Category Archives: Rezensionen

Daumen rauf oder Daumen runter?

Claus Probst: Die Jagd

(c) Fischer Taschenbuch

“Die Jagd” von Claus Probst ist ein klassischer Thriller, der sich aber auch nicht allzu ernst nimmt. Das einzige, was der Autor ernst nimmt: Seine Leser zu unterhalten. Das ist ihm meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Das Buch ist schnell verschlungen, allerdings wirkt es auch nicht großartig nach. Was aber ebenfalls nichts macht, denn manchmal ist es einfach schön, durch ein Buch zu rasen. Ob es klug ist, Vergleiche mit “Breaking Bad” und “Jason Bourne” aufzudrängen? Ich glaube eher nicht. Da kann man nur verlieren. Aber irgendwie will der Verlag das Buch natürlich vermarkten.

Worum es geht? Als ein harmloser Typ Zeuge eines grausamen Verbrechens wird, gerät sein Leben aus den Fugen. Claus Probst macht daraus allerdings kein ernstes Stück Kriminalliteratur, sondern ein komisches. Nein, was da abgeht, ist nicht realistisch. Und: Ja, der Autor überzieht mit seinem lockeren, humorvollen Erzählstil mitunter.

Manche Dialoge, Szenen und Bilder sind echt gelungen. Manche dann wieder weniger. Gegen Ende geht ihm auch ein wenig die Luft aus. Der Schluss ist ohnehin auch ein Kapitel für sich, wobei das auch viel Geschmackssache ist. Aber wie gesagt: Die perfekte Lektüre für zwischendurch.

6 von 10 Punkten

Claus Probst: “Die Jagd”, Fischer Verlag, 344 Seiten.

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Candice Fox: Crimson Lake

(c) Suhrkamp

“Hades” von Candice Fox war meine persönliche Krimi-Enttäuschung des Vorjahrs. Ich konnte den Hype nicht nachvollziehen. Ich habe daher nach der Lektüre beschlossen, die beiden folgenden Bände der Trilogie nicht zu lesen. Da ich sehr selten zu solchen Schlüssen komme, habe ich entschieden, der Autorin noch eine Chance zu geben. Mit “Crimson Lake”, dem Auftakt zu einer neuen Reihe, habe ich es nun also getan.

Und was soll ich sagen: Es gibt ohnehin nicht viel Spannenderes als das Leseleben eines Krimilesers. Aber wieder einmal – zuletzt ist mir das bei Adam Sternbergh passiert – hat sich gezeigt, dass es gut ist, nicht zu schnell endgültige Schlüsse zu ziehen. Nach dem Motto: Traue nie deiner eigenen Meinung 😉

Fox hat mich nun wirklich überrascht, um nicht zu sagen: umgehauen. “Crimson Lake” ist einfach die pure Krimi-Unterhaltung. Nicht besonders realistisch, aber wunderbar abgefahren: Mit einer Mörderin und einem Pädophilen (wenn man dem Volkszorn glauben kann) als ermittelnde Hauptfiguren. So etwas Schräges liest man doch selten.

Meine Befürchtungen, dass Fox in irgendwelche Peinlichkeiten abdriften könnte, hat sich auf keiner Seite bewahrheitet. Im Gegenteil, ich habe sehr früh gespürt, dass sich hier eine außerordentliche Geschichte entwickelt, die natürlich auch gar nicht leicht zu erzählen ist, weil man da ordentlich ins Fettnäpfchen treten kann. Wider Erwarten hat sich Fox aber als durchaus sensible Erzählerin entpuppt. Sensibel und schräg zugleich: Das ist schon eine besondere Mischung.

Jedenfalls hat das echt Spaß gemacht. Von dem Duo Ted und Amanda will ich mehr lesen. So viel steht fest.

8 von 10 Punkten

Candice Fox: “Crimson Lake”, übersetzt von Andrea O’Brien, Suhrkamp, 380 Seiten.

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Don Winslow: Corruption

(c) Droemer

Um es in seinem typisch stakkatoartigen Stil zu schreiben: US-Krimiautor Don Winslow ist zurück. Wuchtvoll. Eindringlich. Erschütternd.

