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Sorj Chalandon: Rückkehr nach Killybegs

(c) dtv Premium

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Dass es sich bei Sorj Chalandons “Rückkehr nach Killybegs” nur am Rande und im weitesten Sinn um einen Kriminalroman handelt, kann man auch bei der Rezension auf hammett-krimis.de nachlesen. Das macht aber gar nichts, denn entweder ist ein Buch gut oder nicht. Und dieses Buch ist gut. Man muss es in keine Genre-Schachtel stecken.

Eigentlich ist es ja ein wenig skurril, dass ein Franzose einen großen Irland-Roman schreibt, aber hier ist das der Fall. Chalandon erzählt die Geschichte von Tyrone Meehan, mittlerweile über 80 Jahre alt, der in das Cottage seines Vaters zurückgekehrt ist, um die Rache seiner Landsleute zu erwarten. Es ist eine Geschichte des Verrats, die Chalandon so eindringlich erzählt, dass man glaubt, dabei gewesen zu sein. Es ist feinstes Kopfkino. Der Autor überzeugt durch eine klare Sprache und meidet jegliche Effekthascherei.

Auch in “Rückkehr nach Killybegs” wird wie schon bei Adrian McKintys “Der katholische Bulle” auf Bobby Sands und den Hungerstreik des Jahres 1981 eingegangen. Chalandon liefert dabei wirklich dramatische und authentische Bilder, die beim Lesen wehtun. Und ohne hier etwas verraten zu wollen: Meehans Verrat geschieht ausgerechnet nach dessen größter Aufopferung für die Sache Irlands. Chalandon versteht zweifellos viel von Psychologie. Hut ab. Ein Buch, das viele Leser verdient.

7 von 10 Punkten

Sorj Chalandon: “Rückkehr nach Killybegs”, übersetzt von Brigitte Große, 316 Seiten, dtv premium.

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