidemie” spielt. Diesmal geht es gegen die Dicken: Jeder wird nach Gewicht und Fettindikator klassifiziert, sogenannte “Fat Camps” entstehen…

Der Verlag: »Die Fett-Epidemie ist eine tickende Zeitbombe. Schweden muss sich von Grund auf verändern, um eine Katastrophe dieses Ausmaßes bewältigen zu können.« Die ‚Gesundheitspartei‘ hat unter Führung von Johan Svärd die Macht übernommen. Ihr politisches Programm: Das Volk von der Gefahr der Fettsucht zu befreien. Jeder wird nach Gewicht und Fettindikator klassifiziert. So auch Landon, ein junger Forscher, der sich auf die Suche nach seiner Liebe Helena macht. Und dabei ein rasch verändertes Land und eine Spur aus Gewalt vorfindet. Was geschieht mit all den Übergewichtigen – und was steckt hinter jenen ‚Fat Camps‘, die es geben soll?

(c) Ars Vivendi

(c) Ars Vivendi

Das nächste Buch klingt außerordentlich vielversprechend, da freue ich mich schon darauf. Tom Boumans “Auf der Jagd” fällt genau in mein Lese-Beuteschema 😉

»In der Nacht, bevor wir die Leiche fanden, konnte ich nicht schlafen.« So beginnt die Geschichte des US-Dorfpolizisten Henry Farrell, Ex-Somalia-Kämpfer und Witwer, der sich auf einen gemütlichen Job in den gottverlassenen Wäldern im Nordwesten von Pennsylvania eingerichtet hat – und dort eine ganze Weile nicht zum Schlafen kommen wird. Die Einheimischen, dickschädelige, traditionsbewusste Nachkommen irischer Einwanderer, ernähren sich mehr schlecht als recht von dem, was das Land hergibt, ignorieren die Staatsmacht und pflegen ihre Waffen. Doch die Gemeinschaft wird nicht nur von mexikanischen Drogenkartellen und verborgenen Crystal-Meth-Küchen bedroht: Ein Fracking-Unternehmen setzt alles daran, die örtlichen Schiefergasvorkommen auszubeuten und lockt mit viel Geld für Grundstücke. Als einer der Einsiedler eine Leiche auf seinem Land findet, beginnt für Henry Farrell die Jagd nach dem Killer … Ausgezeichnet mit dem »Edgar Award«, dem bedeutendsten Krimipreis der USA, in der Sparte »Debüt«, sowie mit dem »LA Times Book Prize«.

(c) Suhrkamp Nova

(c) Suhrkamp Nova

Was soll ich über Adrian McKinty noch sagen? “Rain Dogs” ist der fünfte Teil seiner genialen Serie rund um den katholischen Bullen Sean Duffy. Lesen!

Unruhen bekämpfen, Herzschmerz und Fälle aufklären, die aber nicht vor Gericht gebracht werden dürfen, darin ist Sean Duffy als katholischer Bulle in Nordirland inzwischen Spezialist. Immerhin bekommt er es zum zweiten Mal in seiner Karriere mit einem locked room mystery zu tun, und welcher Bulle – in Nordirland oder sonstwo, katholisch oder nicht – kann das schon von sich behaupten? Die Journalistin Lily Bigelow wird im Hof von Carrickfergus Castle, wo sie sich allem Anschein nach über Nacht hat einschließen lassen, tot aufgefunden. Selbstmord, glaubt man, aber ein paar Dinge geben Sean Duffy zu denken, und er weigert sich, es dabei zu belassen. Duffy findet heraus, dass Bigelow an einer verheerenden Enthüllung in Sachen Korruption und Amtsmissbrauch innerhalb der höchsten Regierungskreise Großbritanniens und darüber hinaus gearbeitet hat. Und so sieht er sich mit zwei schwerwiegenden Problemen konfrontiert: Wer hat Lily Bigelow umgebracht? Und was wollte er oder sie damit vertuschen?

(c) C.H. Beck

(c) C.H. Beck

Eine neue Stimme im Genre des deutschsprachigen Spionageromans? Achim Zons geht mit seinem ersten Thriller “Wer die Hunde weckt” an den Start. Hoffentlich verspricht der Verlag mit seinem John-le-Carré-Vergleich nicht zu viel…

Als der Journalist David Jakubowicz schwerverletzt in einem ins Hafenbecken gestürzten Auto erwacht, wird ihm bewusst, dass er Opfer eines Anschlags geworden ist. Die CIA-Agentin neben ihm ist tot. Sie hatte brisante Informationen über eine bevorstehende politische Aktion von extremer Skrupellosigkeit. Die Jagd auf die Verantwortlichen führt Jakubowicz von der Chefetage seiner Münchner Zeitungsredaktion schließlich bis nach Afghanistan. Wieso konnte der deutsche Kommandeur Robert Westphal amerikanischen Piloten befehlen, einen mit Kindern besetzten LKW am Fluss Taloqan zu bombardieren? Wem nützte der Angriff? Wurde Westphal gekauft? Und wo befindet er sich jetzt? Nicht nur der deutsche Geheimdienst, auch die Regierung versucht, den Fall zu vertuschen, während die Arbeit für Jakubowicz und seine junge Kollegin Emma Bricks lebensgefährlich wird.
In seinem ersten Thriller erweist sich Achim Zons als Meisterschüler von John LeCarré: Mit literarischer Hochspannung erzählt er von einem unbeirrbaren Einzelgänger, der sich ins Herz der politischen Finsternis wagt.

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Keine 200 Seiten umfasst Matteo Strukuls Mafia-Pulp-Thriller “Mila”. Ich bin schon mal gespannt, ob mich das überzeugen kann, klingt dann doch ein bisschen ausufernd, aber vielleicht macht das ja auch so richtig Spaß.

