Cormac McCarthy: Der Anwalt

(c) rororo

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Könnte ich nur fünf Bücher auf eine Insel mitnehmen, Cormac McCarthys “Die Straße” wäre aus heutiger Sicht mit Sicherheit dabei (ebenso wie Don Winslows “Tage der Toten”). Das soeben erschienene erste Original-Drehbuch des 80-jährigen Autors wäre aber genauso sicher nicht dabei. “Der Anwalt” hat zwar starke Momente, enttäuscht letztlich aber. “Presse”-Filmkritiker Markus Keuschnigg hat es in seiner Filmkritik zu “The Counselor” gut auf den Punkt gebracht: “Brutal zerdehnte Dialogszenen liegen als spannungsbefreite Brocken in der Geschichte herum und werden dann und wann von Momenten der Gewalt abgelöst.” Da hilft auch das ganze Hollywood-Starensensemble (Brad Pitt, Cameron Diaz, Penelope Cruz, Michael Fassbender, Javier Bardem) nichts.

Zugegeben, ich habe den Film nicht gesehen. Aber es liegt sicher nicht nur an Regisseur Ridley Scott, sondern zu einem nicht unwesentlichen Teil auch an McCarthy. Statt Dialogen hat er phasenweise seitenlange Monologe geschrieben. Das nervt mitunter gewaltig und wirkt konstruiert.

Mich persönlich beruhigt es aber, dass selbst geniale Autoren wie McCarthy auch einmal schwache (Dreh-)Bücher schreiben können. Zwischendurch blitzt ja auch sein Genie auf und die typische McCarthy-Welt erwacht zu Leben. Doch das bleibt nur Stückwerk. Schade, aber auch kein Drama.

5 von 10 Punkten

Cormac McCarthy: “Der Anwalt”, übersetzt von Nikolaus Stingl, 173 Seiten, rororo.

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4 Comments

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4 responses to “Cormac McCarthy: Der Anwalt

  1. Sehr gerne breche ich eine Lanze für den Film (also nicht das Drehbuch) “The Counselor”. Das ist ein mutiger Film, der geschickt auf die Konventionen setzt, die er gleichzeitig bricht. Das Drehbuch kann die Visualität des Films, das Gegeneinander von Bild und Ton nur ansatzweise deutlich machen. Ich kann verstehen, dass man diesen Film für gequirlten, prätentiösen Mist halten, für mich war er ein kreativer und nihilistischer Hochglanz-Thriller. Ausführlicher dazu: http://www.kino-zeit.de/filme/the-counselor

    Aber da “The Road” auch mein Lieblings-McCarthy ist, habe ich noch eine Frage: Hast Du die Verfilmung gesehen?

    • Ja, habe ich. Der Film hat mir ausgesprochen gut gefallen. Und ich finde es auch gut, dass du eine Lanze für den Film brichst (den ich ja leider noch nicht gesehen habe), da ich fast nur negative Kritiken gelesen habe. Finde es gut, dass du da deine eigene Meinung hast. Mir hat es aber schon beim Lesen im wahrsten Sinne des Wortes den Hals zusammengeschnürt, ich will mir gar nicht vorstellen, wie diese Szene erst gefilmt rüberkommt…

      • Diese Szene ist gar nicht so schlimm wie man sie sich vorstellt – ich fand sie jedenfalls beim Lesen weitaus grausamer.

        Bei der Verfilmung von “The Road” habe ich mich sehr darüber geärgert, dass durch die Rückblenden und das Spielzeug des Jungen die düstere, grausame Wirklichkeit des Romans aufgeweicht wird. Und genau das macht Ridley Scott eben nicht.

      • Ja, mit den Rückblenden hast du natürlich recht. Ich war überhaupt in meinem Urteil beeinträchtigt, weil ich den Film nach dem Buch gesehen habe und schon alles wusste.

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