Krimis, die man 2017 lesen sollte (III)

(c) Droemer

“Das zweite Leben des Nick Mason” ist wahrscheinlich der Krimi, auf den ich mich heuer am meisten (naja, da gibt es noch “Rain Dogs” von Adrian McKinty, den ich genußvoll vor mir herschiebe) freue. Zu selten kommt neue Lesekost von Steve Hamilton in die heimischen Regale.

Der Verlag schreibt: In dem packenden Auftakt seiner Serie mit dem “Hitman wider Willen” Nick Mason hat der vielfach ausgezeichnete US-Erfolgsautor Steve Hamilton einen unvergesslichen, höchst originellen Gangster-Thriller geschaffen.

Nick Mason, der Held des Thrillers, war immer ein sauberer Gangster – soweit das in seinem Gewerbe möglich ist. Bis einer seiner Kumpels einen verdeckten Ermittler erschoss. Nick hielt sich an den Ehrenkodex, verriet seinen Komplizen nicht und ging in den Bau. Totschlag, Mindeststrafe: 25 Jahre. Im Gefängnis wird Darius Cole, der Pate von Chicago, auf ihn aufmerksam und macht ihm ein verlockendes Angebot: Nick soll Coles Mann für besondere Aufgaben werden, sein Ausputzer – und dafür wird er ihn raushauen. Und so ist Nick nach fünf Jahren wieder draußen. Eigentlich könnte er jetzt sein Leben in Freiheit genießen. Wenn da nicht dieses Handy wäre, das man ihm bei der Rückkehr nach Chicago überreicht hat. Wann wird es das erste Mal klingeln?

(c) Polar Verlag

Der Polar-Verlag erwacht aus dem Winterschlaf. Sehr gut. Es gibt wieder etwas Neues zu entdecken. “Libreville” von Janis Otsiemi entführt die Leser in das afrikanische Land Ghana. Eigentlich ein Muss.

Ein Jahr vor den Wahlen wird Roger Missang, Journalist der Èchos du sud am Strand von Libreville nahe dem Palast des Präsidenten der Republik mit durchschossener Kehle aufgefunden. Er hat kritisch über die Ermordung von Pacel Kurka, dem Sicherheitschef der gabunischen Verteidigung, berichtet. Wegen seiner kritischen Untersuchungen über die heimlichen wirtschaftlichen Beziehungen in Ghana war er den Mächtigen des Landes ein Dorn im Auge. Er prangerte hemmungslos die Korruption an. Für die Presse ist sein Tod offensichtlich ein politischer Mord. Louis Boukinda und Hervé Envame, zwei Polizisten, die ohne die bei uns übliche DNA-Analyse und Forensik auskommen müssen, werden mit den Ermittlungen beauftragt. Sie sind auf Zeugenaussagen und Informanten angewiesen. Die technische Ausrüstung ihrer Einheit beschränkt sich auf eine Schreibmaschine aus der de-Gaulle-Zeit.

(c) Goldmann

Auch wenn ich “Ein kalter Ort zum Sterben” von Ian Rankin vermutlich nicht schaffen werde, so muss der 21. Band seiner Rebus-Reihe hier erwähnt werden. Schief gehen kann da nichts.

Bei einem romantischen Dinner im Caledonian Hotel erinnert sich Rebus an einen Mord, der fast vierzig Jahre zuvor dort stattgefunden hat: Eine junge lebenslustige Bankiersgattin wollte in dem Luxushotel einen Liebhaber empfangen – am nächsten Morgen wurde sie tot aufgefunden. Die Verdächtigen kamen aus den besten Kreisen, der Täter wurde nie gefasst. Ein Skandal, der Rebus nicht loslässt. Während er sich in den alten Akten vergräbt, gerät das kriminelle Machtgefüge in Edinburgh gefährlich ins Wanken: Darryl Christie, einer der Hauptakteure, wird überfallen und halb totgeschlagen; eine Ermittlung wegen Geldwäsche bringt ihn zusätzlich in Bedrängnis. Es sieht so aus, als würde Ex-Gangsterboss Big “Ger” Cafferty im Hintergrund die Fäden ziehen. Eine Entwicklung, die Rebus gar nicht recht sein kann. Zumal die erste Leiche im tödlichen Revierkampf von Schottlands Unterwelt nicht lange auf sich warten lässt …

(c) Litradukt

Noch ein außergewöhnlicher Krimischauplatz. Gary Victors “Soro” war einer der wichtigsten Krimis des Jahres 2015. Nun liegt mit “Suff und Sühne” ein neuer Band rund um den haitianischen Inspektor Dieuswalwe Azémar vor.

