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Christopher Brookmyre: Die hohe Kunst des Bankraubs

(c) Galiani Berlin

(c) Galiani Berlin

Vor wenigen Tagen habe ich hier erklärt, warum ich “Die hohe Kunst des Bankraubs” lesen werde. Nun habe ich es getan. Und der Schotte Brookmyre startet furios – mit einem dreiseitigen politisch höchst unkorrekten, aber hoch ökonomischen Plädoyer für Blow-Jobs: “Du brauchst ihre Dienste, sie braucht dein Geld und keiner tut so, als ginge es um irgendwas anderes. Kein Branding, kein Leitspruch, keine Kundenkarte.”

Mit diesem Start hat sich Brookmyre die Latte hoch gelegt. Er schreibt wirklich witzig und versucht gleichzeitig die Geschichte voranzutreiben. Und schon bald folgt ein Banküberfall der besonderen Art: Fünf als Clowns verkleidete Bankräuber nehmen Geiseln. Schwangere, Frauen mit Kindern, Asthmatiker oder Menschen mit Herzproblemen werden allerdings freigelassen.

“Hey. Bloß weil ich ein Bankräuber bin, bin ich noch lange nicht der Böse.”

Geht es am Anfang um die Ökonomie des Blow-Jobs, behandelt der Autor später schließlich auch jene des Bankraubs. So erklärt Bankräuber Jarry: “Wenn man eine alte Oma überfällt und ihr die Ersparnisse raubt, die sie zum Leben braucht, ist das nicht das Gleiche, wie wenn man eine riesige Finanzinstinstitution um ein paar Tausend erleichtert, die sie kaum vermisst.”

Mir gefällt Brookmyres Stil. Man merkt, er hat wirklich Spaß beim Schreiben. Allerdings ist es auch schwer, das Niveau auf 380 Seiten zu halten. Manchmal wirkt die Lustigkeit ermüdend und ein wenig erzwungen. Auch die eingeflochtene außergewöhnliche Liebesgeschichte driftet schon mal in Richtung Kitsch ab. Aber immer wenn man glaubt, jetzt wird es schlimm, kratzt der Autor doch noch rechtzeitig die Kurve und überrascht mit Dialogen, Witz und Wendung. Gegen Ende hin werden letztere auch ein wenig inflationär und ich will eigentlich gar nicht so genau hinterfragen, ob das immer Sinn ergibt.

(c) Galiani Berlin

(c) Galiani Berlin

Aber egal. Brookmyre ist ein toller Unterhalter. Ich glaube mir hat heuer noch kein Krimi so viel Spaß bereitet. Nachdem mir der Vorgänger “Wer schlafende Hunde weckt” (2012) nicht so ganz gefallen hat, freue ich mich jetzt schon auf das nächste Buch des Autors.

Ein interessantes Detail für alle, die es interessiert: “Die hohe Kunst des Bankraubs” ist der zweite Teil einer Trilogie um die Glasgower Polizistin Angelique des Xavia. Das stört beim Lesen zwar gar nicht, ein bisschen eigenartig finde ich das trotzdem. Ein wenig verwirrend waren zudem die wenigen Passagen, die auf 9/11 Bezug nehmen, als wäre das erst gestern geschehen. Dazu muss man wissen, dass das Original bereits im Jahr 2002 erschienen ist, wie ich allerding auch erst jetzt gesehen habe.

7 von 10 Punkten

Christopher Brookmyre: “Die hohe Kunst des Bankraubs”, übersetzt von Hannes Meyer, Galiani Berlin, 381 Seiten.

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Die besten Krimi-Cover im August

(c) Galiani Berlin

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Gerade erst habe ich begründet, warum ich “Die hohe Kunst des Bankraubs” lesen werde, da taucht das Buch gleich noch einmal in meinem Blog auf. Für mich haben die Verantwortlichen des Verlags Galiani Berlin sich auch bei der Gestaltung des Covers etwas einfallen lassen. Daher Platz eins im allmonatlichen crimenoir-Cover-Ranking. Da korrespondieren Titel, Bild und Inhalt so richtig. Die Verpackung ist also topp. Ich hoffe, mit dem Inhalt verhält es sich genauso. Mehr dazu schon bald.

(c) Blanvalet

(c) Blanvalet

Auf Platz zwei landet “Der Profi” von Fernando S. Llobera. Auch hier ist den Machern kein 08/15-Cover passiert. Im Buch geht es um Lucca Corsini, Auftragskiller und Problemlöser der Mafia. Er ist der Beste seines Fachs und wird gerufen, wenn es hart auf hart kommt. Auch rein optisch wird hier ein harter Thriller versprochen. Der im deutschsprachigen Raum bislang unbekannte Spanier Fernando S. Llobera erhält zumindest visuelle Starthilfe.

