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“What would Elmore do?”: Elmore Leonard (1925-2013)

(c) Suhrkamp Nova

(c) Suhrkamp Nova

Elmore Leonard, der Meister des Dialogs, ist tot. Das ist für alle Fans von Crime Fiction die traurige Nachricht des Tages. Ich will hier nur kurz ein paar Gedanken niederschreiben. Ich habe den Autor gerade noch rechtzeitig für mich entdeckt. Und zwar mit einer seiner wichtigsten Figuren: dem charismatischen US-Marshal Raylan Givens. Daraus wurde schließlich die Erfolgsserie “Justified” mit einem genial besetzten Timothy Olyphant in der Hauptrolle.

Ich will noch einmal kurz die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte der Figur erzählen, weil sie zeigt, wie wenig sich Leonard um Konventionen scherte. Erstmals trat Raylan Givens 1993 im Leonard-Roman “Pronto” in Erscheinung. Im Nachfolgebuch “Riding the Rap” (1995) tauchte er erneut auf, bis er zur Kurzgeschichte “Fire in the Hole” (2001) wieder in der Versenkung verschwand. Erst durch den Erfolg der auf seinen Charakter basierenden TV-Serie “Justified” sah sich Leonard bemüßigt, Raylan noch einmal literarisch und diesmal in voller Romanlänge (“Raylan”) aufstehen zu lassen.

In meiner Buch-Rezension im Jänner schrieb ich damals: Leonard bricht mit üblichen Regeln. Am Ende von „Fire in the Hole“ wird sein Gegenspieler Boyd angeschossen – und stirbt. In der TV-Serie überlebt er, mit ausdrücklichem Einverständnis von Leonard. Und im nun vorliegenden Roman feiert Boyd einfach die Auferstehung von den Toten. Wenn ihm ein Charakter wichtig erscheint, taucht er in seinen Büchern eben einfach wieder auf.

Raylan Givens selbst beschreibt sich im Buch folgendermaßen:

„Ich bin vom Marshals Service. Wir spazieren durch die Gegend und schnuppern an Blumen, bis man uns irgendwann mal auf Verbrecherjagd schickt.“

In meiner Rezension habe ich darauf Bezug nehmend folgendes geschrieben: Vor allem einen Fehler sollte man als Verbrecher nicht machen: Sich mit Raylan ein Pistolenduell liefern – auch wenn er nie als Erster zur Waffe greift. Dann sieht man die Blumen, an denen der Marshal soeben noch geschnuppert hat, schnell von unten.

Ein Detail, das auch in den Extras der 1. “Justified”-Staffel erwähnt wird, gefällt mir besonders. Ich finde, es würdigt den Ausnahmeautor. Die Drehbuchautoren der TV-Serie “Justified” trugen – für den Fall, dass sei einmal nicht weiter wüssten – während der Dreharbeiten ein Armband mit dem Aufdruck “WWED”: “What would Elmore do?”.

Ich bin sicher: Diese Frage werden sich in nächster Zeit bestimmt viele Krimileser stellen. Elmore, rest in peace.

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KrimiZeit-Bestenliste Mai – Ein Abgleich

(c) Droemer

(c) Droemer

Ein guter Monat beginnt mit der KrimiZeit-Bestenliste. Seit Donnerstag ist das aktuelle Genre-Ranking verfügbar. Dass Sara Gran im Mai mit “Das Ende der Welt” den Sprung an die Spitze geschafft hat, ist nicht wirklich überraschend. Nach dem Einstieg auf Platz 3 im April war das fast schon erwartbar. Zudem lässt sich auf dem Buchrücken nachlesen, dass die KrimiZeit-Jury-Mitglieder Tobias Gohlis und Thomas Wörtche vom Vorgänger “Die Stadt der Toten” begeistert waren. Ein Heimspiel sozusagen. Die Autorin hat übrigens auch den Deutschen Krimipreis 2013 gewonnen. Ich werde hier in Kürze meine Eindrücke niederschreiben. Ich habe gerade Seite 300 absolviert und nähere mich dem Ende. Mehr sei vorerst nicht verraten.

