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Daumen rauf oder Daumen runter?

Clementine Skorpil: Max Leitner, Ausbrecherkönig

(c) Edition Raetia

Clementine Skorpil kann also nicht nur historische China-Krimis (“Gefallene Blüten”, “Guter Mohn, du schenkst mir Träume”,  Kurztext zu “Langer Marsch”), sondern auch zeitgenössischen Südtirol-True-Crime-Krimi. So könnte man es nach der Lektüre von “Max Leitner, Ausbrecherkönig” formulieren. Vor allem zeigt das Buch aber, wie man Dichtung und Wahrheit perfekt miteinander verbinden kann.

“Max ist nicht tot, aber auch nicht lebendig. Es ist schlimmer als tot sein. Er sitzt im Gefängnis. Lebendig begraben.”

In sein Schicksal gefügt hat sich der erwähnte Max aber nie. Fünfmal ist der mittlerweile 61-jährige Südtiroler aus Gefängnissen ausgebrochen, genauso oft wurde er wieder geschnappt. Fast sein halbes Leben hat er hinter Gittern verbracht. Leitner selbst sieht sich bis heute als ein Justizopfer. Er werde wie ein wildes Tier gejagt, „zu Tode gehetzt“, sagte er 2011 auf der Flucht in einem aufsehenerregenden Video. „Ich habe zwar Banken und Geldtransporter überfallen, jedoch nie einem Menschen ein Haar gekrümmt.“

Der Mythos des Ausbrecherkönigs – Skorpil erliegt ihm nicht, auch weil sie aus zwei Perspektiven erzählt. Sie stellt Max einen fiktiven Antagonisten, den italienischen Staatsanwalt Fabio Pagano, der sich Leitner an die Fersen heftet, gegenüber. Das Buch hat mich dadurch an Paolo Roversis Kriminalromane “Milano Criminale” und “Schwarze Sonne über Mailand” erinnert.

“Dann hat mir also ein Formular das Leben gerettet”

Es ist aber genau diese literarische Freiheit, die den Roman von den unzähligen Das-wahre-Leben-Büchern unterscheidet. Vieles ist erfunden. „Dennoch folgt dieser Roman Max Leitners Spuren, und viele der unglaublichsten Episoden haben sich tatsächlich zugetragen“, schreibt die Autorin im Nachwort. Gemeint sind damit etwa die unvorstellbaren Szenen in der Hecke und der Hundehütte, die über die Lektüre hinaus nachwirken.

Tatsächlich sind es vor allem die im Buch geschilderten schier unglaublichen Katz-und-Maus-Situationen zwischen Leitner und der ihn verfolgenden Polizei, die zeigen, über welch unbändigen Willen dieser widerspenstige Geist in aussichtslosester Lage verfügte. Es ist eine der großen Stärken der Autorin, dass man sich während der Lektüre oft fragt, was denn nun vom Erzählten wirklich geschehen ist – und was nicht.

Ganz nebenbei gewährt Skorpil einen Einblick in das österreichische und italienische Justiz- sowie Gefängniswesen. Bei seiner ersten Verhaftung in Österreich wird Max von der Polizei angeschossen. Als er sich wundert, warum er noch lebt, erklärt ihm ein Polizist, dass Warn- und Streifschüsse sowie Schüsse, „um den Täter unschädlich zu machen, also Knie, Hand et cetera“, zulässig seien. „Aber wenn einer ex geht bei einer Schießerei, hast du nur Scherereien.“ „Dann hat mir also ein Formular das Leben gerettet“, will Max wissen. „Könnte man so sagen“, antwortet der Polizist todernst.

Porträt eines Unbeugsamen

Das Buch liest sich auch als eine Reise durch die Zeit: Anfang der 1990er-Jahre, als Max erstmals verhaftet wird, haben Computer, Internet und Handys noch nicht bis in die verstaubtesten Schreibstuben der Behörden und komplett in den Alltag Einzug gehalten. Skorpil hat zudem ein gutes Gefühl für die kleinen Momente. Die Insassen des Gefängnisses in Stein etwa findet Max widerlich. „Einer hat Prostituierte stranguliert. Aber nein, der wurde vor zwei Jahren entlassen, weil er so schön Gedichte geschrieben hat.“ Gemeint ist Frauenmörder Jack Unterweger.