Norditalien im Würgegriff des organisierten Verbrechens. Nichts und niemand scheint der lokalen Triade und der mit ihr verfeindeten Mafia etwas anhaben zu können. Bis auf einmal und wie aus dem Nichts diese junge Frau mit den roten Dreadlocks und dem Schwert in der Hand auftaucht. Ein ebenso schöner wie gnadenloser Racheengel. Seither kann sich kein Gangster und kein Mafioso mehr sicher wähnen, der Tod lauert plötzlich überall. Wer aber ist diese Mila, was treibt sie an? Niemand weiß es, nur so viel ist sicher: Sie ist nicht nur eine schier unbesiegbare Kampfmaschine, sie ist auch clever. Sehr clever sogar. Aber wenn sich Triade und Mafia zusammentun, dann könnte es ziemlich eng werden – selbst für Mila …
Aufregender Neo-Pulp, schnell, actionhaltig, ironisch, überraschend, intelligent, robust, bunt und grimmig. Pop-Culture, wie sie sein soll.

(c) Droemer

(c) Droemer

Reginald Hill kenne ich bisher gar nicht. “Die letzte Stunde naht” wäre eine gute Möglichkeit, daran etwas zu ändern. Aber ich fürchte, ich werde auch diesmal andere Bücher vorziehen.

Best of British Crime: der letzte Fall für das unvergleichliche Ermittler-Duo Dalziel und Pascoe. Nach seiner Rückkehr aus der Kur kehrt DCI Andy Dalziel an seine alte Wirkungsstätte, das Mid-Yorkshire Police Department, zurück. Allerdings ist er offenbar noch nicht wieder ganz auf dem Damm: Auf dem Weg zur Arbeit mehren sich die Anzeichen, dass der vermeintliche Montag in Wirklichkeit ein Sonntag ist! Schockiert flüchtet Dalziel zu innerer Einkehr und Sammlung in die Kathedrale von York, wo er von einer Frau angesprochen wird – Gina Wolfe. Sie ist Dalziel von seiner Haustür bis hierher gefolgt, ohne zu bemerken, dass wiederum sie von zwei zwielichtigen Typen verfolgt wird, die ihr nach dem Leben trachten. Und damit beginnt eine sonntägliche Tour de force, an deren Ende nicht nur ein Toter und eine schwer verletzte Polizistin stehen, sondern auch ein in seiner alten majestätischen Pracht wiederhergestellter Dalziel, für den sich die Verkettung der Ereignisse als wahrer Jungbrunnen erweist.

(c) liebeskind

(c) liebeskind

Auch “Alles, was ich am Strand gefunden habe” ist mit seinen 240 Seiten eher ein dünnes Büchlein, in dem aber ziemlich viel stecken dürfte. Nachdem ich das Debüt “Graben” vor zwei Jahren nicht gelesen habe, möchte ich diesen Autor nun unbedingt kennenlernen.

Zwei Männer, die auf ihre Chance warten. Holden setzt alles daran, ein Versprechen einzulösen, das er einem sterbenden Freund gegeben hat, während Grzegorz auf ein besseres Leben für seine Familie hofft und zu allem bereit ist … Zwei Männer, die auf ihre Chance warten, setzen wider besseren Wissens ihr Leben aufs Spiel. Eine schiefgelaufene Drogenübergabe löst eine fatale Verkettung von Ereignissen aus, in deren Folge sie zum Spielball unkontrollierbarer Kräfte werden. Stringer, der lange im Gefängnis saß und nun merkt, wie sehr sich die Welt verändert hat, wird losgeschickt, um die verloren gegangene Lieferung wieder aufzutreiben. Und um ein Zeichen zu setzen … Kraftvoll und mit großer Intensität bis zum bitteren Showdown erzählt Cynan Jones von der einen falschen Entscheidung im Leben – und ihren tödlichen Konsequenzen. Ein Buch voll untergründiger Spannung, das so lange an Gewissheiten rührt, bis die Wahrheit ans Licht kommt.

 

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Krimis, die man 2017 lesen sollte (I)

Zwei im Jänner erschienenen Krimis habe ich bereits gelesen und hier vorgestellt: Bernhard Aichners “Totenrausch” und Jerome Charyns “Winterwarnung”. Daher ist die Liste diesmal eher kurz.

(c) Penguin

(c) Penguin

Stephan R. Meier geht mit einem dystopischen Krimi an den Start. “Now. Du bestimmst, wer überlebt” zeigt, was passieren kann, wenn Algorithmen über unser Leben bestimmen.

Der Verlag schreibt: Ein Mann streunt durch dichte Wälder, immer auf der Flucht vor herannahenden Drohnen, die seinen Tod bedeuten können. Sein Name ist Spark. Noch vor Kurzem wurde sein Leben von dem intelligenten Algorithmus NOW geregelt, und Spark hatte alles: Gesundheit, Sex, Nahrung. Doch dann entdeckte er, was hinter dem Tod seines Vaters steckt. Wie gefährlich die Allmacht NOWs ist. Und dass die Frau, die er liebt, verstoßen wurde – dorthin, wo jeden Tag das nackte Überleben auf dem Spiel steht. Damit beginnt Sparks Kampf. Für die Zukunft der Welt. Für die Liebe seines Lebens.

(c) Emons

(c) Emons

Larry Beinharts Roman-Erstling “No one rides for free” (aus dem Jahr 1986) ist endlich wieder auf Deutsch erhältlich. Das Buch erhielt den Edgar Allan Poe Award für den besten Erstling eines Krimiautors. Applaus für den Emons-Verlag!

Privatdetektiv Tony Cassella soll die Aussage eines Anwalts aufnehmen, der über die miesen Machenschaften seines eigenen Berufsstands auspacken will. Doch dazu kommt es nicht, denn der Mann liegt tot auf einem Parkplatz. Tony muss die Lügen der Vergangenheit aufdecken und die ehrenwerten Männer, die jeden Preis zu zahlen bereit sind, um die Vergangenheit ruhen zu lassen, aus dem von ihnen bevorzugten Halbdunkel ans Licht der Öffentlichkeit zerren.

(c) Zsolnay

(c) Zsolnay

Peter May ist für mich ein blinder Fleck. Dieser Autor gilt als außergewöhnlich gut. Ich möchte mich mit “Moorbruch” davon überzeugen. Achtung: Das Buch ist das Ende seiner Lewis-Trilogie, Teil eins und zwei kenne ich nicht.