Auf Rang 2 vorgerückt ist der Italiener Giancarlo de Cataldo mit “Der König von Rom”, seiner Vorgeschichte zu “Romanzo Criminale” (zu meiner Kritik). Auf den Plätzen 3 bis 5 tummeln sich dann drei Neueinsteiger, von denen ich Olen Steinhauer hervorheben will. “Die Spinne” ist sein dritter Milo-Weaver-Roman, der damit das Geheimdienst-Genre kräftig belebt. Ich habe den Weaver-Auftakt “Der Tourist” gelesen, der Nachfolger “Last Exit” steht bereits in meinem Regal. Eine gute Wahl würde ich sagen, zumal Steinhauer im deutschsprachigen Raum bislang wohl nur als Geheimtipp gehandelt wird.

Auf Platz 6 folgt schließlich Elmore Leonard mit “Raylan” (zu meiner Kritik). Ehre, wem Ehre gebührt. Leonard ist damit bereits zum dritten Mal vertreten – ebenso wie Joe R. Lansdale mit “Dunkle Gewässer”, der nach seinem April-Sieg auf Rang 8 abgerutscht ist. Meine Kritik zu Lansdales bluttriefender Huckleberry-Finn-Interpretation gibt es hier demnächst zu lesen. Auf Platz 7 dazwischengeschummelt hat sich Neueinsteiger Daniel Suarez mit “Kill Decision”, dessen Cover ich zum besten des Monats April gewählt habe. Von dem Buch werde ich nach meinen Erfahrungen mit den Vorgängern “Daemon” und “Darknet” aber die Finger lassen. Suarez behandelt zwar äußerst brennende und spannende Themen, kann aber meiner Meinung nach einfach nicht erzählen.

Auf Cathi Unsworths “Opfer”, das von Rang 6 auf 9 abgerutscht ist, freue ich mich schon. Gleich nach Ende der Gran-Lektüre rückt Unsworth nach. Ich bin schon auf den Vergleich zu Gran gespannt, werden die beiden doch momentan als die weiblichen Innovatorinnen des Krimi-Genres gepriesen. Und mit Ian Rankins “Mädchengrab” hat es ein wahrer Krimi-Veteran gerade noch ins Ranking geschafft. Es war mein erster Rebus (und Rankins Rebus Nummer 18). Aber so viel steht fest: Es war sicher nicht mein letzter. Ich werde nun vielleicht einfach von vorn beginnen. Auch dazu in Kürze mehr…

Die Liste im Überblick:

  1. Sara Gran: “Das Ende der Welt”
  2. Giancarlo de Cataldo: “Der König von Rom”
  3. Robert Hültner: “Am Ende des Tages”
  4. Olen Steinhauer: “Die Spinne”
  5. Matthias Wittekindt: “Marmormänner”
  6. Elmore Leonard: “Raylan”
  7. Daniel Suarez: “Kill Decision”
  8. Joe R. Lansdale: “Dunkle Gewässer”
  9. Cathi Unsworth: “Opfer”
  10. Ian Rankin: “Mädchengrab”

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KrimiZeit-Bestenliste April – Ein Abgleich

(Tropen)

(Tropen)

Die Krimizeit-Bestenliste für den April ist da! Und mein Tipp aus dem März hat sich als richtig erwiesen: Joe Lansdales Buch “Dunkle Gewässer” hat die Top-Position erobert. Zugegeben: Das war nicht schwer. Eine ausführliche Rezension wird es in Kürze an dieser Stelle geben. Als Vorgeschmack hier nur der erste Satz: “In jenem Sommer hörte Daddy auf, Fische mit dem Telfon oder mit Dynamit zu fangen, stattdessen vergiftete er sie mit grünen Walnüssen.” Kann man schöner in ein Buch starten?

