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Howard Linskey: Killer Instinct

(c) Knaur

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Gleich zu Beginn will ich mich Marcus Müntefering anschließen, der sich verwundert darüber zeigt, englische Originaltitel von Büchern nicht einzudeutschen, sondern “umzuenglischen”. Bei Howard Linskeys Newcastle-Trilogie rund um Aufstieg und Machterhalt von Gangster Dave Blake wird so aus “The Drop”, “The Damage” und “The Dead” folgendes: “Crime Machine”, “Gangland” und “Killer Instinct”. Das ist ein seltsamer Trend, der sich in letzter Zeit (auch bei Kinofilmen) immer wieder beobachten lässt. In diesem Fall führen die Titel zudem in die Irre. In “Gangland” bekämpfen sich keine Jugendbanden und “Killer Instinct” ist kein harter Knast-Thriller, wie man angesichts des Covers vermuten könnte. Dennoch ist das der Punkt, wo man bei dieser Trilogie auch schon wieder zum Jammern aufhören kann.

Linskey schreibt wie sein schottischer Kollege Malcolm Mackay Kriminalromane unter dem Motto “Verbrecher ist ein Beruf wie jeder andere”. Es geht bei beiden maßgeblich um die Ökonomie des Verbrechens. Zu viel Gewalt und Blut sind nicht gut, das schadet bloß dem Geschäft. Während Mackay aber ein wenig geschwätzig wird und Verbrechen als Profession hochstilisiert, trifft Linskey genau ins Schwarze: “Das Geschäft floriert, die Kohle fließt, und wir haben in den letzten  zwei Jahren keinen mehr umgebracht, was ein gutes Barometer für die Gesundheit unserer Firma ist.”

“Crime Machine” zeichnete den fast widerwilligen Aufstieg Blakes zum obersten Unterweltboss der nordenglischen Stadt, “Gangland” sein Ringen um den Machterhalt nach. Mit “Killer Instinct” findet Howard Linskeys Trilogie nun einen würdigen Abschluss. Für Blake wird es immer enger: Sowohl Polizei als auch die Konkurrenz sitzen ihm im Nacken. “Es gibt für mich nur einen Ausweg aus diesem Leben: in einer Kiefernkiste”, sinniert Blake gleich zu Beginn. Das Buch kreist um die Frage, ob er diesem Schicksal entkommen kann.

Und es gibt viele starke Momente darin: Etwa, als Blake Ermittlungsarbeit für die Polizei übernehmen muss, um seine eigene Unschuld beim Tod der minderjährigen Tochter eines Polizisten zu beweisen. Faszinierend auch, wie eiskalt Blake auf Erpressungsversuche und die Bedrohung durch einen mächtigen Oligarchen reagiert. Die Suche nach seinem Vater, den Blake nie kennengelernt hat, rundet die facettenreiche Geschichte perfekt ab. Das alles glaubwürdig unter einen Hut zu bringen, da muss man Respekt zollen.

Was ich mit Marcus Müntefering begonnen habe, will ich auch mit ihm beenden. Sein Fazit auf “Spiegel Online”: “Der Karrierekriminelle, der uns (und sich) glauben machen will, dass er irgendwie zufällig zu dem wurde, was er ist: Gerade diese moralische Ambivalenz seines Ich-Erzählers macht Linskeys Newcastle-Trilogie zu einem der aufregenderen Werke der neueren britischen Krimiproduktion.”

8 von 10 Punkten

Howard Linskey: “Killer Instinct”, übersetzt von Karl-Heinz Ebnet, 384 Seiten, Knaur.

