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Krimis, die man 2018 lesen sollte (II)

(c) liebeskind

Wow, im Februar erscheinen echte Krimi-Hochkaräter, und das in großer Menge.

James Carlos Blake hat mit “Pistolero” die Wild-West-Legende John Wesley Hardin porträtiert. Sein Gangsterepos “Red Grass River” klingt sehr stark nach Dennis Lehane (“In der Nacht”, “Am Ende einer Welt”). Da komme ich nicht daran vorbei.

Der Verlag schreibt: John Ashley und Bobby Baker sind Todfeinde. Der eine, Spross einer Familie von Schwarzbrennern, ist der berühmteste Schmuggler und Bankräuber im Florida der Prohibitionszeit. Der andere, Gesetzeshüter aus einer Familie von Gesetzeshütern, treuer Ehemann und liebevoller Vater, verkörpert für viele Recht und Ordnung in einer florierenden Wohlstandsgesellschaft, die ihre archaischen Wurzeln vergessen machen will. Doch niemand ist der, der zu sein er vorgibt, und das Recht ist nicht immer auf der Seite des Gesetzes. Besonders, wenn die Mafia aus Chicago nach Florida drängt, um ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Immer wieder kreuzen sich die Wege von John Ashley und Bobby Baker, gewaltsam und unvermeidlich, bis einer von beiden in einem Hinterhalt auf dem Dixie Highway in Richtung Jacksonville zu Boden geht … In seinem furiosen Roman erzählt James Carlos Blake von einer Welt, die im Wandel begriffen ist, und von Männern, die ihren Platz darin suchen. Denn der Fortschritt ist kein Segen, sondern schafft neue Gewalt …

(c) Folio

Diesen Krimi hatte ich überhaupt nicht auf dem Radar. Ich habe das Buch zufällig in einer Buchhandlung entdeckt. Carlo Boninis “ACAB” verspricht harter Krimistoff zu sein.

Rom: Hooligans, unbändiger Hass, Straßenschlachten – die Polizei im Kampf gegen einen Gegner außer Kontrolle. Nackte Gewalt gehört für eine eingeschworene Gruppe der „Celerini“, der italienischen Bereitschaftspolizei, zur Tagesordnung. Als eingefleischte Anhänger Mussolinis verabscheuen sie den laschen Staat, sind ständigen Auseinandersetzungen mit Ultras und Nazi-Skins ausgesetzt und müssen sich zudem wegen illegaler Übergriffe nach dem G8-Gipfel verantworten. Bonini erzählt vom Irrsinn auf der Straße, einer verdrängten Realität: von äußerster Brutalität, von Überfällen auf Migranten, vom Sturm auf eine Polizeikaserne und von wöchentlichen Schlachten zwischen Hooligans vor Roms Stadien. Bis nach dem Tod eines Fußballfans alles eskaliert.

(c) Europaverlag

Graeme Mcrae Burnet soll sehr gut sein. Ich habe aber weder “Sein blutiges Projekt” noch “Das Verschwinden der Adèle Bedeau” gelesen. “Der Unfall auf der A35” ist daher mehr oder weniger Pflichtlektüre.

Eigentlich gibt es nichts Außergewöhnliches an dem tödlichen Autounfall auf der A35 unweit des elsässischen Städtchens Saint Louis. Doch eine Frage treibt Kommissar Georges Gorski um: Wo war das Unfallopfer Bertrand Barthelme in der Nacht, in der er mit seinem Wagen frontal gegen einen Baum krachte? Als Barthelmes Spuren zu einer jungen Prostituierten in Straßburg führen, die just in jener Nacht erdrosselt wurde, ist der kauzige Provinzkommissar alarmiert. Schnell verstrickt sich Gorski in einem mysteriösen Rätsel um den Toten, das tief hinter die harmlose Fassade der verschlafen wirkenden Kleinstadt Saint Louis blicken lässt. Und auch Barthelmes Sohn Raymond beginnt dem Geheimnis seines verstorbenen Vaters nachzuspüren, das die wohlgeordnete Welt des 17-Jährigen schon bald gehörig ins Wanken bringt …

(c) KiWi

Tom Hillenbrands “Drohnenland” ist einer jener Kriminalromane, die bei mir bis heute nachwirken. Das war wirklich ein außergewöhnliches Buch. “Hologrammatica” verspricht ähnlich spannend zu werden.