Auch das Buch auf Platz zwei, Elmore Leonards “Raylan” habe ich bereits gelesen. Zur Rezension geht es hier. Nur kurz: “Raylan” zu lesen macht schlicht Spaß. Es mag kein Meisterwerk sein, aber das Buch versteht perfekt zu unterhalten. Auf Platz drei ist Sara Gran mit dem zweiten Buch rund um Detektivin Claire gelandet: “Das Ende der Welt”. Das hab ich ebenso wie den Vorgänger “Die Stadt der Toten” noch nicht gelesen. Meine Neugier steigt aber zunehmend. Ich hoffe, da bleibt Zeit im engen Krimi-Leseplan.

Auf Platz vier rangiert “Der König von Rom” von Giancarlo de Cataldo. Auch dazu gibt es hier bald etwas zu lesen. Das dünne, aber eindringliche Buch bietet die Vorgeschichte zu “Romanzo Criminale”. Zwei weitere Bücher der Liste habe ich fix eingeplant: Ian Rankins “Mädchengrab” – ich werde dann ausgerechnet mit seinem letzten Rebus-Roman erstmals in die erfolgreiche Krimi-Serie eintauchen. Und auch “Milano Criminale” steht schon im Regal. Über Derek Nikitas “Brüche” habe ich ebenfalls nur Gutes gelesen, aber irgendwann quellen die Regale über…

Die Liste im Überblick:

  1. Joe R. Lansdale: “Dunkle Gewässer”
  2. Elmore Leonard: “Raylan”
  3. Sara Gran: “Das Ende der Welt”
  4. Giancarlo de Cataldo: “Der König von Rom”
  5. Derek Nikitas: “Brüche”
  6. Cathi Unsworth: “Opfer”
  7. Ian Rankin: “Mädchengrab”
  8. Madison Smartt Bell: “Die Farbe der Nacht”
  9. Paolo Roversi: “Milano Criminale”
  10. P.D. James: “Der Tod kommt nach Pemberley”

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KrimiZeit-Bestenliste März – Ein Abgleich

(c) Tropen

(c) Tropen

Die Krimi-Zeit-Bestenliste (pdf) ist immer ein ganz guter Indikator, ob man irgendwelche Spannungsbücher abseits des Mainstreams verpasst hat – was ja bei der Erscheinungsflut kein Wunder ist. Sie ist für mich eine wirklich hilfreiche Quelle der Leseinspiration. Da hole ich mir gerne Tipps und finde es toll, wenn ich Bücher entdeckt habe, noch ehe sie auf der allmonatlichen Liste auftauchen.

Erfreut habe ich diesmal vier Übereinstimmungen (nachdem es im Februar mit Rick de Marinis “Götterdämmerung in El Paso” nur eine war) mit meinem eigenen Leseverhalten feststellen können. Noch dazu habe ich alle vier Bücher gelesen bzw. zu lesen begonnen, bevor sie auf der Liste aufgetaucht sind – also von den fünf März-Neueinsteigern habe ich vier gelesen.

Es handelt sich dabei um Joe R. Lansdales “Dunkle Gewässer”, Elmore Leonards “Raylan”, Madison Smartt Bells “Die Farbe der Nacht” und Steve Hamiltons “Der Mann aus dem Safe”. Bis auf Lansdales Buch habe ich die Bücher bei crimenoir bereits rezensiert. Meine Meinungen dazu findet ihr im “Rezensionen”-Sektor.

Zu Lansdales Buch muss ich folgendes sagen: Ich stecke gerade mittendrin (ca. Seite 200) und ich wage einen Tipp. Sollte die Qualität des Buches nicht noch plötzlich nachlassen, so wird “Dunkle Gewässer” im April sicher auf Platz eins der Liste stehen. Dem Vergleich mit Mark Twains “Huckleberry Finn” hält Lansdales Werk bisher mehr als stand.