Siebzehn Jahre sind vergangen, seit Roddy Mackenzie, Leader der Band Amran, mit seinem Flugzeug verunglückte und verschollen blieb. Ein halbes Leben später ist Fin Macleod, früher Roadie der Band, zurück auf der Hebrideninsel Lewis. Im Auftrag eines Gutsbesitzers bekämpft er Wilderer. Doch der Erste, den Fin zur Strecke bringen soll, ist ausgerechnet sein alter Freund Whistler. Die beiden werden Zeugen eines Moorbruchs, der das Wrack von Roddys Flugzeug zu Tage befördert. Fin erkennt an Whistlers Reaktion sofort, dass etwas nicht stimmt. Dabei ahnt er noch nicht, dass es gar nicht Roddys Leiche ist, die sie gefunden haben … Ein packender literarischer Krimi aus Schottland.

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Noch ein Rückblick auf 2016: Krimis, die man lesen sollte

(c) Ariadne Kriminalroman

(c) Ariadne Kriminalroman

Mit meinen Tipps zu den Neuempfehlungen bin ich ziemlich ins Strudeln gekommen. Daher versammeln sich hier die vielversprechendsten Krimis der Monate Oktober bis Dezember. Ach ja, und in Kürze gibt es hier natürlich meine persönliche Krimi-Jahresbestenliste für das Jahr 2016.

Kein Weg vorbei führt dabei wieder einmal an Liza Cody. Ihr “Miss Terry” taucht wenig verwunderlich auch in fast allen Krimi-Jahresbestenliste auf, die mir bisher untergekommen sind.

Der Verlagstext: Die Londoner Grundschullehrerin Nita Tehri hat sich von ihren Ersparnissen eine kleine Eigentumswohnung zugelegt, wo sie ein leises Leben führt. Sie sucht keinen Streit, ist freundlich zu Nachbarn und Kolleginnen, unterrichtet. Buchstabiert geduldig ihren Namen, wenn man sie Miss Terry nennt.
Eines Morgens wird genau gegenüber von Nitas Haus ein Müllcontainer abgestellt, leicht angerostet und verbeult, gedacht für den Bauschutt einer Sanierung. Er bleibt dreieinhalb Minuten leer, von da an landet alles Mögliche darin: Fastfoodverpackungen, Rigipsplatten, Altbautüren, Weihnachtsbäume, Abfallsäcke, Öfen … Manches verschwindet über Nacht wieder, manches bleibt. Sobald er voll ist, wird der Container ausgetauscht, und der wundersame Reigen des Mülls beginnt von vorn.
Dann steht nach Feierabend ein Polizist vor Nitas Tür. Stellt ihr Fragen, die zunehmend unverschämter werden. Ob ihr jemand aufgefallen ist, der in aller Heimlichkeit Dinge im Container entsorgt hat? Warum sie so oft aus dem Fenster späht? Ob es zutrifft, dass sie bis vor Kurzem deutlich dicker war?

(c) Rowohlt Polaris

(c) Rowohlt Polaris

Wieder ein Krimi aus Australien. Jane Harpers “The Dry” klingt ziemlich vielversprechend, erste Rezensionen lassen aber darauf schließen, dass es sich leider doch um eher konventionelle Krimiware handelt.

Die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten lastet wie heißes Blei auf dem ländlichen Städtchen Kiewarra mitten im Nirgendwo. Das Vieh der Farmer stirbt, die Menschen fürchten um ihre Existenz.  Als Luke Hadler, seine Frau und ihr Sohn Billy erschossen aufgefunden werden, glauben alle, dass der Farmer durchgedreht ist und erweiterten Suizid begangen hat. Aber Sergeant Raco hat seine Zweifel. Aaron Falk kehrt nach zwanzig Jahren zum ersten Mal nach Kiewarra zurück – zur Beerdigung seines Jugendfreundes Luke. Bald brechen alte Wunden wieder auf; das Misstrauen wirft seine langen Schatten auf die Kleinstadt. Und in der Hitze steigt der Druck immer mehr…

(c) Blanvalet

(c) Blanvalet

Der österreichische Meister spannender Wissenschaftsthriller ist wieder zurück. Diesmal beschäftigt sich Marc Elsberg mit Gentechnik. “Helix” ist ein erhellendes Buch.

Der US-Außenminister stirbt bei einem Staatsbesuch in München. Während der Obduktion wird auf seinem Herzen ein seltsames Zeichen gefunden – von Bakterien verursacht? In Brasilien, Tansania und Indien entdecken Mitarbeiter eines internationalen Chemiekonzerns Nutzpflanzen und –tiere, die es eigentlich nicht geben kann. Zur gleichen Zeit wenden sich Helen und Greg, ein Paar Ende dreißig, die auf natürlichem Weg keine Kinder zeugen können, an eine Kinderwunschklinik in Kalifornien. Der Arzt macht ihnen Hoffnung, erklärt sogar, er könne die genetischen Anlagen ihres Kindes deutlich verbessern. Er erzählt ihnen von einem – noch inoffiziellen – privaten Forschungsprogramm, das bereits an die hundert solcher »sonderbegabter« Kinder hervorgebracht hat, und natürlich wollen Helen und Greg ihrem Kind die besten Voraussetzungen mitgeben, oder? Doch dann verschwindet eines dieser Kinder, und alles deutet auf einen Zusammenhang mit sonderbaren Ereignissen hin – nicht nur in München, sondern überall auf der Welt …

(c) Tropen

(c) Tropen

Philip Kerr ist an meiner wiederentfachten Liebe für den Fußball hauptschuldig. Seine beiden Fußball-Thriller “Der Wintertransfer” und “Die Hand Gottes” haben mich sehr begeistert. Bei “Die falsche Neun” kann da wohl auch nichts schiefgehen.