Ungeheuer spannend – Bestsellerautor Tom Hillenbrand entwirft in seinem neuen Thriller ein spektakuläres Bild unserer Gesellschaft am Ende des 21. Jahrhunderts.Wenn künstliche Intelligenz die Probleme der Welt lösen kann – sind wir dazu bereit, die Kontrolle abzugeben? Ende des 21. Jahrhunderts arbeitet der Londoner Galahad Singh als Quästor. Sein Job ist es, verschwundene Personen wiederzufinden. Davon gibt es viele, denn der Klimawandel hat eine Völkerwanderung ausgelöst, neuartige Techniken wie Holonet und Mind Uploading ermöglichen es, die eigene Identität zu wechseln wie ein paar Schuhe. Singh wird beauftragt, die Computerexpertin Juliette Perotte aufzuspüren, die Verschlüsselungen für sogenannte Cogits entwickelte – digitale Gehirne, mithilfe derer man sich in andere Körper hochladen kann. Bald stellt sich heraus, dass Perotte Kontakt zu einem brillanten Programmierer hatte. Gemeinsam waren sie einem großen Geheimnis auf der Spur. Der Programmierer scheint Perotte gekidnappt zu haben. Je tiefer Singh in die Geschichte eintaucht, umso mehr zweifelt er daran, dass sein Gegenspieler ein Mensch ist …

(c) Unionsverlag

Gary Dishers “Bitter Wash Road” war für mich einer der besten Kriminalromane des Jahres 2016. Seine Romane rund um Berufsverbrecher Wyatt (zuletzt: “Dirty Old Town”) gehören zu meinen Lieblings-Crime-Serien. “Leiser Tod” ist der neuesten Roman seiner Serie um Hal Challis, den ich aus Lesersicht noch nicht kennengelernt habe.

Dicke Luft auf der Peninsula: Ein Vergewaltiger in Polizeiuniform treibt sein Unwesen. Eine Reihe von bewaffneten Raubüberfällen hält die Polizei in Atem. Eine gerissene Meisterdiebin spielt Katz und Maus mit den Sergeants. Einsparungen an allen Ecken und Enden drücken die Arbeitsmoral auf dem Revier. Als Hal Challis das alles auch noch einem Zeitungsreporter erzählt, sieht er sich an allen Fronten belagert.

(c) Ullstein

Jordan Hapers “Die Rache der Polly McClusky” ist für den Edgar Award für die “Best First Novel” nominiert. Das Buch ist von Conny Lösch übersetzt worden, da kann eigentlich kaum mehr etwas schief gehen.

Polly McClusky ist elf und eigentlich zu alt für den Teddybär, den sie überallhin mitnimmt, als überraschend ihr Vater Nate vor ihr steht. Der ist aus dem Gefängnis ausgebrochen, um Polly das Leben zu retten. Denn auf Polly ist ein Kopfgeld ausgesetzt. Nate hat sich im Knast einen mächtigen Feind gemacht: die Gang Aryan Steel hat ihn und seine Familie zu Freiwild erklärt. Nates Exfrau wurde bereits getötet, Polly ist die Nächste auf der Liste. Auf der Flucht durch Kalifornien werden Vater und Tochter zu einem starken Team. Nates Kampftraining macht aus dem schüchternen Mädchen einen selbstbewussten Fighter. Und durch Pollys Scharfsinn halten sie den Vorsprung vor ihren Verfolgern. Bald ist Nate jedes Mittel recht, damit Polly wieder ein Leben ohne Angst führen kann.

(c) Pendragon

Berufsverbrecherin Crissa Stone ist so etwas wie die kriminalliterarische Schwester von dem oben erwähnten Wyatt. “Fast ein guter Plan” ist bereits der dritte Roman (Auftakt “Kalter Schuss ins Herz”, zuletzt “Geld ist nicht genug”) von Wallace Stroby rund um Stone.

Eine halbe Million Dollar aus Drogendeals, bewacht von drei skrupellosen Kerlen mit automatischen Waffen. Für die Berufsverbrecherin Crissa Stone und ihr Team gehört der Raub des Geldes noch zu den einfachsten Übungen. Als das Aufteilen der Beute schiefgeht, entkommt Crissa dem Kugel­hagel allerdings nur knapp. Mit einem Seesack voll gestohlenem Geld befindet sie sich auf der Flucht. Gejagt wird sie von brutalen Handlangern eines Drogenbosses und einem ehemaligen Cop aus Detroit, der seine eigenen tödlichen Pläne verfolgt. Crissa will ihnen das Geld auf keinen Fall überlassen. Auch als sie und ein Kind in Lebensgefahr geraten und ihre Verfolger sie in die Enge treiben, kämpft Crissa weiter.

