Steve Hamilton: Das zweite Leben des Nick Mason

(c) Droemer

“Der Mann aus dem Safe” von Steve Hamilton ist bestimmt einer der herausragenden Kriminalromane des Jahrzehnts. Meine Vorfreude auf das Erscheinen von “Das zweite Leben des Nick Mason” war dementsprechend groß. Noch dazu, weil sich die Veröffentlichung über ein Jahr verzögert hatte. Mit Erwartungen ist das immer so eine Sache, wie sich das auch hier bestätigt.

Ich will nach der Lektüre nicht von einer Enttäuschung sprechen. Der Auftakt zu der Serie rund um Nick Mason ist solide. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen. Man merkt, dass Hamilton ein Meister der Spannungsliteratur ist. Bloß im Vergleich zu dem eingangs erwähnten Buch fehlt etwas. “Der Mann aus dem Safe” hatte Charme. “Das zweite Leben des Nick Mason” wirkt dagegen glatt, kühl, konstruiert.

Aber worum geht es eigentlich? Nick Mason wandert nach einem misslungenen Coup für 25 Jahre im Gefängnis. Da macht ihm Darius Cole, der kriminelle Pate von Chicago, im Gefängnis ein Angebot, dem er nicht widerstehen kann. Wenn Nick sich verpflichtet, alles für ihn zu tun, paukt er ihn im Gegenzug rasch aus dem Gefängnis.

Kaum außerhalb der Gefängnismauern muss Nick rasch erkennen, dass er alles andere als frei ist. Quintero, Coles Handlanger, erklärt es Nick: “Das ist nicht die Freiheit. Das ist nur Bewegungsfreiheit. Verwechsel beides nicht.” Noch weiß Nick nicht, was er für Cole tun soll. Er denkt vor allem an seine Familie, bestehend aus seiner Ex-Frau und seiner Tochter. Doch diese gehören mittlerweile zu einer anderen Familie.

Nick wird in der Folge Dinge tun, die er nicht für möglich gehalten hätte. Er wird sich vom professionellen Verbrecher, der immer Gewalt scheute, in einen Killer verwandeln. Hier tun sich für mich auch Schwächen auf. Für mich ist diese Wandlung nicht ganz glaubwürdig. Das Überschreiten dieser Schwelle zum Töten geschieht meiner Meinung nach zu leicht. Nick fügt sich allzu leicht in seine neue Rolle, da gibt es zu wenig inneren Widerstand.

Mir ist das alles ein wenig zu konstruiert. Als wäre Hamilton nach einem Handbuch vorgegangen. Nick erhält ein Handy, auf dem er immer erreichbar sein muss, egal wo er gerade ist. Läutet dieses, muss er sofort aufbrechen. Das kennt man alles, etwa aus der TV-Serie “Nikita”. Der Handlanger Quintero hat offenbar seine eigene Vorgeschichte, von der man noch wenig erfährt. Zu sehr merkt man dem Buch an, dass es nur der Auftakt zu einer Serie ist. Vieles bleibt offen. Wie will sich Nick aus der aussichtslosen Situation befreien? Will er wirklich jahrelang für den Gangster weitermorden? Was ist mit seiner Tochter? Und wird ihm Quintero womöglich helfen?

Hamilton macht nichts falsch, handwerklich kann man ihm nichts vorwerfen. Aber es bleibt dieses Gefühl, dass etwas fehlt. Das war auch der Grund, warum ich gleich darauf “Ein kalter Tag im Paradies”, den Auftakt zu Hamiltons alter McKnight-Serie, gelesen habe – auch weil Stefan und Giesbert über diese Bücher sehr geschwärmt haben. Darüber erfahrt ihr in meinem nächsten Beitrag mehr.

6 von 10 Punkten

Steve Hamilton: “Das zweite Leben des Nick Mason”, übersetzt von Karin Diemerling, Droemer, 333 Seiten.

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2 Comments

Filed under Rezensionen

2 responses to “Steve Hamilton: Das zweite Leben des Nick Mason

  1. Giesbert

    Sehr gute Besprechung! Stimme Dir voll zu! Das Buch ist… nett, aber irgendwie nichts besonderes. Da hätte ich auch deutlich mehr erwartet.

    Die Alex-McKnight-Reihe ist sensationell gut! Leider sind nur die ersten sechs Bücher ins Deutsche übersetzt worden. Meine Frage an den Verlag, ob der Rest noch irgendwann übersetzt wird, wurde verneint. Bitter!

  2. Ich kann dir nur beipflichten, dieses Buch kommt zu glatt daher, zu kalkuliert. Schade, ich hatte auch hohe Erwartungen, aber danke für den Tipp mit der anderen Reihe. Werde ich mal ausprobieren.

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