Jo Nesbo: Blood on Snow. Der Auftrag

(c) Ullstein

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Der fast schon lyrisch dünne Thriller (187 Seiten) “Blood on Snow. Der Auftrag” war meine erste Lesebegegnung mit dem norwegischen Krimiautor Jo Nesbo, der vor allem für seine zehnbändige Harry-Hole-Reihe bekannt ist. “Blood on Snow” ist ein stilles Buch, das von einem Auftragskiller erzählt, der die Frau seines Bosses töten soll. Ja, das ist kein wirklich neues Thema, aber Nesbo versteht es, dieser tausendmal erzählten Geschichte neue Facetten abzugewinnen.

Außerdem weiß ich die Kürze des Romans angesichts des Trends zu vielseitigen Krimiwälzern echt zu schätzen. Marcus Müntefering sieht das in seiner “Spiegel Online”-Kritik als Verneigung vor den Pulp- und Noir-Autoren früherer Zeiten, “die selten mehr als 200 Seiten brauchten, um ihre Storys zu einem meist finsteren Ende zu bringen”.

Natürlich spielt Nesbo gekonnt mit den Konventionen des Genres. Marcus’ Enthusiasmus kann ich aber nicht hundertprozentig teilen. Für mich ist das Buch sehr solide, aber nicht viel mehr. Es ist eine ideale Lektüre für zwischendurch, die Spaß macht. Aber wirklich umgerissen hat es mich nicht.

Fein allerdings ist die Entwicklung von Ich-Erzähler Olav, der sich mit Verlauf der Geschichte als unzuverlässiger Erzähler entpuppt. Spätestens als er seine Lese- und Rechtschreibschwäche offenbart, wird das klar. Woher er wisse, dass er etwas Falsches lese?

“In der Regel, weil die Buchstaben dann keine Worte bilden, die Sinn machen. Manchmal sehe ich allerdings auch ganz andere Worte und merke es oft erst viel später. Dann ist die Geschichte in meinem Kopf eine ganz andere als die im Buch. Auf die Weise kriege ich dann zwei Geschichten für den Preis von einer.”

Ich werde jetzt hier nichts verraten: Aber das sind aus meiner Sicht die zentralen Sätze des Buches, wie jeder erkennen wird, der es zu Ende liest. Und dieser Thriller ist irgendwie auch ein Märchen, also durchaus als Geschenk für Weihnachten zu empfehlen.

Und ein Detail will ich euch nicht vorenthalten, auf das Marcus Müntefering ebenfalls aufmerksam macht: “Ursprünglich wollte Nesbø den Roman unter dem Pseudonym Tom Johansen veröffentlichen – ein Krimi-Schriftsteller, den er vor längerer Zeit für eine unveröffentlichte Geschichte erfunden hatte. ‘Blood on Snow’ sollte als Fundstück aus den Siebzigern in die Buchläden gebracht werden, als wiederentdeckter Noir-Klassiker. Schade: Die Anwälte seines Verlags verhinderten diese perfekte Pointe.” Leider, da bin ich wieder ganz bei Marcus.

7 von 10 Punkten

Jo Nesbo: “Blood on Snow. Der Auftrag”, übersetzt von Günther Frauenlob, 187 Seiten, Ullstein.

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