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KrimiZeit-Jahresbestenliste 2016: Ein Abgleich

(c) Unionsverlag

(c) Unionsverlag

Seit einer Woche ist die KrimiZeit-Jahresbestenliste 2016 da. Meine davon gelesenen Bücher können sich sehen lassen: Über den Sieger “Bitter Wash Road” habe ich hier genauso geschrieben wie über das zweitplatzierte “Blaue Nacht” und auch das drittplatzierte intensive Krimi-Kurzstück “Die Mauer”.

Tja, und in der Lektüre des viertplatzierten Buchs “Miss Terry” stecke ich momentan. Schon allein diese vier Krimis zeigen, wie vielseitig das Genre ist. Von Malla Nunn habe ich übrigens soeben das “falsche” Buch fertiggelesen: “Zeit der Finsternis” befindet sich zwar auf der aktuellen Dezember-Liste auf Platz drei, aber für die Jahresliste hat es nicht gereicht, dort ist eben das im Frühjahr erschienene “Tal des Schweigens” zu finden.

Was sagt mir die Liste sonst: Südafrika bleibt ein Hotspot und mit Nunn bin ich erstmals auch dorthin vorgedrungen – wohl nicht zum letzten Mal. Auch Australien scheint auf der Krimi-Landkarte fix verankert. Ich hoffe 2017 ja auf das Erscheinen von Dishers angekündigten Krimi “Hitze”, der bei Pulpmaster erscheinen könnte. Aber wer den von mir hoch geschätzten Kleinstverlag kennt, weiß, dass daraus auch 2018 werden könnte. Egal, die Vorfreude ist groß.

Und in ein paar Tagen gibt es hier meine persönliche Bestenliste für das Jahr 2016. Lasst euch überraschen, denn die Überschneidungen sind nicht so groß.

Die Liste im Überblick:

1 Garry Disher: Bitter Wash Road
2 Simone Buchholz: Blaue Nacht
3 Max Annas: Die Mauer
4 Liza Cody: Miss Terry
5 Franz Dobler: Ein Schlag ins Gesicht
6 Giancarlo De Cataldo/Carlo Bonini: Die Nacht von Rom
7 Andreas Pflüger: Endgültig
8 James Grady: Die letzten Tage des Condor
9 Dominique Manotti: Schwarzes Gold
10 Malla Nunn: Tal des Schweigens

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Garry Disher: Bitter Wash Road

(c) Unionsverlag

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Mit dem knallharten Berufsverbrecher Wyatt hat Garry Disher einen australischen Cousin von Richard Starks Kultfigur Parker erfunden. Nun hat der Autor die Seiten gewechselt und erzählt in “Bitter Wash Road” langsam, aber niemals langweilig vom Schicksal des ins Hinterland abgeschobenen Polizisten Hirsch.

Diesem schlägt dort offene Feindseligkeit entgegen, in der Gegend herrscht Perspektivlosigkeit. Aber nicht nur das: Seit Hirsch in Adelaide einen korrupten Kollegen verraten hat, ist er auch in seinem Berufsleben einsam.

Was der Autor daraus zaubert, ist einfach meisterhaft und zweifellos einer der besten Krimis dieses Jahres. Disher erzählt still und einfühlsam, er erschafft echte Menschen, die wie echte Menschen handeln und denken. Das mag manchem für einen Krimi zu langsam sein. Doch ich finde, man muss sich einfach die Zeit nehmen. Dann entfaltet sich eine gar nicht so außergewöhnliche Geschichte, die dennoch unweigerlich ans Herz geht. Eben, weil sie echt ist. Disher ist ein Meister staubtrockener Geschichten.

Ohne viele Worte zu verlieren:

9 von 10 Punkten

Garry Disher: “Bitter Wash Road”, übersetzt von Peter Torberg, Unionsverlag, 344 Seiten, 22,60 Euro.

