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William Shaw: Abbey Road Murder Song

(c) suhrkamp

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“Mit weniger Verstrickungen und Komplikationen wäre ‘Abbey Road Murder Song’ ein sehr guter Kriminalroman geworden”, urteilt Sonja von zeilenkino über William Shaws Debütroman “Abbey Road Murder Song”. Wir sind ja sehr oft ähnlicher Meinung, aber hier weiche ich dann doch ab. Ich finde, das Buch ist definitv ein guter Kriminalroman geworden. Shaw schreibt atmosphärisch dicht und hat mit Cathal Breen und Helen Tozer eines der charmantesten Ermittlerpaare der modernen Kriminalliteratur geschaffen. Das auch in Serie geht, wie dem Klappentext zu entnehmen ist.

Shaw hat mich auf eine Zeitreise in das London des Jahres 1968 mitgenommen. Die Beatles stehen stellvertretend für jenen Umbruch, zu dem viele Menschen noch nicht bereit sind. Bei der Polizeiarbeit stehen Rassismus und Frauenfeindlichkeit auf der Tagesordnung. Besonders heftig fand ich, dass Frauen im London von damals im Polizeidienst eigentlich nicht ermitteln durften und ihre Meinung am besten für sich behalten sollten. Sie durften nicht einmal das Dienstfahrzeug lenken. Unvorstellbar, dass das nicht einmal 50 Jahre her ist.

Wer sich einen Krimi rund um die “Fab Four” John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr erwartet, wird aber enttäuscht sein. Die Ermittlungen führen den Polizisten Cathal Breen – der selbst ein Außenseiter innerhalb des Polizeiapparats ist – zwar in die Szene der Beatles-Fans, interessanterweise spielt aber auch der Biafra-Konflikt eine wichtige Rolle. Interessant auch deshalb, weil William Boyds James-Bond-Roman “Solo” sich ebenfalls sehr stark auf diesen längst vergessenen Bürgerkrieg bezieht.

Dennoch werden auch Beatles-Fans auf ihre Kosten kommen. Denn immer wieder fließen interessante die Beatles betreffende Details in die Handlung ein – etwa die Verhaftung von John Lennon wegen Drogenbesitzes.

Gestoßen bin ich auf “Abbey Road Murder Song” eigentlich deshalb, weil ich danach gesucht habe, welche Bücher meine Lieblingsübersetzerin Conny Lösch in letzter Zeit übersetzt hat. Ich glaube, sonst hätte ich das Buch nicht unbedingt gekauft. So viel zur Macht einer guten Übersetzung.

Ach ja, seht euch doch mal an, was Karo vom Blog deep read für eine nette Cover-Variation gestaltet hat. Gefällt mir!

8 von 10 Punkten

William Shaw: “Abbey Road Murder Song”, übersetzt von Conny Lösch, 475 Seiten, Suhrkamp Nova.

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Krimis, die man 2013 lesen sollte (X)

(c) Berlin Verlag

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Vor einigen Tagen habe ich hier bereits berichtet, dass der neue James-Bond-Roman “Solo” (Berlin Verlag) am 1. Oktober erschienen ist. Ich habe das Buch mittlerweile gelesen und werde dazu in Kürze hier schreiben. Nur kurz: William Boyd schließt mit seinem 007 an jene Geheimagenten-Figur an, die Erfinder Ian Fleming ursprünglich geschaffen hat. In ersten Rezensionen zu dem neuen Buch konnte ich eine besondere Problematik erkennen: Viele Rezensenten dürften vor allem den Film-Bond kennen, aber nicht die Ian-Fleming-Romane. Und dann sind Vergleiche tatsächlich wie Äpfel mit Birnen. Dazu aber bald mehr.

(c) dtv Premium

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Ebenfalls am 1. Oktober erschienen ist “Rückkehr nach Killybegs” (dtv Premium) von Sorj Chalandon. Zum Inhalt schreibt der Verlag: Tyrone Meehan ist zurückgekehrt, in das Cottage seines Vaters, im irischen Killybegs. Hier wartet er auf die Rache seiner Landsleute, auf seine Erschießung. Er hat sein Land verraten, die IRA, seine Familie 2006 wurde er, ein ranghoher IRA-Kämpfer, als Spion des britischen Geheimdienstes enttarnt. Er hatte einst im Kampfgetümmel einen Gefährten erschossen. Seine Männer bemerkten dies nicht, kürten ihn sogar zum Helden. Der MI 5 aber kannte den wahren Sachverhalt – und erpresste Meehan. Aber Achtung! Es dürfte sich dabei nicht um einen klassischen Krimi handeln, wie auch Hammett-Krimis schreibt: “Ein Kriminalroman ist dies hier nur am Rand und im weitesten Sinne.” Mich wird das nicht vom Lesen abhalten. Das Buch ist fix eingeplant.

(c) rororo

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Sehr vielversprechend dürfte auch ein anderes Buch sein, das gestern den Weg in mein Regal gefunden hat. “Cash Out” (rororo), ebenfalls am 1. Oktober erschienen, von Greg Bardsley wird als Thriller tituliert, doch auch der Humor dürfte darin nicht zu kurz kommen. Der Verlag verspricht “eine wahnwitzige Jagd durchs Silicon Valley: Der Held brüllt vor Schmerzen, der Leser vor Lachen.” Bei solchen Empfehlungen muss man ja immer vorsichtig sein, aber ich hoffe auf das Beste. Das Buch beginnt übrigens mit der Sterilisation von Dan Jordan, der Hauptfigur: “Gott, was würde meine Frau dafür geben, mich so zu sehen.”

(c) suhrkamp

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Am 21. Oktober erscheint “Der Geschmack der Gewalt” von Frank Bill (suhrkamp). Von Bill ist im Vorjahr der Kurzgeschichtenband “Cold Hard Love” erschienen. “Southern Indiana präsentiert sich in seinen Kurzgeschichten als jene Gegend, um die man bei einem USA-Trip einen weiten Bogen machen sollte. Bei aller Gewalt erweist sich Bill aber auch als sprachgewaltiger Erzähler”, habe ich damals geurteilt. Nun wird also sein erster Roman veröffentlicht. Schon das Cover macht deutlich, dass Zartbesaitete von Bill wohl weiterhin die Finger lassen sollten. “Wo zur Hölle kommt dieser Kerl her? Geht ab wie ein verdammtes Raumschiff und erwischt einen hart wie der Stiel einer Axt am Hinterkopf”, soll auch Country-Noir Autor Donald Ray Pollock (Autor von “Knockemstiff”) laut Verlag über Bill gesagt haben.

(c) suhrkamp

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Und ebenfalls am 21. Oktober erscheint mein letzter Tipp: “Abbey Road Murder Song” (suhrkamp) von William Shaw. Der Autor entführt in das London des Jahres 1968, das ganz im Zeichen der Beatles steht. Die Ermittlungen führen Detective Cathal Breen und seine Kollegin Helen Tozer vom Fan-Club der Fab Four zu einer Gerichtsverhandlung gegen John Lennon und zu George Harrisons Haus. Übersetzt wurde das Buch übrigens von Conny Lösch, was für mich wie eine Kaufempfehlung zählt. Sie hat etwa Don Winslow, Elmore Leonard und Howard Linskey übersetzt.

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