Monthly Archives: December 2013

William Shaw: Abbey Road Murder Song

(c) suhrkamp

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“Mit weniger Verstrickungen und Komplikationen wäre ‘Abbey Road Murder Song’ ein sehr guter Kriminalroman geworden”, urteilt Sonja von zeilenkino über William Shaws Debütroman “Abbey Road Murder Song”. Wir sind ja sehr oft ähnlicher Meinung, aber hier weiche ich dann doch ab. Ich finde, das Buch ist definitv ein guter Kriminalroman geworden. Shaw schreibt atmosphärisch dicht und hat mit Cathal Breen und Helen Tozer eines der charmantesten Ermittlerpaare der modernen Kriminalliteratur geschaffen. Das auch in Serie geht, wie dem Klappentext zu entnehmen ist.

Shaw hat mich auf eine Zeitreise in das London des Jahres 1968 mitgenommen. Die Beatles stehen stellvertretend für jenen Umbruch, zu dem viele Menschen noch nicht bereit sind. Bei der Polizeiarbeit stehen Rassismus und Frauenfeindlichkeit auf der Tagesordnung. Besonders heftig fand ich, dass Frauen im London von damals im Polizeidienst eigentlich nicht ermitteln durften und ihre Meinung am besten für sich behalten sollten. Sie durften nicht einmal das Dienstfahrzeug lenken. Unvorstellbar, dass das nicht einmal 50 Jahre her ist.

Wer sich einen Krimi rund um die “Fab Four” John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr erwartet, wird aber enttäuscht sein. Die Ermittlungen führen den Polizisten Cathal Breen – der selbst ein Außenseiter innerhalb des Polizeiapparats ist – zwar in die Szene der Beatles-Fans, interessanterweise spielt aber auch der Biafra-Konflikt eine wichtige Rolle. Interessant auch deshalb, weil William Boyds James-Bond-Roman “Solo” sich ebenfalls sehr stark auf diesen längst vergessenen Bürgerkrieg bezieht.

Dennoch werden auch Beatles-Fans auf ihre Kosten kommen. Denn immer wieder fließen interessante die Beatles betreffende Details in die Handlung ein – etwa die Verhaftung von John Lennon wegen Drogenbesitzes.

Gestoßen bin ich auf “Abbey Road Murder Song” eigentlich deshalb, weil ich danach gesucht habe, welche Bücher meine Lieblingsübersetzerin Conny Lösch in letzter Zeit übersetzt hat. Ich glaube, sonst hätte ich das Buch nicht unbedingt gekauft. So viel zur Macht einer guten Übersetzung.

Ach ja, seht euch doch mal an, was Karo vom Blog deep read für eine nette Cover-Variation gestaltet hat. Gefällt mir!

8 von 10 Punkten

William Shaw: “Abbey Road Murder Song”, übersetzt von Conny Lösch, 475 Seiten, Suhrkamp Nova.

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Ian Fleming: Leben und sterben lassen

(c) Cross Cult

(c) Cross Cult

Das Erscheinen von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” habe ich mir zum Anlass genommen, wieder einmal einen Original-Bond von Ian Fleming zu lesen. Ich habe “Leben und sterben lassen” ausgewählt, weil mich das Buch in meiner Jugend nachhaltig beeindruckt hat und wohl ein Mitgrund dafür ist, warum ich Spannungsliteratur bis heute liebe.

Der für mich aus heutiger Sicht spannendste Aspekt: Ich habe vollkommen vergessen, dass James-Bond-Roman Nr. 2 von Rassismus nur so strotzt. “Die Negerrassen fangen gerade erst an, Genies in allen Bereichen zu produzieren – Wissenschaftler, Ärzte, Schriftsteller. Es wurde langsam Zeit, dass sie auch einen großen Verbrecher hervorbringen”, sagt Bonds Chef M. Nur ein paar Seiten später heißt es: “Immerhin war die Angst vor Voodoo und dem Übernatürlichen nach wie vor tief im Unterbewusstsein der Neger verwurzelt.” Das klingt schon heftig. Natürlich muss man das auch im Kontext der Zeit sehen.

