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Max Annas: Illegal

(c) Rowohlt

Schon “Die Mauer” von Max Annas konnte mich  nicht so richtig überzeugen. Mir hatte der Autor da einfach zu viel hineingepackt. Und das ist nun bei “Illegal” wieder der Fall. Für viele mag dieser Roman der passende Krimialroman unserer Zeit sein. “Ein Porträt unserer Gesellschaft”, wie der Verlag schreibt. Denn es geht um den Ghanesen Kodjo, der seit Jahren in Deutschland lebt – illegal. Als er dann einen Mord beobachten muss – “Das Fenster zum Hof” lässt grüßen – gerät sein Leben endgültig aus den Fugen. Aus dem Unsichtbaren wird ein Gejagter. Nicht nur die Polizei ist hinter ihm her, auch die Häscher des wahren Täters. Müsste man das Buch in vier Worten zusammenfassen: Flüchtling auf der Flucht. Oder: Kodjo hetzt durch Berlin.

Doch meiner Meinung nach will Annas zu viel. Zwar umschifft er gekonnt gängige Klischees. Kodjo ist etwa nicht der typische Illegale. Er stammt aus wohlhabendem Hause und hat erst später seinen Aufenthaltsstatus verloren. Auch dass in jenem Lokal, in dem Kodjo illegal arbeitet, der Song “7 Seconds” bei der Musikanlage als Code verwendet wird, wenn Behördenvertreter auftauchen, damit er sich rasch verstecken kann, wirkt nachvollziebar. Und ja, er kann erzählen und er peitscht seine Geschichte rasant voran.

Doch einiges in dem Buch war für mich nicht stimmig. Es beginnt mit der ersten Szene bei der roten Ampel. Für mich benehmen sich Kodjo und sein Begleiter Saif viel zu auffällig. Als Illegale müssten sie doch geschult darin sein, wie man sich unauffällig durch die Stadt bewegt. Elmar Krekeler lobt aber etwa in seiner Kritik “Stell dir vor, du bist illegal und schwarz” gerade diese Szene. Zu den Unstimmigkeiten zählt für mich aber auch die oben erwähnte “Fenster zum Hof”-Szene, die mir beim Lesen ein wenig unrealistisch und uninspiriert erschien. Immer wieder lässt Annas auch Szenen einfließen, die klar machen sollen, dass Kodjo in dieser Geschichte der Gute ist und viele der Legalen gar nicht so gute Menschen sind. Das sind einfach ein paar dieser Szenen zu viel (z. B. Seite 145: “Es ist Gas … Sie meinen die Gaskammer.”). Man würde es auch so verstehen. Doch Sozialkritik ist dem Autor wichtig, er will mehr als nur einen Kriminalroman schreiben. Das liest sich dann manchmal erzwungen.

Und irgendwann habe ich dann bei dieser endlosen Verfolgungsjagd – übrigens nicht der ersten und auch nicht der zweiten – am Ende des Buches auch abgeschaltet. Wie gesagt, mir war das zu viel. Schnell kann so etwas ins Künstliche kippen, ein wenig wie bei “Lola rennt”. Bitte nicht falsch verstehen: Es ist natürlich nicht klamaukhaft und überhöht wie bei “Lola rennt”, aber ich war mehr ermüdet als gefesselt.

Alles in allem ist “Illegal” ein solider Thriller, der sich meiner Meinung nach aber nicht so sehr von anderen Kriminalromanen abhebt, wie das die meisten Kritiker sehen.

5 von 10 Punkten

Max Annas: “Illegal”, 236 Seiten, Rowohlt Verlag.

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Deutscher Krimi Preis 2017: Max Annas und Donald Ray Pollock siegen

(c) rororo

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Die Deutschen Krimi Preise 2017 sind vergeben. Wie schon in den Jahren zuvor gab es keine großen Überraschungen. Vier der sechs ausgezeichneten Kriminalromane habe ich gelesen: Zwei der Kategorie national und zwei der Kategorie International.

“Die Mauer” hat mich dabei nicht so begeistert wie den Großteil der Krimikritiker- und blogger. Irgendetwas hat mir gefehlt, um mich restlos zu begeistern. Der Krimi ist flüssig erzählt, immer spannend und auch fein gezeichnete Charaktere. Aber ein wenig hatte ich das Gefühl, nicht wirklich tiefer einzutauchen, nur an der Oberfläche zu bleiben. “Blaue Nacht” war ebenfalls eine kurzweilige Lektüre. Hier begeisterte mich vor allem die ungewöhnliche Heldin Chastity Riley – vor allem deren eigensinnige, unbequeme und auch nicht immer ganz nachvollziehbare Art.