Die durchaus vernachlässigbaren Lückenfüller “Vergeltung” und “Germany” (beide auf Englisch übrigens niemals erschienen) sind nach wenigen Seiten vergessen. “Corruption” ist ein harter Kriminalroman über “Dirty Cops” in New York City. Denny Malone ist ein altgedienter Detective einer Polizei-Eliteeinheit in North Manhattan. Er selbst fühlt sich im Viertel wie ein König. Doch der strahlende Held ist korrupt bis auf die Knochen. Er nimmt ohne Bedenken Geld, auch vor Drogen und Mord schreckt er nicht zurück. Er befindet sich auf einem selbstherrlichen und selbstzerstörerischen Trip.

Das Buch hat vielleicht nur einen Fehler: Winslow übertreibt maßlos. Denn nach der Lektüre fragt man sich, ob es überhaupt möglich ist, als Polizist des New Yorker Police Department sauber zu bleiben.

Wie es so weit kommen kann? “Die Cops sehen, was passiert. Jeden Tag und jede Nacht. Die Verletzten, die Toten”, schreibt Winslow. Das verändert sie. Es beginnt mit dem Hass gegen die Täter. Doch dabei bleibt es nicht. Fühlen sie zuerst noch mit den Opfern von Gewalttaten, beginnen sie irgendwann, auch diese zu hassen: “Warum sind die so wehrlos, warum sind die so schwach, warum leben die in diesen Verhältnissen, warum gehen die in eine Gang, warum werden die Dealer, warum erschießen die sich gegenseitig ohne jeden Grund . . . warum benehmen die sich alle wie die Tiere?”

Und so kommt es, dass sich die Polizisten selbst irgendwann wie Tiere benehmen. Sie halten es nur mehr unter ihresgleichen aus. Niemand anderer versteht sie. Das Wandeln zwischen den Welten wird zunehmend unerträglicher. Der Alltag mit der Familie erscheint verlogen.

“Von Razzien, Festnahmen, Verfolgungsjagden über Dächer und Höfe zurückkommen, vollgepumpt mit Speed, Adrenalin, Angst und Wut, um hier in einem der braven Reihenhäuser Domino, Monopoly oder Pfennigpoker zu spielen?”

Es erscheint unvorstellbar, aber Malone sehnt sich zurück auf die Straßen, “in das heiße, stinkige, lärmende, gefährliche, schräge, nervende, empörende Harlem mit richtigen Menschen, richtigen Ganoven, Junkies, Dealern, Huren”.

Das eigentlich Erschreckende an dem Thriller ist aber, dass es nicht nur ein Buch über korrupte Polizisten ist. Winslow legt vielmehr ein flächendeckendes System der Korruption offen, in dem der Polizist Malone nur ein kleines Rädchen ist. Vom Bürgermeister abwärts hat jeder Dreck am Stecken. Wird ein wichtiger Verbrecher geschnappt, gibt es immer irgendeinen Deal, mit dem man sich die Freiheit erkaufen kann. Jeder profitiert von dem System. Und irgendwann gelangt jeder – ob Richter, Staatsanwalt oder Strafverteidiger – zu der Frage: “Warum sollen nur die Bösewichter kassieren?”

So weit, so gut. Aber ich verstehe auch die Winslow-Kritiker, von denen Thomas Wörtche seinen Unmut wohl am härtesten formuliert: “Stimmt, “Corruption” ist keine Katastrophe mehr – es ist nur ein völlig belangloses Buch”, schreibt er. “Eingepackt ist das Ganze in eine Art Stadtführer von Manhattan (“Und hier sehen Sie das Apollo-Theater”) aus dem Zettelkasten, elend langen Diskursen, gerne auch in Dialogen, in denen sich die Figuren Fakten erzählen, die zur Information der Leser dienen und zu sonst gar nichts – über weite Strecken ist “Corruption” ein Sachbuch mit didaktischer Handlung minus jeder Art von Literarizität, worüber auch ein paar clever Action Sequenzen nicht wirklich hinweghelfen.”