Tief verwurzelt ist auch Flemings Antikommunismus. Die Sowjetunion ist das Feindbild, in seinen Büchern versinnbildlicht durch die Organisation SMERSH. Er ist ein literarischer Kalter Krieger durch und durch. Das vergisst man gerade angesichts der unpolitisch inszenierten Filme gern. Da steht vor allem der hedonistische Held im Vordergrund. “Der ursprünglich ur-britische, snobistische, fremdenfeindliche, imperialistische Brutalo-Agent James Bond ist nun die Verkörperung des neuen hedonistischen Lebensstil, der sich zusehends ausbreitet”, schreibt auch Hans-Peter Schwarz in seinem Buch “Phantastische Wirklichkeit. Das 20. Jahrhundert im Spiegel des Polit-Thrillers”.

Viele halten Fleming bis heute für einen drittklassigen Schundliteraten. Ich tue das nicht. Ich will ihn gleichzeitig nicht hochstilisieren. Aber er schreibt atmosphärisch dichte, spannende und unterhaltsame Geschichten um seinen Geheimagenten 007. Echte Thriller halt. “Leben und sterben lassen” ist das beste Beispiel.

8 von 10 Punkten

Ian Fleming: “Leben und sterben lassen”, übersetzt von Stephanie Pannen und Anika Klüver, 331 Seiten, Cross Cult.

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13 Krimis, die ich heuer auch noch lesen wollte

Ich habe heuer bisher immerhin 38 Krimis hier auf crimenoir besprochen, Buch Nummer 39 und 40 folgen noch vor Silvester. Ich glaube, ich habe noch nie zuvor so viele Bücher in einem Jahr gelesen. Auch die folgenden Krimis wollte ich heuer unbedingt lesen, doch ich habe es einfach nicht geschafft.

Ich verweise daher hier auf Rezensionen meiner Lieblings-Blogs und -Krimiseiten:

(c) liebeskind

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James Carlos Blake: “Das Böse im Blut”

“Das Böse im Blut” ist derartig finster, dass dagegen selbst die Fernsehserie “Deadwood”, die vor knapp zehn Jahren so manches Westernklischee auf seinen gewalttätigen Kern zurückführte, so harmlos wirkt wie “Bonanza”, schreibt Krimi-Welt-Blogger Marcus Müntefering auf “Spiegel Online”. “In “Das Böse im Blut”, das von US-Kritikern mit Cormac McCarthys Meisterwerk “Die Abendröte im Westen” auf eine Stufe gestellt wird, erzählt Blake die Besiedelung des amerikanischen Westens als Blutbad.”

(c) Zsolnay

(c) Zsolnay

Dror Mishani: “Vermisst”

“So hat es Avraham in seiner Industrievorstadt mit “Bagatelldelikten zu tun, über die niemand etwas lesen möchte”. Trotzdem gelingt es Mishrani, gewissermaßen vom untersten denkbaren Ausgangspunkt startend, aus dem unspektakulären Fall des vermissten Ofer Sharabi eine spannende, hintergründige Geschichte zu machen”, schreibt Tobias Gohlis in der “Zeit”.

(c) Droemer

(c) Droemer

Friedrich Ani: “M”

“Erst durch „M“ habe ich gemerkt, wie sehr ich Tabor Süden eigentlich vermisst habe. Und plötzlich ist es doch kein so großer Mist mehr für mich, dass ich noch ein paar Bände nachzuholen habe. Tabor, wir lesen uns ganz, ganz bald wieder!”, schreibt Nicole in ihrem Blog “My Crime Time”. Sie lobt Anis “höchst eigene poetische Sprache: schnörkellos, unaufgeregt und sehr, sehr genau.”

(c) Scherz

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Gillian Flynn: “Gone Girl”

“Vorneweg eine Warnung: in diesem Buch, ist nichts wie es scheint!” heißt es bei “bookwives”. Und die Autorin gibt zu, gewisse Startprobleme beim Lesen gehabt zu haben. “Die Autorin hat hier eine wirklich perfide Geschichte gestrickt. Der Plot ist unglaublich. Dazu hat sie sehr vielschichtige Charaktere erschaffen, die wir als Leser sehr tief kennen lernen. Um es in einem Wort auszudrücken: krass.”

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Don Winslow: “Manhattan”

“Zu diesem Buch möchte man die Jazz-Songs hören, die so häufig genannt werden, und anschließend noch einmal einige Beat-Poeten lesen. „Manhattan“ ist ein eleganter und altmodischer Thriller mit wohl komponierten Sätzen – und ein großes Vergnügen”, schreibt Sonja in ihrem Blog “zeilenkino”. Und auch Nicole (“My Crime Time”) empfiehlt dazu: “Leute, kramt eure Jazz- und Beat-Platten raus, wenn ihr diesen Krimi lest!”

