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Krimi-Bestenliste Juni: Ein Abgleich

(c) Ariadne

Spät, aber doch serviere ich die aktuelle Krimi-Bestenliste für den Monat Juni. Denise Mina hat mit “Blut Salz Wasser” tatsächlich den Sprung an die Spitze geschafft. scheint Pflichtlektüre zu sein. Seit “Das Vergessen” bin ich ein Fan der Autorin und möchte daher auch das neueste Werk unbedingt lesen.

Über Dan Chaons “Der Wille zum Bösen” hört man teilweise hymnische Kritiken. Aber mich schreckt dieses Serienmöder-Element schon sehr massiv ab. Aidan Truhens “Fuck You Very Much” und Douglas E. Winters “Run” wiederum klingen nach der idealen Urlaubslektüre.

Fein, dass der kürzlich verstorbene Philip Kerr erneut in der Liste auftaucht, ich werde aber wohl trotzdem auf einen späteren Band der Bernie-Gunther-Serie warten. “Kalter Frieden” spricht mich thematisch nicht so ganz an.

Hideo Yokoyamas “64” ist somit das einzige Buch der Liste, das ich bisher gelesen habe.

Die Liste im Überblick:

1. Denise Mina: Blut Salz Wasser (2)
2. Dan Chaon: Der Wille zum Bösen (-)
3. Aidan Truhen: Fuck You Very Much (4)
4. Douglas E. Winter: Run (-)
5. Graeme Macrae Burnet: Der Unfall auf der A 35 (10)
6. Dominique Manotti: Kesseltreiben (-)
7. Hideo Yokoyama: 64 (1)
8. Philip Kerr: Kalter Frieden (9)
9. Joyce Carol Oakes: Pik-Bube (-)
10. Friedemann Hahn: Foresta Nera (-)

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Krimis, die man 2016 lesen sollte (VI)

(c) Heyne

(c) Heyne

Denise Minas “Das Vergessen” konnte mich im Vorjahr überzeugen. Auch “Die tote Stunde” (seit 13. Juni im Handel), der Mittelteil einer Trilogie, klingt vielversprechend – ich weiß bloß noch nicht, wann ich Zeit dafür haben werde. “Ein Roman, der von seiner dickköpfigen Heldin lebt”, schreibt darüber Marcus Müntefering auf “Spiegel Online”.

Der Verlag schreibt: Als die Journalistin Paddy Meehan einer häuslichen Auseinandersetzung nachgeht, öffnet ihr ein gut gekleideter Mann. Er versichert, dass alles in Ordnung sei. Bevor er die Tür wieder schließt, steckt er Paddy Geld zu. Tatsächlich wurde die Frau gefoltert und starb noch in dieser Nacht. Paddy bleiben nur wenige Tage, um die Wahrheit herauszufinden, bevor die Zeitung von der Bestechung erfährt und die Polizei die Ermittlungen aus ganz eigenen Gründen einstellt. Einzig Paddy lässt der düstere und grausame Fall nicht los, dessen Aufklärung einen Karrieresprung für sie bedeuten könnte – oder aber ihren Tod.

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

In den 1970er Jahren wurde “Die drei Tage des Condors” mit Robert Redford in der Hauptrolle zu einem Filmerfolg. Der Film basierte auf dem gleichnamigen Buch des Autors James Grady, der nun seinen Condor mit “Die letzten Tage des Condor” (seit 13. Juni) wiederauferstehen lässt und in die Jetztzeit transportiert. Und wieder schwärmt Marcus: “Er schafft es, gleichermaßen old school und absolut auf der Höhe der Zeit zu sein.”

Ronald Malcolm alias Vin alias Condor ist zurück. Der einstige Whistleblower und spätere Top-Agent hatte die letzten Jahre in einem Irrenhaus der CIA verbracht und arbeitet jetzt in der Library of Congress in Washington. Routinemäßig wird er von der inzwischen neu gegründeten Homeland Security überprüft. Als einer deren Agenten tot in Condors Wohnzimmer gefunden wird, scheinen alle Geheimdienste hinter ihm her zu sein. Manche davon so geheim, dass niemand weiß, wer oder was sie überhaupt sind. Washington verwandelt sich in einen kafkaesken Bau, ständig von neuester Technologie überwacht. Nichts ist mehr harmlos, nichts ist unschuldig, nichts durchsichtig. Geschossen wird sofort und ohne Rücksicht auf Verluste. Der Condor und die CIA-Agentin Faye Dozier versuchen sich in Sicherheit zu bringen, aber vor wem eigentlich?