Sehr gespannt bin ich auf die neuen Krimis von Annas (“Illegal”, ab März) und Buchholz (“Beton Rouge”, ab August), die heuer erscheinen werden.

Sieger National:

  1. Max Annas: Die Mauer
  2. Simone Buchholz: Blaue Nacht
  3. Franz Dobler: Ein Schlag ins Gesicht

In der Kategorie International hat die Jury eine gute Wahl getroffen. Ich habe zwar Donald Ray Pollocks aktuelles Werk “Die himmlische Tafel” noch immer nicht gelesen (das schlechte Gewissen steigt wieder eine Spur), dennoch weiß ich über dessen Qualitäten spätestens seit “Knockemstiff” Bescheid. “Miss Terry” (Platz 6) habe ich ebenso wie “Bitter Wash Road” (Platz 4) zu meinen Lieblingskrimis des Jahres 2016 gezählt.

Sieger International:

  1. Donald Ray Pollock: Die himmlische Tafel
  2. Liza Cody: Miss Terry
  3. Garry Disher: Bitter Wash Road

 

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KrimiZeit-Bestenliste August: Ein Abgleich

(c) rororo

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Drei von zehn Büchern der aktuellen KrimiZeit-Liste habe ich gelesen. Vor Kurzem habe ich “Die Mauer” von Max Annas und “Hades” von Candice Fox besprochen. Zuletzt war Olen Steinhauers “Der Anruf” an der Reihe. “Die Mauer” fand ich flott zu lesen, ein echter Thriller – aber auf Platz eins der KrimiZeit würde ich das Buch nicht unbedingt sehen. “Hades” hat mich eher entsetzt und auch “Der Anruf” hat mich nicht wirklich überzeugt.

Von den anderen Büchern der Liste reizt mich Denise Minas “Die tote Stunde” sehr, mir hat voriges Jahr ihr Krimi “Das Vergessen” gut gefallen – sie hat eine ganz eigene Stimme, bewegt sich sehr geschickt innerhalb der Genregrenzen und lässt sich nicht einfach in irgendeine Schachtel packen. Auch Patricia Melos “Trügerisches Licht” ist sicher eine Lektüre wert, “Leichendieb” war einer der faszinierendsten Krimis des Jahres 2013. Sehr gespannt bin ich aber vor allem auf Donald Ray Pollocks “Die himmlische Tafel” – das klingt so wunderbar nach einem klassischen, altmodischen US-Krimi im besten Sinne. Zuletzt habe ich von ihm das ebenfalls 2013 erschienene “Knockemstiff” gelesen, eine außergewöhnliche, aber bis zur Unerträglichkeit realistische Lektüre.

Die Liste im Überblick:

1 (1) Max Annas: Die Mauer
2 (6) Denise Mina: Die tote Stunde
3 (9) James Grady: Die letzten Tage des Condor
4 (2) Mike Nicol: Power Play
5 (7) Candice Fox: Hades
6 (-) Jesper Stein: Bedrängnis
7 (-) Patricia Melo: Trügerisches Licht
8 (5) Olen Steinhauer: Der Anruf
9 (10) Ian Rankin: Gesetz des Sterbens
10 (-) Donald Ray Pollock: Die himmlische Tafel

 

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Max Annas: Die Mauer

(c) rororo

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Mit seinem Krimidebüt “Die Farm”, das ich leider verpasst habe, hat der deutsche Autor Max Annas im Vorjahr für eine der großen Überraschungen gesorgt. Das Besondere daran: Sein Roman spielte, wie nun auch “Die Mauer”, in Südafrika. Der Autor hat auch einige Zeit in Südafrika gelebt, weiß also, wovon er spricht.