(c) Dumont

(c) Dumont

James Sallis: “Stiller Zorn”

“Das ist, wie immer bei James Sallis, der auch Dichter und Musiker ist, poetisch geschrieben, erinnert von seiner Konstruktion und Erzählweise eher an ein Musikstück mit musikalischen Verweisen, Call-and-Response-Strukturen und refrainartig wiederauftauchenden Themen, als an einen traditionellen Privatdetektivroman, in dem der Detektiv zielstrebig den Fall aufklärt. Wie sagt man so schön: Lesebefehl!”, steht bei “kriminalakte” zu lesen.

(c) Pulp Masters

(c) Pulp Masters

Dave Zeltserman: “Paria”

“Zeltserman ist so raffiniert, uns Lesern ganz allmählich den Teppich unter den Füßen wegzuziehen”, schwärmt Thomas Klingenmaier in seiner Kolumne “Killer & Co.”. Zeltserman “stellt offen genau das in Frage, was er selbst bravourös betreibt, die Verwandlung des Kriminellen in Gruselkitzel. Wer „Paria“ liest, kann nicht einfach fasziniert wegschmökern, sondern muss zu seiner eigenen Antwort finden, warum er das eigentlich tut.”

(c) C. Bertelsmann

(c) C. Bertelsmann

Stephen Dobyns: “Das Fest der Schlangen”

“Hör auf!” ist das letzte Wort im Buch. Pure Leserprovokation. Dieser Stephen Dobyns weiß, dass – der Ankündigung zum Trotz, alles werde bald enden – niemand aufhören will, weiterzulesen, und doch ist Schluss”, schreibt Tobias Gohlis in seinem Blog “recoil”. “”Das Fest der Schlangen” ist ein Erzählfest,  festlich übersetzt von Rainer Schmidt.”

(c) KiWi

(c) KiWi

Megan Abbott: “Das Ende der Unschuld”

“«Das Ende der Unschuld» ist ein Psychodrama mit mehreren äusserst fragilen Oberflächen, ein in der Sommerhitze flimmerndes Bild aus jugendlich übersteigerten Vorstellungen und Einbildungen, ein schmerzhaftes Buch über Jugend und sexuelles Erwachen. Sehr viel feiner gebaut und gedacht als Megan Abbotts unterhaltsame Gangsternovellen, aber im Abgang genauso hart”, urteilt der Schweizer “Tagesanzeiger”.

(c) Page & Turner

(c) Page & Turner

Robert Wilson: “Stirb für mich”

“Das Vergnügen konventioneller Krimireihen, auf stets verlässlich einzuschätzendes Personal zu treffen, kontrastiert Wilson mit ambitionierter Psychologie. Bei ihm wachsen, retardieren, korrumpieren, verzweifeln, resignieren oder reifen die Charaktere.” Alf Mayer erklärt auf “culturmag.de” ausführlich, warum “Stirb für mich” ein gutes Buch ist.

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Walter Mosley: “Manhattan Fever”

Und noch einmal Sonja von “zeilenkino”: “Walter Mosley erzählt facettenreich und voller Details, ohne aber schwatzhaft zu werden. Stattdessen ist allein schon die Eröffnungsszene am Bahnhof unvergesslich – und hier führt Walter Mosley mühelos seine Hauptfigur sowie die Schatten vergangener Taten ein.”

(c) Heyne

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Olen Steinhauer: “Die Spinne”

“Steinhauers elegantes Erzählen, das vor allem mit intelligentem Überlagern von Zeitebenen und Erzählperspektiven arbeitet, die – wie die erzählte Handlung auch – erst peu à peu enthüllen und preisgeben, um was es geht, fordert den cleveren und kompetenten Leser”, schreibt Thomas Wörtche auf “culturmag.de”.

(c) Suhrkamp Nova

(c) Suhrkamp Nova

Hanna Jameson: “Kalter Schmerz”

“Aus der Perspektive des Killers schreibt sie präzise und schonungslos über einen Kosmos, in dem Verbrechen eher beiläufig geschehen – gelegentlich nur als Nebeneffekt von zu viel Koks oder Heroin. Gewalt ist an der Tagesordnung, Gefühle eher störend. Starkes Debüt”, schreibt Sabine Nedele in der Krimi-Kolumne “Killer & Co.”.