Herausgekommen ist ein Buch, das Max Leitner nicht als von der Staatsmacht verfolgten Helden verklärt, wie er sich das wohl selbst wünschen würde. Es wurde vielmehr die außergewöhnliche Geschichte eines Unbeugsamen mit all seinen Licht- und Schattenseiten.

9 von 10 Punkten

Clementine Skorpil: “Max Leitner, Ausbrecherkönig”, Edition Raetia, 312 Seiten.

Der Transparenz zuliebe will ich darauf hinweisen, dass Clementine Skorpil und ich den selben Arbeitgeber haben (ohne allerdings zusammenzuarbeiten). Die Qualität ihrer Bücher spricht aber für sich.

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Frederick Forsyth: Der Fuchs

(c) C. Bertelsmann

Mit einem Schakal hat alles begonnen und mit einem Fuchs könnte alles enden. Als Jugendlicher haben mich Frederick Forsyths multiperspektivische Politthriller “Die Faust Gottes” und “Das schwarze Manifest” nachhaltig beeindruckt – ebenso wie die Verfilmung von Forsyths Debütroman “Der Schakal” (natürlich das Original aus dem Jahr 1973 mit Edward Fox als Schakal). Nun ist also “Der Fuchs” erschienen, angeblich das letzte Buch von des mittlerweile 81-jährigen Autors (seinen Vorgänger-Thriller “Die Todesliste” habe ich hier vor sechs Jahren besprochen).

Ganz anders als bei dem anderen Altmeister des politischen Thrillers, John le Carré (siehe letzter Beitrag “Federball”), sind bei Forsyth die Rollen stets ganz klar verteilt. Die Briten und ihr amerikanischer Verbündeter sind die Guten – Nordkorea, Iran und Russland sind die Bösen.

Worum es diesmal geht? Als ein junger britischer Hacker, der einsiedlerisch im Dachzimmer seines Wohnhauses haust, im Alleingang in die sichersten Computersysteme der USA eindringt, erkennen die westlichen Geheimdienste rasch sein wahres Potenzial. Das unbedarfte Genie wird zur perfekten Waffe umfunktioniert, um die Schurkenstaaten das Fürchten zu lehren. Wie gewohnt beschreibt Forsyth minutiös militärische Kommandoaktionen und die Zusammenarbeit von Geheimdiensten. Seine Sympathie gilt den unsichtbaren, aber stets patriotischen Geheimdienstmitarbeitern und Soldaten.

Forsyth ist kein Zweifler

Sehr fesselnd beschreibt der 81-jährige Autor außenpolitische Hintergründe und Zusammenhänge. Wie hängen Irans und Nordkoreas Bestrebungen zur Erreichung der Atombombe und die Giftattentate auf russische Verräter zusammen? Forsyth hat nichts verlernt, gebannt rast man durch die Seiten. Eines ist aber klar: Zweifelnde Zwischentöne sind nicht so sein Ding.

7 von 10 Punkten

Frederick Forsyth: “Der Fuchs”, übersetzt von Rainer Schmidt, C. Bertelsmann, 320 Seiten.

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John le Carré: Federball

(c) Ullstein

Ich muss zugeben, ich war nie ein großer Fan von John leCarré. Mir waren seine Bücher stets zu trocken, zu langatmig, zu moralisierend. Da habe ich lieber Frederick Forsyth gelesen. Ausgerechnet mit seinem Spätwerk “Federball” hat mich der britische Autor nun aber überzeugt.

Der in die Jahre gekommene Spion Nat befindet sich am Abstellgleis. Das erinnert stark an Mick Herrons “Slow Horses” und irgendwie auch an Tony Scotts Film “Spy Game”. Am liebsten spielt Nat Badminton. „Badminton ist List, Geduld, Tempo, man wartet in Lauerstellung auf seine Gelegenheit zum Angriff“, erklärt der Ich-Erzähler in John le Carrés neuem Spionageroman. Eines Tages lernt er im Sportverein den jungen Ed kennen, der ihn herausfordert – nicht nur sportlich, sondern auch, was seine Sicht der Welt betrifft. Denn Ed ist ein inbrünstiger Brexit- und Trump-Hasser. Genau wie sein literarischer Erfinder le Carré.