(c) Heyne

(c) Heyne

Über “Feuerteufel” von der schwedischen Autorin mit dem deutschklingenden Namen Ninni Schulman wäre ich ohne die ansprechende Aufmachung wohl nie gestolpert. Ich glaube zwar nicht, dass mich die Geschichte so richtig interessiert, aber das Cover gefällt mir. Es sticht doch einigermaßen aus der Titelbilder-Massenware heraus und erzeugt Neugier. Ergibt im August Platz drei.

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Warum ich “Die hohe Kunst des Bankraubs” lesen werde

(c) Galiani Berlin

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Kürzlich habe ich hier erklärt, warum ich ein Buch nicht lesen will. Nun mache ich es mal anders und erkläre, warum ich “Die hohe Kunst des Bankraubs” von Christopher Brookmyre lesen werde. Das Buch beginnt mit einem dreiseitigen Plädoyer für eine spezielle Dienstleistung: Diese “gehörte zu den letzten Transaktionen überhaupt, bei denen der Kunde noch genau das bekam, wofür er bezahlt hatte, nicht mehr und nicht weniger. Keine Verpackung, kein Marketing, kein aufgesetztes Lächeln, kein Empfangskomitee, kein Prestige-Versprechen; nichts als zuverlässiges, leidenschaftsloses Schwanzlutschen zum vorher vereinbarten Pauschalpreis.”

Wow. Es geht also tatsächlich um die Ökonomie des Blow-Jobs, den Brookmyre auch gleich als “reinen, ehrlichen, klassischen Präglobalisierungskapitalismus” verortet. Gewagte, aber interessante These. “Du brauchst ihre Dienste, sie braucht dein Geld und keiner tut so, als ginge es um irgendwas anderes. Kein Branding, kein Leitspruch, keine Kundenkarte.”

Mein Interesse ist geweckt. Mal schauen, ob der Autor auch auf den nächsten 370 Seiten derart zu unterhalten versteht. Beim Vorgänger “Wer schlafende Hunde weckt” ist das meiner Meinung nach nur leidlich gelungen. Doch Brookmyre hat noch eine Chance verdient. Vor allem: Was weiß der Autor über die Ökonomie des Bankraubs zu berichten?

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Glasgow-Krimis beginnen mit Wetterberichten

In dem Crime-and-Thriller-E-Zine “Shots” spricht der irische Thriller-Autor William Ryan über viele spannende Dinge. Darin sagt er auch, dass er zwar Elmore Leonards goldene Regel, Dialoge nur mit dem Verb “sagte” zu schreiben (um die Dynamik nicht zu stören), akzeptiert. Er selbst findet das aber zu plump. Zumal Leonard-Klone diese Regel auf die Spitze treiben würden (“they follow them a lot more closely than he does”). Jeder solle die ihm zur Verfügung stehenden Mittel ausnutzen.

Dazu zählt Ryan auch die Beschreibung von Wetter. “I come from a country that’s obsessed with weather – well, mainly with rain – so for me not to look up at the sky and say, ‘ah, more rain coming, I see’ would be odd.” Sein Thriller “Die Informantin” beginnt daher wenig überraschend mit dem Satz “Wie Rauch wirbelte Schnee oder Schneeregen oder irgendetwas dazwischen um sie herum und schien bei der Berührung mit Stoff sofort festzufrieren, denn auf ihren Kleidern bildete sich ein weißer Guss”.

Als ich Ryans Aussage las, kamen mir zwei Krimis in Erinnerung, die ich im letzten halben Jahr gelesen habe. Craig Robertsons “Snapshot” und Christopher Brookmyres “Wer schlafende Hunde weckt”. Beide Bücher spielen in Glasgow.

Robertsons Thriller beginnt so: “Es regnete. Natürlich regnete es. Glasgow halt. Für das satte Grün, mit dem in den Reisekatalogen geworben wurde, brauchte es eben ein bisschen Regen.” Und Brookmyre startet folgendermaßen: “Es wirkte überhaupt nicht wie Glasgow. Die Luft war schwül, obwohl am klaren Himmel kein Wölkchen den Mond und die Sterne verdeckte.”

Ich finde das sehr interessant und werde daher auch eine eigene Rubrik einführen, die sich den ersten Seiten von Krimis widmet. Ich bin gespannt, was sich da noch alles entdecken lässt…

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