(c) Ullstein

(c) Ullstein

Auf Paolo Roversis “Schwarze Sonne über Mailand” (seit 17. Juni) bin ich ganz besonders gespannt. 2013 hat mich sein Krimi “Milano Criminale” zwar nicht so ganz begeistert, aber das Buch ist irgendwie haften geblieben – immer wieder muss ich daran denken. Das passiert mir sehr selten. Es kann also nicht so schlecht gewesen sein. Und ich stehe im Moment auch total auf Retro-Krimis dieser Art, die ein Stück in der Vergangenheit spielen.

Im Mailand der 1980er Jahre versuchen drei Gangster, die norditalienische Metropole in ihre Hand zu bekommen: der sizilianische Kleinganove Ebale, genannt Catanese, der als Dealer von endlos gestrecktem Koks anfängt. Faccia d’Angelo, der nach einem Banküberfall zum skrupellosen Bordell- und Glücksspielkönig aufsteigt. Und der blutjunge Roberto, der bei einem Raubüberfall einen Polizeibeamten tötet. Kommissar Antonio Sarti, ein junger Familienvater, setzt alles daran, den dreien das Handwerk zu legen. Und da alle drei Gangster im selben Teich fischen, ist es unausweichlich, dass ihr Aufstieg Rivalität und tödlichen Verrat mit sich bringt.

diegejagtenSeit ich im Vorjahr “Der Anhalter” gelesen habe, bin ich ein großer Fan von Lee Child bzw. seiner Kultfigur Jack Reacher. Seine Thriller mögen literarisch nicht besonders hochwertig sein, doch sie sind schlicht die perfekte Unterhaltung – ideal für den Sommerurlaub. Ein Muss für heiße Tage. Ach ja, und aus “Die Gejagten” (seit 27. Juni) wird im Herbst ein Film mit Tom Cruise: Ich gehöre zwar zu den wenigen, die Cruise durchaus mögen, aber als Jack Reacher ist er einfach eine glatte Fehlbesetzung. Also besser lesen als ins Kino gehen.

Jack Reacher betritt den Stützpunkt seiner ehemaligen Einheit bei der Militärpolizei, und ahnt nicht, was ihm bevorsteht. Er ist nach Virginia gereist, um seine Nachfolgerin Major Susan Turner kennenzulernen. Doch wenig später wird klar, was für ein großer Fehler es war, einen Militärstützpunkt zu betreten. Denn wie jeder ehemalige Soldat der USA ist Reacher Reservist. Prompt erhält er seinen Einberufungsbefehl und wird außerdem des Mordes angeklagt und verhaftet. Reacher gelingt die Flucht aus dem Gefängnis, doch seine wichtigste Frage bleibt zunächst ungeklärt: Wer versucht ihn auf diese Weise kaltzustellen?

 

(c) Rowohlt Polaris

(c) Rowohlt Polaris

Joakim Zanders Thrillerdebüt “Der Schwimmer” war mehr als solide. Nun legt er mit “Der Bruder” (seit 27. Juni) nach. Mal sehen, ob der Schwede sein Niveau halten kann.

Yasmine Ajam ist ihrer Vergangenheit und der rauen Stockholmer Trabantenstadt Bergort entflohen, sie arbeitet als Trendscout in New York. Doch eine alarmierende Nachricht lässt sie nach Jahren zurückkehren: Ihr jüngerer Bruder Fadi wird vermisst, angeblich ist er tot. Und in den Straßen der Vorstadt droht die Gewalt zu eskalieren – Autos brennen, Schlägertrupps sind unterwegs. Hat Fadis Verschwinden damit zu tun? Yasmine gibt die Hoffnung nicht auf, ihren Bruder lebend zu finden. Klara Walldéen forscht in London für eine renommierte Menschenrechtsorganisation. Im Vorfeld einer internationalen Sicherheitskonferenz wird ihr Computer gestohlen, kurz darauf kommt ein Kollege zu Tode. Dass ihre Arbeit brisant ist, weiß Klara. Aber wer könnte bereit sein, dafür töten? Die Spuren führen nach Schweden. In Stockholm begegnen sich die jungen Frauen: Beide auf der Suche nach der Wahrheit. Beide in höchster Gefahr.