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KrimiZeit-Bestenliste im April: Ein Abgleich

(c) Unionsverlag

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Nachdem ich im März tatsächlich null Übereinstimmungen mit der KrimiZeit-Liste hatte, habe ich im Vergleich dazu nun zwei Bücher aufgeholt. Und mit Nummer eins und zwei der April-Liste habe ich zwei wirklich herausragende Kriminalromane gelesen. Der eine, “Bitter Wash Road”, ist ein australischer Krimi aus der Jetztzeit, der andere ein US-Klassiker der nun erstmals unverstümmelt lesbar ist. Die Erstausgabe von “Porkchoppers” war einst nur mit der Hälfte der Seiten erschienen. Ein Leseverbrechen sondergleichen!

Die Bücher von Pflüger, Gattis und Panowich liegen bereits bei mir ziemlich hoch am Bücherstapel herum, jetzt müssen sie halt noch gelesen werden. Und ich weiß nicht, ob ich nicht den neuaufgelegten Krimiklassiker “Fünf schräge Vögel” von Donald Westlake einschieben werde.

(c) Atrium

(c) Atrium

Ich gebe zu: Das Buch habe ich schon allein wegen des stimmungsvollen Covers gekauft.

In Declan Burkes “The Big O” habe ich schon reingeschnuppert, allerdings kam mir dann Garry Dishers Buch in die Hände. Da muss ich also den Lesefaden erst wieder aufnehmen. Auch Tom Coopers Buch würde mich sehr reizen, spricht mich momentan aber nicht ganz so an.

James Lee Burkes “Mississippi Jam” werde ich wohl auslassen, um dann sein demnächst erscheinendes “Fremdes Land” zu lesen. Obwohl mich Dave Robicheaux’s neues Abenteuer nach der Lektüre von “Sturm über New Orleans” schon sehr reizen würde.

Die Liste im Überblick:

1 (1) Garry Disher: Bitter Wash Road
2 (3) Andreas Pflüger: Endgültig
3 (4) Ross Thomas: Porkchoppers
4 (-) Ahmed Mourad: Vertigo
5 (2) Ryan Gattis: In den Straßen der Wut
6 (-) Brian Panowich: Bull Mountain
7 (-) Gioacchino Criaco: Schwarze Seelen
8 (-) Declan Burke: The Big O
9 (-) Tom Cooper: Das zerstörte Leben des Wes Trench
10 (-) James Lee Burke: Mississippi Jam

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KrimiZeit-Bestenliste im März: Ein Abgleich

(c) Unionsverlag

(c) Unionsverlag

Gerade eben habe ich “Bitter Wash Road” in meinen Tipps für die Krimineuerscheinungen im Februar erwähnt – und mit einem Schlag ist der australische Krimi auf Platz eins der KrimiZeit-Liste im März. Cool, ich mag das Krimiland Australien. Weniger cool: Schon sitze ich wieder ganz tief in der Wann-soll-ich-das-alles-lesen-Bredouille. Denn eigentlich sind auch die Herren auf Platz zwei und drei Pflichtbücher.

Warum? Gattis scheint mit “In den Straßen die Wut” eine der spannendsten Krimi-Neuerscheinungen des ersten Halbjahrs 2016 zu sein und von Andreas Pflüger – im Hauptberuf Drehbuchautor (v.a. beim “Tatort”) – habe ich vor über einem Jahrzehnt das BKA-Epos “Operation Rubikon” gelesen. Wobei ich sagen muss, dass mich damals die gleichnamige TV-Serie, die auf Pflügers Drehbüchern basierte, noch mehr begeistert hat (sie wurde übrigens auch zwei Jahre vor Erscheinen des dicken Romans ausgestrahlt). Nun liegt mit “Endgültig” also sein zweiter Krimi vor. Meine Neugier ist groß.

Tja und dann wäre da “Porkchoppers” von Ross Thomas. Ich habe bisher nur verstümmelte Versionen seiner Krimis gelesen, weil es eben vor zwei Jahrzehnten noch üblich war, im Zuge der Übersetzung 400-seitige Bücher auf die Hälfte zusammenzuschrumpfen – das war damals leider keine Seltenheit. Eigentlich ein Verbrechen! Ich vermute stark, dass seine Bücher auch deshalb keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen haben.

Einen darf man natürlich auch nicht vergessen: Großmeister Cormac McCarthy mit seinem erstmals ins Deutsche übersetzten Frühwerk “Der Feldhüter” ist ein Muss auf jeder anspruchsvollen Leseliste.

