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Krimis, die man 2019 lesen sollte (I)

Das neue Jahr bringt vielversprechenden und diskussionswürdigen Lesestoff, wie meine Vorstellung der vielversprechenden Krimi-Neuerscheinungen des ersten Monats zeigen.

(c) Blanvalet

Bereits am 14. Jänner erscheint Ian Manooks Kriminalroman “Der Mongole”. Die Mongolei ist für mich bislang ein blinder Fleck, erst recht aus kriminalliterarischer Sicht. Ich bin echt gespannt.

Der Verlag schreibt dazu: Kommissar Yeruldelgger hat selten gute Tage, aber heute ist ein besonders schlechter: Erst wird in der mongolischen Steppe die Leiche eines kleinen Mädchens gefunden, tief in der Erde vergraben auf seinem Dreirad. Kurz danach entdeckt man in der Hauptstadt die entstellten Leichen chinesischer Geschäftsleute. Zwei Fälle, die Kommissar Yeruldelgger vor ein Rätsel stellen. Er ahnt noch nicht, dass die Verbrechen zusammenhängen. Und dass sie Teil eines perfiden Plans sind, der Jahre zuvor sein Leben fast zerstört hat – und ihm jetzt das wenige zu nehmen droht, das ihm noch geblieben ist …

(c) Insel Verlag

Ellen Dunnes “Harte Landung”, Auftakt der Patsy-Logan-Serie, wollte ich lesen. Immer wieder kommen mir auch sehr wohlwollende Kritiken unter. Ich bin dann aber nicht dazu gekommen. Daher möchte ich nun “Schwarze Seele” unbedingt unterbringen. Das Buch erscheint ebenfalls am 14. Jänner.

Ein ertrunkener Ire wird aus dem Schwabinger Bach im Englischen Garten gefischt. Spuren gibt es keine, Motive dafür umso mehr. Keine gute Ausgangslage für Patsy Logan, deutsch-irische Kommissarin bei der Münchner Mordkommission. Mehr als je zuvor ist ihr Instinkt gefragt – doch ausgerechnet der scheint sie plötzlich im Stich zu lassen.

Patsy Logan ist im seelischen Tief: ihr Kinderwunsch will sich nicht erfüllen, die Hormonbehandlungen setzen ihr zu. Da kommt ihr der Fall um einen toten Iren gerade recht: Donal McFadden, ein Mann mit Charme und vielen Feinden, war in München, um seine Exfrau Fiona zurückzugewinnen, wenn nötig mit Gewalt. Doch ob er aus Versehen im Wasser gelandet ist oder jemand nachgeholfen hat, lässt sich nicht sagen. Gründe, ihn loszuwerden, hatten jedenfalls viele – Gelegenheit auch. Und Patsys Theorien führen eine nach der anderen in die Sackgasse. Erst ein zweiter Todesfall scheint einen entscheidenden Hinweis zu liefern. Ungünstig nur, dass Patsys Krise sich ausgerechnet jetzt wieder in den Vordergrund drängt …

(c) Blanvalet

Bei Chris Landows “Parceval” (ab 21. Jänner), dem Auftakt einer neuen Serie, bin ich ein wenig skeptisch. Die Aufmachung lässt mich ein befürchten, dass hier etwas gepusht werden soll, was dann nicht ganz so toll ist, wie es verspricht zu sein. Aber vielleicht täusche ich mich ja.

Ralf Parceval sitzt lebenslänglich ein. Er hat fünfzehn Menschenleben auf dem Gewissen. Nach deutscher Rechtsauffassung ist er ein Mörder. Nach seiner eigenen Rechtsauffassung ist er ein Versager. Denn er hat die falschen Männer erwischt.

In Berlin wird die Tochter eines reichen Unternehmers entführt. Der Täter wird bei der Geldübergabe geschnappt, doch die Polizei bekommt kein Wort aus ihm heraus. Die Zeit für das Mädchen wird knapp, und der Chef der Berliner Kripo greift zu verzweifelten Mitteln: Er holt Ralf Parceval aus dem Knast …

(c) Zsolnay

Franzobel als Autor von Kriminalromanen. Ich habe mich damit noch nicht ganz anfreunden können und bisher die Finger davon gelassen. Sein dritter Kriminalroman “Rechtswalzer” (ab 28. Jänner) weckt nun meine Neugier. Ich bin mir aber auch hier nicht ganz sicher – dieser Opernball-Verweis im Verlagstext lässt mich – gewollt oder ungewollt? – unweigerlich an Josef Haslingers “Opernball” denken. Handelt es sich hier wirklich um Kriminalliteratur oder vielleicht doch eher um ein hochpolitisches, literarisches Essay?

Der erfolgreiche Getränkehändler und Barbesitzer Malte Dinger ist ein Glückspilz. Als er jedoch unverschuldet in die Fänge der Justiz gerät, steht plötzlich seine ganze Existenz auf dem Spiel. Für den Balkan-Casanova Branko ist das Leben da schon vorbei. Vieles deutet darauf hin, dass er das Opfer abseitiger sexueller Praktiken geworden ist, doch Kommissar Groschen glaubt nicht recht daran. Das Verhältnis Brankos zu der lustig gewordenen Witwe des Bautycoons Hauenstein bringt dann die Machenschaften der neuen rechtsnationalen Regierung ans Licht, die den bevorstehenden Opernball als Propagandaspektakel inszenieren will. Franzobels neuer Krimi spielt in der Zukunft, ist aber brandaktuell.

(c) Tropen Verlag

Und auch bei Jonathan Lethams “Der wilde Detektiv” (ab 31. Jänner) bin ich mir nicht sicher, ob es sich hier nicht mehr um eine Abrechnung mit Donald Trump als um einen Kriminalroman handelt. Am besten lesen, dann weiß man es.

Als die arbeitslose Phoebe Siegler erfährt, dass die Tochter ihrer besten Freundin vermisst wird, bricht sie von Brooklyn aus auf, um in der kalifornischen Provinz nach dem Teenager zu suchen. Im dunklen Herzen der Wüste trifft sie auf Aussteiger, die jenseits von Recht und Gesetz in Stammesgruppen leben. Der Einzige, der ihr Zugang zu diesen ehemaligen Hippie-Kommunen verschaff en kann, ist Charles Heist – genannt der »wilde Detektiv«.

Nach dem Wahlsieg von Donald Trump kündigt Phoebe Siegler ihren Job bei einem Radiosender, weil sie sich mit schuldig fühlt, dass es so weit gekommen ist. Als sie der Hilferuf ihrer Freundin Rosalyn erreicht, fliegt sie nach Kalifornien, um deren Tochter Arabella zu finden. Sie landet in einer Stadt am Rande der Wüste, zu deren merkwürdig zusammengewürfelten Bewohnern auch Charles Heist gehört, den sie den wilden Detektiv nennt. Ihre gemeinsame Suche führt die beiden in die gefährliche Gesellschaft der Stämme, die dort ohne Stromversorgung autonom leben. Während Phoebe und der wilde Detektiv mehr über das verschwundene Mädchen herausfinden, geraten sie in immer größere Lebensgefahr. All dies in einer Zeit, in der es wegen Donald Trump und des Todes von Leonard Cohen sowieso nicht viel zu feiern gibt.

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