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Krimis, die man 2018 lesen sollte (VI)

(c) btb

Bereits Adrian McKinty hat in seinem Sean-Duffy-Krimi “Die verlorenen Schwestern” das Attentat auf Regierungschefin Margaret Thatcher in die Handlung verwoben. Daher klingt auch dieser Roman sehr vielversprechend.

Das schreibt der Verlag: Brighton, Südengland 1984: Moose, ein ehemaliger Spitzensportler, der seine besten Zeiten längst hinter sich hat und nun als Hotelmanager im hiesigen Grand Hotel arbeitet, kann sein Glück kaum fassen: Das Grand wurde ausgewählt, Regierungschefin Margaret Thatcher sowie ihr gesamtes Kabinett für ein paar Tage zu beherbergen. Alles soll reibungslos klappen bei Ankunft der eisernen Lady in 24 Tagen. Mooses Tochter Freya, die gerade die Pubertät hinter sich hat und an der Rezeption sitzt, wird bis dahin ihre Manieren entdeckt, der Portier seinen Bourbonkonsum im Griff, und der Koch ein paar französische Gerichte auf der Pfanne haben, die gerade so en vogue sind, hofft Moose. Was er nicht ahnt: Soeben hat ein Mann unter dem Namen Roy Walsh in Zimmer 629 eingecheckt und dort eine Bombe platziert, die genau in 24 Tagen detonieren soll … Jonathan Lee verwebt Fakten und Fiktion, Komödie und Tragödie zu einem eindringlichen Roman um Gewalt, Gewissen und Loyalität – von großer Aktualität. 

(c) Suhrkamp

Joe Ides Debüt “IQ” zählt zu den besten Kriminalromanen des Vorjahrs. Sein Nachfolger “Stille Feinde” hat es im August sogar auf Platz zwei der Krimi-Bestenliste geschafft. Scheint also so, als könnte man auch hier zugreifen.

Isaiah Quintabe, der geniale Privatdetektiv ohne Lizenz, der meistens für die einfachen Leute in Long Beach, L.A., Probleme löst, stößt auf das Wrack des Autos, mit dem vor Jahren sein Bruder Marcus getötet worden war Schnell ist ihm klar: Es war kein Unfall, sondern Mord. Gleichzeitig meldet sich die damalige Freundin seines Bruders – ihre Halbschwester in Las Vegas steckt in Schwierigkeiten. Hoffnungslos spielsüchtig hatte die mit ihrem Freund versucht, die 14K-Triade zu erpressen. IQ und sein Sidekick Dodson machen sich auf nach Las Vegas, um die Situation zu entschärfen. Gleichzeitig regt sich der Verdacht, dass IQs toter Bruder Marcus vielleicht doch kein Heiliger war und Verbindungen zu dem ruandischen Gangster Seb Habimana hatte. IQ muss an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen, denn zudem haben sich noch ein übler Kredithai und die Locos Surenos 13, eine mächtige Gang, an seine Fersen geheftet. Schwerstarbeit für IQ und Dodson, die zur Hochform auflaufen. Und im Hintergrund lauert ein düstrer Feind …

(c) Ars Vivendi

Tom Boumans “Auf der Jagd” konnte mich voriges Jahr nicht so richtig begeistern. Ich habe die Lektüre nach rund 100 Seiten beendet. Nicht weil das Buch schlecht war, sondern weil ich gerade Lust auf etwas anderes hatte. Danach habe ich aber nicht mehr danach gegriffen. Ich bin noch unschlüssig, ob ich “Im Morgengrauen” nun eine Chance geben soll. An sich klingt das schon so, als könnte das genau mein Ding sein.

Der Sommer hält Einzug in die tiefen Wälder von Wild Thyme, Pennsylvania, und für Officer Farrell hat er nichts als Ärger im Gepäck. So muss er sich in dieser vom industriellen Niedergang schwer gezeichneten Region nicht nur mit kleinkriminellen Mitbürgern und den zerstörerischen Auswirkungen des grassierenden Heroinhandels auseinandersetzen, sondern auch die spurlos verschwundene Penny Pellings finden, eine drogenabhängige Mutter, die mit ihrem Freund in einem heruntergekommenen Wohnwagen hauste. Henry Farrell startet eine groß angelegte Suchaktion, und bald wird in Tioga County ein Toter entdeckt – Pennys Dealer? Mit der Ruhe des Jägers begibt sich Farrell in die Schattenwelt eines zum Albtraum gewordenen american dream, doch der Vermisstenfall entwickelt sich mehr und mehr zu einem Labyrinth aus Geheimnissen, deren Aufdeckung die ganze Region erschüttern wird …

