Tag Archives: James Lee Burke

Krimis, die man 2017 lesen sollte (V)

(c) Polar

Die letzten Wochen war es hier urlaubsbedingt ein wenig still. Das ändert sich nun wieder. Ich hole mal ein paar Buchempfehlungen nach. Demnächst gibt es davon noch mehr.

Aus der Serie rund um den Polizisten Brant sind bisher die “Kaliber” und “Füchsin” erschienen. Nun folgt “Brant”. Wobei die Reihenfolge im Original genau umgekehrt ist: Zuerst erschien “Brant”, dann “Füchsin” und zuletzt “Kaliber”. Warum man im deutschsprachigen Raum umgekehrt vorgeht, muss man wohl nicht verstehen. Ist aber auch egal, Hauptsache, der Polar-Verlag bringt uns mehr von Bruen! Der nun vorliegende Kriminalroman wurde übrigens 2011 mit Jason Statham unter dem Titel “Blitz” verfilmt.

Verlagstext: Nachdem Detective Sergeant Brant sich erst vor kurzem über alle Regeln hinweggesetzt und in einer Billardkneipe einen Randalierer bewusstlos geschlagen hat, wird eine junge Polizistin auf der Straße von einem Unbekannten erschossen. Der Sensationsreporter Harold Dunlop, der sich in seinen Artikeln besonders um den Rufmord von Brant hervorgetan hat, erhält von dem Polizistenmörder einen Anruf, bei dem der Mörder ankündigt, er wolle insgesamt acht weitere Polizisten töten. Kurz danach erschießt er einen Polizisten in seinem Dienstfahrzeug. Zusammen mit Detective Inspector Porter Nash wird ein Ermittlerteam gebildet, das den Cop-Killer so schnell wie möglich fassen soll. Was, wenn jedoch der Täter gefasst und wieder freigelassen wird? Sollte man den Mörder davonkommen lassen? Weil man sich ans Gesetz hält? Detective Sergeant Brant hat da seine eigenen Methoden.

 

(c) Löcker

Sowohl “Gefallene Blüten” als auch “Guter Mohn, du schenkst mir Träume” haben mich begeistert. Bei “Langer Marsch” war das nicht anders, dazu hier demnächst mehr…

Wen Pi, der Icherzähler des Buches, muss 1931 aus Shanghai fliehen. Chiang Kai-shek wütet seit 1927 unter den Kommunisten, es ist ihm gelungen, das Hauptquartier in Shanghai zu enttarnen. Gemeinsam mit Zhou Enlai fährt Wen Pi nach Jiangxi, den ersten Sowjet im Reich der Mitte, den Mao Zedong eingerichtet hat. In mehreren Feldzügen versucht Chiang Kai-shek, die Basis zu stürmen. Erst beim fünften Anlauf ist er erfolgreich. Die Kommunisten verlassen den Jiangxi-Sowjet. Der Lange Marsch beginnt. Wen Pi erzählt von Hunger und Not. Aber nicht genug der Strapazen werden auch noch einer von Maos Sänftenträgern und ein Koch ermordet. Was steckt dahinter? Wurden die Männer aus politischen Gründen exekutiert oder handelt es sich um eine alte Familienschande und blutige Rache?

Während die einfachen Soldaten unter schwierigsten Bedingungen marschierten und kämpften, ließ sich Mao Zedong in einer Sänfte tragen oder ritt auf einem Pferd. Für ihn gab es genug zu essen. Sein Credo: Die Soldaten konnten geopfert werden. Die Führungsriege aber musste geschützt werden.

(c) Pendragon

Mich hat James Lee Burkes Dave-Robicheaux-Roman “Sturm über New Orleans” ziemlich umgehauen. Nun bringt der Pendragon einen Teil der Serie nach dem anderen heraus. “Schmierige Geschäfte” bietet wieder eine Möglichkeit, Burkes Qualitäten zu testen.

Alte Freunde bringen manchmal Unglück. Diese Erkenntnis macht Dave Robicheaux, als er unverhofft dem abgehalfterten Rock ´n´ Roller Dixie Lee Pugh wiederbegegnet. Pugh arbeitet inzwischen für eine Ölfirma und berichtet ihm von zwei finsteren Kollegen und ihren dreckigen Machenschaften in den Bergen Montanas.

Wenig später wird Pugh Opfer eines Brandanschlags und Dave Robicheaux flattert ein Drohbrief ins Haus. Als er sich die Absender schnappen will, steht er plötzlich selbst unter Mordverdacht. Robicheaux hat nur eine Chance: Er muss nach Montana und herausfinden, in welche Geschäfte Dixie Pughs Kollegen verwickelt sind. Es geht um eine Menge Geld, um mächtige Ölgesellschaften und um junge Indianer, die gegen altes Unrecht kämpfen.

 

(c) Ariadne Kriminalroman

Monika Geier ist mir bisher nur namentlich bekannt. Daran möchte ich rasch etwas ändern. “Alles so hell da vorn” klingt nach der idealen Möglichkeit, sie endlich kennenzulernen.