Scott Mansons Karriere als Fußballtrainer in der Premier League ist vorbei, bevor sie richtig begonnen hat. Nach einem Skandal bei London City und einem kurzen Intermezzo bei einem chinesischen Verein, dessen Eigentümer ein windiger Geschäftsmann ist, scheint Scotts Ruf endgültig ruiniert. Da erhält er einen Hilferuf vom FC Barcelona: Stürmerstar Jérôme Dumas ist nicht zum Training erschienen und wird seit einem Urlaub auf seiner Heimatinsel vermisst. Scott hat nur wenige Wochen Zeit, den Kicker zu finden. Auf seiner Spurensuche von Paris bis auf die Antillen begegnet Scott einem mörderischen System, das den Kampf um junge Talente auf ein anderes, tödliches Spielfeld verlegt hat.

(c) Droemer

(c) Droemer

Mechtild Borrmann habe ich schon länger im Fokus, bisher bin ich aber nicht dazu gekommen, sie zu lesen. “Trümmerkind” möchte ich aber unbedingt lesen, das passt perfekt zu meinem Faible für zeithistorische Krimis.

Der kleinen Hanno Dietz schlägt sich mit seiner Mutter im Hamburg der Nachkriegsjahre durch. Steine klopfen, Altmetall suchen, Schwarzhandel – das ist sein Alltag. Eines Tages entdeckt er in den Trümmern eine Tote – und etwas abseits einen etwa dreijährigen Jungen, der erstaunlich gut gekleidet ist. Das Kind spricht kein Wort, Verwandte sind nicht auffindbar. Und so wächst das Findelkind bei den Dietzens auf. Jahre später kommt das einstige Trümmerkind durch Zufall einem Verbrechen auf die Spur, das auf fatale Weise mit seiner Familie verknüpft ist …

(c) Polar Verlag

(c) Polar Verlag

Im Vorjahr kam Newton Thornburgs vergessener Krimiklassiker “Cutter und Bone” wieder auf den Markt. Danke, lieber Polar Verlag! Heuer legt der Verlag mit seinem Krimi “Schwarze Herde” nach. Auch dieses Buch klingt nach einer Pflichtlektüre.

Ex-Werbefachmann Bob Blanchard ist vor Jahren mit seiner Familie in die Missouri Ozarks aufs Land gezogen, um Rinder zu züchten. Seine Frau fühlt sich dort nicht wohl und schottet den chronisch erkrankten Tommy von der Umwelt ab. Seit seiner Geburt hat er einen Hirnschaden. Als seine Frau ihn wegen der drohenden Zwangsversteigerung verlässt und zurück nach St Louis zieht, kommt Blanchards Leben ins Rutschen. Von der Bank wegen drückender Schulden verfolgt, droht die Zwangsschlachtung und der Verkauf zu einem ruinierenden Preis. So dass er vor der Entscheidung steht, die kranken Rinder zu verkaufen und die Herde als gestohlen zu melden, um die Versicherungssumme zu kassieren. Widerstrebend lässt Blanchard sich auf einen zum Scheitern verurteilten Plan ein und muss mit ansehen, wie er verraten wird.

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Fast übersehen hätte ich “IQ” von Joe Ide. Das ist mir irgendwie durch all meine Neuerscheinungs-Radare gerutscht 😉 Erst als dieses Buch plötzlich in der Jahres-Bestenliste des Blogs Buch-Haltung auftauchte, wurde mein Interesse geweckt.

Q. nennt man Isaiah Quintabe in den schwarzen Hoods von Los Angeles. Weil er ein Genie ist und weil er als eine Art Nachbarschaftsdetektiv ohne Lizenz den »kleinen Leuten« zu ihrem Recht verhilft. Oder wenn das schwierig ist, immerhin zu Gerechtigkeit, Genugtuung und Entschädigung. Zusammen mit seinem sidekick, dem schlagfertigen Gangsta Dodson, wird er wider Willen von dem Top-Rapper Black the Knife angeheuert, um Mordanschläge auf dessen Leben aufzuklären. Das führt ins finstere Herz des Rap-Business, wo sich jede Menge wunderliche und tödliche Gestalten tummeln: Gangsta Rapper, Bitches, Anwälte, Auftragskiller, Drogenbosse, Big-Business-Leute und Medienvolk.

Bald haben es I.Q. und Dodson mit verfeindeten Gangs, schießwütigen Narcos und gierigen Musikproduzenten zu tun. Gut, dass I.Q. ein Weltmeister der Deduktion ist, und gut auch, dass er notfalls genauso viel kriminelle Energien hat wie seine Widersacher. Oder noch mehr …

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Krimis, die man 2016 lesen sollte (IX)

(c) Haymon

(c) Haymon

“Der anatolische Panther” von André Pilz steht ganz oben auf meiner Leseliste. Sein Vorgänger “Die Lieder, das Töten” steht leider seit Jahren bei mir ungelesen herum, obwohl dieses Buch nach einer außergewöhnlichen Krimilektüre (ein Super-Gau in Deutschland, mann stelle sich das einmal vor! Was für ein Szenario) klingt.

Verlagstext: Kleiner Gangster, großes Herz: Seit der junge Türke Tarik seine Fußballkarriere aufgegeben hat, schlägt er sich in München mit kleinen Einbrüchen und Drogendeals durch. Er verbringt viel Zeit auf der Straße, mit seinen Freunden Doogie, Sugo-Joe und Yiannis, allesamt einigermaßen gescheiterte Existenzen. Als sie bei einem Einbruch erwischt werden, hat die Polizei Tarik am Haken – und schlägt einen Deal vor: Tarik soll sich ins Umfeld eines Hasspredigers einschleichen, der sich “Derwisch” nennt und im Verdacht steht, einen Terroranschlag zu planen. Das geht schief, und plötzlich ist neben der Polizei auch noch der Derwisch hinter ihm her – und Tarik muss nicht nur sich selbst retten, sondern auch seinen geliebten Großvater, der von den Islamisten bedroht wird ...

(c) Heyne

(c) Heyne

“American Blood” von Ben Sanders klingt ein bisschen nach Jack Reacher. Vielleicht bahnt sich hier eine vielversprechende Thriller-Serie an, so wie es zuletzt auch mit “Orphan X” von Gregg Hurwitz der Fall war (im August 2017 erscheint übrigens “Projekt Orphan”).