Tja, da fehlt mir eigentlich nur einer, der meiner Meinung nach in McCarthys Liga spielt: Daniel Woodrell mit seinem eben erst erschienenen “Tomatenrot”. Ich habe das Buch soeben beendet und was soll ich sagen: Es ist ein typischer Woodrell – präzise und einfühlsam formuliert, eine kleine Wucht.

Und eines hätte ich fast vergessen: Von Eugene McCabes “Die Welt ist immer noch schön” hätte ich ohne KrimiZeit-Jury wohl nichts mitbekommen. Danke dafür, liebe Krimi-Experten.

Die Liste im Überblick:

1 (-) Garry Disher: Bitter Wash Road
2 (4) Ryan Gattis: In den Straßen die Wut
3 (-) Andreas Pflüger: Endgültig
4 (-) Ross Thomas: Porkchoppers
5 (1) Malla Nunn: Tal des Schweigens
6 (-) Cormac McCarthy: Der Feldhüter
7 (3) Tito Topin: Exodus aus Libyen
8 (9) Michael Robotham: Der Schlafmacher
9 (-) Eugene McCabe: Die Welt ist immer noch schön
10 (9) Joseph Kanon: Leaving Berlin

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Krimis, die man 2016 lesen sollte (II)

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Der Verlag lässt Autor Tom Franklin “Bull Mountain” (seit 8. Februar im Handel) allen Fans von Dennis Lehane und Daniel Woodrell empfehlen. Das klingt ja schon einmal ausgezeichnet. Kann da noch was schiefgehen? Ich werde es wohl bald wissen.

Verlagstext: Der Burroughs-Clan ist der größte Anbieter von Schwarzgebranntem, Hasch und Crystal Meth in Georgia und Umgebung. Seit Generationen hat er Bull Mountain fest im Griff. Und er verteidigt seine Stellung mit allen Mitteln. Um sich aus diesem Familiensumpf zu ziehen, wurde Clayton Burroughs Sheriff. Doch er weiß, dass er und Bull Mountain erst dann Frieden gefunden haben werden, wenn es ihm gelingt, seinen Brüdern endgültig das Handwerk zu legen.

(c) Unionsverlag

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Garry Dishers “Dirty Old Town” hat mich vor zwei Jahren begeistert. Berufsverbrecher Wyatt, so etwas wie der australische Cousin oder Bruder von Richard Starks Kultfigur Parker, ist eine unvergessliche Figur. Aber umso feiner, dass in Dishers neuestem Streich “Bitter Wash Road” (seit 15. Februar) ganz anderes Personal ran darf. Noch dazu wird die Geschichte diesmal aus Polizistensicht geschildert.

In der Nähe von Tiverton, einer Kleinstadt in Australiens Nirgendwo, wird ein Mädchen tot am Straßenrand gefunden. Constable Paul Hirschhausen, genannt Hirsch, übernimmt den Fall. Er glaubt nicht an einen Unfall mit Fahrerflucht. Einsam und isoliert durchquert der Constable die unwirtliche Landschaft, vorbei an mageren Schafen, schäbigen Höfen, stellt unbeirrt seine Fragen und lernt eine Kleinstadt kennen, unter deren Oberfläche Enttäuschung und Wut, Rassismus und Sexismus brodeln. Hirsch rüttelt an der trügerischen Stille und wirbelt nicht nur den Staub der ausgedörrten Straßen auf.

(c) dtv premium

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Lyndsay Fayes Auftakt “Der Teufel von New York” zu dieser historischen Trilogie habe ich 10 von 10 Punkten gegeben. Das war einfach fabelhaft. Dennoch habe ich Teil zwei, “Die Entführung der Delia Wright” verpasst. Nun liegt mit “Das Feuer der Freiheit” (19. Februar) der Abschluss der Trilogie vor. Da ich die Bücher chronologisch lesen will, wird es noch eine Weile dauern, bis ich mich Fayes neuem Krimi widmen werde.