In einem Frankfurter Vorstadtbordell empfängt eine junge Hure einen Freier, einen ihrer Stammkunden. Nichts weist darauf hin, dass sich dieses Zusammentreffen irgendwie von den bisherigen unterscheiden wird. Man geht aufs Zimmer. Kommt zur Sache. Dann schnappt sie sich seine Kanone, schießt ihn ­nieder und ergreift die Flucht. Knallt gleich noch einen der Zuhälter ab, kassiert sein Smartphone, nimmt seinen Wagen und fährt los. Sie weiß genau, wo sie hinwill.

Kriminalkommissarin Bettina Boll wird in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett geklingelt: Ein Kollege ist tot, heißt es. Erschossen. In einem Frankfurter Puff. Und es handelt sich ausgerechnet um ihren Ex-Partner und Ex-Beinahe-Freund Kriminal­hauptkommissar ­Michael Ackermann.
Ackermann, so stellt sich heraus, war seit ­Monaten Stammkunde in dem Puff, den er stets in Uniform aufsuchte. ­Erschossen hat ihn eine sehr junge Prostituierte, die sich Manga nennt. Und zwar mit seiner Dienstwaffe. Mit der ist sie jetzt auf der Flucht.
Dann kommt aus dem abgeschiedenen Dorf Höhweiler in Rheinland-Pfalz die Meldung, dass ein aufreizend gekleidetes junges Mädchen vor großem Publikum den Schuldirektor erschossen hat. Ist das der nächste Tote auf dem Konto der geheimnisvollen Manga?

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Krimis, die man 2016 lesen sollte (V)

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Ich mag australische Krimis, nicht zuletzt wegen Garry Disher. Nun gibt es die Möglichkeit mit Candice Fox eine Krimiautorin kennenzulernen. “Hades” (seit 8. Mai im Handel) soll dabei nur der Auftakt einer Trilogie (“Eden” soll bereits im September erscheinen) sein.

Der Verlag schreibt: Hades ist der ›Herr der Unterwelt‹ von Sydney. Er weiß alles über das Verbrechen in seiner Stadt, denn auf seiner gigantischen Müllhalde entsorgt er gegen Honorar Menschen, die gewaltsam zu Tode gekommen sind. Dieses Schicksal hätten auch beinahe die Kleinkinder Eden und Eric geteilt, die man bei Hades deponiert hat. Aber die beiden leben noch. Sie wachsen bei Hades auf und werden Top-Cops bei der Mordkommission von Sydney. Das ist jedoch nur ihr eines Gesicht, ihr eines Konzept von »Gerechtigkeit«. Denn schließlich hat Hades Eden und Eric erzogen.

(c) Heyne Hardcore

(c) Heyne Hardcore

Nachdem ich den kürzlich erschienenen Dave-Robicheaux-Krimi ausgelassen habe, möchte ich “Fremdes Land” (9. Mai) von James Lee Burke keinesfalls auslassen. Schon allein das historische Setting – das Buch spielt 1934 und in den Jahren danach – macht mich neugierig. Und ehrlich: Was soll bei Burke schon schiefgehen?

Texas im Jahr 1934: Weldon Holland fristet in der ländlichen Ödnis ein perspektivloses Dasein. Einzig das Gangsterpärchen Bonnie und Clyde, das nach einem Bankraub auf dem Grundstück campiert, durchbricht die Monotonie. Zehn Jahre später überlebt Weldon als Leutnant nur knapp die Ardennenoffensive und rettet die jüdische Kriegsgefangene Rosita Lowenstein vor dem Tod. Zurück in Texas steigt er ins boomende Ölgeschäft ein, wo er bald in ein gefährliches Spiel aus Intrigen, Korruption und Machtstreben verwickelt wird.

(c) Manhattan

(c) Manhattan

Auch Ian Rankin ist eine sichere Nummer. “Das Gesetz des Sterbens” (16. Mai) ist bereits Band 20 um Kultermittler John Rebus. Ich habe Rankin und Rebus erst sehr spät mit Band 18, “Mädchengrab”, kennengelernt – und ich war damals wirklich begeistert.

Detective Inspector Siobhan Clarke untersucht den Tod eines Edinburgher Anwalts, der von einem Einbrecher in seiner Wohnung getötet wurde. Doch der Fall wird rätselhaft, als man eine anonyme Botschaft an den Anwalt findet: “Ich bringe dich um für das, was du getan hast.” Dieselbe Botschaft hat auch Edinburghs Unterweltgröße Big Ger Cafferty erhalten, kurz bevor auf ihn geschossen wird. Cafferty bleibt unverletzt, schweigt aber über mögliche Feinde. Schließlich bittet Clarke den kürzlich in den Ruhestand versetzten John Rebus um Hilfe. Er ist der Einzige, mit dem Cafferty zu sprechen bereit ist. Steckt hinter den Taten ein Verbrecherclan aus Glasgow? Dem geht DI Malcolm Fox nach, während Rebus eine andere Spur verfolgt. Die führt ihn in Edinburghs Vergangenheit, zu einem Haus, in dem Schreckliches geschehen ist …

(c) rororo

(c) rororo

Das gefeierte Krimidebüt “Die Farm” von Max Annas hatte ich leider verpasst. Ich habe aber soeben “Die Mauer” (21. Mai) zu lesen begonnen und ich habe schon nach wenigen Seiten das Gefühl, ich werde auch sein Erstlingswerk bald nachholen. Ein Deutscher, der südafrikanische Krimis schreibt – das mag ungewöhnlich sein, doch Annas lebte offenbar viele Jahre in Südafrika.