Inspektor Dieuswalwe Azémar hat keine Wahl: Will er nicht aus dem Polizeidienst entlassen werden, muss er sich der Entziehungskur unterziehen, die sein neuer Vorgesetzter ihm verordnet hat. Sie wird zu einem Gang durch die Hölle. Ausgerechnet in diesem geschwächten Zustand wird er in ein Komplott hineingezogen, das sein Leben und das seiner Tochter bedroht. Die Spuren führen zum UN-Militärkontingent in Haiti. Was steckt hinter dem angeblichen Selbstmord eines Generals? Warum wurde der Sohn einer einflussreichen Unternehmerfamilie entführt? Welche Rolle spielt der Bandenchef mit dem seltsamen Namen Raskolnikow bei alldem? Als der Inspektor begreift, wie alles zusammenhängt, ist er ein weiteres Mal auf seine Beretta und seine Reflexe angewiesen.

(c) Ariadne Kriminalliteratur

Sehr vielversprechend klingt “Nach der Schlacht” der vietnamesischen Autorin Le Minh Khue. Das Buch besteht aus zwei Geschichten. Der Argument Verlag mit seiner Ariadne Kriminalliteratur ist ein Garant für ansprechende Spannungslektüre.

Lakonisch, mit kühlem Galgenhumor und durchaus noir: Le Minh Khue verfasst düstere Sittenbilder aus Vergangenheit und Gegenwart Vietnams. Eine durch Eifersucht gespaltene Familie, zwei Brüder kämpfen im Krieg auf gegnerischen Seiten. Folter, Blut und Bomben prägen ihr Leben. Lässt sich diese Kluft je überbrücken? “Stürmische Zeiten” spannt den Bogen vom Kriegsgeschehen bis sechs Jahre danach, als die Untersuchung eines Massenmords das Bild verschiebt.
In “Eine kleine Tragödie” führt Reporterin Thao ein spartanisches Leben, sie bewundert ihre mondäne Cousine, die heiraten will. Plötzlich aber bricht die soziale Fassade auseinander. Denn Krieg und Landreform werfen ihre Schatten bis in die Gegenwart …

(c) Pendragon Verlag

Es ist ein guter Monat für die ambitionierten Kleinverlage. Wie Polar, Litradukt und Argument kämpft auch der Pendragon Verlag darum, Lesern Kriminalliteratur abseits des Mainstreams zu präsentieren. Auch hier gilt es eine neue Stimme zu entdecken. Willi Achtens “Nichts bleibt” spricht mich inhaltlich sehr an.

Franz Mathys ist Kriegsfotograf. Eines seiner Fotos wurde mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet. Doch er hat tiefe Zweifel und Schuldgefühle, denn er profitiert von dem Leid anderer. Mathys spürt, dass sein Leben ihm mehr und mehr entgleitet. Er zieht sich auf einen abgeschiedenen Hof im Wald zurück. Lebt dort mit seinem Vater und seinem Sohn, kommt zur Ruhe und verliebt sich. Doch die Idylle trügt. Eines Nachts schlagen zwei Männer seinen Vater brutal nieder und er muss schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Mathys will die Täter finden. Der immer stärker werdende Wunsch nach Rache und die Suche nach den Männern entfremden ihn von den Menschen, die er liebt. Wird er nun alles verlieren?  In einem zerklüfteten Tal in den Alpen trifft er eine einsame Entscheidung, die sein Leben kosten kann.

(c) Pendragon

Und gleich noch einmal Pendragon. “Geld ist nicht genug”. “Kalter Schuss ins Herz” war schon ein überzeugender Auftakt seiner Serie um die Berufsverbrecherin Crissa Stone. Stroby schreibt in der Tradition von Richard Stark (Parker) und Garry Disher (Wyatt). Aber da ist noch Luft nach oben. Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes gespannt.