In den Straßen des historischen New York geht ein Feuerteufel um – oder ist es womöglich eine Teufelin …? Der ausbeuterische Unternehmer und Abgeordnete Robert Symmes lässt Näherinnen unter unerträglichen Bedingungen arbeiten: Hat eine von ihnen Drohbriefe verfasst und seine Fabrik in Brand gesetzt? Oder war es die Frauenrechtlerin Sally Woods, die sich höchst verdächtig benimmt? Ein halbverhungertes Waisenkind scheint den Schlüssel zu dem Geheimnis zu besitzen, doch niemand weiß seine Äußerungen richtig zu deuten. Es ist an Timothy Wilde, dem Polizisten wider Willen, Schlimmeres zu verhindern – indem er möglichst schnell den Täter findet.

(c) Tropen Verlag

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Massimo Carlotto hingegen konnte mich bislang nicht so wirklich überzeugen. Sowohl “Der Flüchtling” als auch der Sardinien-Umweltkrimi “Tödlicher Staub” hinterließen mich mit einem zwiespältigen Gefühl. Der Autor mit bewegender Biografie (er war jahrelang flüchtig, weil er in Italien unter Mordverdacht stand) hat mich einfach erzählerisch biser nicht packen können. Naja, ich habe in die Textprobe des Verlags reingeschmökert und das klingt heftig, aber sehr interessant.

Es gibt nichts, was Giorgio Pellegrini fremd ist: Vergewaltigung, Erpressung, Flucht, Verrat, Knast, Mord. Je mehr Verbrechen er begeht, desto näher kommt er seinem Ziel, eine bürgerliche Existenz zu führen. Als er dieses Ziel erreicht hat, will er es nicht mehr aufgeben – koste es, was es wolle.

(c) Liebeskind

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Daniel Woodrell habe ich ja schon einmal erwähnt. “In Almas Augen” war ein kleines Meisterwerk. Nicht viel weniger erwarte ich mir von “Tomatenrot”, das am 25. Februar erschienen ist.

Sammy Barlach ist ein Verlierer, der sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Eigentlich will er nur irgendwo dazugehören – und stolpert so zielsicher ins Verderben. Bei einem Einbruch in eine Villa trifft er auf zwei andere, ebenso planlose Wohlstandsplünderer: die neunzehnjährige Jamalee mit ihren kurzen, tomatenroten Haaren und ihren bildschönen jüngeren Bruder Jason. Endlich hat Sammy, was er immer gesucht hat: Familienanschluss – und ein bisschen mehr. Mit der Mutter der beiden, Bev, die sich ihren Unterhalt als Escortdame und gelegentlich als Polizeispitzel verdient, beginnt er eine Affäre, aber auch von Jamalee kann er die Augen nicht lassen. Doch die hat andere Pläne und will hoch hinaus, zumindest raus aus dem Sumpf von Venus Holler.

(c) Goldmann

(c) Goldmann

Zum Schluss will ich noch einen Thriller empfehlen, der für sich vielleicht nicht so aufregend ist. Aber die Reihe rund um den Auftragskiller Victor ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Da mir das mit Lee Childs Jack Reacher auch lange passiert ist, will ich hier nicht so lange warten. Vermutlich ist “Dark Day” (15. Februar) nicht unbedingt der beste Teil, aber ich will damit auf diese Serie aufmerksam machen, die immer wieder sehr gelobt wird. Und der Aspekt mit dem Blackout klingt gut. Wer weiß mehr über Wood? Schreibt mir doch.

Raven ist Profikillerin. Lautlos wie ein Schatten eliminiert sie ihre Opfer, bevor diese ihre Anwesenheit auch nur erahnen. Doch diesmal könnte sie das falsche Ziel im Auge haben: Victor. Ein Killer wie sie. Ein Profi so paranoid wie rücksichtslos und perfekt darin, jeden Verfolger auszuschalten. Er spürt Raven rund um den Globus nach, nicht nur, um die Gefahr zu beseitigen, sondern um herauszufinden, wer ihr den Auftrag zu seiner Ermordung gab. In New York treffen die beiden schließlich aufeinander – ausgerechnet, als dort ein Blackout die Stadt ins Chaos stürzt. Inmitten von Plünderungen und Gewalt kommt es zwischen Raven und Victor zu einem Katz-und-Maus-Spiel, das Manhattan nie mehr vergessen wird.