Moses möchte nur eins: Nach Hause. Raus aus der sengenden Hitze, raus aus dem verlassenen Vorort, in dem gerade sein alter Toyota liegen geblieben ist. Zu Freundin Sandi und einem kühlen Bier. Aber die Straßen sind wie leergefegt, niemand ist in Sicht. Moses hofft, in der nahe gelegenen Gated Community Hilfe zu finden. Dort, in der Welt der Weißen, ist schließlich alles geregelt. Doch: Dort drinnen ist er erst recht ein Außenseiter. Und er begeht einen Fehler …  Zur selben Zeit sind auch Nozipho und Thembi innerhalb der Mauern unterwegs, sie verdienen ihren Unterhalt mit Diebstählen. Was sie nicht wissen: Ausgerechnet in dem Haus, in dem sie Beute zu machen hoffen, wurde gerade erst ein weit größeres Verbrechen verübt.

(c) rororo

(c) rororo

David Ignatius konnte mich mit seinen Spionage-Thrillern “Der Mann, der niemals lebte” und “Der Deal” richtig überzeugen. Nun liegt endlich sein neuestes Werk vor: “Ein neuer Feind” (21. Mai) liegt schon ganz weit oben auf meinem Bücherstapel.

Ein Hackerangriff auf das Herz der amerikanischen Verteidigung: Die CIA. Der neue CIA-Direktor Graham Weber will die Geheimdienstbehörde grundlegend reformieren. Denn sie ist während der Kriege in Nahost, durch Foltervorwürfe und die Snowden-Enthüllungen in Misskredit geraten. Dem universellen Überwachungswahn steht Weber kritisch gegenüber. Da tritt das Worst-Case-Szenario ein: Die CIA wird Opfer eines Hackerangriffs. Ein junger Schweizer will die Behörde warnen. Doch bevor er Angaben zu den Drahtziehern machen kann, ist er tot. Und Weber ahnt, dass es sich bei dem Mörder nur um einen Insider handeln kann. Einen Feind in den eigenen Reihen.

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Krimis, die man 2015 lesen sollte (IX)

(c) Kunstmann

(c) Kunstmann

Mexiko und der Drogenkrieg – das ist ein Thema, das mich nach wie vor nicht loslässt (ich sehe gerade die ausgezeichnete Serie “Narcos”, demnächst kommt “Sicario” ins Kino und auch der Lesestoff geht nicht aus, wie ich demnächst hier ausführlich schreiben werde). In “Die Verbrannten” (seit 9. September im Handel) erzählt Antonio Ortuno von Vergessenen dieses Krieges: Den vielen zentralamerikanischen Flüchtlingen, die nicht selten von den Drogenbanden gekidnappt werden, um von den Angehörigen Geld zu erpressen. Eigentlich ein Muss.

Verlagstext: Santa Rita, ein unbedeutendes Kaff im Süden Mexikos. In einer Notunterkunft für zentralamerikanische Flüchtlinge auf dem Weg in die USA wird ein Feuer gelegt, dem zahlreiche Männer, Frauen und Kinder zum Opfer fallen. Irma, genannt La Negra, wird zur Untersuchung des Vorfalls zum lokalen Büro der Nationalkomission für Migration geschickt. Dort sind ihre Nachforschungen wenig willkommen und in einem Klima der Angst ist keiner der Überlebenden bereit, zu den Ereignissen in der Nacht des Anschlags auszusagen bis auf die zwanzigjährige Yein, die zu Irmas einziger Zeugin wird. Doch in einem Land, wo Zentralamerikaner allenfalls als Menschen zweiter Klasse betrachtet werden und wo Behörden, Polizei und kriminelle Banden gemeinsam ein zynisches Geschäft betreiben, das noch den letzten Peso aus den Flüchtlingen herausquetscht, kann es tödliche Folgen haben, den Dingen auf den Grund zu gehen. In diesem vielstimmig orchestrierten und schonungslos rauen politischen Roman porträtiert Antonio Ortuño ein menschenverachtendes System, das die Schwächsten ausraubt, vergewaltigt, verbrennt und schließlich in Massengräbern verschwinden lässt.

fremdetreueNächstes Muss ist “Fremde Treue” (9. September), der dritte Teil der Laidlaw-Trilogie des Schotten William McIlvanney. Zwar hat mich Teil zwei, “Die Suche nach Tony Veitch”, nicht ganz so begeistert wie Teil eins, “Laidlaw”. Dennoch muss man diesen Autor gelesen haben. Er ist wunderbar literarisch und humanistisch.

Laidlaws dritter und bisher letzter Fall! Scott Laidlaw ist tot. Der tragische Autounfall seines Bruders erschüttert Jack Laidlaw schwer in tiefer Trauer und mit dem ihm eigenen Durst macht er sich auf in die schottische Provinz, um herauszufinden, was wirklich geschah. Während Laidlaw versucht, die letzten unglücklichen Tage seines Bruders zu rekonstruieren, wird ihm schnell klar, dass die Abgründe hinter der dörflichen Fassade mindestens ebenso tief sind wie in der Glasgower Unterwelt und in seiner Vergangenheit, in die ihn seine Recherchen unweigerlich zurückführen.

