Ian Fleming: Leben und sterben lassen

(c) Cross Cult

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Das Erscheinen von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” habe ich mir zum Anlass genommen, wieder einmal einen Original-Bond von Ian Fleming zu lesen. Ich habe “Leben und sterben lassen” ausgewählt, weil mich das Buch in meiner Jugend nachhaltig beeindruckt hat und wohl ein Mitgrund dafür ist, warum ich Spannungsliteratur bis heute liebe.

Der für mich aus heutiger Sicht spannendste Aspekt: Ich habe vollkommen vergessen, dass James-Bond-Roman Nr. 2 von Rassismus nur so strotzt. “Die Negerrassen fangen gerade erst an, Genies in allen Bereichen zu produzieren – Wissenschaftler, Ärzte, Schriftsteller. Es wurde langsam Zeit, dass sie auch einen großen Verbrecher hervorbringen”, sagt Bonds Chef M. Nur ein paar Seiten später heißt es: “Immerhin war die Angst vor Voodoo und dem Übernatürlichen nach wie vor tief im Unterbewusstsein der Neger verwurzelt.” Das klingt schon heftig. Natürlich muss man das auch im Kontext der Zeit sehen.

Tief verwurzelt ist auch Flemings Antikommunismus. Die Sowjetunion ist das Feindbild, in seinen Büchern versinnbildlicht durch die Organisation SMERSH. Er ist ein literarischer Kalter Krieger durch und durch. Das vergisst man gerade angesichts der unpolitisch inszenierten Filme gern. Da steht vor allem der hedonistische Held im Vordergrund. “Der ursprünglich ur-britische, snobistische, fremdenfeindliche, imperialistische Brutalo-Agent James Bond ist nun die Verkörperung des neuen hedonistischen Lebensstil, der sich zusehends ausbreitet”, schreibt auch Hans-Peter Schwarz in seinem Buch “Phantastische Wirklichkeit. Das 20. Jahrhundert im Spiegel des Polit-Thrillers”.

Viele halten Fleming bis heute für einen drittklassigen Schundliteraten. Ich tue das nicht. Ich will ihn gleichzeitig nicht hochstilisieren. Aber er schreibt atmosphärisch dichte, spannende und unterhaltsame Geschichten um seinen Geheimagenten 007. Echte Thriller halt. “Leben und sterben lassen” ist das beste Beispiel.

8 von 10 Punkten

Ian Fleming: “Leben und sterben lassen”, übersetzt von Stephanie Pannen und Anika Klüver, 331 Seiten, Cross Cult.

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