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Richard Stark: The Hunter

(c) Zsolnay

(c) Zsolnay

Parker ist eine der skrupellosesten Figuren der Kriminalliteratur. 1962 hat ihn Donald Westlake, der auch als Richard Stark schrieb, erschaffen. “The Hunter” war der erste von mehr als 20 Krimis rund um Parker. 1967 wurde “The Hunter” mit Lee Marvin in der Hauptrolle verfilmt, 1999 mit Mel Gibson (wenn auch die Filmfiguren nicht Parker hießen). Zuletzt mimte 2013 Jason Statham Parker im gleichnamigen Film, der allerdings auf Starks Krimi “Irgendwann gibt jeder auf” basiert.

Bei der Lektüre musste ich immer wieder an Garry Dishers Figur Wyatt, der ebenfalls der Vorname fehlt, denken. Wyatt könnte Parkers kleiner australischer Bruder sein. Parker und Wyatt sind Profi-Verbrecher in einer Welt voller Amateure und Stümper. Im letzten Wyatt-Krimi “Dirty Old Town” nimmt Disher sogar ganz offen Bezug darauf: Da spielt eine Lydia Stark eine wichtige Rolle, einmal nimmt Wyatt die Identität eines Mannes mit dem Namen Parker an und dann gibt es da den Westlake-Gebäudekomplex.

(c) dtv

(c) dtv

Das Faszinierendste an Parker ist: Er ist ein skrupelloser Verbrecher, kein klischeebeladener Gentleman-Ganove. Er ist brutal und tötet, wann immer nötig. In “The Hunter” geht er ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen. Auch über die einer unschuldigen Frau, die Opfer seiner Gewalt wird. Parker will ihren Tod zwar nicht (“Ihr Tod war vollkommen unnötig”) und ist wütend darüber, dass er sie versehentlich getötet hat. Gewissensbisse hat er deswegen aber keine.

In den folgenden Büchern der Serie ist er da schon zurückhaltender. Kann man mit Parker sympathisieren? Nein. Aber das ist gar nicht nötig. Wer sonst sollte sich einem Verbrechersyndikat so kaltblütig und gleichzeitig überlegt gegenüberstellen wie Parker? “Helden von diesem Kaliber werden heute gar nicht mehr hergestellt”, schreibt dazu Hans-Jörg Wangner in der Krimi-Kolumne Killer & Co..

Schon der erste Satz in “The Hunter” ist legendär:

“Als ein junger Kerl mit gesunder Gesichtsfarbe in einem Chevy ihm eine Mitfahrgelegenheit anbot, sagte Parker ihm, er solle sich verpissen. (When a fresh-faced guy in a Chevy offered him a lift, Parker told him to go to hell.)”

Eine bemerkenswerte Szene ist auch folgende: “Sein Körper war hart, langgliedrig und von Narben bedeckt. Nach dem Bad setzte er sich nackt auf das Bett, trank langsam den Wodka direkt aus der Flasche und grinste die gegenüberliegende Wand an. Als die Flasche leer war, warf er sie in den Papierkorb und schlief ein.”

Sie gewährt laut Philipp L’Heritier (fm4)“eine einzige Sekunde lang Einsicht in das Innenleben Parkers, meist bleibt er einzig Oberfläche, Klotz, dem auch nicht der Weg der Rache Genugtuung zu bereiten scheint.”

(c) IDW

(c) IDW

Es ist also die Geschichte eines Rachefeldzugs, den Parker aber so abgestumpft und gleichgültig abspult, dass einem der Atem stockt. Denn Parker wurde reingelegt, von seinem Komplizen und seiner Ex-Frau. Das ist für mich vielleicht auch die größte Schwachstelle des Buchs. Das fand ich nicht ganz glaubwürdig, wie Lynn (ja, sie war bedroht – aber trotzdem) da einfach die Seiten wechselt.

Viel besser fand ich hingegen, dass sich am Ende zeigt, dass auch Parker nur ein Verbrecher ist, dem Fehler unterlaufen – so viel also zum coolen Profi.

Wer Parker und “The Hunter” mag, sollte sich unbedingt auch die feine Graphic Novel von Darwyn Cooke zulegen, die es übrigens auch auf Deutsch gibt. Ich habe sie mir aber im Original gegönnt.

Ach ja, ein völlig nutzloses, aber interessantes Detail noch: Die ersten acht und letzten acht Parker-Krimis beginnen alle mit When….

8 von 10 Punkten

Richard Stark: “The Hunter”, übersetzt von Nikolaus Stingl, 191 Seiten, Zsolnay Verlag.

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