Ich mag seinen faktenlastigen Stil dennoch. Wenn man ihm etwas vorwerfen kann, dann dass er mitunter vergisst zu erzählen, dass er sich zu sehr darauf konzentriert, dem jeweiligen brisanten Thema gerecht zu werden. Mit seinem Meisterwerk “Tage der Toten” hat er meiner Meinung nach die optimale Mischung erreicht. “Das Kartell” glich manchmal einer Aneinanderreihung jeder tödlichen Drogen-Metzelei, die es je in Mexiko gab. Das war zu viel. Nun wartet er auch in “Corruption” seitenweise mit Dialogen auf, in denen die Welt, wie sie Winslow versteht, erklärt wird. Und vielleicht sind es vor allem sein Hang zur Übertreibung sowie zu Archetypen, die sich von Buch zu Buch abnutzen.

8 von 10 Punkten

Don Winslow: “Corruption”, übersetzt von Chris Hirte, Droemer, 544 Seiten.

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Lee Child: Der letzte Befehl

(c) Blanvalet

Lee Childs Jack-Reacher-Thriller sind die perfekte Lektüre für den Urlaub. Ich bin da beim Lesen nicht ganz so anspruchsvoll und genieße gern Reachers politisch unkorrekte, leicht machomäßige (“Ich meine, die Kerle waren anfangs zu viert, und ich habe ihnen die Chance gegeben, mit Verstärkung zurückzukommen. Und was tun sie? Sie kreuzen mit zwei Mann mehr auf. Das war’s schon. Die Kerle sind nur zu sechst angetreten. Was hat das zu bedeuten? Das ist bewusste Respektlosigkeit.”) Welt. “Der letzte Befehl” zeigt uns laut Rückentext des Buches “die Geburt einer Thriller-Legende: Jack Reacher – wie alles begann!”.

Nun ja, allzu viel Neues erfährt man über Jack Reacher nun auch wieder nicht. Interessant ist vielmehr, dass das nun auf Deutsch vorliegende Buch eigentlich Nummer 16 der Reacher-Reihe ist, aber erst nach Abschluss der sogenannten Susan-Turner-Tetralogie als 18. Band erscheint. Zumindest dürfte ab nun die richtige Reihenfolge wiederhergestellt sein.

Aber zurück zu Reacher: Wie gesagt, viel Neues erfährt man nicht über ihn. Bloß die Ursprünge seiner Verhaltensweisen werden hier noch einmal erklärt. Etwa: Warum kauft sich Reacher immer wieder neue T-Shirts statt sie waschen zu lassen, wenn sie schmutzig sind? Ein wenig Reacher-Nostalgie sozusagen.

Auch spielt der Autor gekonnt mit Erwartungen. Zwar wird Reachers Bruder immer wieder erwähnt. Aber Child versteht es gekonnt, den Leser mit wenig neuen bis gar keinen Informationen zurückzulassen. Hier foppt er die Leser genußvoll, das sind schöne Schmähs für echte Reacher-Fans. Natürlich dürfen auch die oben erwähnten Schlägereien nicht fehlen.

Allerdings war mir das diesmal doch ein wenig zu schablonenhaft runtergeschrieben, über die ideenlosen Sexszenen will ich erst gar kein Wort verlieren. Recht phantasielos.

6 von 10 Punkten

Lee Child: “Der letzte Befehl”, übersetzt von Wulf Bergner, Blanvalet, 448 Seiten.

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Monika Geier: Alles so hell da vorn

(c) Ariadne Kriminalroman

Mit Bettina Boll, der Teilzeitpolizistin, hat Autorin Monika Geier eine Figur erschaffen, die auch nach der Lektüre nicht gleich wieder verschwindet. “Alles so hell da vorn” ist ein außergewöhnliches Stück Kriminalliteratur und bereits der siebente Band der Boll-Reihe.