Marshall Grade hat zwei Leben. Früher war er undercover für das New York City Police Department im Einsatz. Nachdem er enttarnt wurde, hat das organisierte Verbrechen ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Jetzt sitzt er im Zeugenschutzprogramm in New Mexico fest und soll sich unauffällig verhalten. Doch dann verschwindet eine junge Frau, die jemandem aus seinem ersten Leben zum Verwechseln ähnlich sieht. Grade schlägt alle Warnungen in den Wind und begibt sich auf ihre Spuren. Wird es ihm diesmal gelingen, die Frau zu retten?

(c) Ariadne Kriminalroman

(c) Ariadne Kriminalroman

Malla Nunn befindet sich mit “Zeit der Finsternis” momentan auf Platz zwei der KrimiZeit-Bestenliste. Viel mehr Empfehlungen braucht es da eigentlich nicht mehr.

Im zutiefst korrupten Apartheidstaat Südafrika geht das Jahr 1953 zu Ende. Fünf Tage vor Weihnachten wird im Johannesburger Villenviertel ein weißes Ehepaar überfallen und bewusstlos geprügelt. Dann verschwinden die Täter mit dem neuen Automobil der Familie Brewer. Die fünfzehnjährige Tochter Cassie hatte sich versteckt und blieb unversehrt. Der Vater erliegt noch in derselben Nacht seinen Verletzungen.
Detective Sergeant Emmanuel Cooper hat sich nach Johannesburg versetzen lassen, um hier mit seiner heimlichen Familie ein Doppelleben zu führen, von dem keiner seiner Kollegen etwas ahnen darf, schon gar nicht sein argwöhnischer Vorgesetzter Lieutenant Walter Mason. Andernfalls droht Cooper Berufsverbot und Gefängnis, ganz zu schweigen von den Repressalien, die seine farbige Frau und ihre kleine Tochter zu erwarten hätten: Die Rassentrennungsgesetze sind gnadenlos. Er muss also extrem behutsam lavieren.

(c) Selbstverlag

(c) Selbstverlag

Unbedingt unterstützen will ich auch Lawrence Blocks Akt kriminalliterarischer Selbstverteidigung. Mit “Drei am Haken” liegt nun auch der zweite Teil der Matthew-Scudder-Serie vor. Soeben bei mir eingelangt 😉

Der Spitzel und Kleingauner Jake »Schnipser« Jablon macht sich eine Menge neuer Feinde, als er die Laufbahn wechselt und von Informant auf Erpresser umsattelt. Früher oder später, vermutet er, wird einer seiner neuen Kunden handgreiflich werden, und wen wird das kümmern? Er sitzt an einem Tisch mit Matthew Scudder, schnipst einen Silberdollar an und lässt ihn auf dem Tisch kreiseln. Schließlich ist das die Gewohnheit, die ihm seinen Spitznamen eingebracht hat. Dann heuert er Scudder an, einen Mord aufzuklären, der sich noch nicht ereignet hat. Niemand ist sonderlich überrascht, als Schnipser mit eingeschlagenem Schädel im East River treibend gefunden wird. Noch schlimmer: Es kümmert niemanden – außer Matthew Scudder. Der Ex-Cop und Privatdetektiv ist kein pflichtversessener Racheengel. Aber er ist willig, Leib und Leben zu riskieren, um Schnipsers mörderisch-aggressive Kunden zur Rede zu stellen. Schließlich ist ein Job ein Job – und Scudder wurde bezahlt, einen Mörder zu finden. Bezahlt vom Opfer … im Voraus.

(c) Ars Vivendi

(c) Ars Vivendi

Es kommt nicht mehr so oft vor, dass ich spontan in der Buchhandlung zugeschlage. Nun war das bei John Harveys “Unter Tage” der Fall. Wer nach David Peaces “GB84” vom englischen Bergarbeiterstreik 1984 nicht genug hat, kann sich hier weiter spannend informieren lassen.

England, 1984: Der Bergarbeiterstreik spaltet das ganze Land. Die Gewerkschaft und die Thatcher-Regierung stehen sich unversöhnlich gegenüber, und in Bledwell Vale verläuft der Riss mitten durch die Familie Hardwick. Vater Barry lässt sich als Streikbrecher beschimpfen, doch er braucht das Geld, um die Familie durchzubringen. Mutter Jenny ist Aktivistin im Streikkomitee – bis sie kurz vor Weihnachten spurlos verschwindet. Dreißig Jahre später wird im Dorf eine einbetonierte Leiche gefunden. Charlie Resnick ist zwar schon im Ruhestand, wird aber der Ermittlerin Catherine Njoroge als Berater zur Seite gestellt; schließlich war er damals mit dem Auftrag vor Ort, die Streikszene auszuspionieren. Alles verdammt lang her, aber jetzt muss die Wahrheit auf den Tisch: Ausgrenzung, Hass, Korruption, Liebe in Zeiten bitterster Not. Und es gibt noch zwei weitere Cold Cases aus jener Zeit …

(c) Penguin

(c) Penguin

Und dann hätten wir wieder einmal einen Australier. Zwar konnte ich mit Peter Temple bislang nicht so recht warm werden, “Die Schuld vergangener Tage” klingt aber nach einer Lektüre, die mich verleiten könnte, es noch einmal zu probieren.

Mac Faraday glaubt nicht, dass sich sein Freund Ned das Leben genommen hat. Er beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, denn wenn es nicht Selbstmord war, muss es Mord gewesen sein. Faradays Nachforschungen führen ihn zu einer Erziehungsanstalt. Dabei entdeckt er eine Mädchenleiche in einem stillgelegten Bergwerksschacht. Nach und nach kommt Faraday denen auf die Spur, die zahllose Mädchen aus der Erziehungsanstalt missbraucht haben. Je näher er der Wahrheit kommt, desto mehr bringt ihn seine Recherche selbst in Gefahr.

 

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Krimis, die man 2016 lesen sollte (VIII)

(c) Blessing

(c) Blessing

Bereits seit August sind die folgenden Krimis im Handel erhältlich. Sehr interessant vor allem aus Genre-Sicht ist Jack Londons “Mord auf Bestellung”, das anlässlich des 100. Todestags des Autors erschienen ist. Denn bei diesem Agententhriller handelt es sich zweifellos um einen der ersten seiner Art. Eigentlich darf man sich das nicht entgehen lassen.

