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Attica Locke: Bluebird, Bluebird

(c) Polar Verlag

“Bluebird, Bluebird” hat im Vorjahr den renommierten “Edgar Award” für den besten Kriminalroman gewonnen und auch den “Steel Dagger Award” für den besten Thriller eingeheimst. Auch auf der Krimi-Bestenliste stand das Buch im Februar und März an der Spitze. Alles nur ein Hype oder eine politisch korrekte Angelegenheit? Keinesfalls. Attica Lockes Kriminalroman ist ein texanischer Heimatroman im besten Sinne. Er macht den alltäglichen Rassismus in den USA spürbar, ohne auf simple politische Botschaften zurückzugreifen.

Schauplatz der Geschichte ist der fiktive texanische Ort Lark, Einwohnerzahl 178. Es ist eine Gegend, in der Cafés noch Namen wie “Kay’s Kountry Kitchen” tragen, eine unverblümte Anspielung an die Initialien des Ku Klux Klan. Das Auftauchen der Leiche eines schwarzen Mannes wird hier eher als Randnotiz wahrgenommen. Als kurz darauf eine junge, weiße Frau aufgefunden wird, sind sich die einheimischen Schwarzen im lokalen Café Geneva’s sicher: “Sie verschwenden keinen Gedanken mehr an den Mann. Nicht, wenn ein weißes Mädchen tot aufgefunden wird.”

Einem ist es nicht egal: Dem schwarzen Texas Ranger Darren Mathews, der rassistische Motive hinter den Taten vermutet und zu ermitteln beginnt, obwohl ihm dazu die Berechtigung fehlt. Er stößt auf eine Mauer des Schweigens, offene Feindseligkeit und allgegenwärtiges Misstrauen – egal welcher Hautfarbe seine Gesprächspartner sind.

Autorin Attica Locke hat aus diesem brisanten Stoff eine einfühlsame und ungeschönte Geschichte gemacht, die auch eine unerwartete Liebeserklärung an Texas ist: Als die urban verwurzelte Witwe des toten Mannes Darren Mathews verständnislos fragt, wie er in diesem Bundesstaat leben könne, antwortet dieser: “Das ist auch mein Grund und Boden, mein Staat, mein Land, und ich laufe nicht davon.”

Locke hat ihren Roman übrigens fertiggestellt, bevor Donald Trump Präsident wurde. Sie beschreibt also Zustände im Obama-Amerika.

9 von 10 Punkten

Attica Locke: “Bluebird, Bluebird”, übersetzt von Susanna Mende, Polar Verlag, 329 Seiten.

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Krimi-Bestenliste im März: Ein Abgleich

(c) Polar Verlag

Die Krimi-Bestenliste im März zeigt wieder einmal die Vielseitigkeit des Genres – sorry, falls ich das schon öfters geschrieben habe, aber es ist nun mal so. Dass Attica Locke mit ihrem mit Krimipreisen überhäuften “Bluebird, Bluebird” die Top-Position verteidigen konnte, ist gerechtfertigt. Ich stecke mitten in der Lektüre (ja,  immer noch – ich musste Don Winslows “Jahre des Jägers” einschieben), aber ich bin echt begeistert.

Ganz bald von mir gelesen wird auch “Willnot” von James Sallis. Kaum jemand kann auf wenigen Seiten so viel erzählen, wie dieser Autor – hier seien “Driver” und Driver 2″ (beide Bücher habe ich gelesen, bevor ich diesen Blog begonnen habe) erwähnt und empfohlen.

Auch von Gary Victors Qualitäten (“Soro”) konnte ich mich in der Vergangenheit schon überzeugen. “Im Namen des Katers” reizt mich daher ebenso wie Lucia Puenzos “Die man nicht sieht” – Straßenkinder als Profi-Einbrecher, das klingt gut.

Sara Gran geht auch endlich mal wieder an den Start. Über ihre ersten beiden Claire DeWitt-Krimis “Das Ende der Welt” und “Die Stadt der Toten” habe ich hier geschrieben. Während mich das eine Buch begeistert hat, war ich vom anderen eher enttäuscht. Also ist die Spannung wieder groß.

Eher nicht lesen werde ich Heinrich Steinfests “Der schlaflose Cheng”, da mich der Auftakt der Cheng-Reihe einst wenig begeisterte. Und auch Tana Frenchs “Der dunkle Garten” reizt mich nicht besonders, ebenso wie “Der wilde Detektiv” von Jonathan Lethem – da bin ich irgendwie skeptisch.

Alles in allem aber echt eine gute Krimizeit momentan!

Die Liste im Überblick:

1. Attica Locke: Bluebird, Bluebird (1)
2. James Sallis: Willnot (-)
3. Gary Victor: Im Namen des Katers (-)
4. Heinrich Steinfest: Der schlaflose Cheng (-)
5. Lucía Puenzo: Die man nicht sieht (3)
6. Tana French: Der dunkle Garten (2)
7. Sara Gran: Das Ende der Lügen (-)
8. Leonardo Padura: Die Durchlässigkeit der Zeit (-)
9. Jeong Yu-Jeong: Der gute Sohn (-)
10. Jonathan Lethem: Der wilde Detektiv (8)

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Krimi-Bestenliste im Februar: Ein Abgleich

(c) Polar Verlag

Ich habe es mir fast gedacht und auch erhofft. Attica Locke ist mit “Bluebird, Bluebird” gleich auf Platz eins der aktuellen Krimi-Bestenliste der FAZ eingestiegen. Ich habe die Lektüre zwar gerade erst begonnen, aber so viel steht schon fest: Hier hat der Polar Verlag einen guten Griff getan. Locke hat übrigens für ihr Buch sowohl den renommierten Edgar Award Winner 2018 als auch den Ian Fleming Steel Dagger 2018 erhalten, das spricht für sich.

Gelesen habe ich von der Liste Patrícia Melos “Der Nachbar” und Un-Su Kims “Die Plotter” (hier demnächst mehr darüber)- beides überzeugende Kriminalromane, die aus der Masse der Neuerscheinungen herausstechen.

Auf meiner Leseliste befindet sich Michael Farris Smiths “Desparation Road”. Lucía Puenzos “Die man nicht sieht” werde ich  nach der Bestenlisten-Empfehlung auch dazu nehmen (klingt echt gut), stattdessen aber Tomás Bárbulos “Versammlung der Toten” (die bisherigen Rezensionen sind eher verhalten) vermutlich eher nicht lesen.

Die Liste im Überblick:

1. Attica Locke: Bluebird, Bluebird (-)
2. Tana French: Der dunkle Garten (6)
3. Lucía Puenzo: Die man nicht sieht (-)
4. Sara Paretsky: Kritische Masse (1)
5. Un-Su Kim: Die Plotter (2)
6. Tomás Bárbulo: Versammlung der Toten (-)
7. Patrícia Melo: Der Nachbar (3)
8. Jonathan Lethem: Der wilde Detektiv (-)
9. Tito Topin: Tanzt! Singt! Morgen wird es schlechter (-)
10. Michael Farris Smith: Desperation Road (-)

 

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