Tatsächlich muss es der 88-jährige Autor als eine Art Verrat empfinden, was in Großbritannien gerade geschieht. Anfang der 1960er-Jahre war er selbst als Spion, getarnt als Diplomat, in Deutschland unterwegs – als „Wanderprediger“ für einen EWG-Beitritt der Briten, wie er selbst sagt. Vor den Trümmern seiner eigenen historischen Verdienste stehend, schreibt le Carré nun über den US-Präsidenten, „der gekommen ist, um die schwer erkämpften Beziehungen zu Europa zu verhöhnen und die Premierministerin zu erniedrigen, die ihn eingeladen hat“. Die politische Elite seines Heimatlandes, ausgebildet auf Kaderschmieden wie Eton, verachtet er. Deren Absolventen sind aus seiner Sicht verkommene, egoistische Emporkömmlinge, denen nur die eigene Karriere wichtig ist.

Nichts ist, wie es scheint

Lässt man diese Emotionen beiseite, konstruiert der Autor sehr gekonnt eine wunderbar altmodische Spionagegeschichte mit allen typischen Zutaten: Nichts ist, wie es scheint. Der Feind ist nicht klar auszumachen und sitzt nicht selten im eigenen Land. Den Glauben an einen moralisch höher stehenden Westen hat le Carré schon lange verloren. Das kann man vor allem in seinen letzten Büchern nachlesen. Trump, Putin, Johnson – für den Autor sind sie alle Halunken. Die Guten gibt es nicht. Sein Interesse gilt ohnehin den kleinen Rädchen im Spionagegetriebe, den offenkundigen Verlierern, die ihr Gewissen bewahrt haben – was wohl auch ein Hauptgrund für ihren beruflichen Abstieg ist.

8 von 10 Punkten

John le Carré: “Federball”, übersetzt von Peter Torberg, Ullstein Verlag, 352 Seiten.

 

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Tess Sharpe: River of Violence

(c) dtv

Tess Sharpes Buch “River of Violence” packt einen schon mit dem ersten Satz:

“Ich bin acht, als ich zum ersten Mal erlebe, wie mein Daddy einen Mann umbringt.”

Danach erzählt sie auf 500 Seiten die fesselnde Geschichte von Harley McKenna, die von ihrem Vater gnadenlos gedrillt wird, um einmal sein Drogenimperium zu erben. Doch dieses Mädchen reift zu einer jungen Frau heran, die ganz genau weiß, was sie will. So hat es sich Harley zur Lebensaufgabe gemacht, von Männern geschlagenen Frauen Schutz zu bieten. Sie verfolgt ihre eigenen Ziele, die sie ebenso skrupellos umzusetzen weiß wie ihr Vater.

Der Vergleich zu “Lola”  (das ich im letzten Beitrag besprochen habe) drängt sich natürlich auf. Sowohl Harley als auch Lola sind jung, weiblich und Drogendealerin. Sie stehen auf der anderen Seite des Gesetzes, schrecken vor Mord nicht zurück und sind machtbesessen. Sie handeln unmoralisch und mit Drogen. All dies war in Kriminalromanen bislang Männern vorbehalten.

Bloß ist die Figur der Harley McKenna wesentlich glaubwürdiger als Lola. Ihre unglaublich grausame Kindheit, ihre inneren Kämpfe – das wird spürbar.

8 von 10 Punkten

Tess Sharpe: “River of Violence”, übersetzt von Beate Schäfer, dtv, 512 Seiten.

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Melissa Scrivner Love: Lola

(c) Suhrkamp

Melissa Scrivner Loves “Lola” weist die üblichen Zutaten eines Mainstream-Thrillers auf – rasant, ein wenig oberflächlich und klischeemäßig, ein übertriebener Showdown. Eigentlich wenig verwunderlich, denn die Autorin hat sich bereits als Drehbuchautorin für TV-Serien wie “CSI Miami” und “Person of Interest” einen Namen gemacht.

“Lola” ist definitiv ein Versprechen für die Zukunft. Eine junge Drogendealerin als Heldin, das gibt es nicht oft. Überhaupt sind es hier die Frauen, die die Richtung vorgeben, die Männer sind eher Marionetten (oft, ohne es zu wissen).