Der Verlag schreibt: «Sie zahlen, wir morden!» lautet die Devise einer New Yorker Attentatsagentur. Einzige Bedingung: Die Liquidation des Opfers muss sozial nützlich und legitim sein … Mit «Mord auf Bestellung» brilliert der weltbekannte Abenteuerautor im Suspense-Genre. Nun erstrahlt sein wiederentdeckter Agententhriller aus dem Jahr 1910 in Eike Schönfelds Neuübersetzung.

10.000 $ für einen Polizeichef; 100.000 $ für einen zweitrangigen Monarchen; eine halbe Million für Seine Majestät, den König von England – Diskretion garantiert! Die Geschäfte der mordenden Moralfanatiker laufen prächtig, bis ein schwerreicher Philanthrop Verdacht schöpft und sie beauftragt, ihren eigenen Chef zu eliminieren: Auftakt einer Verfolgungsjagd quer durch die USA. Vor einer hawaiianischen Insel kommt es zum nalen Showdown … Dieser Agententhriller fesselt mit Dramatik, Action und spektakulären Wendungen. Zugleich wirft er hochbrisante Fragen auf: Welche Opfer darf ein Mensch im Namen einer höheren Moral in Kauf nehmen? Welcher Zweck heiligt welche Mittel? Und nicht zuletzt: Wie lässt sich eskalierende Gewalt eindämmen?

(c) Edition Nautilus

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Alan Carters Krimi “Prime Cut” habe ich im Vorjahr verpasst. Mit “Des einen Freud” bietet sich nun aber erneut die Möglichkeit, diesen australischen Krimiautor kennenzulernen.

Es ist heiß in Westaustralien, und es wird noch heißer: Gordon Wellard, verdächtig des Mordes an einer vermissten 15-Jährigen, scheucht Cato Kwong durch Fremantle. Statt der angeblich vergrabenen Leiche findet Cato jedoch nur einen mit Zimmermannsnägeln gespickten Schweinekadaver. Kurz darauf wird ein Restaurantbesitzer, der kein Schutzgeld mehr zahlen wollte, mit ähnlichen Nägeln im Rücken tot aufgefunden. Der schnell ermittelte Täter kommt offenbar bei einem Buschbrand ums Leben. Doch als Cato kurz darauf entführt und mit einer Nagelpistole bedroht wird, offenbart sich, wie sehr die Polizei selbst bedroht – und verstrickt ist.

Zur gleichen Zeit untersucht Catos Kollegin Lara Sumich den Mord an dem Undercover-Cop Santo Rosetti, dem nach einem Blowjob auf der Toilette eines Nachtclubs die Kehle durchgeschnitten wurde. Ihre Ermittlungen werden jedoch manipuliert, und auch Lara selbst wird überfallen …

(c) Liebeskind

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US-Autorin Ottessa Moshfegh dürfte eine ganz besondere Neuentdeckung sein. Während es sich bei dem dünnen Büchlein “McGlue” eher um ein Alkoholikerdrama handeln soll, wurde ihr zweites Buch “Eileen” sogar für die Short List des renommierten Man Booker Prize nominiert. Vielleicht kein Krimi im klassischen Sinn, aber spannende Literatur.

Salem, Massachusetts. Im Jahr des Herrn 1851. Der Seemann McGlue ist schwerer Trinker und sitzt im Gefängnis. Ihm wird vorgeworfen, vor Sansibar seinen besten Freund Johnson ermordet zu haben. Nur kann er sich an nichts erinnern. Was daran liegt, dass sein Schädel gespalten ist, seitdem er vor Monaten aus einem fahrenden Zug gesprungen ist, um nicht als blinder Passagier entdeckt zu werden. McGlue will sich auch an nichts erinnern, er will nur trinken. In der Nähe von New Haven hatte Johnson ihn einst auf der Straße aufgelesen und so vor dem Erfrieren gerettet. Er war es, der nach seinem Sturz für ihn sorgte, der ihn zur Handelsmarine brachte und mit ihm um die Welt segelte. Warum also sollte McGlue ihn umgebracht haben?

Ottessa Moshfegh erzählt die abgründige Geschichte eines Mannes, dessen Hass auf die Welt zu groß ist, als dass er unversehrt sein Dasein fristen kann. »McGlue« ist ein stimmgewaltiges, eindringliches Buch über das immerwährende Scheitern des Menschen, den eigenen Unzulänglichkeiten Herr zu werden. Denn zwischen Schuld und Gerechtigkeit steht immer das Leben.

(c) Wunderlich

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Horst Eckert hat mit “Schwarzer Schwan” aus meiner Sicht einen der besten Krimis rund um die internationale Finanzkrise geschrieben. “Schwarzlicht”, der Auftakt seiner Reihe um Ermittler Vincent Veih hat mich zwar nicht ganz so überzeugt, aber dennoch ist Eckert zweifellos einer der besten Krimiautoren Deutschlands, der auch immer zeit- und gesellschaftskritisch schreibt. “Wolfsspinne” dürfte ein spannender Politthriller sein.

Ein hochbrisanter Politthriller vor dem Hintergrund von Flüchtlingszuwanderung und Pegida, der die offizielle Version zum Thema NSU infrage stellt. Es ist niemals vorbei.

Eisenach, 2011: Zwei Männer liegen tot in ihrem Wohnmobil. Sie waren Teil eines rechtsextremistischen Terror-Trios, das Deutschland Jahre lang unerkannt in Angst und Schrecken versetzt hat.
Aber was passierte wirklich? Ein Mann hat den “Nationalistischen Untergrund” für den Verfassungsschutz beobachtet. Er kennt die Wahrheit. Doch er muss schweigen.