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Elmore Leonard: Raylan

raylanJeder, der will, kann auf “DiePresse.com” meine umfassende Kritik (“Der Cowboy, der niemals zuerst zieht”) zu Elmore Leonards “Raylan” lesen. Leonard ist eine der größten lebenden Ikonen der US-Kriminalliteratur. Zahlreiche seiner Bücher wurden von Hollywood verfilmt (“Schnappt Shorty”, “Jackie Brown” und “Out of Sight”). So richtig authentisch umgesetzt hat aber der US-TV-Sender FX die charismatische Figur des US-Marshals Raylan – mit der Erfolgsserie “Justified”. In den USA läuft gerade die vierte Staffel. Niemand sollte diesen Marshal zu einem Duell herausfordern. Denn unbeschadet hat das niemand überstanden, auch wenn das Duell immer “fair” abläuft: Denn Raylan zieht niemals zuerst. Hauptdarsteller Timothy Olyphant konnte seine Schießkünste übrigens in der nicht weniger qualitativen TV-Serie “Deadwood” üben.

“Spiegel Online” hat “Justified” als Pulp Fiction in der Provinz bezeichnet. Nicht zu unrecht. Denn schwarzen Humor und schießwütige Gestalten gibt es am laufenden Band. Und es wäre nicht eine Figur von Leonard, wären da nicht diese pointierten Dialoge. Die Drehbuchautoren der TV-Serie trugen – für den Fall, dass sei einmal nicht weiter wüssten – während der Dreharbeiten sogar ein Armband mit dem Aufdruck “WWED”: “What would Elmore do?”.

Was habe ich in meinem oben erwähnten Artikel noch nicht gesagt? Raylan zu lesen macht schlicht Spaß. Es mag kein Meisterwerk sein, aber das Buch versteht perfekt zu unterhalten. Leonard erschafft Charaktere, die man nicht gleich wieder vergessen hat – und Sozialkritik ist auch eine Menge dabei. Seine Kriminellen sind keine Über-Bösen, sondern stinknormale Menschen wie alle anderen auch.

Das Buch lässt sich auch in drei Episoden einteilen: Die Niere als Geschäftsmodell, die eiskalte Kohlenminen-Lady und Poker-Ass Jackie Nevada. Und für alle, die das Buch gelesen haben: Ist euch auch aufgefallen, dass die “Nieren”-Episode in einer Badewanne beginnt und endet – genial, oder?

Fazit: 7 von 10 Punkten

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Krimis, die man 2013 lesen sollte (I)

Der Jänner wartet gleich mit einigen Krimi-Highlights auf. Kein Weg vorbei führt wohl an “Raylan” (erscheint am 21. Jänner) von Krimi-Altmeister Elmore Leonard. Wer es nicht weiß, die Figur von Raylan Givens diente auch als Vorlage zur kultigen TV-Serie “Justified”.

Und der erfolgsverwöhnte Däne Jussi Adler-Olsen legt nach “Das Alphabethaus” mit “Das Washington-Dekret” (24. Jänner) erneut einen Krimi abseits seiner “Sonderdezernat Q”-Serie vor. Das Buch spielt in den USA.

Pete Dexter geht mit “Paperboy” (21. Jänner) ins Rennen. Das Buch ist nicht ganz neu: Es ist bereits 1995 unter dem Titel “schwarz auf weiß” erstmals auf Deutsch erschienen. Wer das Todesstrafen-Drama noch nicht gelesen hat, kann aber wohl bedenkenlos zugreifen.

Für Liebhaber von “Real Crime” sei “Gangster Squad: Knallharte Cops, die Mafia und der Kampf um L.A.” (17. Jänner) zu empfehlen. Das Buch von Paul Lieberman diente auch als Vorlage zum im Jänner im Kino startenden gleichnamigen Film mit Sean Penn und Ryan Gosling in der Hauptrollen.

Mit “Overkill” hat Tom Bale viele Leser überzeugt. Hoffentlich gelingt ihm das mit “Fear – Die Stunde des Jägers” (21. Jänner) ebenfalls.

Und ebenfalls im Jänner sollte endlich das schon längere Zeit angekündigte “Paria” von Geheimtipp Dave Zeltserman erscheinen.

Stellt sich nur die Frage: Wann soll man das alles lesen?

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