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Dennis Lehane: In der Nacht

(c) Diogenes

(c) Diogenes

Jetzt ist mir auch noch Sonja mit ihrer “In der Nacht”-Besprechung auf zeilenkino zuvor gekommen. Und sie bringt es ganz gut auf den Punkt: “Mit seinem knapp 600 Seiten langen Buch über den Aufstieg und Fall eines Bostoner Kriminellen bedient Dennis Lehane sämtliche Klischees über Gangster, auch verläuft Joes Leben in den zu erwartenden Bahnen. Dass dieses Buch dennoch von Anfang bis Ende fesselt, liegt vor allem an Lehanes lässig-ironischem Erzählstil. Er verleiht den Figuren nicht mehr Dramatik als nötig und behandelt sie zwar distanziert, aber nicht lieblos.”

In meiner aktuellen “Presse”-Rezension habe ich das sehr ähnlich formuliert: “Lehane erzählt eine bereits oft erzählte Geschichte so fesselnd, dass man niemals meint, er wandere auf abgetretenen Pfaden. Er versucht nicht, zwanghaft innovativ zu sein, sondern Altbekanntem neue Seiten abzugewinnen.” Das beweist eindrucksvoll, dass US-Autor Lehane zweifellos einer der größten zeitgenössischen Geschichtenerzähler seines Landes ist.

Worum es eigentlich geht? Ich zitierte mich noch einmal selbst: “Fesselnd erzählt Lehane die Geschichte von Joe Coughlin, einem kleinen Bostoner Kriminellen, der zum mächtigsten Rum-Schmuggler Floridas während der letzten Jahre der US-Prohibitionszeit aufsteigt. Die zentrale Frage des Romans lautet: Gibt es zwischen Gesetzlosen und Gangstern einen Unterschied? Eines ist klar, so sauber man auch in einer schmutzigen Welt zu bleiben versucht, schmutzig wird man immer. Während der Hochblüte des organisierten Verbrechens war das Überleben als „unabhängiger“, eigenständiger Krimineller fast nicht möglich. War man nicht für eine bestimmte Organisation, war man automatisch dagegen und somit vogelfrei.”

“In der Nacht” ist einer der besten Krimis des Jahres, wie auch aus meiner in den nächsten Tagen hier erscheinenden persönlichen Bestenliste ersichtlich wird. Einziger Kritikpunkt: Das liest sich fast schon zu gut, zu glatt, zu perfekt. Ich muss zugeben, das ist rational schwer zu begründen. Aber irgendwas hat mich gestört bzw. hat mir gefehlt. Vielleicht ist es auch diese Figur des Joe Coughlin, die einfach zu schön ist, um wahr zu sein. Deshalb ein Punkt Abzug. Ich warte also immer noch auf meinen ersten 10er hier! Interessante Beiträge gibt es übrigens auch bei den Blogs Analog-Lesen und Kaffeehaussitzer. Und wenn ich es richtig verstehe, in Kürze auch bei My Crime Time. Oder Nicole?

9 von 10 Punkten

Dennis Lehane: “In der Nacht”, übersetzt von Sky Nonhoff, Diogenes, 584 Seiten.

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KrimiZeit-Jahresbestenliste 2013: Ein Abgleich

(c) Tropen

(c) Tropen

Die Mutter aller Krimi-Listen ist da: Die KrimiZeit-Jahresbestenliste 2013! Meine Bilanz: 6 von 10 habe ich gelesen (habe ich auch mit Links hinterlegt). Eines dieser sechs Bücher befindet sich auch auf meiner persönlichen Top-10-Liste, über die ich hier in Kürze schreiben werde. Und ein wenig kurios: Eines befindet sich auf meiner persönlichen Top-10-Liste des Jahres 2012 – und da gleich auf Platz eins.

Es ist eine interessante Mischung: Eine brasilianische Autorin liegt ganz vorn, gefolgt von einem deutschen und einem britischen Autor. Zwei US-Autoren folgen auf den Plätzen vier und fünf. Dann kommt ein israelischer Autor, gefolgt von einem Briten, einem Südafrikaner und zwei weiteren US-Autoren. KrimiZeit ist da immer schön ausgewogen, denn so viel sei zu meiner eigenen Liste schon verraten: Da tummeln sich fast nur US-Autoren und Briten.