Jahre später ermittelt der Düsseldorfer Hauptkommissar Vincent Veih im Mordfall der Promiwirtin Melli Franck. Die Spur führt ins Drogenmilieu. Aber als weitere Morde geschehen, stößt Vincent auf eine Fährte, die in die Vergangenheit weist: zur “Aktion Wolfsspinne”, die eng mit dem NSU verknüpft ist…

(c) Deuticke

(c) Deuticke

Iain Levisons außergewöhnlicher Krimi “Hoffnung ist Gift” habe ich leider nie gelesen. Mit “Gedankenjäger” hat er nun aber einen weiteren Krimi verfasst, der ganz lässig Genregrenzen sprengt. Dazu hier bald mehr.

Der Polizist Jared Snowe bemerkt bei einem Einsatz plötzlich, dass er Gedanken lesen kann. Während ihn das bei interessanten Frauen oft eher deprimiert – er weiß nun leider sofort, wenn er keine Chance hat –, profitiert er beruflich von seiner Fähigkeit und löst deutlich mehr Fälle als seine Kollegen. Nun soll er den geflohenen Mörder Brooks Denny aufspüren und zurück in die Todeszelle bringen. Snowe findet Denny mühelos, doch als sich die beiden treffen, machen sie eine überraschende Entdeckung: Sie haben beide das gleiche Schlangen-Tattoo auf der linken Schulter. Ein packender Thriller aus den USA, in dem sich die Grenzen zwischen Gut und Böse beständig verschieben.

(c) Suhrkamp

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Eine neue vielversprechende Stimme ist auch S. Craig Zahler. “Die Toten der North Ganson Street” klingt nach interessanter Krimikost.

Die Bewohner nennen ihre Stadt Shitopia, weil es seit Langem nur bergab geht, die Kriminalitätsrate mit jedem Tag steigt und nicht einmal die Tauben sie lebenswert finden. Kein Detective tritt hier freiwillig seinen Dienst an. Hierhin wird man strafversetzt. Denn es ist die Hölle auf Erden.

Weil seine Vorgesetzten ihn für den Selbstmord eines Geschäftsmannes verantwortlich machen, muss Jules Bettinger das sonnige Arizona verlassen und mit seiner Familie ins eiskalte Missouri ziehen. Sein neuer Einsatzort ist Victory, doch die Stadt ist alles andere als ein Gewinn. Die Polizeibehörde ist sträflich unterbesetzt, auf jeden Ermittler kommen gefühlt siebenhundert Straftäter. Dennoch wird Bettinger von den neuen Kollegen alles andere als willkommen geheißen. Um mit ihnen warmzuwerden, bleibt ihm allerdings kaum Zeit: Einer nach dem anderen wird auf grausame Art ermordet …

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Sowohl William Shaws Debüt “Abbey Road Murder Song” als auch “Kings of London”, Teil zwei seiner Trilogie, haben mich begeistert. Was soll also bei “History of Murder” schiefgehen?

1969. Helen Tozer hat ihren Job bei der Polizei aufgegeben und kehrt gemeinsam mit dem schwer verletzten Detective Sergeant Cathal Breen auf die Farm ihrer Familie in Südengland zurück. Ein Ort mit einer furchtbaren Vorgeschichte: Fünf Jahre zuvor wurde Alexandra Tozer, Helens Schwester, hier ermordet. Breen, dem ursprünglich Nichtstun und Erholung verordnet wurden, verbeißt sich in den ungelösten Fall, und er entdeckt schnell, dass die Tozers nie die ganze Wahrheit über Alexandras Tod erfahren haben …

William Shaws packender Krimi führt uns ins England der 60er Jahre. Eigentlich sucht das Ermittlerduo Helen Tozer und Cathal Breen Ruhe auf dem Land, doch als Breen einen alten Mordfall wieder aufrollt, stört er damit den Täter von damals auf. Der schreckt vor nichts zurück, und schon bald ist Helen spurlos verschwunden …

(c) carl's books

(c) carl’s books

Zum Schluss noch ein Thriller aus deutscher Feder. “Zwei Sekunden” klingt nach einem spannenden, kritischen Buch über unsere durch Terror geprägte Welt.

Terroranschlag beim Staatsbesuch in Berlin. Nur um zwei Sekunden verpasst die Bombe die deutsche Bundeskanzlerin und den russischen Präsidenten. Die Russen behaupten, dass tschetschenische Terroristen hinter dem Anschlag stecken – doch eine Bekennerbotschaft gibt es nicht. Verfassungsschutz, Bundeskriminalamt und Berliner Polizei tappen im Dunkeln. Öffentlichkeit und Politik fordern Ergebnisse. Der Druck wächst. Widerwillig akzeptiert das BKA, dass Hauptkommissar Eugen de Bodt eigene Ermittlungen anstellt. Vor allem in höheren Polizeikreisen ist de Bodt unbeliebt bis verhasst. Doch will sich niemand nachsagen lassen, nicht alles unternommen zu haben. De Bodt und seine Mitarbeiter suchen verzweifelt eine Spur zu den Tätern. Aber erst, als er alle Gewissheiten in Frage stellt, bekommt de Bodt eine Idee, wer die Drahtzieher sein könnten. Doch um sie zu entlarven, muss er mehr einsetzen, als ihm lieb ist: das eigene Leben.

 

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Krimis, die man 2016 lesen sollte (VII)

(c) Liebeskind

(c) Liebeskind

Ich weiß, ich bin mit meiner monatlichen Empfehlungslliste ziemlich in Verzug geraten. Dieser Blogsommer war nicht ganz so, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Aber der Herbst wird mir wohl wieder mehr Zeit gönnen. Die folgenden Bücher sind jedenfalls seit Juli im Handel erhältlich und klingen vielversprechend.

Von Donald Ray Pollocks Qualitäten konnte ich mich schon mit dem knochenharten und knochentrockenen “Knockemstiff” überzeugen. Leicht war diese Lektüre damals nicht: “In knappen Sätzen erzählt er mehr als viele “Literaten” in hundertseitigen Büchern. Und manchmal empfiehlt es sich auch, das Buch nach einem Kapitel wegzulegen. Um durchzuatmen und sich in seiner eigenen Welt wohlzufühlen”, schrieb ich 2013. “Die himmlische Tafel” klingt nun aber viel mehr nach einem klassischen Kriminalroman. Mal sehen.

