Tag Archives: Antonin Varenne

Krimis, die man 2017 lesen sollte (VI)

(c) Ars Vivendi

George Pelecanos zählt zu den Großen der US-Kriminalschriftsteller. Mit “Hard Revolution” gibt es nun endlich – erstmals seit fünf Jahren – wieder neuen Stoff. “Big Blowdown” hat mich einst echt begeistert, “Ein schmutziges Geschäft” allerdings weniger. Ich bin jedenfalls gespannt und freue mich, dass der Ars Vivendi Verlag so eine schöne Ausgabe auf den Markt bringt.

Verlagstext: Washington, D. C., 1968: Der junge schwarze Polizist Derek Strange fährt bei der Metropolitan Police mit seinem weißen Partner Streife, während sich die Atmosphäre in der Stadt immer weiter aufheizt: die Bürgerrechtsbewegung und der Marsch der Armen, die traumatisierten Rückkehrer aus Vietnam, Sex, Soul, Drogen, Morde, Unruhen und Rassismus. Inmitten dieser explosiven Gemengelage entspinnt sich ein tödliches Drama: Drei Weiße planen einen Banküberfall und ermorden einen Schwarzen, auch Dereks Bruder Dennis wird umgebracht – und in Memphis wird ein Attentat auf Martin Luther King verübt. Für Derek Strange, seine Freunde und seine Feinde ist nichts wie zuvor. Wer ist gut, wer böse – und wem kann man noch vertrauen? Die alten Kategorien gelten nicht mehr, die Welt ist komplex geworden. Und die Revolution hat gerade erst begonnen …

(c) Droemer

Don Winslow. Was soll ich sagen? Leser dieses Blogs werden wissen, dass “Tage der Toten” für mich ein wichtiger literarischer Meilenstein ist. Dieses Buch hat mich nach Ab- und Umwegen so richtig zur Kriminalliteratur zurückgeführt – und seitdem hat sie mich nicht mehr losgelassen. Ja, Winslow hat seitdem Top-Qualität, aber auch ziemliches Mittelmaß produziert. “Corruption” mag nun nicht der ganz große Wurf sein, dennoch zählt es definitiv zu den besseren Krimis dieses Jahres. Ein bisschen nervt mich auch das Winslow-Bashing mancher Kritiker. Dazu in Kürze mehr.

In den Straßenschluchten von New York lässt der internationale Star-Autor Don Winslow ein alptraumhaft realistisches Szenario von Drogen, Menschenhandel, Mord entstehen. Er zeichnet die todbringende Allianz von staatlichen Stellen und organisiertem Verbrechen: Sie sehen sich als Elitetruppe der Polizei, eine verschworene Einheit, ausgestattet mit weitreichenden technischen und rechtlichen Möglichkeiten. Gemeinsam sollen sie für Ruhe und Ordnung in ihrem Revier sorgen, dem nördlichen Manhattan. Und genau das tun sie. Hier gelten ihre Spielregeln, hier geschieht nichts ohne ihr Wissen. Doch die Truppe ist extremem Stress ebenso ausgesetzt wie extremen Risiken … und extremen Verlockungen …

(c) Penguin

Heuer steht bei der Frankfurter Buchmesse Frankreich im Mittelpunkt. Ich will daher in den nächsten Wochen auch ein wenig auf die aktuelle Kriminalliteratur aus diesem Land blicken. Antonin Varennes “Die Treibjagd” ist dabei fix eingeplant.

Zwei rivalisierende Familien kämpfen seit Generationen um die Herrschaft über ein gottverlassenes Nest im Massif Central. Die Courbiers und die Messenets führen ihre Provinzimperien mit harter Hand und unter rücksichtsloser Ausbeutung von Mensch und Natur. Rémi Parrot, der seit seiner Jugend entstellte Revierjäger, kämpft als einsamer Cowboy gegen die verkrusteten Clanstrukturen und um die Liebe der schönen Michèle Messenet. Als er einem Umweltskandal auf der Spur ist, beginnt eine mörderische Treibjagd durch düstere Wälder und unterirdische Tunnelsysteme. Fein gesponnener, archaischer Thriller um Schuld und Sühne vor der grandiosen Kulisse einer einstmals erhabenen Landschaft.