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Krimis, die man 2015 lesen sollte (VIII)

(c) Suhrkamp

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Der deutsche Krimiautor Friedrich Ani hat eine neue Figur erschaffen: Ermittler Jakob Franck. Verdammt, und ich habe es immer noch nicht geschafft, einen seiner Tabor-Süden-Krimis zu lesen. Darum wird der September definitiv Ani-Zeit. Daran führt kein Weg vorbei! Im Idealfall schaffe ich neben “Der namenlose Tag” (seit 8. August erhältlich) dann auch endlich meinen ersten Süden-Roman…

Der Verlag: Mit diesem Roman startet eine Reihe um Ex-Kommissar Jakob Franck. Friedrich Ani und seine Kunst der Konstruktion gewöhnlich-außergewöhnlicher Kriminalistikrätsel; Friedrich Ani und seine Sprache, die vom Tod auf das Leben melancholisch gelöste Perspektiven wirft – Friedrich Ani und seine Kunst erreichen in seinem neuen Roman unvorhersehbare Dimensionen.

(c) Knaur

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Howard Linskey konnte mich bereits mit “Crime Machine” und “Gangland” überzeugen. “Killer Instinct” (seit 3. August im Handel) ist nun der Abschluss seiner Newcastle-Trilogie. Ein weiterer Pflichtermin.

David Blake leitet die Geschicke des organisierten Verbrechens im nordenglischen Newcastle, und er weiß genau, dass er diesen Job nicht kündigen kann. Denn aufhören kann man nur als Toter. Und langsam wird es eng für David. Die Polizei sitzt ihm im Nacken, russische und serbische Syndikate, die vor keiner Brutalität zurückschrecken, machen ihm sein Territorium streitig. Es geht ums Ganze – und vor allem ums Überleben …

(c) btb

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Der Österreicher Bernhard Aichner hat 2014 mit “Totenfrau” einen wirklich starken Thriller vorgelegt, der sich offenbar auch prima verkauft hat. Mit der Bestatterin Brünhilde Blum hat er eine unvergessliche (Anti-)Heldin erschaffen. Nun ist die Fortsetzung “Totenhaus” (17. August) erschienen, ein dritter und letzter Teil soll dann voraussichtlich 2017 erscheinen. Auch hier führt kein Weg vorbei.

Bei einer Exhumierung auf einem Innsbrucker Friedhof werden in einem Sarg zwei Köpfe und vier Beine gefunden. Schnell wird klar, dass es sich um ein Verbrechen handeln muss, dass hier die Leichenteile eines vor einem Jahr spurlos verschwundenen Schauspielers liegen. Nur eine Person kommt als Täterin in Frage: die Bestatterin, die die Verstorbene damals versorgt und eingebettet hat. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Brünhilde Blum den Schauspieler getötet hat. Doch die ist wie vom Erdboden verschluckt …

(c) Goldmann

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Ich gebe es zu, ich habe ein Problem mit Krimis aus Skandinavien. Nun erscheint aber ein Buch, das so ganz nach meinem Geschmack sein könnte. “Made in Sweden” (17. August) klingt so gar nicht nach Tristesse oder supergrausamen Morden. Besonders brisant: Während sich Co-Autor Thunberg mittels seiner Drehbücher einen Namen machte, waren seine Brüder einst die berüchtigtsten Bankräuber Schwedens. Könnte daher natürlich auch eine allzu unkritische Bankräuber-Saga geworden sein – mal sehen.

Vier junge Männer liegen in einem dunklen Wald vor Stockholm auf der Lauer. Sie sind kurz davor, ein geheimes militärisches Waffenlager zu überfallen. Doch das ist erst der Anfang – Leo und seine beiden Brüder verfolgen zusammen mit einem Freund einen ebenso verrückten wie genialen Plan: Sie stehlen eine ganze Wagenladung Waffen, um damit eine Serie der kaltblütigsten und skrupellosesten Raubüberfälle zu begehen, die Schweden je erlebt hat. Doch Kriminalinspektor John Bronks, der auf die Bande angesetzt wird, führt seine Ermittlungen mit einer Besessenheit durch, die jener Leos ebenbürtig ist. Wird er Schwedens gefürchtetste Bankräuber zu fassen kriegen?

(c) Liebeskind

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James Carlos Blake gilt als einer der großen Chronisten des amerikanischen Wilden Westens. Sein Roman “Pistolero” (24. August) ist das Porträt der Wildwestlegende John Wesley Hardin, der übrigens vor ziemlich genau 120 Jahren erschossen wurde. Blake hat die Kritiker bereits mit seinem Western “Das Böse im Blut” überzeugt, bei mir steht dieses Buch leider seit langem ungelesen im Regal. Da ich ein Faible für Revolverhelden habe, stehen die Chancen aber gut, dass ich “Pistolero” nun vorziehe.

