Der patriotische US-Thriller-Autor: Tom Clancy ist tot (1947-2013)

(c) Heyne

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Tom Clancy, Meister des Polit- und Techno-Thrillers, ist tot. Seinen ersten großen Erfolg feierte er 1984 mit dem U-Boot-Thriller “Jagd auf Roter Oktober”, der auch mit Sean Connery verfilmt wurde. “Die Stunde der Patrioten” (1987) und “Schattenkrieg” (1989) wurden ebenfalls verfilmt. Ich muss zugeben, dass ich kein besonders großer Clancy-Fan war. Ich habe bereits vor Jahren die Rache-Geschichte “Gnadenlos” und “Schattenkrieg” gelesen. Sein hyper-patriotischer Zug hat mich aber genervt. “Clancy bildete Amerika ab, wie es Amerika und seine Fans mögen, als starke Nation voller Helden wie aus Hollywood-Filmen”, schreibt dazu auch heute “Die Presse”. Zu seinem vorletzten auf Deutsch erschienenen Buch “Gegen alle Feinde” schrieb die Zeitung übrigens 2012 unter dem Titel “Der alte Krieger wird nicht müde”: “Subtilität ist nicht sein Ding. (…) Clancy steht für die USA der Reagans und der Bushs: Es geht um den Kampf für Werte, völlig freie Marktwirtschaft, Familie und christlichen Glauben. Mit Obama, EU und staatlichen Gesundheitssystemen kann er nichts anfangen. Aber Räuberplots kann er sich ausdenken.”

Ich will aber trotzdem hier kurz sein Werk würdigen. Ich habe dazu Hans-Peter Schwarzs Buch “Phantastische Wirklichkeit. Das 20. Jahrhundert im Spiegel des Polit-Thrillers” (DVA Verlag) aus meinem Regal herausgesucht. Schwarz schreibt darin über Eric Ambler, Robert Ludlum (mit dem ich übrigens ebenfalls so meine Probleme habe), Frederick Forsyth, John le Carre, Graham Greene, Ian Fleming und eben Tom Clancy. “Ganz offenkundig steht kein anderer amerikanischer Thriller-Autor dem Pentagon so nahe wie Tom Clancy”, schreibt Schwarz in dem 2006 erschienenen Buch. “Sein Ehrgeiz ist darauf gerichtet, die Totalität moderner Sicherheitspolitik virtuell abzubilden, und dies aus sehr konservativem, patriotischem und unverhohlen militaristischem Blickwinkel.”

(c) DVA

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Clancy betrachtete das imperiale Amerika demnach als eine “ur-demokratische Gesellschaft”. Nachzuvollziehen ist das auch an seiner bekannten Figur Jack Ryan, die es in seinen Büchern vom einfachen CIA-Mitarbeiter bis ins US-Präsidentenamt schafft. Natürlich ist Ryan zudem ein “exzellenter Familienvater”. Schwarz will aber auch erkennen, dass Clancy dem amerikanischen Feminismus demutsvoll huldigt: “Sehr breit und wohlüberlegt werden die Schicksale der Ehegattin Jack Ryans mit seinem Aufstieg verwoben.”

Am Patriotismus gab es jedenfalls niemals Zweifel, wie Schwarz schreibt: “Dank überlegener Waffen, dank ausgezeichneter Berufssoldaten und dank unsentimentaler Anti-Terror-Einheiten, doch ebenso kraft seines demokratischen Glaubens und seines Patriotismus, bleibt Amerika immer siegreich.” Schwarz zufolge trägt Clancys Thriller “Befehl von oben” auch folgende Widmung: “Für Ronald Wilson Reagan, vierzigster Präsident der Vereinigten Staaten: der Mann, der den Krieg gewann.”

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