Wie die Kriminalkommissarin ihren Job und die beiden Kinder oft mehr schlecht als recht unter einen Hut bringt, liest sich sehr authentisch. Einmal kommt Boll nach einem anstrengenden Arbeitstag völlig ausgelaugt nach Hause, wo sich ihr das übliche Chaos bietet: “Das Wohnzimmer sah aus wie Sau, die Schulranzen lagen in der Küche auf dem Boden, neben den Jacken.” Die Kinder sitzen natürlich vor dem Fernseher. Als Boll ausrastet und anklagend wissen will, wie es hier aussehe, bekommt sie von ihrer Tochter ein lapidares “So wie immer” und von ihrem Sohn ein hochnäsiges “Ganz normal” zu hören. Das kommt mir sehr bekannt vor. Es ist eine Szene aus dem ganz normalen Leben – gekrönt mit der Forderung des Pubertierenden: “Was gibt’s eigentlich zu essen?”

Monika Geier ist eine großartige, vielschichtige Erzählerin, die mit einem ausgeprägten Gespür für Details viel über unsere Welt zu sagen hat. Sie formuliert pointiert und zeichnet ihre Charaktere sehr feinfühlig.

Man darf sich auch nicht täuschen lassen, die heitere Erzählweise kippt nie ins Gemütliche – dazu ist das Hauptthema der Kinderprostitution zu schwerwiegend: Ausgerechnet in einem Vorstadtbordell wird Bolls ehemaliger Kollege Ackermann von einer jungen Prostituierten erschossen. Als die Täterin kurz darauf in einer Schule eine weitere Bluttat begeht, wird alles immer rätselhafter. Die Polizistin sieht sich mit einem heiklen Fall konfrontiert, der immer mehr Fragen über die Hintergründe aufwirft. Auch das Verschwinden eines kleinen Mädchens vor einem Jahrzehnt scheint dabei eine Rolle zu spielen.

Geiers Blick auf die dunkle, abgründige Seite der Provinz und die ständigen Kompetenz- und Machtverschiebungen innerhalb des Polizeisystems ist sehr klar. Natürlich spielt auch eine Rolle, dass es Boll als Frau im Männerverein der Polizei nicht immer einfach hat. Alphamännchen-Gehabe zwischen Männern beschreibt die Autorin aber auf ihre typisch humorvolle Weise so: “Er sah ihm in die Augen, Zerche blickte hypnotisiert zurück, es war wie Armdrücken, nur ohne Kalorienverbrauch.”

Geier schafft es immer wieder zu überraschen. Ihre Figur Boll hat einiges zu durchleben, Wendungen gibt es bis zum Schluss. Auch ein Ende mit sieben Epilogen findet man selten, wobei mir die letzte Seite einen besonderen Stoß ins Herz versetzt hat. Das ist gehobene Krimikunst.

Ariadne-Herausgeberin Else Laudan schreibt sehr treffend im Vorwort über ihre Autorin: “Monika Geier klagt nicht an, belehrt uns nicht, sie beschränkt sich strikt aufs Erzählen, kunstvoll, spannend und verschmitzt.” Viel mehr kann ein moderner Kriminalroman, ob von Frauen- oder Männerhand verfasst, nicht tun.

10 von 10 Punkten

Monika Geier: “Alles so hell da vorn”, 352 Seiten, Ariadne.

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Simone Buchholz: Beton Rouge

(c) Suhrkamp Nova

Chastity Riley ist ein ungewöhnlicher Name für eine Hamburger Staatsanwältin. So gesehen ist der Name Programm bei der Krimi-Reihe von Simone Buchholz, aus der nun Band sieben, “Beton Rouge”, vorliegt. Denn vieles ist ungewöhnlich im Universum von Riley, die es diesmal mit einem besonderen Fall zu tun bekommt: Vor einem Verlagsgebäude steht eines Morgens ein Käfig. Darin liegt nackt, misshandelt und betäubt ein Manager des Verlags. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ist gewiss. Nur so viel sei verraten: Es wird nicht der letzte Käfig sein.