John Wesley Hardin war ein mutiger Mann, der seine Waffe auf jene Soldaten richtete, die in den dunklen Tagen nach dem Bürgerkrieg in ganz Texas wüteten. Schon als junger Bursche hat er gegen das Unrecht gekämpft. Und als die verdammte State Police unschuldige Leute tyrannisierte, hat er ihnen da nicht die Hölle heißgemacht? Hat er sie nicht eigenhändig aus Gonzales County vertrieben? Sicher, er hat Männer umgebracht, viele Männer – aber nur Männer, die versucht haben, ihn zu töten! Selbstverteidigung ist das oberste Gesetz des Lebens, das weiß jeder. Und Hardin hat nichts anderes getan, als nach diesem Gesetz zu leben. Wer würde nicht dasselbe tun, wenn er nur den Mut und die Fähigkeiten dazu hätte? So sagten die einen. Die anderen sagten, er sei von Natur aus rebellisch gewesen, ein schwarzes Schaf. Nein, schlimmer – viel schlimmer. Von Grund auf böse. Ein geborener Killer. Eine gewalttätige Seele, beherrscht vom Stolz, der schlimmsten aller Todsünden. Seinen mörderischen Taten noble Absichten zu unterstellen hieße, Teufelshörnern einen Heiligenschein aufzusetzen …

kalterschussinsherzVielversprechendes kommt auch aus dem Pendragon-Verlag. “Kalter Schuss ins Herz” (Ende August) von Wallace Stroby passt eigentlich perfekt in mein Krimi-Beuteschema. Das klingt doch mal nach einer echt außergewöhnlichen Frau.

Crissa Stone ist jung, attraktiv und ein knallharter Profi. Ihr Geld macht sie mit Raubzügen. Crissa bekommt einen Job angeboten, bei dem sie mit zwei Komplizen eine Pokerrunde überfallen soll. Eine leichte Nummer, wenig Aufwand, sehr viel Geld. Der Auftrag läuft aus dem Ruder: Plötzlich fällt ein Schuss und einer der Pokerspieler wird getötet. Als sich herausstellt, dass der Tote der Schwiegersohn eines Gangster­bosses ist, wird die Lage für Crissa gefährlich. Der Boss engagiert Eddie den Heiligen, einen skrupellosen Verbrecher und eiskalten Killer, um den Ermordeten zu rächen. Crissa taucht unter, aber Eddie hat sie in der Hand. Er weiß, für wen Crissa ihr Leben riskieren würde. Sie weiß, es gibt nur eine Lösung …

(c) Limes

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Soeben bin ich in die geniale TV-Serie “The Knick” (mit Clive Owen in der Hauptrolle) reingekippt. Da klingt “Runa” (24. August) perfekt, um das Thema Medizin rund um 1900 abzurunden. Zudem lerne ich historische Krimis immer mehr zu schätzen.

Paris 1884. In der neurologischen Abteilung der Salpêtrière-Klinik führt Dr. Charcot Experimente mit hysterischen Patientinnen durch. Seine Hypnosevorführungen locken Besucher aus ganz Europa an; wie ein Magier lässt der Nervenarzt die Frauen vor seinem Publikum tanzen. Dann aber wird Runa in die Anstalt eingeliefert, ein kleines Mädchen, das all seinen Behandlungsmethoden trotzt. Jori Hell, ein Schweizer Medizinstudent, wittert seine Chance, an den ersehnten Doktortitel zu gelangen, und schlägt das bis dahin Undenkbare vor. Als erster Mediziner will er den Wahnsinn aus dem Gehirn einer Patientin fortschneiden. Was er nicht ahnt: Runa hat mysteriöse Botschaften in der ganzen Stadt hinterlassen, auf die auch andere längst aufmerksam geworden sind. Und sie kennt Joris dunkelstes Geheimnis …

(c) Szolnay

(c) Deuticke

Abschließend muss ich mich für den Umfang dieser Empfehlungen entschuldigen, aber mein Geburtsmonat August hat einfach viel zu bieten 😉 Zum Abschluss noch einmal hoffentlich Feines aus meinem Heimatland. Christian Mährs “Alles Fleisch ist Gras” wurde heuer sogar für das Fernsehen verfilmt. Ich habe aber weder das Buch gelesen, noch den Film gesehen. Sein neuer Krimi “Knochen kochen” (24. August) klingt jedenfalls schon vom Titel her schräg.