Die Liste im Überblick

  1. Patrícia Melo: “Leichendieb
  2. Friedrich Ani: M”
  3. Warren Ellis: “Gun Machine”
  4. Jerome Charyn: “Unter dem Auge Gottes”
  5. Sara Gran: “Das Ende der Welt”
  6. Lavie Tidhar: “Osama”
  7. John Le Carré: “Empfindliche Wahrheit”
  8. Mike Nicol: “Killer Country”
  9. Daniel Suarez: “Kill Decision”
  10. Don Winslow: “Kings of Cool”

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Cormac McCarthy: Der Anwalt

(c) rororo

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Könnte ich nur fünf Bücher auf eine Insel mitnehmen, Cormac McCarthys “Die Straße” wäre aus heutiger Sicht mit Sicherheit dabei (ebenso wie Don Winslows “Tage der Toten”). Das soeben erschienene erste Original-Drehbuch des 80-jährigen Autors wäre aber genauso sicher nicht dabei. “Der Anwalt” hat zwar starke Momente, enttäuscht letztlich aber. “Presse”-Filmkritiker Markus Keuschnigg hat es in seiner Filmkritik zu “The Counselor” gut auf den Punkt gebracht: “Brutal zerdehnte Dialogszenen liegen als spannungsbefreite Brocken in der Geschichte herum und werden dann und wann von Momenten der Gewalt abgelöst.” Da hilft auch das ganze Hollywood-Starensensemble (Brad Pitt, Cameron Diaz, Penelope Cruz, Michael Fassbender, Javier Bardem) nichts.

Zugegeben, ich habe den Film nicht gesehen. Aber es liegt sicher nicht nur an Regisseur Ridley Scott, sondern zu einem nicht unwesentlichen Teil auch an McCarthy. Statt Dialogen hat er phasenweise seitenlange Monologe geschrieben. Das nervt mitunter gewaltig und wirkt konstruiert.

Mich persönlich beruhigt es aber, dass selbst geniale Autoren wie McCarthy auch einmal schwache (Dreh-)Bücher schreiben können. Zwischendurch blitzt ja auch sein Genie auf und die typische McCarthy-Welt erwacht zu Leben. Doch das bleibt nur Stückwerk. Schade, aber auch kein Drama.

5 von 10 Punkten

Cormac McCarthy: “Der Anwalt”, übersetzt von Nikolaus Stingl, 173 Seiten, rororo.

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Sorj Chalandon: Rückkehr nach Killybegs

(c) dtv Premium

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Dass es sich bei Sorj Chalandons “Rückkehr nach Killybegs” nur am Rande und im weitesten Sinn um einen Kriminalroman handelt, kann man auch bei der Rezension auf hammett-krimis.de nachlesen. Das macht aber gar nichts, denn entweder ist ein Buch gut oder nicht. Und dieses Buch ist gut. Man muss es in keine Genre-Schachtel stecken.

Eigentlich ist es ja ein wenig skurril, dass ein Franzose einen großen Irland-Roman schreibt, aber hier ist das der Fall. Chalandon erzählt die Geschichte von Tyrone Meehan, mittlerweile über 80 Jahre alt, der in das Cottage seines Vaters zurückgekehrt ist, um die Rache seiner Landsleute zu erwarten. Es ist eine Geschichte des Verrats, die Chalandon so eindringlich erzählt, dass man glaubt, dabei gewesen zu sein. Es ist feinstes Kopfkino. Der Autor überzeugt durch eine klare Sprache und meidet jegliche Effekthascherei.

Auch in “Rückkehr nach Killybegs” wird wie schon bei Adrian McKintys “Der katholische Bulle” auf Bobby Sands und den Hungerstreik des Jahres 1981 eingegangen. Chalandon liefert dabei wirklich dramatische und authentische Bilder, die beim Lesen wehtun. Und ohne hier etwas verraten zu wollen: Meehans Verrat geschieht ausgerechnet nach dessen größter Aufopferung für die Sache Irlands. Chalandon versteht zweifellos viel von Psychologie. Hut ab. Ein Buch, das viele Leser verdient.

7 von 10 Punkten

Sorj Chalandon: “Rückkehr nach Killybegs”, übersetzt von Brigitte Große, 316 Seiten, dtv premium.

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