Matteo Strukul: Mila

(c) Suhrkamp

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Da ist sie also, die erste größere Krimi-Enttäuschung des Jahres. Hauptfigur Mila könnte die schwertschwingende Michonne aus “The Walking Dead” sein. Macht mir diese in der TV-Serie sowie in der Comic-Vorlage Spaß, so hielt sich dieser bei Mila schwer in Grenzen.

Dass ausgerechnet Kultautor Joe R. Lansdale den italienischen Autor als “eine der wichtigsten neuen Stimmen der italienischen Kriminalliteratur” preist, passt allerdings gut. Denn auch Lansdale hat ein Faible für blutige und trashige Szenen, wie das Beispiel “Dunkle Gewässer” zeigt. Ich merke, dass ich dafür aber schön langsam zu alt werde. Ich habe zunehmend Probleme mit herumrollenden Köpfen und abgetrennten Gliedmaßen. Vor allem dann, wenn die Handlung keine Wendungen bringt und vorhersehbar ist. Das ist dann einfach nur öde bzw. sogar ärgerlich.

Ja, diese Mila mag überhöht sein. Aber sie ist mir leider auch vollkommen egal. Ihr Schicksal, das natürlich tragisch ist, berührt mich nicht. Sie ist nicht lebensecht. Zugegeben, das soll sie auch nicht sein. Aber sie ist für mich auch keine starke Frauenfigur, die es den bösen Männern, die es zweifellos verdient haben, so richtig zeigt – dazu mordet sie einfach zu stupid vor sich hin. Und so cool. Wie sie durch die Luft fliegt. Gähn. Vermutlich wird sie demnächst von Scarlett Johansson gespielt, mit roten Dreadlocks. Ich sehe diese ästhetische Gewaltorgie in Zeitlupe schon vor mir.

Da lese ich doch viel lieber Liza Cody (“Miss Terry”), die weiß, wie man echte Menschen und wirklich starke Frauen porträtiert. Selten hat mich eine Rache-Geschichte so gelangweilt – und das bei gerade einmal 200 Seiten. Dieser “schöne wie gnadenlose Racheengel” kann mir erspart bleiben.

3 von 10 Punkten

Matteo Strukul: “Mila”, übersetzt von Ingrid Ickler, 206 Seiten, Suhrkamp.

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9 Comments

Filed under Rezensionen

9 responses to “Matteo Strukul: Mila

  1. Ich hatte es geahnt und fühle mich in meiner bösen Vorahnung von Dir bestätigt. Danke – gut, dass ich den Titel zuletzt auf dem Tisch der Buchhandlung habe liegen lassen.

    • Naja, es werden sicher viele anders sehen. Aber aus den erwähnten Gründen konnte ich damit einfach nichts anfangen.

      • Wie Nicole schon schrieb: Das sehen ja bereits viele ähnlich. Und nach so vielen Jahren kann ich mich auf meinen Riecher meist ziemlich gut verlassen. – Oder halt auf Blogger, die doch einen stark ähnlichen Geschmack haben. 😉

        Ist Hamilton bereits lieferbar? Muss ich gleich mal nachschauen gehen …

      • Hamilton hab ich schon in Buchhandlung gesehen.

      • Hab ihn gleich mal in den Einkaufswagen gemacht. Danke nochmal. Durch die Verschiebung des ursprünglichen Termins wäre mir der sonst fast durch die Lappen gegangen. 😉

  2. Ich hatte ja nur reingelesen – und das Buch direkt mal nicht gekauft. War wohl eine echt gute Entscheidung, denn bis jetzt habe ich nur Negativmeinungen gelesen.

  3. Da habe ich wohl nichts versäumt. Ich hatte das Buch zwar auf dem Radar, allerdings konnte mich schon die Leseprobe nicht überzeugen. Und wie ich sehe, scheint das Bauchgefühl mich nicht betrügt zu haben. 🙂 Irgendwie scheine ich mit jeden Jahr anspruchsvoller zu werden.

    Miss Terry wartet auch noch hier. Und Hamilton sowieso.

  4. Pingback: Matteo Strukul - Mila

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