Matthias Spielberger, Wirt der “Blauen Traube” in Dornbirn, wird von seinem Schulkollegen Erasmus von Seitenstetten kontaktiert: Der aus verarmtem Adel stammende Biologe hat entdeckt, dass einer seiner Ahnen an einer rätselhaften Seuche – dem “Englischen Schweiß” – verstorben war. Nun plant er im Geheimen dessen Exhumierung, um durch die Lösung dieses wissenschaftlichen Rätsels berühmt zu werden. Mithilfe der Stammtischrunde aus der “Blauen Traube” wird im Wienerwald das Ahnengrab geöffnet. Doch das Gerippe hat mittlerweile mehrere Interessenten auf den Plan gerufen, und die Sache beginnt gründlich aus dem Ruder zu laufen …

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Howard Linskey: Gangland

(c) Knaur

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Mit seinem starken Krimidebüt “Crime Machine” hat Howard Linskey die Latte sehr hoch gelegt. Ich wählte das Buch daher auf Platz drei meiner Lieblingskrimis des Jahres 2012. In seinem Debüt wandelte sich David Blake vom Berater und Saubermann in der Truppe rund um den Newcastler Gangster Bobby Mahoney zum obersten Verbrecherboss. Das las sich mitunter brutal, gleichzeitig überzeugte Linskey durch starke Dialoge und trockenen Humor.

Nun liegt Teil zwei der Gangster-Saga rund um David Blake vor: “Gangland”. Übersetzt hat das Buch erneut Conny Lösch – für mich ist das ein Qualitätsmerkmal schlechthin, wie ich hier ohnehin immer wieder betone, da sie bislang fast nur außergewöhnliche Bücher des Krimigenres übersetzt hat. Es mag sein, dass manche, die von “Crime Machine” begeistert waren, dies nun bei “Gangland” nicht mehr sein werden. Das liegt vor allem daran, dass die Originalität des ersten Buches nur schwer ein zweites Mal wiederholt werden kann. Denn nun geht es Blake um die Absicherung seiner Macht – mit allen Mitteln. Das wirkt wenig sympathisch – und ist es ja auch nicht.

Blake geht einem blutigen Gewerbe nach. Und genau als ein solches empfindet er sein verbrecherisches Dasein. Zwischendurch hat man das Gefühl, Blake sei ohnehin nur so etwas wie ein Firmenchef – fast schon ein Guter unter Bösen. Die Ökonomie der Newcastler Unterwelt nimmt einen großen Platz in dem Gangsterkrimi ein:

“Je mehr Geld man verdient, desto schwieriger wird es, da muss man den Behörden über jeden Penny Rechenschaft ablegen. Das Problem ist so alt wie mein Beruf. Ich sage nur: Al Capone. Hätte er seine Steuern gezahlt, hätten sie ihn niemals drangekriegt.”

Blake will kein blutdurstiger Gangster sein, vielmehr spricht er von “Umstrukturierungsmaßnahmen” und weltweiten Operationen. Er “sorgt” sich um seine Angestellten. Er hat es gern zivilisiert – zögert aber gleichzeitig nicht, harte Entscheidungen mit brutalen Konsequenzen zu treffen. Und gerade hier liegt eine der Stärken des Buches. Blake eignet sich nicht wirklich zum Sympathieträger – er widerlegt vielmehr die Mär vom guten Gangster. Umso mehr er seine Taten vor sich selbst als notwendig rechtfertigt, umso mehr wird er zu jenem kaltherzigen Gangster, der er nie sein wollte.