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Denise Mina: Das Vergessen

(c) Heyne

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Denise Mina stand schon lange auf meiner persönlichen Muss-ich-endlich-lesen-Liste. Nachdem mich ihre männlichen schottischen Kollegen (Brookmyre, McIlvanney, Mackay) zuletzt fast alle begeisterten, war es wirklich dringend an der Zeit, endlich die wohl beste schottische Krimiautorin kennenzulernen. Val McDermid bezeichnet sie zumindest als die “ungekrönte Königin des schottischen Thrillers”.

Mina konstruiert dabei eine faszinierende Geschichte, die mit dem Todestag einer anderen ungekrönten Königin, jenem von Prinzessin Diana, beginnt. In Dianas Todesnacht verändert sich auch das Leben der 14-jährigen Rose, die zwei schreckliche Verbrechen begeht. Mina verwebt diese zurückliegende Geschichte mit der Jetzt-Zeit, in der an einem Tatort die Fingerabdrücke eines amtsbekannten Straftäters gefunden werden. Normalerweise wäre dann alles klar, doch Michael Brown sitzt im Gefängnis – er kann also nicht der Täter sein.

Mina erzählt in “Das Vergessen” aus vielen Perspektiven: Polizisten, Täter, Opfer. Im Zentrum steht aber Polizistin Alex Morrow, die im Zuge ihrer Ermittlungen ernüchtert feststellen muss, dass der richtige Weg für viele Betroffene oft schlimmere Folgen hat, als wenn sie nichts tun würde. Mina erzählt von starken Frauen, die sich in einer männerdominierten Welt durchsetzen müssen – egal ob im Polizeiapparat oder auf der anderen Seite des Gesetzes.

Andere Meinungen:

“Mina gelingt es wunderbar, Recht und Unrecht miteinander zu verweben und dabei besonders die Graubereiche menschlicher Motive zu beleuchten”, schreibt Krimimimi.

Und Thomas Wörtche meint: “Vermutlich ist es dieser mangelnde Kuschelfaktor, die sie bei uns zur noch eher unbekannten Autorin macht. Alle ihre Romane, so wie “Das Vergessen” auch, jedoch sind sehr seriöse, sehr gute Kriminalromane auf der Höhe der Zeit.”

7 von 10 Punkten

Denise Mina: “Das Vergessen”, übersetzt von Heike Schlatterer, 352 Seiten, Heyne.

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KrimiZeit-Bestenliste im Februar: Ein Abgleich

(c) Heyne

(c) Heyne

Die letzten Tage war ich offline, daher war es auch hier still. Ich habe aber die Zeit genutzt, um mir mal ein paar Klassiker des modernen österreichischen Krimis zur Brust (das ist sogar wörtlich gemeint – ja, ich lese gern liegend, das Buch auf der Brust aufgestützt, aber das nur am Rande) zu nehmen: Wolf Haas, Stefan Slupetzky, Thomas Raab (einen Metzger, nicht “Still”) und Heinrich Steinfest. Dazu hier in Kürze mehr!

Nun aber zum eigentlichen Anlass dieses Beitrags. Während meiner Offline-Zeit ist die KrimiZeit-Liste für den Februar erschienen. James Lee Burkes “Regengötter” ist von Platz 1 gleich ganz aus dem Krimi-Ranking verschwunden. Dafür hat die Schottin Denise Mina mit “Das Vergessen” die Top-Position übernommen. Eine gute Wahl, wie ich hier demnächst schreiben werde. Dennis Lehane ist mit “The Drop” auf Platz drei eingestiegen – das konnte ich im ersten Moment gar nicht glauben, ich dachte, es handelt sich um einen Wiedereinstieg. Aber offenbar hatte es Lehane bisher tatsächlich nicht auf die KrimiZeit-Liste geschafft. Naja, das war dann also schon längst überfällig.

Was gibt es sonst zu sagen:

  • Jo Nesbos “Der Sohn” wurde mir erst kürzlich empfohlen. Das wäre eine gute Gelegenheit meinen blinden Fleck Nesbo zu beseitigen. Aber vielleicht hat ja jemand von euch einen Tipp, welcher Nesbo-Krimi tatsächlich unumgänglich ist.
  • Auf der Liste erwartet hätte ich mir Thomas Raabs “Still. Chronik eines Mörders”, aber vielleicht ist es dafür zu früh, da das Buch ja erst Mitte Jänner erschienen ist. Ich hoffe, dieses überall hymnisch besprochene Werk als Kontrast zu seiner Metzger-Reihe, die ja nun auch ins Fernsehen (“Der Metzger und der Tote im Haifischbecken” und “Der Metzger muss nachsitzen”) kommt, lesen zu können.
  • Beim Lesen des Verlagstextes von Jesper Steins “Weißglut” musste ich sofort an Nicoles Beitrag darüber denken, was sie nie wieder in Krimis lesen will (Stichwort: Der Ermittler, das Wrack): “… mit Vizekriminalkommissar Axel Steen geht es immer weiter bergab. Sein Haschischkonsum steigt, seine Todesängste fressen ihn auf und dann wird auch noch sein Intimfeind Jens Jessen, der neue Mann an der Seite seiner Exfrau Cecilie, in den Rang eines Polizeichefinspektors befördert und ist somit sein Chef. Erst ein neuer Fall, der ihn bis ins Mark trifft, reißt Axel aus seiner Lethargie: Nach einer Vergewaltigung werden DNA-Spuren gefunden, die zu dem Mord an Marie Schmidt vor vier Jahren passen; dem Mord, der Axels Ehe mit Cecilie ruinierte und beinahe das Leben seiner damals zweijährigen Tochter Emma gekostet hätte.” Viel mehr Wrack geht nicht. Und viel mehr persönliche Involvierung des Ermittlers – das wäre mein Wunsch an Krimiautoren, das doch endlich mal sein zu lassen – geht nun eigentlich auch nicht mehr. Denn das könnte nun mich zur Weißglut bringen (ich weiß, das war jetzt billig, aber so schön aufgelegt). Nahezu kein TV-Tatort kommt ohne diese Schiene aus. Ständig sind irgendwelche Verwandten oder Bekannten oder die Kommissare auf irgendeine Weise in die Fälle (mit Vorliebe irgendeine Beziehung zum Täter oder zum Opfer) selbst verstrickt. Für mich ist das mittlerweile ein starker Grund, die Finger von einem Krimi zu lassen – wenn nicht andere schwerwiegende Gründe dafür sprechen.

Die Liste im Überblick:

1 (2) Denise Mina: Das Vergessen
2 (-) Jesper Stein: Weißglut
3 (-) Dennis Lehane: The Drop – Bargeld
4 (-) Tana French: Geheimer Ort
5 (8) Oliver Harris: London Underground
6 (-) Norbert Horst: Mädchenware
7 (7) Andrew Brown: Trost
8 (-) Tony Parsons: Dein finsteres Herz
9 (9) Jo Nesbo: Der Sohn
10 (10) Nathan Larson: Boogie Man

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Krimis, die man 2014 lesen sollte (X)

(c) Droemer

(c) Droemer

Seit 1. Oktober ist Don Winslows neuer Thriller “Missing New York” erhältlich. Rein inhaltlich klingt das nicht wirklich nach Winslow: Als ein siebenjähriges Mädchen spurlos verschwindet, gibt nur Polizist Frank Decker nicht auf. Er gibt viel auf, um die Suche nach Hailey, dem Mädchen, fortzusetzen. Ein interessantes Detail: Das Buch ist wie der umstrittene Vorgänger “Vergeltung” bislang nicht in den USA erschienen. Das ist wirklich ungewöhnlich. Ob das für oder gegen das Buch spricht, werde ich hier demnächst zu erklären versuchen.

(c) Rütten & Loening

(c) Rütten & Loening

Sehr gespannt bin ich auf Stuart Nevilles “Der vierte Mann”. Das Buch ist seit 6. Oktober im Handel erhältlich. Nachdem ich die Jack-Lennon-Reihe (“Die Schatten von Belfast”, “Blutige Fehde”, “Racheengel”) verpasst habe, werde ich die Gelegenheit nutzen, um den Schotten endlich kennenzulernen. Sein 1963 angesiedelter Krimi, in dessen Zentrum in Irland untergetauchte Nazis stehen, war 2013 für den begehrten “Steel Dagger” nominiert und steht 2014 in der Short-List bei den Barry Awards in der Kategorie Thriller. Mit anderen Worten: Ein Muss.

(c) Heyne

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Apropos Muss. “Ruhet in Frieden” (seit 13. Oktober im Handel) von Lawrence Block gehört auch in diese Kategorie. Wie am Cover gut erkennbar, wurde das Buch verfilmt und kommt mit Liam Neeson in der Hauptrolle Anfang November ins Kino. Es dürfte sich um einen harten Unterwelt-Krimi handeln, das müsste also eigentlich gut passen. Block ist einer meiner immer weniger werdenden blinden Krimiflecken. Blocks Serie um Matthew Scudder soll eine seiner besten sein. Von Block wurde in den vergangenen Jahren nur wenig ins Deutsche übersetzt. Bleibt zu hoffen, dass sich das nun ändert und nicht bloß eine Eintagsfliege ist.