(c) Goldmann

(c) Goldmann

“Racheherbst” (seit 14. September) von Andreas Gruber nährt mein schlechtes Gewissen. Ich möchte endlich was von diesem österreichischen Thriller-Autor lesen, den kaum jemand kennt, der aber schon viel mehr Bücher verkauft hat als etwa sein erfolgreicher Landsmann Bernhard Aichner (“Totenfrau”, “Totenhaus”). Ich hab mal in Kapitel eins reingeschmökert und das klingt schon vielversprechend. Bloß dieses Serienmörder-Ding ist ja so gar nicht meines…

Unter einer Leipziger Brücke wird die verstümmelte Leiche einer jungen Frau angespült. Walter Pulaski, zynischer Ermittler bei der Polizei, merkt schnell, dass der Mord an der Prostituierten Natalie bei seinen Kollegen nicht die höchste Priorität genießt. Er recherchiert auf eigene Faust – an seiner Seite Natalies Mutter Mikaela, die um jeden Preis den Tod ihrer Tochter rächen will. Gemeinsam stoßen sie auf die blutige Fährte eines Serienmörders, die sich über Prag und Passau bis nach Wien zieht. Dort hat die junge Anwältin Evelyn Meyers gerade ihren ersten eigenen Fall als Strafverteidigerin übernommen. Es geht um einen brutalen Frauenmord – und eine fatale Fehleinschätzung lässt Evelyn um ein Haar selbst zum nächsten Opfer werden …

(c) Heyne Hardcore

(c) Heyne Hardcore

“Glut und Asche” (14. September) von James Lee Burke ist sicher ein weiteres Highlight dieses Krimi-Herbsts. Bloß beuge ich mich diesmal der hohen Seitenzahl. Ich habe keinen Zweifel, dass das Buch die Qualität des Vorgängers “Regengötter” (KrimiZeit Jahressieger, Deutscher Krimipreis-Sieger) halten kann. Aber nach “Das Kartell” und “Natchez Burning” habe ich heuer mit den ganz dicken Wälzern vorerst einmal abgeschlossen.

»Vielleicht würde er eines Tages die Angst vergessen, die in jenen fünfzehn Minuten einen anderen Menschen aus ihm gemacht hatte.« Danny Boy Lorca ist das Entsetzen ins Gesicht geschrieben, als er sich ins Büro von Sheriff Hackberry Holland schleppt. In der Wüste nahe der texanisch-mexikanischen Grenze wurde er Zeuge eines brutalen Mordes. Von einem zweiten Gefangenen fehlt jede Spur. Hackberry Holland hat erneut alle Hände voll zu tun, um für Gerechtigkeit zu sorgen.

(c) Diogenes

(c) Diogenes

Der Unterweltler Joe Coughlin ist wieder da. Mit “In der Nacht” (auf Platz zwei meiner persönlichen Jahresbestenliste 2013) hat Dennis Lehane vor zwei Jahren einen nahezu perfekten Kriminalroman vorgelegt. Nun ist Coughlin ehrbar geworden. Doch die Vergangenheit kann man nicht so leicht hinter sich lassen. Wer Lehane kennt, weiß: Bei “Am Ende einer Welt” kann eigentlich nichts mehr schief gehen (zumindest für den Leser!).

Joe Coughlin, geachteter Bürger von Tampa, Florida, und Consigliere des Bartolo-Syndikats, hat seine kriminelle Vergangenheit hinter sich gelassen wie Amerika die Prohibition. Bis eines Tages aus heiterem Himmel ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt wird und auf dem Spiel steht, was ihm am wichtigsten ist: sein Sohn – und der einzige Freund, den er hat. Die atemlose Geschichte von ›In der Nacht‹ geht weiter.

(c) Ullstein

(c) Ullstein

“Blood on Snow” bietet mir die Gelegenheit einen weiteren Autor endlich in die Kategorie “Gelesen” einzuordnen. Jo Nesbos Harry-Hole-Serie als auch seine Stand-alones (“Headhunter”) haben mich immer schon interessiert udn stehen teilweise auch in meinem Regal. Aber diesmal lese ich Nesbo sicher – sind nur 181 Seiten 😉 Das passt mir momentan gut. Das Thema klingt jetzt nicht besonders neu, aber ich mag solche Einsamer-Killer-Geschichten grundsätzlich.

Olav lebt das einsame Leben eines Killers. Als Killer ist es eben nicht unbedingt leicht, anderen Menschen nahe zu kommen. Doch jetzt hat Olav die Frau seiner Träume getroffen. Zwei Probleme stellen sich: Sie ist die Frau seines Chefs. Und Olav wurde gerade beauftragt, sie zu töten.