Zugegeben, “Gangland” ist nicht so gut wie “Crime Machine”. Zu oft springt Blake dem Tod in allerletzter Sekunde von der Schaufel und auch über Linskeys Frauenbild ließe sich streiten. Das ändert aber nichts daran, das mich auch Teil zwei in den Bann gezogen hat und ich gespannt auf Teil drei (im Original: “The Dead” – ob uns der Titel etwas verraten soll?) warte.

7 von 10 Punkten

Howard Linskey: “Gangland”, übersetzt von Conny Lösch, 412 Seiten, Knaur.

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Krimis, die man 2014 lesen sollte (VII)

(c) Knaur

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Wer das Krimi-Debüt “Crime Machine” von Howard Linskey gelesen hat, wird wohl nicht darum herumkommen, auch den zweiten Band der Serie rund um den Verbrecher David Blake zu lesen. “Gangland” (seit 1. Juli im Handel) setzt dort fort, wo Band eins aufgehört hat. Blake ist nun zum Verbrecherkönig von Newcastle aufgestiegen und muss sein Imperium verteidigen. Zusätzliches Plus: “Gangland” ist von Conny Lösch übersetzt – da kann normalerweise nichts schiefgehen.

(c) Pulp Master

(c) Pulp Master

Gute Nachrichten vom kleinen, aber umso feineren Verlag Pulp Master: Endlich liegt ein neuer Pulp-Krimi vor. “Der Krake auf meinem Kopf” (seit 7. Juli erhältlich) von Jim Nisbet verspricht eine Noir-Perle zu sein, die uns laut Verlagstext in “ein von Profitgier verwüstetes Kalifornien der Neunziger” entführt, “in dem sich die Ideale eines gesellschaftlichen Aufbruchs längst in Agonie befinden und wo eine emotionale Wüste entstanden ist, unbewohnbar wie der Mond.” Ich bin schon sehr gespannt. Dieses Buch ist Pflicht.

(c) Haffmans Tolkemitt

(c) Haffmans Tolkemitt

Flore Vasseurs “Kriminelle Bande” (seit 9. Juli im Regal) könnte ebenfalls ein Highlight sein. Die Französin, selbst Absolventin der Elite-Uni HEC, schreibt über Absolventen dieser Pariser Talenteschmiede, die in Politik, Wirtschaft und Journalismus landen. Es geht um Geld, Macht, Politik und plötzlich um das eigene Leben, wie im Verlagstext steht. Angeblich schreibt Vasseur “erschreckend nah an der Realität”.

(c) Tropen

(c) Tropen

Eine interessante Alternative könnte auch Johanna Sinisalos “Finnisches Feuer” (seit 19. Juli erhältlich) sein. Der Verlagstext: “Die beiden Schwestern Vera und Mira wollen sich nicht weiter einem Frauen verachtenden Regime im Finnland der nahen Zukunft unterordnen. Vera kommt über einen Geliebten in Kontakt mit einer Untergrundgruppe, die heimlich Chili anbaut. Die Schoten sind nicht nur eine Droge: Mit ihrer Hilfe kann man in den Kopf anderer Menschen schlüpfen.” Das klingt doch mal schräg und könnte gleichzeitig eine gute Portion Spannungslektüre bieten.

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Fünf Krimis, auf die ich 2014 am meisten gespannt bin

Ich kann es nicht verhehlen: Ich mag Listen! Darum will ich hier auch kurz jene fünf heuer erscheinenden Krimis vorstellen, auf die ich aus heutiger Sicht mordsmäßig (ich weiß, das ist platt!) gespannt bin.

(c) Rowohlt Polaris

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Lauren Beukes: “Shining Girl” (seit 1. Februar)

Harper Curtis lebt in Chicago zur Zeit der Großen Depression auf der Straße. Er ist kaltblütig, hochgefährlich, von Wahnvorstellungen getrieben. Er will das Licht der «Shining Girls», gemeint sind hübsche Tänzerinnen, für immer auslöschen. Da findet er einen Schlüssel zu einem Portal und reist von nun an durch die Zeit, um zu töten. Er hinterlässt am Tatort Dinge, die noch nicht oder nicht mehr existieren. Als eines seiner Opfer überlebt, beginnt es, den Killer durch die Zeit zu jagen. Das kann Schrott sein – oder genial.