Nach nur zwei Thrillern hat sich Annas jedenfalls mitten in der deutschsprachigen Krimiszene etabliert. Das ist angesichts seiner beiden dünnen, nur jeweils rund 200 Seiten umfassenden Bücher beachtlich, sagt aber viel über seinen Stil aus: Der Handlungsbogen bei “Die Mauer” umfasst gerade einmal drei Stunden. Annas steigt direkt in die Geschichte ein, erzählt ohne Firlefanz und hält das Tempo bis zum Schluss – Sozialkritik inklusive. Und ich habe es hier schön öfter betont: Ich entwickle gerade ein Faible für kurz gehaltene, schnörkellose und prägnante Krimis.

“Die Mauer” führt die aktuelle KrimiZeit-Bestenliste an. Das Buch heimst eine Lobeshymne nach der anderen ein. Anne Kuhlmeyer lobt das Buch im “culturmag”: “Wie schon in seinem preisgekrönten Debüt ‘Die Farm’, dampft der Autor Rassismus, Bosheit, Gier und Gewalt auf wenige Augenblicke in begrenztem Raum ein. Gehetzt und getrieben kann man sich den Wendungen, die oft genug an der Mauer aufprallen, nicht entziehen, und bleibt ohne Aussicht auf Rettung und Befreiung durch einen göttlich geführten Exodus.” Auch Elmar Krekeler schwärmt in seiner “Welt”-Kolumne: “‘Die Mauer’ ist der schlackenloseste Thriller, der zur Zeit zu haben ist. Schnell, hart und gefährlich. Ein Gepard in Buchform.”

Stimmt. Dennoch hat mir irgendetwas gefehlt, um mich restlos zu begeistern. Der Krimi ist flüssig erzählt, immer spannend und auch fein gezeichnete Charaktere. Aber ein wenig hatte ich das Gefühl, nicht wirklich tiefer einzutauchen, nur an der Oberfläche zu bleiben. Die scheinbar sinnlose Explosion von Gewalt gegen Ende der Geschichte mag für Südafrika typisch sein, war für mich aber in dieser Intensität nicht ganz nachvollziehbar. Dramaturgisch ist diese Schlüsselszene aber fein gelöst.

Mir wurde da ein wenig zu viel hineingepackt, hinter diese Mauern dieser Gated Community. Das, was Krekeler ausdrücklich lobt – “Man kann zwei Regalmeter Literatur über Südafrika lesen. Oder zwei Romane von Max Annas. Der Erkenntniseffekt ist ungefähr derselbe. Letzteres geht schneller. Und macht deutlich mehr Spaß” – war mir einfach ein bisschen zu viel. Aber egal, Annas bereichert die deutschsprachige Krimilandschaft auf jeden Fall. Ich bin schon sehr gespannt auf seinen nächsten Krimi.

7 von 10 Punkten

Max Annas: “Die Mauer”, Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, 223 Seiten, 12,40 Euro

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Krimis, die man 2016 lesen sollte (V)

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Ich mag australische Krimis, nicht zuletzt wegen Garry Disher. Nun gibt es die Möglichkeit mit Candice Fox eine Krimiautorin kennenzulernen. “Hades” (seit 8. Mai im Handel) soll dabei nur der Auftakt einer Trilogie (“Eden” soll bereits im September erscheinen) sein.

Der Verlag schreibt: Hades ist der ›Herr der Unterwelt‹ von Sydney. Er weiß alles über das Verbrechen in seiner Stadt, denn auf seiner gigantischen Müllhalde entsorgt er gegen Honorar Menschen, die gewaltsam zu Tode gekommen sind. Dieses Schicksal hätten auch beinahe die Kleinkinder Eden und Eric geteilt, die man bei Hades deponiert hat. Aber die beiden leben noch. Sie wachsen bei Hades auf und werden Top-Cops bei der Mordkommission von Sydney. Das ist jedoch nur ihr eines Gesicht, ihr eines Konzept von »Gerechtigkeit«. Denn schließlich hat Hades Eden und Eric erzogen.

(c) Heyne Hardcore

(c) Heyne Hardcore

Nachdem ich den kürzlich erschienenen Dave-Robicheaux-Krimi ausgelassen habe, möchte ich “Fremdes Land” (9. Mai) von James Lee Burke keinesfalls auslassen. Schon allein das historische Setting – das Buch spielt 1934 und in den Jahren danach – macht mich neugierig. Und ehrlich: Was soll bei Burke schon schiefgehen?