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James Lee Burke: Sturm über New Orleans

sturmueberneworleansVor zehn Jahren zog Hurrikan Katrina über die US-Stadt New Orleans. “Was damals in New Orleans geschah, das war nicht nur eine Naturkatastrophe, das war das größte Versagen einer Regierung, der denkbar größte Verrat an der eigenen Bevölkerung. Es war ein Verbrechen. Eine nationale Schande. Eine Wunde, die in den Geschichtsbüchern auf immer festgehalten bleiben wird”, schreibt James Lee Burke im Vorwort seines im Original bereits 2007 erschienenen Krimis “Sturm über New Orleans”. “Manche sagen, dies sei mein politischstes Buch. Sicher ist es mein wütendstes.”

Ich habe kürzlich in der “Presse am Sonntag” unter dem Titel “New Orleans, Ort nationaler Schande” ausführlich über Burkes Buch geschrieben, hier ein Auszug:

Man spürt auf jeder Seite Burkes Sympathie für die Schwachen der Gesellschaft, die Außenseiter, die Ausgestoßenen. Der Autor glaubt fest daran, dass man selbst in der aussichtslosesten Situation noch die Möglichkeit hat, sich zu ändern. Man hat immer die Wahl. “Sturm über New Orleans” mag nicht Burkes stärkstes Buch der Robicheaux-Serie sein, doch auch hier offenbart sich der Autor als feinfühliger, präziser Erzähler – Wut hin oder her. Burke hat es nicht nötig, den Schrecken von Katrina explizit und voyeuristisch auszuschlachten. Er schafft es mit simplen Sätzen, den Horror begreifbar zu machen: “Falls sich jemandem die Gelegenheit bietet, den Mitschnitt eines Handynotrufs von einem dieser Dachböden zu hören, sollte er so schnell wie möglich weggehen, es sei denn, er will mit Stimmen leben, die ihn den Rest seiner Tage im Schlaf heimsuchen.”

“Polizisten aus New Orleans fuhren mit den Autos der Cadillac-Niederlassung davon.”

“Aber meiner Ansicht nach steht unwiderruflich fest, dass wir mitangesehen haben, wie eine amerikanische Stadt an der Südküste der Vereinigten Staaten zu einem zweiten Bagdad wurde”, sinniert Robicheaux im Epilog.

Burke ist übrigens nicht der einzige US-Krimiautor, der sich der geschundenen Stadt literarisch gewidmet hat. Hervorzuheben sind hier Sara Grans “Stadt der Toten”, Kenneth Abels “Die Flut” und Joy Castros “Tödlicher Sumpf” sowie Dave Eggers “Zeitoun”, obwohl es sich bei Letztem eigentlich um keinen Krimi handelt. Wer sich für New Orleans nach Katrina interessiert, wird auch an der TV-Serie “Treme” nicht herumkommen. Regisseur Andrew Dominik wiederum verlegte 2012 bei der Verfilmung von George V. Higgins Krimiklassiker “Killing Them Softly” (mit Brad Pitt in der Hauptrolle) die Handlung einfach von Boston nach New Orleans. Dominik dachte zuerst eigentlich an die brachliegende Autostadt Detroit, ehe er sich für New Orleans, das im Film mancherorts an Bürgerkriegsgegenden erinnert, entschied.

9 von 10 Punkten

James Lee Burke: “Sturm über New Orleans”, übersetzt von Georg Schmidt, 576 Seiten, Pendragon Verlag.

 

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KrimiZeit-Bestenliste im Mai: Ein Abgleich

sturmueberneworleansEs ist wieder KrimiZeit. Ich habe James Lee Burkes “Sturm über New Orleans” vor wenigen Tagen fertiggelesen. Und ich kann nur sagen: Das ist eine gute Wahl. Es ist Burkes wohl politischster und auch wütendster Krimi, wie er selbst im Vorwort schreibt. Das spürt man beim Lesen teilweise sehr stark. Burke beleuchtet die Vorgänge um und in New Orleans nach dem Hurrikan Katrina. Er gewährt damit Einblick in eine der größten humanitären Katastrophen der USA. Es mag vielleicht nicht Burkes bester Robicheaux-Krimi sein – wirklich kann ich das allerdings nicht beurteilen, weil es mein Einstieg ins Robicheaux-Universum war – aber das Buch ist für mich jetzt schon ein Favorit für meine persönliche Krimi-Jahresbestenliste.

William McIllvanneys “Die Suche nach Tony Veitch” lese ich gerade. Und ich muss mich wiederholen, ich glaube das ist gleich der nächste heiße Anwärter für meine Jahresbestenliste. Dieser Schotte schreibt wirklich genial bzw. ist auch perfekt von Conny Lösch übersetzt.

Tja, und Adrian McKintys “Die verlorenen Schwestern” habe ich am Wochenende beendet. Auch McKinty, einer meiner Lieblingsautoren, hat wieder ein starkes Stück Kriminalliteratur vorgelegt. Es ist also eine echt gute Zeit im Moment!

Das ist auch gut so, denn davor musste ich mich zwischen Greg Iles’ “Natchez Burning” und James Ellroys “Perfidia” entscheiden. Zwei 1000-Seiten-Wälzer wollte ich nicht lesen. Es wurde daher “Natchez Burning”. Ich habe die Wahl zwar nicht bereut, Ellroy wäre aber wohl der bessere Griff gewesen. Dazu mehr aber hier in meinem nächsten oder übernächsten Beitrag.