(c) dtv premium

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Lyndsay Faye: “Der Teufel von New York” (1. März)

Und noch eine Zeitreise: Diesmal in das New York des Jahres 1845. Die gerade gegründete Polizei der Stadt ist ein zusammengewürfelter Haufen von Schlägertypen und seltsamen Vögeln. Eines Tages läuft dem Polizisten Timothy Wilde ein völlig verstörtes kleines Mädchen in die Arme – bekleidet mit einem blutdurchtränkten Nachthemd. Kurz darauf findet Timothy auf einem entlegenen Gelände neunzehn Kinderleichen… Der Krimi von Lyndsay Faye dürfte auch politische Hintergründe beleuchten, was diesem Krimi einen besonderen Reiz verleiht.

(c) Heyne Hardcore

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Adam Sternbergh: “Spademan” (3. März)

Ein Krimi mit futuristischen und apokalyptischen Zügen. Eine zweite große Terrorwelle am Times Square hat New York City lahm gelegt, heißt es im Verlagstext. Und weiter: “Die Stadt ist verlassen, nur einige Reiche verharren in ihren Hochhauslofts und leben in einer Art digitaler Fantasiewelt, wo sie von schönen heilen Welten träumen. Doch inmitten der ausgebombten Stadt gibt es einzelne Menschen, die geblieben sind. Einer davon ist der Spademan, ein ehemaliger Müllmann, der sich jetzt als eiskalter Auftragskiller über Wasser hält.” Hier gilt dasselbe wie für Beukes. Das kann Müll (und wieder konnte ich nicht widerstehen ;-)) sein – oder genial.

(c) Fischer Taschenbuch

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Malcolm MacKay: “Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter” (27. März)

Schotte Nummer eins. “Die bedeutendste neue Stimme in der schottischen Spannung! Authentisch, stilsicher, ein moderner Raymond Chandler”, schreibt der Scotsman. Der Untertitel im Original sagt jedenfalls schon viel aus. “It’s hard to kill a man well”. Der Verlag schreibt dazu: “Es ist schwer, einen Mann gut zu töten. Leute, die es machen, wissen das. Leute, die es schlecht machen, finden es heraus. Auf die harte Tour. Und die harte Tour hat Folgen.” Kann da überhaupt noch etwas schiefgehen?

(c) Knaur

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Howard Linskey: “Gangland” (1. Juli)

Schotte Nummer zwei. Linskey ist einer der Gründe, warum ich schottische Krimis momentan so liebe. Sein Vorgänger “Crime Machine” war für mich 2012 unter den Top-3-Krimis. “Mit ‘Crime Machine’ liefert Autor Howard Linskey einen harten Thriller erster Güte, der sich souverän innerhalb der Grenzen des Genres bewegt”, habe ich damals geschrieben. “Linskey schafft es scheinbar mühelos, einen harten Gangsterroman zu schreiben, der mit Dramatik, Witz und Gewalt nicht geizt und gleichzeitig in der Lage ist, über sich selbst zu reflektieren”, urteilte krimicouch.de. In “Gangland” kehrt nun der Newcastler Gangster David Blake zurück.

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Ian Rankin: Mädchengrab

(c) Manhattan

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17 John-Rebus-Romane hat der Schotte Ian Rankin geschrieben und sich damit Kultstatus erarbeitet. Der Autor musste seine Figur aber erst nach fünfjähriger Pause wiederauferstehen lassen und den 18. Band seiner Reihe schreiben, ehe ich es nun geschafft habe, mit “Mädchengrab” meine Rankin-Rebus-Premiere zu feiern. Und ich muss zugeben: Ich bin begeistert. Das Buch mag sich zwar nicht genial auflösen, aber ich habe selten ein derart atmosphärisch dichtes Werk gelesen, das auch mit gekonnter Charakterzeichnung auftrumpft. Rankin ist weit weg von der schwedischen Krimi-Tristesse, mit der ich persönlich meine Probleme habe. Da schwingt auch immer wieder feiner Humor einer Art durch, wie ihn wohl wirklich nur Briten haben.