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Joe Ide: IQ

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Isaiah Quintabe hat Köpfchen – deshalb wird er auch IQ genannt. Sein Bruder Marcus hat daher vor allem die Sorge, dass IQ sein Talent in seinem Hood in Los Angeles wegwirft. Er predigt ihm daher: “Gott hat dir keine Begabung geschenkt, damit du Hedgefonds-Manager wirst. Wenn du diesen Weg einschlägst, mich enttäuschst, dir einen Bentley kaufst oder ein Grundstück mit Golfplatz, dann tret – ich – dir – in den Arsch.”

Das Buch wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Einerseits gerät IQ im Jahr 2005 nach einem Todesfall völlig aus der Bahn, nämlich auf die schiefe Bahn. Er wird als Einbrecher kleinkriminell – aber immer mit Köpfchen. Das hat er mit seinem leichtsinnigen Gehilfen Dodson auch schwer nötig, um sich aus verzwickten Situationen zu retten. Autor Joe Ide liefert da wirklich ein paar genial-komische Szenen. Das macht richtig Spaß beim Lesen.

Und dann gibt es die zweite Zeitebene, die parallel zur ersten erzählt wird. Im Jahr 2013 hat IQ die Kurve gekratzt. Er hat sich in seinem Hood als Detektiv, der seinen Nachbarn hilft, einen Namen gemacht. Nun muss er herausfinden, wer hinter den Mordanschlägen auf Rapper-Ikone Murda One steckt.

“Wobei Calvin eigentlich gar keine wollte, aber Kinderkriegen war gerade angesagt, ein Fashion Statement. Wenn man kein Baby hatte, das man Zippy oder Apple Pie taufte, war man echt total out.”

Es ist faszinierend, wie leichtfüßig Joe Ide eine schlüssige Detektivgeschichte mit viel skurrilem Personal erzählt, ohne je in billigen Klamauk abzudriften. Er liefert sehr einfühlsame, tiefe Momente. Es geht auch um Schuld und Sühne. Wie kann  man nach schlimmen Taten weitermachen? Kann man, obwohl man Böses getan hat, auch noch Gutes tun?

8 von 10 Punkten

Joe Ide: “IQ”, übersetzt von Conny Lösch, 388 Seiten, Suhrkamp.

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Barry Award: Steve Hamilton und Adrian McKinty sind nominiert

(c) Droemer

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Die Nominierten in vier Kategorien für den wichtigen Krimipreis, der am 12. Oktober vergeben wird, sind da. Steve Hamilton ist mit “Das zweite Leben des Nick Mason” für den besten Kriminalroman nominiert. Das Buch erscheint ja am 1. März auf Deutsch. Die Konkurrenz ist stark, denn er befindet sich in prominenter Gesellschaft. Nominiert sind in der Hauptkategorie ebenso Reed Farrel Coleman (“Where It Hurts“), Michael Connelly (“The Wrong Side of Goodbye”), Laura Lippman (“Wild Lake”), Louise Penny (“A Great Reckoning”) und David Swinson (“The Second Girl”).

Für das beste Debüt sind unter anderem Joe Ide (“IQ”) und Nicholas Petrie (“Drifter”) nominiert. Beide Bücher sind bereits auf Deutsch erschienen und ich habe beide bereits gelesen, allerdings hier noch nicht besprochen. Ich würde aber “IQ” definitiv vorziehen. Nominiert ist auch Bill Beverlys “Dodgers”, das Buch konnte bereits 2016 bei anderen namhaften Krimipreisen groß abräumen. Also, liebe deutschsprachige Verlage: Rasch übersetzen!

(c) Suhrkamp Nova

(c) Suhrkamp Nova

Besonders freut mich die Nominierung von Adrian McKintys “Rain Dogs” – das soeben auf Deutsch erschienen ist – in der Kategorie “Best Paperback Original”. Das steigert die Vorfreude gleich noch einmal. Das Buch ist damit bereits für den insgesamt fünften Krimipreis nominiert, wie McKinty auf seinem Blog “The Psychopathology of Everyday Life” schreibt. Das dürfte ein Rekord sein, wie der Autor vermutet. Drei Nominierungen blieben erfolglos, er ist aber neben dem Barry Award auch bei den Edgar Awards noch im Rennen. Ich freue mich wirklich schon sehr auf die Lektüre!

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