Ach ja: “Schwarzblende” und “Prime Cut” will ich auch noch lesen (aber wann?). Und Benjamin Blacks Chandler-Hommage “Die Blonde mit den schwarzen Augen” werde ich mir wohl für den Sommerurlaub aufheben. Dann könnte ich mir auch einen Chandler einpacken und einen Vergleich machen. Aber das ist nur so eine Idee…

Die Liste im Überblick:

1 (10) James Lee Burke: Sturm über New Orleans
2 (2) Zoë Beck: Schwarzblende
3 (3) James Ellroy: Perfidia
4 (4) Mike Nicol: Bad Cop
5 (1) William McIlvanney: Die Suche nach Tony Veitch
6 (5) Giancarlo de Cataldo/Carlo Bonini: Suburra
7 (6) Adrian McKinty: Die verlorenen Schwestern
8 (7) Alan Carter: Prime Cut
9 (-) Benjamin Black: Die Blonde mit den schwarzen Augen
10 (-) Dominique Manotti: Abpfiff

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Krimis, die man 2015 lesen sollte (III)

(c) suhrkamp nova

(c) suhrkamp nova

Schon über den Februar hatte ich geschrieben, er sei ein Krimi-Wonnemonat. Der März steht dem Vormonat aber kaum nach. Einerseits ist da gleich zu Beginn Adrian McKintys dritter Teil der Sean-Duffy-Serie erschienen. “Die verlorenen Schwestern” ist seit 7. März im Handel und bei mir Pflicht. Ich habe hier sowohl Teil 1 (“Der katholische Bulle”) als auch Teil 2 (“Die Sirenen von Belfast”) hymnisch besprochen. Trotzdem bin ich enttäuscht vom Verlag: Kamen die ersten beiden Bände als Hardcover heraus, ist “Die verlorenen Schwestern” bloß als Weder-Fisch-noch-Fleisch-Lösung herausgekommen: also als “großes” Taschenbuch (wie auch immer der Fachausdruck dafür sein mag). Sieht im Regal nicht so toll aus. Aber der Inhalt wird diesen Makel wohl wieder wettmachen. Der Verlag schreibt: “Nordirland, 1983. Als an einem Septembertag 38 IRA-Terroristen aus einem Hochsicherheitsgefängnis ausbrechen, herrscht höchste Alarmbereitschaft: Unter den Flüchtlingen befindet sich der in Libyen ausgebildete Bombenspezialist Dermot McCann. Inspector Sergeant Sean Duffy drückte mit McCann die Schulbank, weshalb mit einem Mal der MI5 vor seiner Tür steht. Duffy soll McCann finden.”

(c) Heyne

(c) Heyne

Sehr vielversprechend klingt auch Richard Lange düsterer Krimi “Angel Baby”  (9. März), der immerhin mit dem Hammett Prize ausgezeichnet wurde. Verlagstext: “Im Leben von Luz ist einiges schiefgelaufen: Sie hat ihre kleine Tochter in Los Angeles zurückgelassen, um in Tijuana einen mächtigen Drogenboss zu heiraten. Seither lebt sie wie eine Gefangene in Rolandos bizarrer Villa und ist seiner Willkür ausgeliefert. Doch heute ist der Tag, an dem Luz ihre Fehler wiedergutmachen wird. Sie schießt ihre Bewacher nieder, räumt den Tresor leer und flieht in Richtung Grenze. Alles oder nichts. Das Schicksal wird entscheiden, ob sie ihre Tochter findet oder beim Versuch draufgeht.” Eigentlich kann ich da nicht widerstehen. Und ich entdecke immer wieder gern neue Stimmen.

(c) Luchterhand

(c) Luchterhand

Benjamin Percy hat seit “Wölfe der Nacht” und vor allem “Roter Mond” (das Werwolf-Drama habe ich ja zum besten Krimi 2014 gewählt) einen großen Stein bei mir im Brett. : Mit “Jemand wird dafür zahlen müssen” sind seit 23. März nun erstmals auf Deutsch Kurzgeschichten des jungen Autors erhältlich. Der Verlag schreibt: “Viele der jungen Männer in Benjamin Percys atemberaubenden Geschichten stammen aus zerbrochenen Familien, finden keinen Halt in ihren Freundeskreisen und müssen das Undenkbare tun, um sich – und allen – zu beweisen, dass sie stark genug sind, um sich dem Schmerz dieser Welt zu stellen. Percy siedelt seine Erzählungen im ländlichen Oregon an, seine Helden kämpfen, jeder für sich. Ihre Gegner sind höchst unterschiedlich: ein verrückter Bär, ein Haus mit einem Keller, der sich in eine Höhle öffnet, ein Unfall, der den geliebten Menschen das Leben kostet, eine Fehlgeburt, die ein Paar sprachlos zurücklässt und einander entfremdet. Eines haben all ihre Kämpfe gemeinsam: Immer sind es die Narben, die ihre Geschichten erzählen, selbst wenn sie unsichtbar sind.”

