Giancarlo De Cataldo: Der König von Rom

(c) Folio

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Ich habe das Pferd von hinten aufgezäumt: Mittlerweile ist der vierte Krimi von Giancarlo De Cataldo erschienen und ich habe erst jetzt zugegriffen. Was sich als gar nicht so schlecht erwiesen hat, denn “Der König von Rom” ist die Vorgeschichte zu seinem Meisterwerk “Romanzo Criminale”. Auf gerade einmal 159 Seiten – und diese sind durch 28 Kapitel und mehrere weiße Seiten gestreckt – erzählt der Autor die Geschichte von Libanese, der am Beginn seiner kriminellen Karriere steht. Und es hat funktioniert: Die Lust auf mehr ist da. “Romanzo” steht deshalb schon in meinem Bücherregal und ich kokettiere mit dem Gedanken, mir die italienische TV-Serie mit gleichnamigem Titel ebenfalls zuzulegen.

Hätte ich De Cataldos Hauptwerk sowie seine zwei Nachfolger bereits gelesen, würde ich “Der König von Rom” aber wohl in einem anderen Licht sehen. Denn dann wäre das dünne Büchlein wohl nicht viel mehr als nettes Beiwerk, das vor allem durch den erklärenden Begleittext (zur Entstehung der Werke) des Autors in Zusammenarbeit mit Tobias Gohlis aufgewertet wird – und das Buch um 15 Seiten verlängert. Mit 19,90 Euro hat das im Folio-Verlag erschienene Buch auch einen durchaus stolzen Preis.

Bereits auf der zweiten Seite bringt De Cataldo die Geschichte auf den Punkt: “Libanese war fünfundzwanzig Jahre alt, er trug einen Kampfnamen, den bislang nur wenige, zu wenige, kannten, und er hatte eine fixe Idee. Er wollte König von Rom werden.” Spannend ist vor allem die Wahl, vor der Libano steht: Erliegt er tatsächlich der Romantik des Gangstertums? Oder wird er den Ausweg wählen und sich für ein bürgerliches Leben an der Seite von Giada, an die er sein Herz verloren hat, entscheiden?

Zur Hintergrund-Information: De Cataldo war Richter in Rom, ehe er beschloss aus Prozessakten Romane über Aufstieg und Fall der berüchtigten Magliana-Bande zu machen. De Cataldos Stil ist daher dokumentarisch, was seiner Geschichte Authenzität verleiht. Er erzählt trocken und verweigert effektheischende Action. “Noch am selben Abend entführten Libanese, Scrocchia, Dandi und Bufalo den Commendatore”, heißt es da einmal – viel minimalistischer geht es kaum. Das erinnert phasenweise an James Sallis (“Driver”, “Driver 2”). Manchmal wird man das Gefühl nicht los, in trockenen Akten zu lesen – Leben einhauchen muss diesen Szenen erst der Leser selbst. Das macht aber auch den Reiz derartig reduzierter Prosa aus.

De Cataldo hat insgesamt vier Kriminalromane geschrieben, die ins Deutsche übersetzt wurden:

  • “Romanzo Criminale” (2010), 575 Seiten: Zeitraum 1977-1992
  • “Schmutzige Hände” (2011), 376 Seiten: 1992-1994
  • “Zeit der Wut” (2012), 248 Seiten: nach 9/11
  • “Der König von Rom” (2013), 174 Seiten: 1976-1977

Mein Urteil: Gut, aber nicht überragend, daher 6 von 10 Punkten

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