Texas im Jahr 1934: Weldon Holland fristet in der ländlichen Ödnis ein perspektivloses Dasein. Einzig das Gangsterpärchen Bonnie und Clyde, das nach einem Bankraub auf dem Grundstück campiert, durchbricht die Monotonie. Zehn Jahre später überlebt Weldon als Leutnant nur knapp die Ardennenoffensive und rettet die jüdische Kriegsgefangene Rosita Lowenstein vor dem Tod. Zurück in Texas steigt er ins boomende Ölgeschäft ein, wo er bald in ein gefährliches Spiel aus Intrigen, Korruption und Machtstreben verwickelt wird.

(c) Manhattan

(c) Manhattan

Auch Ian Rankin ist eine sichere Nummer. “Das Gesetz des Sterbens” (16. Mai) ist bereits Band 20 um Kultermittler John Rebus. Ich habe Rankin und Rebus erst sehr spät mit Band 18, “Mädchengrab”, kennengelernt – und ich war damals wirklich begeistert.

Detective Inspector Siobhan Clarke untersucht den Tod eines Edinburgher Anwalts, der von einem Einbrecher in seiner Wohnung getötet wurde. Doch der Fall wird rätselhaft, als man eine anonyme Botschaft an den Anwalt findet: “Ich bringe dich um für das, was du getan hast.” Dieselbe Botschaft hat auch Edinburghs Unterweltgröße Big Ger Cafferty erhalten, kurz bevor auf ihn geschossen wird. Cafferty bleibt unverletzt, schweigt aber über mögliche Feinde. Schließlich bittet Clarke den kürzlich in den Ruhestand versetzten John Rebus um Hilfe. Er ist der Einzige, mit dem Cafferty zu sprechen bereit ist. Steckt hinter den Taten ein Verbrecherclan aus Glasgow? Dem geht DI Malcolm Fox nach, während Rebus eine andere Spur verfolgt. Die führt ihn in Edinburghs Vergangenheit, zu einem Haus, in dem Schreckliches geschehen ist …

(c) rororo

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Das gefeierte Krimidebüt “Die Farm” von Max Annas hatte ich leider verpasst. Ich habe aber soeben “Die Mauer” (21. Mai) zu lesen begonnen und ich habe schon nach wenigen Seiten das Gefühl, ich werde auch sein Erstlingswerk bald nachholen. Ein Deutscher, der südafrikanische Krimis schreibt – das mag ungewöhnlich sein, doch Annas lebte offenbar viele Jahre in Südafrika.

Moses möchte nur eins: Nach Hause. Raus aus der sengenden Hitze, raus aus dem verlassenen Vorort, in dem gerade sein alter Toyota liegen geblieben ist. Zu Freundin Sandi und einem kühlen Bier. Aber die Straßen sind wie leergefegt, niemand ist in Sicht. Moses hofft, in der nahe gelegenen Gated Community Hilfe zu finden. Dort, in der Welt der Weißen, ist schließlich alles geregelt. Doch: Dort drinnen ist er erst recht ein Außenseiter. Und er begeht einen Fehler …  Zur selben Zeit sind auch Nozipho und Thembi innerhalb der Mauern unterwegs, sie verdienen ihren Unterhalt mit Diebstählen. Was sie nicht wissen: Ausgerechnet in dem Haus, in dem sie Beute zu machen hoffen, wurde gerade erst ein weit größeres Verbrechen verübt.

(c) rororo

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David Ignatius konnte mich mit seinen Spionage-Thrillern “Der Mann, der niemals lebte” und “Der Deal” richtig überzeugen. Nun liegt endlich sein neuestes Werk vor: “Ein neuer Feind” (21. Mai) liegt schon ganz weit oben auf meinem Bücherstapel.

Ein Hackerangriff auf das Herz der amerikanischen Verteidigung: Die CIA. Der neue CIA-Direktor Graham Weber will die Geheimdienstbehörde grundlegend reformieren. Denn sie ist während der Kriege in Nahost, durch Foltervorwürfe und die Snowden-Enthüllungen in Misskredit geraten. Dem universellen Überwachungswahn steht Weber kritisch gegenüber. Da tritt das Worst-Case-Szenario ein: Die CIA wird Opfer eines Hackerangriffs. Ein junger Schweizer will die Behörde warnen. Doch bevor er Angaben zu den Drahtziehern machen kann, ist er tot. Und Weber ahnt, dass es sich bei dem Mörder nur um einen Insider handeln kann. Einen Feind in den eigenen Reihen.

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