(c) Fischer

(c) Fischer

Auch Malcolm Mackay hat mich mit seinem Debüt “Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter” überzeugt. Nun ist “Der Killer hat das letzte Wort” erschienen (26. März), der zweite Teil seiner Glasgow-Trilogie. Der Verlag schreibt: “Frank MacLeod war der beste in seinem Fach. Überlegt. Effektiv. Skrupellos. Aber ist er immer noch der beste? Er bekommt einen neuen Auftrag. Ein Ziel. Aber diesmal wird etwas furchtbar schiefgehen. Der zweite Thriller nach ›Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter‹ nimmt die Leser mit auf die dunkle Seite von Glasgow. Wer zwischen die Fronten gerät, darf sich keinen Fehler erlauben. Denn Fehler sind tödlich.” Interessant ist, dass offenbar die Erzähperspektive wechselt. Denn der alternde Frank MacLeod spielte in Teil eins nur eine Nebenrolle, im Zentrum stand da der jüngere Killer Calum MacLean. Klingt ein wenig nach Don Winslows “Frankie Machine”.

(c) Heyne Hardcore

(c) Heyne Hardcore

Von Ryan David Jahn habe ich bereits “Der Cop” gelesen. Das war aus meiner Sicht ein solider und äußerst spannender Thriller um einen Cop, dessen Tochter vor sieben Jahren verschwand und vor vier Monaten für Tod erklärt wurde. Dann plötzlich erhält er einen Anruf von ihr… “Der letzte Morgen” (30. März) verspricht nun klassische Unterwelt-Lektüre: “Los Angeles. Zwei Morde in derselben Nacht bringen den Unterweltboss James Manning in Bedrängnis. Ein Sündenbock muss her. Eugene Dahl, ein einfacher Mann, der morgens Milch ausliefert und abends Barhocker wärmt, ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Doch er weigert sich, zum Spielball des organisierten Verbrechens zu werden. Um seine Haut zu retten, wird er Dinge tun müssen, die weit schlimmer sind als alles, was man ihm vorwirft.” Ich mag zwar mittlerweile Serien, aber ich weiß es immer noch sehr zu schätzen, wenn Krimiautoren sich ständig neu erfinden. Ryan David Jahn dürfte zu dieser Kategorie zählen. Denn sein Debütroman “Ein Akt der Gewalt” handelt wieder von etwas ganz anderem.

sturmueberneworleansJames Lee Burkes “Sturm über New Orleans” ist eigentlich schon Mitte Februar erschienen, ich habe sein Buch offenbar übersehen. Mittlerweile stecke ich allerdings gerade in der Lektüre und ich bin begeistert. “Hurrikan Katrina trifft New Orleans mit voller Wucht. In der überfluteten Stadt treiben Leichen umher, und die Menschen versuchen panisch, ihr Hab und Gut zu retten. Die Häuser sind verlassen, der Strom ist weg und keine Spur mehr von Recht und Ordnung. Ein tiefer Graben des Misstrauens trennt die weiße und die schwarze Bevölkerung, während Hilfe der Behörden auf sich warten lässt.” Und mittendrin ermittelt Burkes Kultfigur Dave Robicheaux. Für alle, die es noch nicht wissen sollten: Burke hat ja mit “Regengötter” den Deutschen Krimipreis 2015 gewonnen und auch die KrimiZeit-Jahresliste 2014 angeführt. Es feiert also im deutschsprachigen Raum eine kleine Wiederauferstehung. Sehr fein, dass da der feine Kleinverlag Pendragon nachlegt – noch dazu mit Burkes wütendstem Buch, wie er im Vorwort selbst sagt: “Was damals in New Orleans geschah, das war nicht nur eine Naturkatastrophe, das war das größte Versagen einer Regierung, der denkbar größte Verrat an der eigenen Bevölkerung. Es war ein Verbrechen. Eine nationale Schande.”

(c) dtv

(c) dtv

Tja, und ein Buch hätte ich jetzt fast übersehen. Ich dachte, es würde erst im April erscheinen. Lyndsay Faye legt mit “Die Entführung der Delia Wright” ihren zweiten historischen Roman rund um den New Yorker Polizisten Timothy Wilde vor. Band eins, “Der Teufel von New York”, hat mich vor einem Jahr ziemlich begeistert. “1846. Vor einem halben Jahr wurde die Polizei von New York gegründet. Timothy hat sich als sehr talentiert für die Polizeiarbeit erwiesen. Und er glaubt sich ganz gut auszukennen mit dem Verbrechen in seiner Stadt. Dann erscheint die schöne Blumenverkäuferin Lucy Adams in seinem Amtszimmer: Ihr kleiner Sohn Jonas und ihre Schwester Delia sind entführt worden. Tims Ermittlungen führen ihn in ungeahnte Abgründe. Denn Lucys Familie ist »gemischter«, also nicht rein weißer Abstammung. Freie schwarze Bürger im Norden der USA sind Freiwild für Verbrecherbanden, die sie in ihre Gewalt bringen und als Sklaven in die Südstaaten verkaufen. Der Einzige, der Tim jetzt helfen kann, ist sein schillernder Bruder Valentine, seines Zeichens Polizei-Captain, korrupter Politiker, Frauenheld und noch einiges mehr. Als aber in Valentines Bett eine Leiche gefunden wird, muss Tim seinem ungeliebten Bruder beistehen …”

 

 

 

 

 

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James Lee Burke: Regengötter

(c) Heyne Hardcore

(c) Heyne Hardcore

“Regengötter” von James Lee Burke war der wohl wichtigste Krimi 2014 (er hat deshalb auch die Jahresliste der KrimiZeit gewonnen und zuletzt den Deutschen Krimipreis in der Kategorie international abgeräumt). Für mich war dieses feine Stück Crime Fiction zwar nicht das allerbeste des Jahres (Platz vier), aber für die Wiederentdeckung dieses im deutschsprachigen Raum schwer unterschätzten Autors war das Buch immens wichtig. Zuletzt war von Burke 2002 ein neues Buch erschienen.