Es ist meine zweite Begegnung mit Chastity Riley, deren literarische Bekanntschaft ich erstmals mit “Blaue Nacht” (dem sechsten Teil) machen durfte. Damals war ich noch ein wenig verhaltener in meiner Kritik, ich hatte das Phänomen noch nicht so ganz erfasst. Ein Buch später sehe ich das aber schon besser.

Der Autorin gelingt es immer wieder auf faszinierende Weise, gesellschaftliche Phänomene aufzugreifen und dann mit einer wilden, eigenwilligen, ausufernden Geschichte zu vermischen. Ihre Bücher leben vor allem von dem nicht immer ganz verständlichen, oft widersprüchlichen und daher sehr authentischen Innenleben der Hauptfigur. Chastity Riley ist eine völlig unangepasste, eigenwillige Frau, die sich in keine der üblichen Schubladen einordnen lässt.

Es steckt auch sehr viel Witz in den Kriminalromanen der Autorin. Diesmal bekommen etwa die Bayern – Riley muss dienstlich in den Süden Deutschlands – etliche bissige Seitenhiebe ab. Man könnte natürlich auch Plot-Schwächen kritisieren, das wäre aber kleinlich. Riley-Romane funktionieren nun mal so. Man kann sich dem Sog dieser ganz eigenen Welt, die Buchholz erschafft, nur schwer entziehen.

Falls ich es hier nicht schon erwähnt habe: Das Cover zählt für mich zu einem der besten des heurigen Krimijahres. Sehr stimmungsvoll. Auch in Kombination mit dem ungewöhnlichen Titel.

8 von 10 Punkten

Simone Buchholz: “Beton Rouge”, Suhrkamp Nova, 227 Seiten.

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Zoë Beck: Die Lieferantin

(c) Suhrkamp

Zoë Beck führte im August mit “Die Lieferantin” die Krimi-Bestenliste an. Ich bin froh, diese Autorin nun endlich beim Lesen kennengelernt zu haben. Ein wenig habe ich mich an Tom Hillenbrands hervorragenden Tech-Noir-Thriller “Drohnenland” erinnert gefühlt, obwohl dieses Buch noch wesentlich utopischer wirkt als das nun vorliegende.

Drogenlieferungen per Drohnen? Nach der Bestellung per App? Das ist nicht allzu weit weg von der Realität. Zudem entführt Beck in ein fremdenfeindliches Großbritannien nach dem Brexit. Erneut steht die Gesellschaft vor einer Spaltung: Wie wird das Votum über den Druxit, also ein komplettes Drogenverbot, ausgehen?

Zoë Beck ist eine geübte, tolle Erzählerin. Sie versteht es, den Leser schnell in ihre Geschichte zu ziehen. Ihre mehrdimensionalen Charaktere sind fein gezeichnet. Sie schreibt gekonnt über gesellschaftliche Probleme, ohne moralisch zu werden. Ist es etwa möglich, aus moralischen Gründen mit Drogen zu handeln? Über diese Frage hatte ich bis zur Lektüre dieses Buches noch nicht nachgedacht. Beck überlässt es aber dem Leser, sich sein eigenes Urteil zu bilden.

Bloß im letzten Drittel, bei der Auflösung, lässt das Buch ein wenig nach. Die Verhaltensweise von Declan, dem Sohn des mächtigen Unterwelt-Bosses, gegen Ende hin war für mich nicht ganz nachvollziehbar. Ohne hier mehr zu verraten: Würde er tatsächlich derartig drastische Folgen fast gleichgültig in Kauf nehmen? Die Wandlung, die er vollzieht, ist für mich nicht so richtig glaubwürdig. Das passt für mich mit dem Declan, den man zu Beginn des Buches kennenlernt, nicht hundertprozentig zusammen.

Alles in allem ist “Die Lieferantin” aber ein gelungenes Stück Kriminalliteratur. Auch weil die Geschichte nicht in einem luftleeren Raum spielt, sondern sich mit der Gesellschaft auseinandersetzt, in die sie eingebettet ist.

7 von 10 Punkten

Zoë Beck: “Die Lieferantin”, Suhrkamp, 325 Seiten.

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