Metallteile und Plastik schlittern über den Asphalt. Volltreffer. Crissa Stone hebelt den Geldautomaten mit der Schaufel eines Frontladers aus der Verankerung und balanciert die Beute auf die Ladefläche ihres Pick-ups. Sie liebt saubere Lösungen. Crissa hat das System des Bankraubs perfektioniert, aber ihre Partner verlieren die Nerven. Gangster, die sich gegenseitig umbringen wie unprofessionell. Zum Glück wartet schon ein neuer Job: Ein verstorbener Mafiaboss soll die Millionen eines Raubs jahrelang versteckt haben. Leider ist Crissa nicht die Einzige, die es auf das Geld abgesehen hat. Sie gerät zwischen die Fronten und muss fliehen: Vor dem Gesetz und einer Mafia-Gang aus New York.

(c) Limes Verlag

Zum Schluss geht es in meine Heimatstadt Wien – allerdings zurück in die Zeit kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Die gebürtige Vorarlbergerin Alex Beer hat mit “Der zweite Reiter” den Auftakt zu einer Serie rund um den Ermittler August Emmerich geschrieben. Ich stecke schon mitten in der Lektüre und bin ziemlich begeistert.

Wien, kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs: Der Glanz der ehemaligen Weltmetropole ist Vergangenheit, die Stadt versinkt in Hunger und Elend. Polizeiagent August Emmerich, den ein Granatsplitter zum Invaliden gemacht hat, entdeckt die Leiche eines angeblichen Selbstmörders. Als erfahrener Ermittler traut er der Sache nicht über den Weg. Da er keine Beweise vorlegen kann und sein Vorgesetzter nicht an einen Mord glaubt, stellen er und sein junger Assistent selbst Nachforschungen an. Eine packende Jagd durch ein düsteres, von Nachkriegswehen geplagtes Wien beginnt, und bald schwebt Emmerich selbst in tödlicher Gefahr...

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11 Comments

Filed under Krimis, die man lesen sollte

11 responses to “Krimis, die man 2017 lesen sollte (III)

  1. Drei deiner Vorschläge sind schon bei mir im Regal. Nun schaue ich mir “Der zweite Reiter” nochmal genauer an, wenn du es als Wiener schon emphielst…;-)

  2. Philipp Elph

    Libreville: gelesen und für gut befunden. Meine Empfehlung: unbedingt lesen!

  3. Giesbert

    Steve Hamilton war gewohnt großartig. Freue mich schon auf Teil 2. Schade, dass seine Alex-McKnight-Serie nicht mehr weiter übersetzt wird.

    Ian Rankin ist absolute Pflicht!!

  4. Steve Hamilton fand ich super zu lesen, allerdings finde ich die Verlagsbeschreibung “unvergesslicher, höchst origineller Gangster-Thriller” doch sehr übertrieben. Sooo originell und unvergesslich ist er nun auch nicht. Aber gut. 🙂

    “Der zweite Reiter” und “Nach der Schlacht” hatte ich gar nicht im Visier. Klingen aber sehr interessant.

    “Nichts bleibt” ist meine nächste Lektüre. Da bin ich auch schon sehr gespannt darauf.

    Wie immer: tolle Auswahl.

  5. Wallce Stroby vorgestern abend beendet. Erneut ne dicke Empfehlung! – Bei Steven Hamilton würd ich mich über ne Wiederauflage der Alex-McKnight-Serie freuen. Meine alten DuMont-Kriminalbibliothek-Ausgaben haben doch inzwischen etwas gelitten. – Den Willi wird mein Blog-Kollege Jochen lesen (bei mir wirds noch dauern – hab gerade den zweiten Gene Kerrigan zur Hand genommen) und bei der Beer bin ich sehr auf Deine abschließende Meinung gespannt. War mir in den Vorschauen auch aufgefallen, aber gerade bei Krimis aus dieser Epoche bin ich (u.a. aufgrund Klausner) etwas vorsichtig geworden. Die anderen Titel sind auf dem Merkzettel. Bei Victor hab ich mir den ersten gerade zugelegt. Rankin steht natürlich schon im Regal.

    Wieder mal ne schöne Liste. Die hätte so auch von mir sein können. 🙂

    • Giesbert

      Dass von Alex-McKnight nur die ersten 6 oder 7 übersetzt worden sind, finde ich auch extrem störend!! Ich habe sowohl DuMont als auch seinen neuen Verlag Droemer angemailt. Derzeit überhaupt nichts in Planung. Antwort war: Liest sowieso keiner.
      Können die ja gar nicht wissen, wenn es nicht veröffentlicht wird. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz.

  6. Martina

    Der zweite Reiter hat mir sehr gut gefallen. Vielen Dank für den Tipp!!!

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