Seltsam sauberes Ghetto

Bei allem Wohlwollen kann ich aber über gewisse Schwächen – auch handwerklich – nicht hinwegsehen. So steht Lola in mindestens zwei Szenen am Rande des Geschehens und kann dennoch den Dialogen der in Entfernung stehenden Personen problemlos und perfekt folgen. Das ist unrealistisch. Zu oft gibt es auch Formulierungen wie “sie verliebte sich auf Anhieb in diese Frau” – wann immer Lola Sympathie für irgendjemanden hegt.

“Lola” wirkt bei aller Spannung auch ein wenig gekünstelt. Das Ghetto spürt man hier nicht, zu sauber geht es hier zu. Ja, die kaputte Mutter darf nicht fehlen, aber irgendwie stinkt es hier nicht. Hier ist es nicht wirklich grindig. Zumindest ist das nicht spürbar. Es ist ein wenig so, als schreibe ein weißes Mädchen über eine Latina-Gang. Lola, die kalt kalkulierende Gangster-Queen schreckt auch vor Mord nicht zurück. Das ist auch literarisch zu kalkuliert. Wow, eine Frau, die tötet. Das alleine sollte nicht schockieren.

Die größte Schwäche der jungen Autorin ist es aber wohl, dass sie sich immer wieder bemüßigt fühlt, das Handeln ihrer Figur rechtzufertigen. Es wirkt fast so, als müsse man die Handlungen einer Frau, die Dinge tut, die für Männer normal sind, besonders begründen.

Überzeugend ist es allerdings, wie sie ihre Rolle als Frau nutzt. Sie wird lange nur als die hübsche Frau an der Seite des Drogengangsters gesehen. Diese Schwäche des männlichen Geschlechts nutzt sie eiskalt aus.

Fortsetzung folgt

“Capitana”, die Fortsetzung der Schilderung des Überlebenskampfes einer schlauen Frau in einer Machowelt, wird übrigens im Mai 2020 erscheinen. Ich bin gespannt, ob die Autorin noch zulegen kann.

7 von 10 Punkten

Melissa Scrivner Love: “Lola”, übersetzt von Sven Koch und Andrea Stumpf, Suhrkamp, 391 Seiten.

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Adrian McKinty: The Chain

(c) Knaur

Das ist ein Beitrag, von dem ich nie dachte, dass ich ihn schreiben würde. Adrian McKinty und ein Buch, das man nicht bedingungslos empfehlen kann? Bei “The Chain” ist das der Fall. Dieses Buch sei wie der Schocker „Weißer Hai“, bloß für Eltern, sagt Autorenkollege Don Winslow. Und ja: Tatsächlich ist „The Chain“ ein perfekter Thriller, der von seiner angsteinflößenden Idee lebt. Ein Kind wird entführt. Um dieses gesund zurückzubekommen, müssen die Eltern nicht bloß Lösegeld zahlen, sondern selbst ein Kind entführen. Und das geht dann immer weiter so – das Kettenbriefprinzip als Entführungssytem also.

Mit der Frage „Wie weit würdest du gehen, um dein Kind zu retten?“ hat er Platz sieben der „New York Times“-Bestsellerliste erobert und die Filmrechte für eine siebenstellige Dollarsumme verkauft. Doch der Blick hinter die Erfolgsstory ist spannender als der qualitativ eher durchschnittliche Bestseller selbst.

Schreiberische Sackgasse

Eigentlich war McKinty vor zweieinhalb Jahren als Autor am Ende. Er hatte mit seiner Schriftstellerkarriere abgeschlossen. Obwohl er eine der herausragendsten Krimiserien dieses Jahrzehnts (zuletzt “Cold Water”) rund um den katholischen Polizisten Sean Duffy im turbulenten Nordirland der 1980er-Jahre geschrieben hatte, blieb der finanzielle Erfolg aus. Mehr noch, der von der Kritik stets gelobte Schriftsteller und seine Familie wurden aus ihrem Haus delogiert. Frustriert ließ der heute 51-Jährige das Schreiben sein, verdingte sich als Barmann, Fahrradbote und Uber-Fahrer, um Rechnungen zahlen zu können.