Ein kurzer Exkurs: Besonders hervorheben will ich hier auch die Übersetzerin Conny Lösch, die bereits einige Werke von Don Winslow, aber auch “Crime Machine” von Howard Linskey übersetzt hat. Ich würde sogar sagen: Ein Buch, das Lösch übersetzt hat, kann man eigentlich blind kaufen. Ich habe noch keines gelesen, das nicht gut war. Ich werde daher demnächst hier auch mal einen Beitrag über die Bedeutung von Übersetzern am Beispiel Lösch schreiben.

Nun aber zurück zu Rankin und Rebus. Das Buch ist dem 2011 verstorbenen Folk-Sänger Jackie Leven, einem guten Freund Rankins, gewidmet. Das spiegelt sich auch im Originaltitel “Standing in Another Man’s Grave”, eine Anspielung an einen Levin-Songtitel, wieder. Wenn Rebus am Beginn des Buches am Rand eines Grabes steht, ist das ein wenig wohl auch eine literarische Verbeugung Rankins vor seinem singenden Freund. Übrigens wird sich auch der Titel von Rebus-Roman Nummer 19 – der im November 2013 auf Englisch erscheint – auf einen Song von Levin beziehen: “Saints of the Shadow Bible”.

Zur Handlung: Der ehemalige Detective Inspector John Rebus ist in Rente gegangen. In einer “Cold Case”-Abteilung der Polizei geht er aber ungelösten Fällen nach. So stößt er auch auf den Fall vier verschwundener Mädchen. Im Zuge der Ermittlungen hat Rebus auch mit seiner ehemaligen Kollegin Siobhan Clarke zu tun, die ihm hilft, obwohl sich das für ihre Karriere eher als hinderlich erweist. Ein großer Teil des Charmes des Buches wurzelt in der spannungsgeladenen Beziehung zwischen Rebus und Clarke – Rankin-Fans wissen sicher viel mehr über die Entwicklung und die Geschichte der beiden. Man kann das aber auch ganz gut lesen, ohne die Vorgeschichte zu wissen.

Rankin hat zudem den internen Ermittler Malcolm Fox, der korrupten Polizisten das Handwerk legt, in die Handlung von “Mädchengrab” eingebaut. Nachdem Rankin Rebus in Rente geschickt hatte, erschuf er mit Fox eine neue Figur. Nun führt er diese beiden zusammen. Fox bleibt aber ziemlich farblos, die Sympathien liegen ganz eindeutig bei Rebus.

Rankin hat mit “Mädchengrab” einen packenden Krimi mit viel Lokalkolorit, dichter Atmosphäre und glaubwürdigen Charakteren geschrieben. Das Buch mag zwar nicht sein Meisterwerk sein, aber aus der Krimi-Publikationsflut strahlt es immer noch wie ein Leuchtturm hervor. Für mich steht fest: Das war sicher nicht mein letzter Rankin-Roman und auch nicht mein letzter Rebus-Roman. Da ich Rankin aber noch von anderen Seiten kennenlernen will, habe ich mir “Bis aufs Blut” (geschrieben als Jack Harvey) bestellt. In dem Buch steht ein Killer im Zentrum der Geschichte.

Einziger Kritikpunkt: Das Cover mit dem toten Vogel steht in keinem Zusammenhang mit dem Buch. Ich zitiere dazu aus der Rezension der Krimibuchhandlung Hammett, die es auf den Punkt bringt: “Wieder ein toter kleiner Vogel auf weißem Grund, natürlich noch mit ein paar Blutstropfen drapiert. Warum nur? Warum sind die Covergestalter seit Jahren nur so von diesen Tieren besessen?”

Ian Rankin: “Mädchengrab”, übersetzt von Conny Lösch, Manhattan, 507 Seiten.

8 von 10 Punkten

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