(c) Heyne

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Ebenfalls seit 13. Oktober ist Denise Minas Krimi “Das Vergessen” in den Regalen zu finden. Sie wurde bereits mit Dagger Award und Barry Award ausgezeichnet. Die Ausgangssituation klingt vielversprechend: “Ein unmöglicher Mord. Ein wohlhabender Pakistaner wurde getötet. Am Tatort die Fingerabdrücke des Straftäters Michael Brown. Doch der sitzt im Gefängnis. Alex Morrow beginnt zu ermitteln…”, heißt es im Verlagstext. Neugierig macht mich auch folgendes Zitat der Autorin: “Ich bin Feministin und schreibe feministische Bücher. Ich sehe mich weniger in der Krimitradition als in der von feministischen Autorinnen.”

(c) Goldmann

(c) Goldmann

Seit 20. Oktober ist die von Thrillermeister David Baldacci herausgegebene Krimi-Anthologie “Face Off” erhältlich. Das besondere daran: Namhafte – und in diesem Fall ist das kein leeres Versprechen irgendeiner PR-Abteilung des Verlags – Krimiautoren haben sich paarweise zusammengetan, um ihre bekanntesten Ermittler gemeinsam auf die Leser loszulassen. So führt laut Verlag ein Mordgeständnis Ian Rankins John Rebus in den englischen Süden zu Peter James’ Roy Grace, Lee Childs Jack Reacher trifft in einer Bostoner Bar auf Joseph Finders Nick Heller, und Michael Connellys Harry Bosch bringt ein alter Fall zu Dennis Lehanes Patrick Kenzie. Eine geniale Idee für Liebhaber des Genres!

(c) Heyne Hardcore

(c) Heyne Hardcore

Und hier habe ich gleich eine weitere Chance, eine Krimilücke zu schließen. Altmeister James Lee Burkes “Regengötter” (seit 20. Oktober im Handel) könnte perfekt im mein aktuelles Lese-Beuteschema passen. Der Verlagstext klingt jedenfalls danach: “Ich bin hinter der alten Kirche in Chapala Crossing und habe gerade neun Leichen gefunden, die hier begraben wurden. Alles Frauen. Benachrichtigen Sie bitte das FBI und rufen Sie auch die Kollegen vom Brewster County und vom Terrell County an. Die sollen Unterstützung schicken.” Sheri Hackberry Holland steht vor einem Rätsel, wer hinter dem Massenmord im Niemandsland nahe der mexikanischen Grenze steckt. Und er legt sich mit dem organisierten Verbrechen an, das keine Gefangenen macht. Das klingt so stark nach Don Winslow (“Tage der Toten”) und Robert Crais (“Straße des Todes”), dass ich davon meine Finger nicht lassen kann.

(c) Diogenes

(c) Diogenes

Bleibt nur noch Dennis Lehanes “The Drop”, das am 29. Oktober erscheint. Es handelt sich dabei um die Romanvorlage zum Film mit Tom Hardy und dem verstorbenen James Gandolfini in seiner letzten großen Rolle. Lehane hat mich zuletzt mit “In der Nacht” mehr als überzeugt. Die Kleingangster-Geschichte “The Drop” klingt ebenfalls sehr interessant. Ich bin begeistert, binnen kurzer Zeit mit “Ruhet in Frieden” und “The Drop” zwei Krimis lesen zu können, deren Verfilmungen ich mir dann gleich im Kino ansehen kann (oder mache ich es doch umgekehrt?). Das kommt wirklich nicht oft vor.

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Krimis, die man 2013 lesen sollte (VI)

(c) Rowohlt Polaris

(c) Rowohlt Polaris

Der Juni wartet mit hochklassigen Krimis in Hülle und Fülle auf. Der Wermutstropfen: Ich werde nicht alle lesen können. Den Anfang macht jedenfalls “Ein seltsamer Ort zu sterben” von Derek Miller, der ab 1. Juni erhätlich ist. Der 82-jährige Sheldon Horowitz steht im Zentrum der Geschichte. Er ist aus den USA zu seiner Enkelin nach Oslo gezogen. Er trauert um seine verstorbene Frau und den in Vietnam gefallenen Sohn, sein Gedächtnis ist nicht mehr das beste. Da befindet er sich auf einmal mit einem Kind auf der Flucht. Er weiß nur eines: Er muss das Kind beschützen. Klingt vielversprechend und steht weit oben auf meiner Leseliste.

