Robert Bloch: Psycho

(c) rororo

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Jeder kennt den Hitchcock-Filmklassiker “Psycho” und hat das Bild von Anthony Perkins als Motelbesitzer Norman Bates vor sich. Aber mal ehrlich: Wer hat das Buch von Robert Bloch gelesen, auf dem der Film basiert? Wohl kaum jemand.

Das Buch ist 1959 erschienen und wurde nur kurz darauf von Hitchcock verfilmt. Die Lektüre über 50 Jahren nach dem erstmaligen Erscheinen war ein interessantes Erlebnis. “Psycho”, das Buch, liest sich zeitlos. Der Bau der Autobahn spielt eine wichtige Rolle: Denn seitdem verirrt sich kaum mehr jemand in Bates Motel. Spannend ist auch, dass sich Norman Bates im Buch als ziemlich konträr zur Filmfigur entpuppt: “Der Lampenschein fiel auf sein rundliches Gesicht, spiegelte sich in seiner randlosen Brille und hob, als er sich wieder über sein Buch beugte, die rosafarbene Kopfhaut unter dem sich lichtenden sandfarbenen Haar hervor.”

Das Buch (nicht einmal 200 Seiten) hat man in einem Rutsch ausgelesen. Es liest sich spannend und psychologisch stimmig – aber gäbe es den Film nicht, man würde es nicht unbedingt in Erinnerung behalten. Erst Hitchcock machte “Psycho” mit seiner Duschszene unvergesslich und haltbar für die Ewigkeit. Dennoch: Ohne das Buch hätte es den Film nie gegeben.

Umso interessanter ist die Nachbemerkung des Autors, in der er den Drehbuchautor Joseph Stefano attackiert. Stefano habe “Psycho” als Originaldrehbuch bezeichnet, “obwohl er lediglich das Werk eines anderen adaptiert hat”. In diesen wenigen Seiten des Nachworts werden die Verletzungen spürbar, die die fehlende Anerkennung dem Autor zugefügt haben. Mit Hitchcock selbst hatte der 1994 verstorbene Bloch aber kein Problem: “Hitchcocks Film hebt zu Recht und mit Bravour das visuelle Element hervor. Mein Medium betonte das Verbale, um sein Ziel zu erreichen: die Leser mit harmlosem Schrecken zu unterhalten.”

Bloch wehrt sich auch vehement dagegen, mit “Psycho” Autoren und Filmemacher dazu inspiriert zu haben, “möglichst brutal und pornographisch über Opfer herzufallen”. Er glaubt nicht, dass sein Buch in irgendeiner Weise dazu beigetragen hat, das Ausmaß an Gewalt zu vergrößern.

Damit hat er meiner Meinung nach auch recht. Genauso wie mit folgendem Satz: “Wenn den Roman irgendetwas auszeichnet, dann die Tatsache, dass ich die Verbrecher – im Unterschied zu den meisten Genreautoren – nicht in verrufenen Vierteln angesiedelt habe, sondern in der unmittelbaren Nachbarschaft der Leser.”

Mein Fazit: “Pyscho” muss man nicht unbedingt gelesen haben. Aber es zeigt eine der bekanntesten Figuren der Filmgeschichte von einer teils bislang unbekannten Seite.

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2 Comments

Filed under Altmeister, Rezensionen

2 responses to “Robert Bloch: Psycho

  1. My Crime Time

    Ja! Hier! Ich! Ich habe das Buch gelesen! Und ich war ebenso begeistert wie du! Hier der Beweis: http://mycrimetimeblog.wordpress.com/2014/02/16/der-unsterbliche-verruckte-psycho-von-robert-bloch/

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