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Krimis, die man 2015 lesen sollte (V)

(c) Ariadne Kriminalroman

(c) Ariadne Kriminalroman

Es ist fast eine sichere und daher unfaire Wette, davon auszugehen, dass Merle Krögers “Havarie” (seit 4. Mai im Handel) die KrimiZeit-Bestenliste im Juni anführen wird. Ich hoffe das auch sehr. Denn “Havarie” ist das Buch zur aktuellen Flüchtlingsmisere Europas. Kröger beleuchtet aus vielen verschiedenen Perspektiven die kaum wahrgenommenen dramatischen Geschehnisse im Mittelmeer – ohne dabei jemals anzuklagen. Mehr dazu hier in Kürze.

Der Verlagstext: “In einer windigen Nacht steigen zwölf Männer in ein Boot, versuchen Cartagena zu erreichen. Unter dem hohen Sternenhimmel zieht majestätisch ein Kreuzfahrtschiff dahin. Ein deutscher Frachter verlässt den algerischen Hafen mit Kurs auf Dublin. Und die spanische Küstenwache hält sich bereit. – Ein Meer, vier Schiffe, verschiedene Perspektiven: Merle Krögers Roman ist ein seetüchtiger Actionthriller und ein messerscharfes Porträt Europas.”

(c) Metrolit

(c) Metrolit

Der Metrolit-Verlag legt endlich in seiner Noir-Serie nach. Als Auftakt dieser Reihe war Nic Pizzolattos “Galveston” erschienen, das mich sehr begeistert hat. Harry Crews “Florida Forever” (seit 18. Mai im Handel) klingt nun ebenfalls vielversprechend.

Der Verlagstext: “Mit seiner einzigartigen Mischung aus überdrehter Südstaaten-Gothik und libertär-anarchistischem Existenzialismus vereint Harry Crews die schonungslose Seelenausweidung eines James M. Cain mit der Abgeklärtheit eines Norman Mailer und dem Sarkasmus des frühen Tom Wolfe. »Florida Forever« entwirft in grellen Farben den Mikrokosmos einer zwischen Senilität und Aufbegehren schwankenden Gemeinschaft, in der schwer auszumachen ist, was bedrohlicher ist: das Elend des Alterns oder das Diktat der Jugend.”

(c) C. Bertelsmann

(c) C. Bertelsmann

Meine Vorliebe für historische Stoffe hat mich auf Antonin Varennes “Die sieben Leben des Arthur Bowman” (ebenfalls seit 18. Mai erhältlich) aufmerksam gemacht. Das klingt nach einem Krimi mit einmaligem historischen Setting.

Der Verlagstext: “1852: Arthur Bowman, einer der härtesten Söldner der Ostindienkompanie in Birma, hat eine gefährliche Expedition tief in indigenes Gebiet geführt; ein Himmelfahrtskommando, das mit der Gefangensetzung der zehn Überlebenden endet. Sechs Jahre später ist er ein gebrochener Mann im viktorianischen London während der Jahrhunderthitze. Alkohol- und opiumsüchtig verdingt er sich als Polizist. Da wird in der Kanalisation eine verstümmelte Leiche entdeckt – und Bowman des Mordes verdächtigt. Denn der Tote trägt Narben wie er – Folge der Folter in Birma. Also bricht er auf, die neun Mitinhaftierten zu finden.”

(c) Polar Verlag

(c) Polar Verlag

Zum Schluss ein üblicher Verdächtiger: Ken Bruens “Kaliber” (seit 1. Mai im Handel) ist im Polar-Verlag erschienen. Dieser junge Verlag steht ja wie kaum ein anderer für Qualität und hat bereits einige wahre Crime-Fiction-Highlights (z.b. “Stadt der Ertrinkenden” von Ben Atkins) aus dem Hut gezaubert.

Der Verlagstext: “Der Südosten Londons wird vom „Manners Killer“ heimgesucht, der seinen Opfern eine Lektion in Anstand beibringen will. Sein Pech, dass die Ermittlungen ausgerechnet Inspector Brant übernimmt, der gerade einen Kriminalroman schreibt und in bester „The Killer Inside Me“-Manier von Jim Thompson der Meinung ist, dass, wenn schon jemand in seinem Revier ungestraft mit einem Mord davonkommt, er das doch bitteschön selbst ist. „Now here is a serial killer for modern times.“ Und ein Inspector der alten Schule.”

 

 

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