(c) Heyne

(c) Heyne

Am 10. Juni erscheint dann “Der letzte Wille” von Denise Mina. Das Buch wurde von Conny Lösch übersetzt, was mich ehrlich gesagt erst auf die Autorin aufmerksam gemacht hat – denn ich habe bislang noch kein von Lösch übersetztes Spannungsbuch (Howard Linskey: “Crime Machine”, Ian Rankin: “Mädchengrab”, Don Winslow: “Zeit des Zorns” & “Kings of Cool”, Frank Bill: “Cold Hard Love”) gelesen, dass nicht auf irgendeine Art und Weise außergewöhnlich war. Zudem mag ich Krimis, die in Glasgow spielen. Und dieses Buch beginnt nicht einmal mit einem Wetterbericht!

(c) Argument Verlag

(c) Argument Verlag

An den Start geht auch die Französin Dominique Manotti mit “Zügellos” (17. Juni). Diesmal zeigt die Ausnahme-Autorin den Zusammenhang zwischen Drogenhandel und Immobilienspekulation auf. Und wieder einmal dürfte sie einen Finger auf die offene Wunde Korruption, also kriminelle Verbindungen zwischen Politk und Wirtschaft, legen.

(c) Goldmann

(c) Goldmann

Auch in Simon Mocklers “Das Midas-Kartell” (17. Juni) geht es um dubiose Finanzgeschäfte. Der Verlagstext dazu: Während der Überprüfung einer angesehenen Londoner Bank kommt Daniel Wiseman dubiosen Geldtransaktionen auf die Spur. Als der Mitarbeiter einer Wirtschaftskanzlei die Wahrheit ans Licht bringen will, wird er gefeuert. In Zeiten, in denen Geldwäsche und Steuerflucht die Schlagzeilen dominieren, vielleicht genau das Richtige. Nur die Aufmachung lässt allzu Reißerisches befürchten.

(c) Suhrkamp Nova

(c) Suhrkamp Nova

Am meisten gespannt bin ich allerdings auf Adrian McKintys “Der katholische Bulle” (17. Juni), den Auftakt zu seiner Serie rund um Detective Sergeant Sean Duffy. Seit seiner “Dead”-Trilogie und “Ein letzter Job” steht der Autor bei mir ganz hoch in der Gunst. Und wer McKintys Meinung über “15 Dinge, die nichts in einem Krimi verloren haben” wissen will: Hier geht es zu meinem entsprechenden Beitrag.

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Von meinem absoluten Lieblingsautor Don Winslow erscheint ein älteres Werk wieder auf Deutsch (erstmals 1997 mit dem Titel Manhattan Blues auf Deutsch publiziert). “Manhattan” (17. Juni) erzählt eine Geschichte aus dem Jahr 1958 rund um JFK, CIA und Intrigen. Vor 15 Jahren kannte den Autor im deutschen Sprachraum kaum jemand. Mal sehen, wie sein Buch in der zweiten Runde ankommt.

(c) liebeskind

(c) liebeskind

Und dann wäre da noch Donald Ray Pollock, von dem nach dem gefeierten “Das Handwerk des Teufels” nun “Knockemstiff” (24. Juni) erscheint. Das Buch ist Pollocks eigentlicher Debütroman, weil sich der deutsche Verlag nicht an die Reihenfolge gehalten hat. Für mich ist diese Crime-Saga absolute Pflicht. Das vielklingende “Knockemstiff” ist übrigens ein 400-Seelen-Kaff in Ohio. Ich habe das Buch seit heute und mir haben die ersten zwei Sätze gereicht, um meine Neugier deutlich zu steigern:

“Als ich sieben war, zeigte mir mein Vater in einer Augustnacht beim Torch-Drive-in, wie man einem Mann so richtig wehtut. Das war das Einzige, was er wirklich beherrschte.”

(c) Luchterhand

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Ähnlich knochenhart dürfte es in Benjamin Percys “Wölfe der Nacht” (24. Juni) zugehen. Der Verlagstext verrät dabei, dass es hier Existenziell zugeht: Die Natur überlässt den modernen Zeiten ihr Terrain nicht kampflos. Und die grausamste Wildnis lauert im Menschen selbst. Na mal schauen: Das klingt, als würden Daniel Woodrell und der oben erwähnte Pollock grüßen lassen.

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