Verlagstext: Georgia, 1917. Der Farmer Pearl Jewett will sich durch seine Armut auf Erden einen Platz an der himmlischen Tafel verdienen – und seine drei Söhne darben mit ihm, ob sie wollen oder nicht. Nachdem Pearl von den Entbehrungen ausgezehrt stirbt, müssen sich die jungen Männer allein durchs Leben schlagen. Auf gestohlenen Pferden und schwer bewaffnet plündern sie sich ihren Weg durchs Land. Dabei folgen sie den Spuren ihres großen Helden »Bloody Bill Bucket«, einem Bankräuber aus einem Groschenroman, neben der Bibel das einzige Buch, das die Jewett-Brüder kennen … Einige Hundert Meilen entfernt, im Süden Ohios, wird Ellsworth Fiddler von einem Trickbetrüger um sein ganzes Geld gebracht. Als sein Weg den der schießwütigen Jewetts kreuzt, wendet sich sein Schicksal unerwartet zum Guten. Die Brüder hingegen müssen einsehen, dass der Himmel, den man sich gemeinhin ausmalt, oft schlimmer ist als die Hölle, der man entfliehen will.

(c) Polar

(c) Polar

Der Polar-Verlag fehlt nur selten bei den monatlichen Empfehlungen und auch diesmal gräbt der Verlag wieder einen Kriminalroman aus, der sonst in Vergessenheit geraten würde. Das nicht mehr ganz neue “Ein einziger Schuss” von Matthew F. Jones hat es sogar zu Filmehren geschafft. Das klingt ganz nach einer Geschichte, die einfach nicht gut ausgehen kann. Gut so 😉

Nach dem Verlust seiner Farm ist John Moon ein verzweifelter Mann. Um nicht zum Sozialfall zu werden, schlägt er sich als Wilderer durch. Bei einem seiner Waldgänge hört er ein Rascheln hinter sich und feuert einen verhängnisvollen Schuss ab. Er folgt der Blutspur, stößt in einem Steinbruch auf eine tote junge Frau, die er durch seinen verirrten Schuss getötet hat, und findet eine Box mit Geld und eine Waffe. Er sieht sich plötzlich dem Dilemma gegenüber, das Geld an sich zu nehmen, die Tote zu ignorieren oder die Polizei zu rufen und seine Tat zu gestehen. Was bei seinem Strafregister zu einer Verurteilung führen wird. Bevor er sich entscheiden kann, befindet er sich bereits auf der Flucht vor denjenigen, denen das Geld gehört. Männern, die sich nicht um Recht und Gesetz kümmern und nur seinen Tod wollen.

(c) Tropen

(c) Tropen

Auch Patrícia Melos “Leichendieb” war ein Krimi-Highlight des Jahres 2013. Bleibt zu hoffen, dass das aktuell erschienene Werk der Brasilianerin “Trügerisches Licht” da mithalten kann. Die Meinungen, die ich bisher gelesen habe, gehen da ein wenig auseinander.

Sensationslust folgt überall den gleichen Regeln: Schön ist interessanter als hässlich, reich spannender als arm, und nichts geht über einen ermordeten Star. Ein abgründiger Krimi über den Kontrast zwischen glamouröser Fernsehwelt und einem Brasilien, das im Chaos versinkt.

Tatort São Paulo: Bei einer Theatervorstellung erschießt sich der Serienstar Fábbio Cássio auf der Bühne. Schnell ist der Kriminaltechnikerin Azucena klar, dass dieser Selbstmord in Wahrheit ein geschickt inszenierter Mord ist. Zunächst fällt ihr Verdacht auf die Ehefrau des Toten, die zur Tatzeit Kandidatin einer Reality-Show ist und deren Beliebtheitswerte beim Publikum nach Fábbios Tod in die Höhe schnellen. Und während Azucena noch um das Sorgerecht für ihre Töchter kämpft, wird sie mit einem skrupellosen Mörder konfrontiert, der es am Schluss auf die Ermittlerin selbst abgesehen hat.

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Von Charlie Stella habe ich bislang noch überhaupt nichts gehört gehabt. “Johnny Porno” klingt aber durchaus vielversprechend. Kann aber auch Schrott sein. Da muss man sich wohl selbst überzeugen.

John Albano schlägt sich als Geldeinsammler für die New Yorker Cosa Nostra durch. Er kassiert die Tageseinnahmen, die beim Abspielen des von der Mafia produzierten Pornofilms und späteren Welthits Deep Throat in schmuddeligen Hinterzimmern anfallen. Bezahlt wird hauptsächlich mit 5-Dollar-Scheinen, die Johnny Porno (so nennt man den Mann, der diesen Job macht) in seinem Schrottauto durch die Gegend fährt. Das erweckt Begehrlichkeiten, und so sind sie alle hinter Johnny Porno her: korrupte Cops, neurotische Killer, freischaffende Schurken, das FBI und seine sehr gierige Ex-Frau. New Yorker Streetlife im Jahr 1973. Sehr komisch, gemein und knallhart.

(c) Fischer

(c) Fischer

Malcolm Mackays “Der Killer  hat genug vom Töten” ist der Abschluss einer Trilogie, die durchaus vielversprechen begann (“Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter”), deren Mittelteil (“Der Killer hat das letzte Wort”) aber wenig überzeugte. Ich weiß nicht, ob ich den Schlussteil nun lesen werde. So richtig Lust habe ich momentan nicht darauf.

Coole Spannung vom neuen Star der schottischen Krimiautoren.
Mit zwei Toten beginnt es: ein Kredithai und ein Informant. Tote, die für Calum MacLean der Anfang vom Ende sein sollen. Denn er hat genug vom Töten. Doch die zwei wichtigsten Organisationen von Glasgow liefern sich gerade einen stillen, tödlichen Verdrängungskampf. Die blutigsten Schachzüge stehen noch aus und Calum gerät zwischen die Fronten … Es ist das atemberaubende Finale der Glasgow-Trilogie, die mit dem »Scottish Crime Book of the Year Award« ausgezeichnet wurde und Malcolm Mackay für die Presse als die wichtigste neue Krimistimme Schottlands etabliert.

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