Doch dann erhielt er einen Anruf von Don Winslow, der mit seiner dreiteiligen Kartell-Saga („Tage der Toten“, „Das Kartell“, „Jahre des Jägers“) auch im deutschsprachigen Raum für Furore sorgte. Der Amerikaner sprach ermunternde Worte, die McKintys Schreiberseele gut taten, vorerst aber nichts an seiner prekären Situation änderten – bis eines Tages Winslows Agent Shane Salerno, ein erfolgreicher Hollywood-Drehbuchautor, spätabends anrief. Als McKinty diesem von einer unveröffentlichten Kurzgeschichte mit Serienentführungsplot erzählte, erkannte Salerno das Potenzial für einen globalen Durchbruch. Der Nordire schrieb noch in dieser Nacht die ersten 30 Seiten von „The Chain“ und legte den Grundstein für den weltweiten Erfolg.

Austauschbarer Spannungsroman

Treue Fans des Autors werden sich allerdings fragen, ob hier wirklich der ihnen bekannte Autor in die Tasten griff oder es sich möglicherweise um irgendeine Art von Etikettenschwindel handelt. Letztlich ist es ein Thriller ganz im Sinne Salernos geworden. Für alle, die jemals über den Unterschied zwischen Krimi und Thriller gerätselt haben – hier wird er erkennbar: simpel gestrickt, sprachlich reduziert, auf Spannung getrimmt, inhaltlich entschlackt, von jeglichem literarischen Ballast befreit. Hauptfigur Rachel Klein bleibt blass, die immer wieder eingestreuten Philosophiezitate wirken erzwungen, der Plot begrenzt glaubwürdig. McKintys Markenzeichen, der subtile Humor, der feine Blick für Details und das gekonnte Spiel mit Genre-Konventionen, all das ist wie weggewischt. So unrealistisch war der aus Belfast stammende Autor noch nie, nur selten blitzt sein wahres Talent auf. „The Chain“ ist ein solider, aber austauschbarer Spannungsroman.

Das Buch stammt ganz unverkennbar aus Salernos „Story Factory“. Denn der Agent steht nicht nur hinter Winslows kommerziellem Erfolg, er hat auch dem strauchelnden Krimiautor Steve Hamilton, Erschaffer der charmanten Alex-McKnight-Reihe (z.b. “Ein kalter Tag im Paradies”), einst aus der Patsche geholfen. Der finanzielle Erfolg ging aber auch dabei mit einem an Marktbedürfnisse angepassten Buch (“Das zweite Leben des Nick Mason”) einher.

Ich gönne McKinty seinen Erfolg wirklich. Dass dieser ausgerechnet mit seinem schwächsten Buch kommt, ist nichts Verwerfliches, zeigt aber, wie das ökonomische Getriebe des Bestsellerbetriebs funktioniert. Wenn er dadurch zu seinen Wurzeln zurückkehren und die ursprünglich geplanten weiteren Bände der Sean-Duffy-Serie vollenden kann, ist mir das alles recht. Und hier das Beste zum Schluss: Der Blick auf die Suhrkamp-Homepage lässt jubeln: “Alter Hund, neue Tricks” ist für Juli 2020 angekündigt!

4 v0n 10 Punkten

Adrian McKinty: “The Chain”, übersetzt von Anke Kreutzer, Eberhard Kreutzer, Knaur Verlag, 352 Seiten.

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Estelle Surbranche: Nimm mich mit ins Paradies

(c) Polar Verlag

Im modernen Kriminalroman nehmen Frauen nicht mehr brav ihre Plätze entweder als Opfer, schrullige Hobbyermittlerin oder Stabilitätsanker an der Seite eines überlasteten Polzisten ein.

Aktuelles Beispiel: In “Nimm mich mit ins Paradies” sind sie einerseits die vom Leben überforderte, keinesfalls geniale, aber dennoch hartnäckig ermittelnde Kommissarin Gabrielle Levasseur und andererseits die brutale Killerin Nathalie, für die man angesichts ihrer Vorgeschichte dennoch Sympathien empfindet.

Estelle Surbranche versteht es, die beiden sehr vielschichtig zu porträtieren, aber auch die Handlung um einen Mann, der Frauen in die Abhängigkeit und den Tod treibt, glaubwürdig voranzutreiben.

7 von 10 Punkten

Estelle Surbranche: “Nimm mich mit ins Paradies”, übersetzt von Cornelia Wend, Polar Verlag, 325 Seiten.

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