Nun steht eigentlich einer Burke-Renaissance nichts mehr im Wege. Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen der Heyne-Hardcore-Reihe das angesichts der vielen hymnischen Kritiken auch so sehen – zwei weitere Romane um Sheriff Hackberry Holland hat Burke geschrieben: einen kurz nach “Rain Gods”, das im Original 2009 erschienen ist, und einen bereits 1971, was die ganze Angelegenheit auch nicht gerade unspannend macht.

Einen wichtigen Beitrag in dieser Richtung leistet jedenfalls der Pendragon-Verlag, der im März “Sturm über New Orleans” aus Burkes Dave-Robicheaux-Reihe auf den Markt bringt. Aus dieser Reihe wurden immerhin elf Bände ins Deutsche übersetzt, ehe man damit 2002 abrupt aufhörte. Der nun bald vorliegende Robicheaux-Krimi ist schon allein deshalb besonders interessant, weil das Setting im von Hurrikan Katrina gebeutelten New Orleans spielt.

Nun aber zurück zu “Regengötter”. Es wurde ja schon so viel Gutes darüber geschrieben, dass es schwerfällt dem noch neue Nuancen hinzuzufügen. Nur kurz zur Geschichte: Hinter einer verlassenen Kirche in Texas findet der in die Jahre gekommene Sheriff Hackberry Holland die Leichname von neun Frauen – illegalen Migrantinnen. Sie wurden offenbar hektisch vergraben, denn die Erde wurde nur notdürftig mit dem Bulldozer plattgewalzt. Einige der Frauen dürften sogar noch gelebt haben, als sie begraben wurden.

Der abgebrühte Killer wird von Frauen verprügelt

Burke erzählt “eine zeitlose Geschichte über Menschen, die üble Taten begehen, Schuld auf sich laden und trotzdem versuchen, Mensch zu bleiben. Die einen stehen auf der Seite des Gesetzes, die anderen sind Verbrecher. Doch Burke vermeidet simples Schwarz-Weiß. Selten zuvor war Grau so schön.” Das habe ich in meiner Rezension in der “Presse am Sonntag” geschrieben. Und: “Die idyllischen Landschaftsbilder stehen im unbarmherzigen Kontrast zu jener physischen und psychischen Gewalt, die sich die Menschen ständig gegenseitig zufügen.”

Faszinierend ist auch wie schnell sich geschlossene Bündnisse zwischen den Kriminellen auflösen, wieder umkehren und wieder komplett neu strukturieren. Und das ständig. Jeder ist sich selbst der nächste, letztlich geht es auch um nicht weniger als das pure Überleben. Ganovenehre? Das ist wohl einer der großen Mythen der Kriminalliteratur. Der psychopathische Killer Preacher sticht da teilweise als moralischer Fels aus der verlogenen Masse überlebenswilliger Krimineller heraus. Er ist zweifellos die faszinierendste Figur im Burke-Kosmos: “Preacher zeigt sich gnädig, wo andere Mörder ihren Job einfach verrichtet hätten, dann aber wieder gnadenlos, wenn man nicht mehr damit rechnet. Und wohl noch nie zuvor hat sich ein abgebrühter Killer so oft von Frauen verprügeln lassen.”

Zum Schluss noch mein Lieblingszitat: In einer Szene erklärt Preacher, warum er seine Hauptmahlzeit erst am Abend zu sich nimmt, und auch da nur einen halben Teller:

„Ein Pferd hat den Magen immer nur bis zur Hälfte gefüllt. Somit hat es genug Energie, um sich gegen seine Feinde zu wehren oder zu fliehen, und wird gleichzeitig nicht schwerfällig durch einen vollen Bauch.“

Und hier ein paar andere Meinungen:

 “Burkes Amerika ist eine ausgebrannte Tankstelle”, schreibt “Der Schneemann”.

“Krimi Lese” urteilt: “Das alles ist ganz großes Kino.”

Micha fasst es auch schön zusammen: “Die Mörder sind wie das gesamte Buch: unvorhersehbar. Und skrupellos. Alle sind nur auf den eigenen Vorteil aus.”

Die volle Punkteanzahl vergebe ich deshalb nicht, weil es mir dann doch ein paar Leichen zu viel waren (das müsste man fast mal nachrechnen). Ob man dann tatsächlich in dieser Quantität in Texas morden kann, ohne dass es für größeres Aufsehen sorgt? Hoffentlich nicht!

9 von 10 Punkten

James Lee Burke: “Regengötter”, übersetzt von Daniel Müller, 672 Seiten, Heyne Hardcore.

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